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Burg (Definition)

Als "Burg" gelten alle bewohnbaren Wehrbauten, die von einer Person oder Gemeinschaft zu ihrem Schutz als ständiger oder zeitweiliger Wohnsitz errichtet wurden.
Dies traf für den Wohnsitz einer Person oder Familie (Adelsburg, Dynastenburg, Ministerialenburg) ebenso zu wie für einen Beauftragten der Herrschaft (Amtsburg, Vogteiburg, Zollburg).
Die wichtigsten Rechtsbücher des Mittelalters, der Schwabenspiegel (1282) und der Sachsenspiegel (1215) legen fest, ab welchem Grad der Befestigung noch von einem normalen Haus und wann von einer Burg gesprochen werden kann. Die wichtigsten Kennzeichen der Burg sind: Gräben ab einer bestimmten Tiefe, Mauern oder Palisaden ab einer bestimmten Höhe, Häuser mit mehr als drei Geschossen und/oder hoch liegenden Eingängen, sowie Türme, Zinnen, Schießscharten und Wehrgänge. Damit geben die Rechtsspiegel eine zeitgenössische Definition von Burg.
Als Burg kann man den schwach befestigten Landsitz eines Ritters ebenso bezeichnen, wie die mächtige, mit dicken, hohen Mauern und zahlreichen Türmen bewehrte Burg eines bedeutenden Landesherrn. Andere Befestigungsanlagen, wie Schanzen, Wehrfriedhöfe, Wehrkirchen, Wehrspeicher usw., und auch die späteren Festungen erfüllen zwar das Kriterium der Wehrhaftigkeit, bewohnbar waren sie dagegen in der Regel nicht. Aus den vielen in Urkunden und Chroniken gebräuchlichen Bezeichnungen für die Burg lassen sich keine generellen Rückschlüsse auf Art, Funktion und Gestalt der angesprochenen Burgbauten ziehen.
Burgen werden in deutschen Schriftquellen gewöhnlich als burc, slos, burclich buwe, hus bzw. festes hus bezeichnet. In lateinischen Urkunden tauchen vor allem Bezeichnungen wie castrum, castellum, munitio aber auch fortalitium, propugnatium u.ä. auf.

Text: Stefan Grathoff