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Fachwerk

Skelett-Bauweise, bei der die tragenden Rahmenwerkteile der Wände aus Holzbalken gebildet, die Fächer dazwischen mit Lehm oder Ziegelsteinen gefüllt werden. Besonders in Deutschland, Frankreich und England verbreitet. Fachwerkbauten sind seit der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts bezeugt, seine Blüte fand der Fachwerkbau im 16. und einem Teil des 17. Jahrhunderts.

Hauptteile des Fachwerks sind:


1 Andreaskreuz = zwei Hölzer die sich in einer X-Form überschneiden 8 Kopfwinkelholz: Ein balkenstarkes Dreieck, was in der Fachwerkwand eingelassen ist.
2 Büge ist ein veraltetes Wort für Strebe. Die Büge ist meistens mit der Schwelle und mit dem Rähm verzapft. 9 Rähmbalken: Oberer waagerechter Abschlußbalken einer Fachwerkwand.
3 Brüstungsriegel Der Brüstungsriegel ist ein waagerecht verlaufende Riegel unterhalb eines 10. Riegel: Die waagerechte Hölzer in einer Fachwerkwand werden Riegel genannt.
4 Eckpfosten: wird am äußeren Ende einer Fachwerkwand noch eine Wand angeschlossen, 11 Schwelle: Unterer waagerechter Abschlußbalken einer Fachwerkwand.
5 Fußband: Eine kleine Verstrebung, insbesonders zwischen Schwelle und Ständer wird als Fußband 12 Ständer: Senkrechtes Holz in einer Fachwerkwand, eingebunden zwischen Schwelle und Rähm.
6 Gegenstrebe: Eine normale Strebe, nur durch den Kontakt mit einem Ende an einer Strebe, 13 Türriegel: Waagerechtes Holz über einer Tür. Wird auch als Türsturz bezeichnet.
7 Kopfband: Eine kleine Verstrebung, insbesonders zwischen Rähm und Ständer wird als Kopfband

Entwicklung des Fachwerkbaus

Die Vorläufer unserer heutigen Fachwerkbauten waren einfache Hütten und Pfostenbauten. Beim Pfostenbau wurden die senkrechten Holzstützen des Hauses in den Erdboden eingegraben. Starke Dachlasten oder gar belastbare Dachböden konnten diese Pfosten nicht tragen. Die Nachteile des Pfostenbaus mit der schnellen Fäulnisbildung an den im Erdreich eingegrabenen Pfosten führen zur Entwicklung des Ständerbaus. Die Pfosten werden nicht mehr in das Erdreich eingegraben, sondern auf Steine oder andere Unterlagen gesetzt. Das führt dazu, dass die Wände nun stärker gesichert werden müssen, um sie vor dem Umkippen zu bewahren.

An dieser Stelle beginnt die eigentliche Geschichte des Fachwerkbaus. Denn jetzt werden mehrfach gesicherte Konstruktionen nötig. Innerhalb der Wandbereiche werden Hölzer schräg gestellt (Streben) und Riegel eingefügt. Allein mit diesen zwei Konstruktionselementen können die seitlich einwirkenden Kräfte abgefangen und die Wand statisch gesichert werden. Lange Zeit bleibt die Sicherung der Ständer zum Erdboden hin noch ein Problem. Erst im 15. Jahrhundert wird es allgemein üblich, die Ständer auf durchgehende Schwellen zu setzen und diese durch ein Fundament gegen Feuchtigkeit zu schützen. Mit dieser Konstruktion war die Entwicklung des Fachwerks weitgehend abgeschlossen. Änderungen sind nun eher in den gestalterischen und dekorativen Elementen zu finden.

Zwischen 1450 und 1550, als die Gotik von der Renaissance abgelöst wurde, erfolgt noch einmal eine Weiterentwicklung und Ausgestaltung der konstruktiven Möglichkeiten des Fachwerkbaus. Neben seiner technischen Vollendung erlebte das Fachwerk vom 16. bis ins 17. Jahrhundert in der Schnitzkunst der Hausgiebel seine höchste Blüte.

Text: Stefan Grathoff