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Die Familie Henrich Thal in Hamm/Sieg

von Annette Röcher

Manchmal würde man gern mehr über die Hintergründe und Zusammenhänge wissen, aber es gibt für diese Ausarbeitung keine Bücher, in denen man »zurückblättern« kann. Ich würde mich freuen, wenn sich noch einige Zusammenhänge finden lassen und ich darüber etwas erfahre.

Am 5. September 1667 meldete P . Hermann Heiden, in dem wir den ersten Präses von Marienthal zu erblicken haben, dem Grafen Salentin, dass schon eine Trauung und eine Beerdigung vorgenommen worden sei.[Anm. 1]

Der erste Eintrag im »Traubuch« des Klosters Marienthal dokumentierte die Eheschließung zwischen Henrich Thal und Catharina[Anm. 2], relicta vidua ...

Henrich Thal wurde etwa 1635 als ehelicher Sohn des Henrich Thal in Wissen geboren und am 20. Februar 1712 auf dem Friedhof in Marienthal beerdigt. Am 2. August 1667 heiratete er in Marienthal Catharina, eine Witwe, die mit Henrich ihre zweite Ehe einging.

Die Kinder von Henrich und Catharina Thal:

Rodericus, getauft in Marienthal 25.9.1668 Paten: Rodericus Grünenbach, Stephanus Kohlrich.

Emanuel, getauft in Marienthal 3. Juli 1672 Paten: Emanuel Lippen aus Wissen, Johannes Sebastinus Schlosser zu Scheidt.

Anna Magdalena, getauft in Marienthal 15. Mai 1680 Paten: Veronica Magdalena Dorn, Johannes Anthony Schumacher, Mauritius Lamberti.

Im »Sterbebuch« findet sich am 4. April 1684 ein Eintrag über eine Beerdigung auf dem Friedhof in Marienthal. Die Übersetzung würde in etwa lauten: Es starb ein Junge des Henri Thal Fleischer/Metzger genannt Petri in Hamm, der nach erhaltener Taufe in den Himmel getragen/empor gehoben wurde. - Vermutlich kurz nach der Geburt gestorben.

Dieser Eintrag unterscheidet sich für mich deutlich von anderen Einträgen. Er enthält einen Hinweis auf den Beruf, einen »Ruf namen« des Henrich Thal und die tröstenden Hinweise des »in den Himmel Steigens/ Schwebens.« - ... ad caelum.[Anm. 3]

Die Marienthaler Kirchenbücher wurden handschriftlich in Latein verfasst. In den frühen Jahren der Aufzeichnungen waren Nachnamen noch nicht im Gebrauch gefestigt und wurden meist durch eine Ortsangabe ersetzt. Die Handschriften sind teilweise schlecht zu lesen und da die Eintragenden nicht unbedingt Lateinisch in Wort und Schrift gelernt hatten, oft schwer zu übersetzen. Man schrieb, wie man es hörte.

Damit man etwas mehr über die Menschen erfährt, möchte ich auf einige Paten eingehen, zu denen Näheres ermittelt werden konnte: Veronica Magdalena Dorn war die zweite Ehefrau von Adam Anton Fuchs, Soldat, Landhauptmann und Schultheiß in Hamm und Enkelin des Johannes Dorn, der in einem der ältesten Schriftstücke des Kirchenarchivs vom 23.2.1609 als Kirchmeister angeben wurde. Johannes Anton Schumacher wurde auch als Hans Tonges/Thönes Schumacher bezeichnet. Moritz Lambert heiratete in Hamm. Vermutlich: Stephanus aus Kohlrich. Über Roderich Grünenbach ist bisher nichts bekannt, obwohl er der Namenspate war. Emanuel Lippe, 1650 in Wissen geboren, stammte aus einer alteingesessenen Wissener Familie.

Nach den Geburtsdaten der Kinder zu urteilen, wurde Catharina in jungen Jahren Witwe. Sie war in ihrer zweiten Ehe mit Henrich fast zwanzig Jahre verheiratet. Sie muss zwischen 1684 und 1687 gestorben sein, da Henrich 1687 Catharina Elben heiratete, die vor 1670 als Tochter des Johann Elben vom Thal (+1670-1687) geboren wurde. Catharina Elben wurde am 25.5.1711 in volkreicher Versammlung beerdigt. Aus der zweiten Ehe sind keine Kinder bekannt.

In dem Verzeichnis der Kommunikanten im Kirchspiel Hamm im November 1704 wurde genannt: Henrich Thal; 1 Tochter; Frau - Henrich Thal und die Tochter katholisch, die Ehefrau reformiert.

Im Heimatjahrbuch 1988 schrieb Frau Brigitte Burbach über »Schultheißen und Richter in Hamm«, darin hieß es zu Henrich Thal: ... Doch zurück in die Amtszeit des Henrich Geilhausen. Der Fall war der: Der in Haderschen wohnende Unterschultheiß Johann Henrich Thal sollte Geschworener werden (Wi 340/1299). Nachdem der Richter diese herrschaftliche Anordnung den Leuten vorgelesen hatte, mit dem Zusatz, man möge anzeigen, wenn man Einwände habe, geschah es tatsächlich, dass die Katholiken zu Marienthal, offensichtlich unter Führung von Hans Peter Krämer aus Öttershagen, vernehmen ließen, sie wollten den Thal nicht. Es hieß, er sei noch nicht einmal gut genug zum Unterschultheiß. Dass er weder schreiben noch lesen könne, wolle man sich gefallen lassen, wenn er bloß ehrlich wäre. Die Sendschöffen schreiben an den Grafen, die Kanzlei ordnet an, die Katholi ken mögen eine ehrliche Person vorschlagen, die auch qualifiziert sei.

Richter Geilhausen versammelt nun die katholische Gemeinde, die zwei Männer aus ihrer Mitte vorschlägt, nämlich Henrich Bruchtseifer aus Öttershagen und Henrich Thal aus Hamm, das ist nicht der Unterschultheiß aus Haderschen. Er und Bruchertseifer gehörten zu den Familien, die auch später katholisch blieben.

Die Hammer ließen nicht locker, und so musste die Kanzlei den Fall untersuchen. Man hatte bereits mitgeteilt, dass der Johann Henrich vor fünf oder sechs Jahren in der Mühle zu Altenkirchen einen Diebstahl begangen habe, aber nicht geständig sei. Es hatte da Unregelmäßigkeiten gegeben. Thal und der Müller waren sich in die Haare geraten, Aussage stand gegen Aussage, und nun musste Hachenburg »gerichtlich abfragen, wie sich dieser Kasus zugetragen«.

Hierzu wird nun Jost Kolb, Müller zu Altenkirchen, vernommen. Dieser hatte sich mit Thal um Mehl gestritten, wir wollen das heute nicht untersuchen, jedenfalls wird Kolb vorgeworfen, den Fall nicht gemeldet zu haben. Nachdem er aussagte, er sei damals nur »Jung« in der Mühle gewesen, wurde nun auch der Müllermeister Peter Wolf vernommen, der auch in Haderschen wohnte. Der sagte, er sei krank gewesen und er habe nur gehört, dass sein Knecht mit Thal in Zank geraten sei. Er wisse »nichts Eigentliches«, formulierte Wolf, um nicht in die Mühlen des Gesetzes zu geraten.

Wie es scheint, ist Henrich Thal Unterschultheiß geblieben. Er muss kurz darauf gestorben sein, denn 1698 wird seine Frau Margarete als Unterschulzen Wittib in Hamm be graben. Ab 1674 ließ das Ehepaar in Marienthal Kinder taufen, die Familie gehörte dann zur reformierten Gemeinde und ließ 1706 den Sohn Peter konfirmieren, der nach Bruchertseifen heiratete ...

An anderer Stelle wird auf diesen Vorfall nochmals Bezug genommen und es wurde ein Zeitraum angegeben: ... Der Burggraf von Kirchberg schlägt im September 1684 vor, an Stelle des abgehenden Geschworenen einen tauglichen katholischen Untertan zu wählen.[Anm. 4]

  • Henrich Thal aus Haderschen wurde vor 1650 geboren und 1687 als Unterschultheiß vermerkt. Seine Frau Margaretha, geboren vor 1656, wurde am 8.12.1698 reformiert beerdigt. Außer dem Sohn Peter gab es noch den älteren Sohn Jakob, der 1679 geboren wurde.
  • Henrich Geilhausen wurde um 1615 geboren und am 14.3.1688 als ... Richter im Kirchspiel, Alter ? ... beerdigt. Seine Frau, unbenannt Elisabeth, wurde vor 1639 geboren und am 20.11.1672 als ... Geilhausen, uxor Herr Heinrich aus Harterschen ... beerdigt. Aus der Ehe stammte der Sohn Wilhelm, der 1684 ... mit einem Gulden besteuert wurde ..., von dem aber weitere Daten fehlen. Die ganze, oben beschriebene, Sache hatte allerdings auch einen unschönen, zwischenmenschlichen Aspekt, denn Henrich Geilhausen hatte außer dem Sohn Wilhelm nur eine Tochter und das war Margaretha, die mit Henrich Thal verheiratet war.

Dieser Bericht ermöglicht einen kleinen Einblick auf den Menschen Henrich Thal, über den ich schreibe. Er scheint sich in der Zeit, die er bis dahin schon in Hamm lebte, das Vertrauen der Menschen erworben zu haben, da sie ihn für das Amt eines Geschworenen vorschlugen. Leider wurde nicht er wähnt, ob er das Amt bekam.

Roderich/Rodericus/Rörich Thal

Am 4. Dezember 1697 heiratete Roderich in Marienthal Maria Gertrude Gelhausen, die Tochter von Rodericus Gelhausen und Eva Wirths aus Opperzau. Roderich wurde als honestus adolescens - angesehener Heranwachsender - und seine Frau als honesta virgine - achtbare Jungfrau - benannt, was auf eine »gute« Stellung in der Gemeinde hinweist, da diese Beschreibungen nicht regelmäßig gebraucht wurden. Maria Gertrud Gelhausen, geboren im Februar 1677, bekam im Juni 1698 die Tochter Maria (Anna) Magdalena, die am 24.6.1698 evangelisch getauft wurde. Paten: Johann Gerhard Geilinkhausen zu Bitzen Tochter, Katharina Magdalena Henrich Thals Tochter, Johannes Gerhard Krüger zu Opperzau.

Die Brautmutter Eva Wirths war die Tochter von Peter Wirths, der auf der mittleren Glocke der evangelischen Kirche als Kirchmeister erwähnt wurde. Diese Glocke, anno 1652 gegossen, fiel dem 1. Weltkrieg zum Opfer. Zu den Paten: Gerhard Geilinkhausen geboren in Opperzau, war um 1740 Kirchspiel-Geschworener in Bitzen, Georg Krieger war ein ehelicher Sohn des Lorenz Krieger, evangelischer Prediger in Hamm (Krüger). Manchmal kam es zu Namensfehlern wie bei »Henrichs Thals Tochter«, richtig wäre: Anna Magdalena.

Kurz nach der Geburt der Tochter kam es zu einem Unglück, das in einem Eintrag im Kirchenbuch der lutherischen Gemeinde Hamm beschrieben wurde:

Anno 1698 den 8. Juli wurden begraben Rörich Thal von Opperzau und Hans Hermann Krämer von Hamm. Dieser Rörich Thal hat auf der Wolfshardt sonnabends, den 5. Juli, ein Feuer im Stollen fürs Ort gemacht und sonntags in aller Frühe den 6. Juli, in den Berg gefahren, um das Feuer zu stochen, und mit sich genommen Henrich, Johannes Sohn von Roth, der aufm Berg blieben, welcher dem Rörich zuruft, aber keine Antwort bekommt, sondern ihn nur keuchen hört und darauf nach Opperzau läuft, da dann Anton Bäumer sich etwas hinabwagt, aber auch beinahe vom bösen Wetter erstickt wird. Als nun hierauf zu Hamm gesagt wird, es sei ein Einfall im Berg geschehen und Rörich verschüttet, läuft Hans Hermann Krämer mit Bestgen zu Scheidt[Anm. 5], Hermann von Wickhausen und des Rörichs Mutter hin. Hans Hermann fährt ein, findet Rörich unten tot, fährt auf, ruft, ihm werde übel und fällt sofort von der Fahrt hinab und bleibt auch tot, da sie dann, wie etwas vorher gewünscht, zusammen in einen Grab gelegt und begraben werden.[Anm. 6]

»Sprengmethode«: Man entzündete vor dem »Stoß« des im Abbau anstehenden Erzes ein Feuer, das jenen möglichst stark erwärmte. Dadurch entstanden infolge der unterschiedlichen Wärme des Stoßes und des um liegenden Gebirges Spannungen im Ge stein. Nach dem Niederbrennen des Feuers wurde dann der heiße Stoß mit Wasser übergossen, wodurch Risse entstanden. Auf diese kam es an, denn sie erleichterten natürlich das Herausbrechen des Erzes. Das Verfahren erforderte eine gute Belüftung der Grube, da sich bekanntlich bei unter mangelnder Luftzufuhr schwelendem Feuer giftiges Kohlenoxyd bildet.[Anm. 7]

Am 13.4.1692 schreiben der damalige Lehrer Henrich Eberhard Dringenberg und eine Anzahl Kirchenspielsleute an den Magister, dass ein neues Bergwerk auf der Wolfshardt angefangen wurde, er möge doch dieses Bergwerk mit in seine Gebete einbeziehen.[Anm. 8]

Zu dem verstorbenen Hermann Krämer fanden sich keine weiteren Hinweise, um ihn einer Familie zuordnen zu können. Die Ehefrau von Roderich Thal ging später eine zweite Ehe ein, die Hochzeit war in Hamm. Auch die gemeinsame Tochter von Maria Gertrud und Roderich, Maria Magdalena Thal, wurde in Hamm getraut.

Anna Magdalena Thal

Anna Magdalena Thal, honesta virgine, Tochter des honesto viro Henrico Dael, heiratete am 12. Oktober 1706 in Marienthal den honestus adolescens Gerardi Müller, ehelicher Sohn des honesti viri Jois Müller. Die Trauzeugen waren Jois Müller et Emanuele Dahl.

Die Ortsangabe für Gerhard Müller wurde Hunrodt/Kunrodt geschrieben, was vielleicht Kundert bei Hachenburg bedeuten könnte.[Anm. 9]

Gerhard Müller wurde am 30. Dez.1734 auf dem Friedhof in Marienthal beerdigt. Bei diesem Eintrag wurde er als villici in Niedersalterberg bezeichnet, was Verwalter oder Hofpächter heißen konnte. Ab wann die Familie auf dem Niedersalterberger Hof lebte, lässt sich allein aus den Kirchendaten nicht eindeutig ableiten. Anna Magdalena Müller starb in ihrem 71. Lebensjahr und wurde am 24. Februar 1751 in Marienthal beerdigt.

Am »Mittellauf des Salterbaches« lag der Hof Niedersalterberg. Sein Fundament oder Reste davon sollen laut Erzählungen noch heute vorhanden sein, obwohl sie schon lange von dichtem Wald verdeckt und überwuchert sind. Er gilt als »untergegangener Hof«, da er ab dem Jahr 1780 nicht mehr erwähnt und vielleicht auch nicht mehr bewohnt wurde. Der bekannteste Besitzer war die Familie van Diest, die um 1650 im Besitz des Hofes war, aber gegen 1700 die Hammer Gegend verließ. Ob der Hof danach verpachtet oder verkauft wurde, ist bisher nicht bekannt. Rektor Wirths schrieb, dass Johann Peter Hatterodt 1749 als letzter Besitzer des Niedersalterberger Hofes genannt wurde.[Anm. 10]

Die Kinder von Anna Magdalena und Gerhard Müller:

  • Maria Magdalena, Taufe: 21. Aug. 1707 in Marienthal Paten: Petro Müller aus Opperzau, Maria aus Wissen, Maria Christina Thalerin - keine weiteren Angaben.
  • Maria Elisabeth, Taufe: 24. Jan. 1709 in Marienthal Paten: Elisabeth Müller zu Huntert (?), Petro zu Nieder ... per procuraterum Emanuel Thal ... - Heirat 1736.
  • Johannes Matthias, Taufe: 17. Jan. 1711 in Marienthal Paten: Matthias Müller, Joanne Henrico zu Niedersalterberg, Maria Christina Gehlhausen - Johannes Matthias verstarb wenige Tage nach seinem 41. Geburtstag. Er war ledig, solutus, geblieben und wurde am 29. Jan. 1752 in Marienthal beerdigt.
  • Eva Maria, Taufe: 22. Dez. 1712 in Marienthal Paten: Joan Rörig Krämer zu Hamm, Martha Elisabeth Lindauerin, Eva Maria Schlosserin zum Scheidt - Eva Maria war 1736 und 1742 Patin bei Kindstaufen ihrer Schwester Maria Elisabeth. Am 2. März 1746 gab es einen Sterbeeintrag: Beerdigt, Anna Maria Müllerin caelebs ex Niedersalterberg aetatis 32. -caelebs (unverheiratet). - Nach Prüfung der Daten zur Schwester Anna Maria, müsste es sich um einen Namensfehler handeln und man kann sicher davon ausgehen, dass sich der Eintrag auf Eva Maria bezog.
  • Johann Henrich, Taufe: 7. Okt. 1717 in Marienthal Paten: Joanne Alzen zu Nisterstein, Henrico Müller zu Kundert, Anna Maria Dahlin zu Hamm - keine weiteren Angaben.
  • Anna Maria, Taufe: 11. Feb. 1722 in Marienthal Paten: Anna Johannetta Müllerin zu Kundert, Franzisco Ernsto Thal, Elisabeth Maria Vellerin - Heirat 1748.
  • Catharina Maria zu Niedersalterberg, Taufe: 30. Dez. 1723 in Marienthal Paten: Johann zu Niedersalterberg, Catharina Maria Dahlin, Tochter von Emanuel Thal zu Hamm. - Catharina Maria wurde am 1. Juli 1725 in Marienthal beerdigt.

Von dem evangelischen Pastor Müller gibt es von 1692 einen Bericht von den Wässern und Flüssen ... Die Seelbacher-, Breitscheidter- oder Hüttenbach (ist ein Bach, hatt aber von den Orten alwo sie vorbeifleußt verschiedene Nahmen) kompt zu Hachenburg auß dem Altenkirchischen im Kirspel Hamm, fleußt längst Haderschen, Seelbach, Breitscheidt, die Hütte entlich unter Hamm gegen Auw in die Siege. (1) In gedachte Bach kompt auch die Salterberger Bach, welche entspringt theils bey Obersalterbach, theils obig Marienthal im Waldt, theils beym Breidenbruch, als welche 3 Seiffen in den Wiesen endlich zusammen unter Niedersalterberg fleußen und durch dieselbe herab in die Seelbacher Bach.[Anm. 11]

Wenn man von Hamm Richtung Hilgenroth fährt und bei Thalhausen links zum Waldschwimmbad abbiegt, befindet sich rechts hinter den Parkplätzen eine in gerader Richtung stehende Anzahl großer Bäume. Aus Richtung Waldschwimmbad fließt hinter diesen Bäumen der Seelbach, in den von der Seite der »Salterbach« mündet. - Der zufließende Bach wird heute auf gesamter Länge als »Marienthalerbach« bezeichnet.

Emanuel Thal

Emanuel Thal heiratete am 7. Januar 1698 in Marienthal honesta virgine Eva Maria Wirths, geb. vor 1681 in Opperzau, die Tochter von Henrich Wirths und Ernestine Demmer aus Opperzau. Es gab kein Todesdatum für das Ehepaar. Eva Maria wurde 1729 und Emanuel Thal noch 1734 erwähnt.

Dazu muss man anfügen, dass zwischen Januar 1736 und März 1740, sowie 1741 keine Einträge im katholischen Sterbebuch vorhanden sind. Möglicherweise hatte Eva Maria noch den dritten Vornamen Susanne. Als Patin am 31.10.1700, Geburt der Maria Susanna, Tochter des Richters Peter Franz Demmer, hieß es: Eva Maria Susanne, Emanuel Thals zu Hamm Hausfrau.

Emanuel Thal; Magd; Frau - Emanuel Thal und die Magd katholisch, die Ehefrau lutherisch.[Anm. 12]

Zu festen Stützen der katholischen Gemeinde wuchsen sich sodann mehrere Generationen hindurch die Gerberei Besitzer Familien Thal und Schlosser aus, die sich vor 1700 in Hamm ansiedelten und stets zu den wohlhabendsten und angesehensten Bürgerkreisen zählten.[Anm. 13].

Emanuel Thal wurde nach Herrn Wirths 1722 als Syndicus des Klosters Marienthal erwähnt. Doch bereits bei der Geburt seiner Nichte Maria Elisabeth Müller 1709 heißt es: Peter aus ... bevollmächtigt von Emanuel Dahl unserem neuen/jungen Syndicus aus Hamm. 1731 Taufe Emanuel Orth lautete die Bezeichnung: ... Dominus Emanuel Dahl Marienvalensium Syndicus Apostol. Nach einem längeren Bericht aus dem Jahr 1728/29 hatte die Position des Syndicus aber nicht nur Vorteile, wie ein Auszug daraus zeigt:

... Doch schritt man nunmehr unverzüglich zur Verhaftung katholischer Personen, die dem Kloster nahe standen. Man gedachte so einen indirekten Druck auf den Guardian auszuüben und ihn gefügig zu machen. Am 11. Oktober wurde der geistliche Vater des Klosters, der Hammer Gerbereibesitzer Emanuel Thal, zu Hachenburg verhört und in Untersuchungshaft genommen. Förster Pape machte den Ankläger, indem er behauptete, Thal habe sich durch Geld bestechen lassen, die Zustimmung zur Beerdigung zu geben. Auch habe er sich auf den Kurfürsten von Köln berufen, der gegebenenfalls das Kloster gegen die Regierung in Schutz nehmen würde. Sodann müsse Thal Bescheid wissen über eine Schlägerei, die kurz nach Portiunkula im Kloster vorgefallen sei und bei der er eine Tracht Prügel mitbekommen habe.

Im Laufe der sich wochenlang hinziehenden Untersuchung, bei der mancherlei Zeugen zugezogen wurden, ließ sich nur feststellen, dass Thal anfänglich die Beerdigung des Malefikanten zu Marienthal nicht gebilligt hatte. Auf Geheiß des Guardians hatte er sodann nach der Beerdigung auf dem Klostergange von einem Manne, den er nicht weiter kannte, zwei Dukaten angenommen und zu dem Opfergeld gelegt, das er in seiner Eigenschaft als geistlicher Vater zu verwalten hatte. Obwohl Pape 100 Gulden wettete, dass es mit der Schlägerei seine Richtigkeit habe, stellte sich die Sache als ganz harmlos heraus. Thal hatte eines Tages mit der brennenden Pfeife das Brauhaus betreten, worauf der dort anwesende Klosterbruder mit einem Hölzchen gegen die Pfeife geschlagen und diese unglücklicherweise zerbrochen hatte. Auch der in Haft genommene Klosterknecht Hasselmeier aus Heckenhof vermochte nichts Zweckdienliches im Sinne der Kanzlei auszusagen. Trotz aller Bitten und Tränen seiner Frau wurde Thal erst nach etwa einem Monat aus dem Gefängnis entlassen, und die ganze Untersuchung als aussichtslos eingestellt ...[Anm. 14]

Es gab in den Kirchenbüchern zu dieser Zeit selten Hinweise auf Berufe der Personen, es sei denn, es betraf öffentliche Ämter wie Kirchmeister, Sendschöffen oder Schultheißen. Doch Henrich Thal wurde als Metzger, Angabe im Sterbebuch, und Emanuel Thal als Gerbereibesitzer und Syndikus des Klosters genannt. Weitere Angaben, insbesondere zu Henrich Thal, wurden bisher nicht gefunden, aber es gab Hinweise auf den Bereich des Wohn- bzw. Geschäftssitzes:

Zum Hammer Kirchhofstreit 1684 schreibt Herr Wirths: ... Weil am folgenden Tage wieder eine katholische Leiche zu begraben war, begaben sich die Patres mit dem reformierten Pastor und dem reformierten Geschworenen in das gerade unterhalb des Kirchhofs gelegene, noch heute stehende Haus des Thal, wo sie bis in die Nacht hinein Beratungen abhielten ...[Anm. 15] - Ist mit der Bezeichnung »noch heute« die Zeit vor 1927, dem Erscheinungsdatum des Buches gemeint?

Weiterhin wurden am 10.11.1704 von Wilhelm Jünger aus Niederseelbach etliche Pfarrgüter vermessen. ... So auf dem Wesch-berg (= Balkertsweg, Erlenweg, Hüttengasse), ein Stück oben »am Kohlenweg oder alt Fahrstraße«. Unter dem Weschberg verstand man wohl das gesamte Gebiet vom Wäschgarten bis an die Kirche, denn Pfarrer Müller schreibt weiter: »Hier vorn gegen der Kirche über ligt oben an Emanuel Thall, stößet ferner an den Marienthaler Fußpfad, gehet der Mühlen oder Kohlweg ... Hinten am Ende heißt es bey den Saalweiden.« (= Schützenstraße, MartinLuther-Straße, Brunnenweg, also das Überdorf).[Anm. 16]

Im Heimatjahrbuch 1980, S. 146, ist ein altes Foto abgebildet: Die Bitze - Platz in der Ortsmitte von Alt-Hamm, dazu schrieb Frau Brigitte Burbach:

Von der Grube Huth verlief ein Stollen bis zur Bitze, und dieses Bild zeigt das Ende dieses Stollens an, dessen Wasser damals von einer Gerberei genutzt wurde. Das Foto ist zwischen 1850 und 1860 entstanden und zeigt die heutige Schützenstraße, die evangelische Kirche und angrenzende Fachwerkhäuser. Im Vordergrund links steht ein kleines Häuschen, das zu der Gerberei gehört haben soll. Ungefähr um die Jahrhundertwende soll der Stollen von der Huth aus noch begehbar gewesen sein, wie erzählt wird. Dann sei gegenüber dem Haus Schuppner ein Teil eingestürzt, und es sei dort eine Senke vorhanden gewesen. In der Gegend des Grabens - vorne im Bild -sollen sich Gerblöcher befunden haben, in denen Leder gegerbt wurde.

Aus der Katasterkarte von 1831/32: Die Parzelle 602 (Schützenstraße/Überdorf) ge hörte Henrich Wilhelm Fischer II. Die Gerberei, die dort angegeben wurde, hatte noch eine Bewertung der Klasse 1 und eine Besteuerung von einem Thaler pro Jahr. Zunächst dachte ich, es wäre ein ehemaliger Anteil des Geländes der Familie Thal, später Schlosser. Doch ich fand heraus, dass Mitglieder der Familie Fischer zwischen ca. 1750 und 1800 selbst als Gerber angegeben wurden. Ob es Zusammen hänge zwischen den beiden Gewerbebetrieben gab, ist mir bisher nicht bekannt. Nach diesen Beschreibungen wären vom Überdorf/Schützenstraße bis unterhalb der evangelischen Kirche/Wäschgarten mindestens zwei Gerbereien ansässig gewesen.

Die Kinder von Eva Maria und Emanuel Thal:

  • Margaretha Magdalena, Taufe 6. Jan. 1699 in Marienthal Pate u.a.: Heinrich Schlosser, Villa Scheid<ANM>Villa = alte Bezeichnung für Ort, Gehöft, einzeln stehendes Gebäude.</ANM> - Heirat 1724.
  • Anna Maria, Taufe 10. Aug. 1701 in Marienthal Patin u.a. Anna Catharina Elben (wahrscheinlich Tochter des Johann Elben vom Thal, eine Schwester der 2. Ehefrau von Henrich Thal) - Heirat 1722.
  • Franz Ernst, Taufe 22.April 1704 in Marienthal Pate u. a. Franz Ernst Fischer.
  • Catharina Maria, Taufe 18. Feb. 1707 in Marienthal Pate u. a. Christian Richter - Heirat 1737.
  • Laurentius, Taufe 7.Mai 1712 in Marienthal, Sohn des ... Syndici in Marienthal, Pate u.a. Laurentius Grabig aus Wissen, beerdigt 24. August 1712 in Marienthal.
  • Johann Anton, Taufe 5. April. 1714 in Marienthal Paten: Johannes Thal zu Wissen, Anton Gelhausen.
  • Johannes Emanuel, Taufe 6. Jan. 1718 in Marienthal, Paten u.a. Henrich Müller zu Nisterstein, Emanuel Link, beerdigt 7. Mai 1720 in Marienthal.

Zu den Paten: Christian Richter war verheiratet mit Maria einer Tochter des Anton/Tönges Schumacher aus Hamm. Emanuel Thal war 1696 Pate bei seinem Sohn Emanuel Richter. Laurentius Grabig *25.10.1673, †vor 2. 1720 war verheiratet mit Katharina Lippe, beide aus Wissen. Emanuel Link, *um 1690, aus Unterschützen, Sohn des Sebastian Schlösser aus Unterschützen, heiratete eine Nichte von Eva Maria Wirths und lebte später in Oppertsau.

Aus der Familie Thal ging ein Theologe hervor, den wir 1746 als Missionspastor in Rosbach und später in gleicher Eigenschaft in Holpe finden. Am 29. November 1761 starb er im Alter von 48 Jahren bei seinem Schwager in Hamm und wurde in der Kirche Marienthal beigesetzt.[Anm. 17] - Fehler im Sterbejahr.

Dabei handelte es sich um Johann Anton Thal. Er starb am 29. Nov 1762 und wurde am 2. Dezember ... omnibus ecclesia sacramentis rite munitus ... a latete altaris ... annorum aetatis 48.

Zu Johann Anthon Thal konnten keine Einträge in den Archiven der Gemeinde Rosbach gefunden werden, da es aus dieser Zeit keine Aufzeichnungen mehr gibt. In der Ortschronik Morsbach heißt es auf S.140: ... Die Missionsstelle Holpe wird zeitweise von Morsbach oder von Franziskanerpatres aus Marienthal bedient. Als ansässige Missionare finden wir erwähnt, u.a.: Dahl, Pater aus Marienthal, 1762.

Bei einer Patenschaft 1733 lautete der Eintrag in Übersetzung: Franz Ernst Thal, Licentiat (Lizenziat) beider Rechte befindet sich in dieser Zeit (gegenwärtig) in Wien, Austria, an dessen Stelle (in Vertretung) erscheint Johann Anton Thal ... weitere Angaben sind schlecht zu lesen bis unleserlich.

Franz Ernst Thal ließ in Marienthal drei Töchter taufen. Es gab keinen Hinweis auf eine Heirat in Hamm und seine Frau wurde im Kirchenbuch nur als »Anna Dorothea« eingetragen. Bei der Taufe 1746 wurde Franz Ernst als clarissimus et consultissimus Dominus bezeichnet, was in etwa »überaus kluge und ratgebende Persönlichkeit« bedeutet.

Die Kinder von Franz Ernst und Anna Dorothea:

  • Maria Elisabetha, Taufe 27. März 1743 Paten: Johann Heinrich Freisberger, Anna Maria Schlosser und Clara Elisabetha ...
  • Maria Barbara, Taufe 31. Juli 1744 Paten: Maria Barbara Frau D. Georg Langefeld aus Wildenburg und Johann Peter Röttig.
  • Maria Wilhelmina Magdalena, Taufe 1. Aug. 1746 Paten: Johann Roderich Schlosser, Maria Wilhelmina Satorius aus Wildenburg, Margaretha Magdalena Freisberger.

Auszug aus der Geschichte der Familie Sartorius (Internet): ... Mit Johann Wilhelm, oder einfach Wilhelm Sartorius, Sohn von Dietrich Schneider, kommen wir an einen Wendepunkt in der Geschichte der Familie Sartorius ...

... Er trat 1701 in die Dienste der Grafen von Hatzfeldt-Schönstein als Rentmeister des Schlosses Wildenburg, wo er Joh. Thomas Joesten nachfolgte. 1709 beendete er seine Tätigkeit, um ein Jurastudium zu absolvieren. Eine Urkunde über seine Fähigkeiten wurde von Maria Barbara Wittibe Freyfrau von Hatzfeldt, gebohrene Freyin von Fürstenberg unterzeichnet. 1714-1724 kehrte er in die Dienste derer von Hatzfeldt zurück, zunächst als Amtmann, später erfolgte eine Ernennung zum Richter in Wildenburg. Kurz vor 1711 hatte Wilhelm Sartorius Anna Margarete Johanvars aus Schmallenberg im Sauerland geheiratet. Sie musste dort 1685 geboren sein. Sie war Tochter des örtlichen Richters des Kurfürsten von Köln, Eberhard Johanvars und seiner Frau Maria Quinken ...

Die Familien Johanvars stellten Notare und Bürgermeister in Attendorn, die Familien Quinken Notare und Richter in Schmallenberg[Anm. 18]

... Es wurden acht Kinder geboren, sieben Kinder in Schmallenberg, das achte im Wildenburger Land und in Friesenhagen getauft. Der Sohn Franz Philipp war Kaplan vom Heiligen Kreuz in Wissen, 1764 in Schönstein. Er starb am 7.1.1806 mit 83 Jahren in Wissen. Beim Brand 1788 in Wissen gehörte er mit einer Scheune zu den Brandgeschädigten. Sein Wohnhaus, wahrscheinlich in Nähe der Bogenstraße, blieb unversehrt. Der älteste Sohn Wilhelms, Franz Anton Sartorius, folgte seinem Vater als Amtmann von Wildenburg in Diensten der Grafen von Hatzfeldt-Schönstein nach.

... Die Tochter Anna Dorothea, geboren um 1720 in Schmallenberg, heiratete am 4. Februar 1742 Franz Ernst Dahl aus Hamm, der später Anwalt in Denklingen war.[Anm. 19]

In einer Zählung vom 26. September 1749 wurde aus der Familie Thal in Hamm kein männliches Mitglied mehr genannt.[Anm. 20]

Herr Emmanuel Sartorius schrieb am 18. August 2012 aus Paris:

Was Sie mir mitteilen ist sehr interessant. Ja, Ihr Franz Ernst Thal ist wohl mein Franz Ernst Dahl. Meine einzige Quelle ist ein Dokument »Zur älteren Geschichte der Familie Sartorius«, das ich von einer Kusine empfangen habe. Dieses Dokument wurde von einem mit der Familie verwandten Herrn Otto Ritghen um 1950 geschrieben. Dieses Dokument gibt einige Angaben über die Kinder von Franz Wilhelm Sartorius und besonders über Anna Dorothea sagt es:

Anna Dorothea *um 1720, † ..., °° Friesenhagen 4.2.42 mit Franz Ernst Dahl ((2 oder 3 unleserliche Buchstaben, Wi ?) Sartorius Handschrift schreibt "Thal") in Hamm, honestus adolescens; später Advokat in Denklingen.

Bisher war ich nicht aufmerksam auf die Klammer, aber sie bestätigt, was Sie meinen. Obwohl die Heiratsurkunde ist in den Kirchenbüchern von Friesenhagen zu suchen, fand die Heirat wahrscheinlich in der Kapelle der Wildenburg, wie die der meisten Töchter Sartorius, statt.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir Angaben über die Nachkommenschaft des Ehepaars Franz Ernst Thal - Anna Dorothea Sartorius geben könnten.
Beste Grüße, Emmanuel Sartorius.

Die Paten in Marienthal waren demnach: Clara Elisabeth, die Schwester von Anna Dorothea, die 1768 ledig starb. Maria Barbara, Frau von Georg Langenfeld, Berginspektor oder Bergverwalter in Odenspiel und Maria Wilhelmina Sartorius *27. März 1727, † 18. März 1807 in Friesenhagen, die ihrem Bruder in Wissen den Haushalt geführt hatte. - Weitere Daten zu der Familie Franz Ernst Thal sind bisher nicht bekannt.

Der Familienname Thal wurde in Hamm nicht weitergegeben. Die drei Töchter des Emanuel Thal wurden in Marienthal getraut. Zwei ihrer Männer wurden als Gerber er wähnt. Zu den Ehemännern wird es eine gesonderte Ausarbeitung geben, da es den Umfang dieser Arbeit weit überschreiten würde. Zu dem Enkel Eberhard Schlosser aus Hamm/Sieg gab es einen Bericht im Heimatjahrbuch 2016.

Der Stand der Metzger

In den bisherigen Veröffentlichungen zu Hamm, gab es keine Angaben zu einem Metzger oder dem Bedarf an den entstehenden Nebenprodukten in dieser Zeit. Talg wurde z. B. im Haushalt für Kerzen oder von Bergleuten als Brennstoff für ihre Grubenlampen verwendet. Jahrhundertelang wurde Talg auch zur Abdichtung von Holzfässern und als Schmierstoff bei Kutschen und anderen Geräten benutzt.

Gerber und Metzger waren Berufe, die eine hohe Kapitaldecke erforderten, da sie bei ihren Einkäufen in finanzielle Vorleistung gehen mussten. In größeren Städte konnten die Finanzen der Metzger geprüft, und notfalls die Berufsausübung verweigert werden. In Norddeutschland wurden die in Zünften und Gilden organisierten Fleischer als Knochenhauer bezeichnet.

Für Hachenburg heißt es: ... Die Metzger bekamen nie die Erlaubnis, sich zu einer Zunft zusammenzuschließen. Entsprechende Anträge wurden von der Herrschaft stets abgelehnt. Noch 1720 klagten sie, ihr Handwerk stehe so schlecht da, weil es nicht zünftig sei. Die Verweigerung der Zunft dürfte mit der Judenpolitik der Grafen und Burggrafen zusammenhängen. Juden waren bekanntlich alle zünftigen Berufe verwehrt. Viele wichen deshalb auf das Metzgerhandwerk aus, wobei man nicht entscheiden kann, ob dies Grund oder Folge des Zunftverbotes war. Tatsache ist, dass die jüdischen Mitbürger eine eigene Schlachttradition pflegten und größtes Ansehen in diesem Handwerk erlangten. Im Jahr 1763 war der Jude Baruch sogar Hoflieferant.

Trotz Zunftverbot waren die Hachenburger Metzger »geschworen«, d.h. sie waren durch einen Eid an den Grafen gebunden, der ihnen auch Berufsregeln verordnete. So waren die Fleischhauer und Metzger 1470 wie jedes andere Handwerk auch verpflichtet, ihrem Gewerbe »aufrichtig nachzugehen.« Sie mussten dafür Sorge tragen, zu jeder Jahreszeit alle Arten von Fleisch in gleichbleibender Qualität anbieten zu können. Zuwiderhandlung wurde bestraft. Die Preisfestsetzung und -kontrolle lagen bei der Stadt.

Die Metzger durften Fleisch nur drei Tage lang zum Kauf anbieten. Zu groß war die Gefahr, dass das ungekühlt gelagerte Fleisch verdarb oder Bandwurmlarven (Finnen) enthielt. Wer auf den Fleischbänken »finnhechtig« bzw. »finnicht« Fleisch verarbeitete, riskierte eine saftige Geldstrafe. Notfalls war der Bürgermeister berechtigt, unter Hinzuziehung des Marktmeisters, den Fleischverkauf zu unterbinden. ... Die Fleischbänke auf dem Marktplatz waren vor 1691/92 abgeschafft worden, die Metzger mussten die »Schäär«, später das städtische Schlachthaus benutzen.[Anm. 21]

Quellen, soweit nicht im Text angegeben:

  • Geschichte und Genealogie der Familie Sartorius (Internet), mapage.noos.fr/sarto/Deutsch_plus/Kapitel3.html oder über Google: Sartorius Wissen Schönstein.
  • Familienbuch (FB) Hamm-Sieg 1670-1870 mit Auszug aus dem luth. Kb Hamm-Sieg (Herr Strombach/Herr Stock), Zusammenfassung der Daten des reformierten Kb Hamm-Sieg ( Frau Haas), Auszug aus dem rkath. Kb Kloster Marienthal ( Herr Stock) u.v.a. Auch ich konnte einige kleine Recherchen einbringen. Veröffentlicht über die ArGeWe Westerwald/Internet, Herausgeber Hartmut Paul, Wolfach, im Andenken an seinen Vater Herbert Paul.
  • Verschiedene Geburtsdaten und Sterbedaten recherchiert, kontrolliert und ergänzt durch Unterlagen im Kreisarchiv Altenkirchen.

    Vielen Dank an Herrn Jacek Swiderski vom Kreisarchiv für seine Beratung, Unterstützung und Hilfeleistung bei einigen schwierigen Textstellen und den Zusammenhängen. Die Daten des kath. KB Wissen wurden von Herrn Uwe Büch, Wissen, zur Verfügung gestellt.

Anmerkungen:

  1. 500 Jahre Marienthal, J.Wirths S. 108. Zurück
  2. Die erste Frau von Henrich Thal wurde nicht mit einem Geburtsnamen angegeben, sondern als eine verwitwete "Lotz (er)" o.ä. Die Endung -er oder -erin wurde oft an den Namen angehängt. Es gab einen Taufeintrag, in dem sie als Patin genannt wurde: Marienthal, Taufe 10. Febr. 1670 Anna Catharina, Vater: Nicolai Müller, Elisabetha Paten: Anna ex eodem (aus dem Ort) et Catharina vom Scheid uxor (Ehefrau) Henrici Thal ... -Ob sie in Scheidt geboren wurde oder durch ihre Heirat nach Scheidt kam, ist nicht bekannt. Da sie zweieinhalb Jahre nach ihrer Heirat mit Henrich Thal als Patin "vom Scheidt", bezeichnet wurde und der Nachname aus der ersten Ehe bisher nicht bekannt ist, könnte man davon ausgehen, dass sie von Scheidt stammte. Zurück
  3. Die Eintragungen im "Sterbebuch" des Klosters Marienthal begannen im Jahr 1683. Im "Taufbuch" gab es 1684 keine Eintragungen und 1681 sind Lücken vorhanden. Im Sterbebuch gibt es einen lückenhaften Eintrag - kein Taufeintrag - nachdem am 22. Januar 1712 Henricus Wilhelmus ... (S)tal ? beerdigt wird. Dabei handelt es sich um ein Kind von etwa 2 Jahren, 3 Monaten ... Ob es sich um ein weiteres Kind von Emanuel Thal handelte, ist nicht sicher. Eintrag Taufe: "25. August 1691 Anna Catharina Tahlin ex Haas spuria Judit et Roregi Tahl ex Ham ... patrinis Anna Catharina ex seuentahl et Roregi ex seuentahl" - spuria/ unehelich, Haas, Hamm, ... , ?. Es gab viele Nennungen mit "aus" und "von Tahl" in den ersten Einträgen, manche schneiden sich mit Einträgen in Wissen. Eine Zuordnung zu Rörich Thal, ohne vorherigen Abgleich mit anderen Einträgen, erschien mir nicht sicher genug. In Hamm gab es keine weiteren Nennungen zu der Mutter oder der Tochter. "Seuentahl" könnte Siegenthal sein? Zurück
  4. Hamm in 1000 Jahren Geschichte S. 114/115. Zurück
  5. Bestgen vom Scheid = Sebastian Schlosser, stammte aus Scheidt und wohnte auch dort. Zurück
  6. Brigitte Burbach Dorf - Kirchspiel -Gemeinde S. 258. Zurück
  7. Herbert Paul in: Hammer Heimatgrüße (April 1962), Auszug: Eine Erklärung des Vorgangs, der zum Unfall führte. Weitere Erklärungen unter: Feuersetzen, in: Wikipedia. Zurück
  8. Brigitte Burbach, Dorf-Kirchspiel-Gemeinde S. 69. Zurück
  9. Schreibweise in alten Dokumenten war Kunderoed/Kondert/Kondat. viri/viro = Mann/Ehemann/Herr. Zurück
  10. 500 Jahre Marienthal, S. 89. Zurück
  11. Dorf - Kirchspiel - Gemeinde - Brigitte Burbach S. 152. Zurück
  12. Liste von 1704 -Brigitte Burbach, Das Kirchspiel Hamm 1981. Zurück
  13. 500 Jahre Marienthal, S. 118 Zurück
  14. 500 Jahre Marienthal S. 171. Zurück
  15. 500 Jahre Marienthal S. 133. Bei dem "Hammer Kirchhofstreit" ist von einem Pater die Rede: Es war der Pater Jodocus Rumpf, der zweimal (1669-72 und 1683-85) das Amt eines Guardians zu Marienthal bekleidete und später zum Definitor der Provinz gewählt wurde. Er wird gerühmt als ein echter Ordensmann, unermüdlich in der Verkündigung des Gotteswortes. - 500 Jahre Marienthal S.128. - Definitor: Priesterlicher Berater und Helfer, vor allem zuständig für die Vermögensverwaltung. In einem Dekanat ist er der Vertreter des Dechanten. Lateinisch: von definio = abgrenzen, genau bestimmen, festlegen. Zurück
  16. Heimat-Jahrbuch 1981, S. 211  Brigitte Burbach. Zurück
  17. 500 Jahre Marienthal S.118. Zurück
  18. Anmerkung im Textanhang. Zurück
  19. Zu Denklingen gibt es folgende Fußnote: ... soll es um Denklingen (Reichshof) Stadt des Landes NRW ... 10 km wnwestlich von Friesenhagen ... (Brief vom 29. Mai 1946 von Otto Sartorius an Otto Ritgen (Archiv von Frau Marion Leihener)). Denklingen wird schon im 14. Jahrhundert als saynischer Gerichtssitz erwähnt ... Zurück
  20. Um mehr über obige Angaben zu erfahren, schickte ich eine Anfrage an die Mailadresse des Verfassers. Zurück
  21. Schäär = am Markt neben der Rathausküche, Aus: Stefan Grathoff, Geschichte der Stadt Hachenburg S. 363. Zurück