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Johann Philipp von Schönborn

von Werner Marzi

Mainzer Erzbischof mit einer Amtszeit 1647-1673.

Johann Philipp war der erste Erzbischof aus dem Hause Schönborn, das während des 17. und 18. Jahrhunderts die geistlichen Fürstentümer an Rhein und Main entscheidend prägte. Er war Inhaber dreier bischöflicher Sitze: Fürstbichof von Würzburg (seit 1642), Erzbischof und Kurfürst von Mainz (seit 1647), Bischof von Worms (seit 1663). Als Landesherr sah er seine Hauptaufgabe darin, in seinen Territorien nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges den Wiederaufbau einzuleiten und sich dafür einzusetzen, dass der Westfälische Friede von 1648 beständig sei. Als Kurfürst und Erzkanzler war es daher sein Bestreben, den wegen der Rivalitäten zwischen dem Haus Bourbon (Frankreich) und dem Haus Habsburg (Spanien und Österreich) stets bedrohten Frieden zu sichern.

Darüber hinaus wollte er die Unabhängigkeit der kleineren und mittleren Reichsstände gegenüber dem Kaiser und der französischen Krone wahren.Es gelang ihm in Verträgen, die seit 1461 an Kurpfalz verpfändeten Gebiete an der Bergstraße zurückzugewinnen und mit französischer Hilfe 1664 die Stadt Erfurt erneut der Mainzer Oberherrschaft zu unterwerfen ("Erfurter Reduktion"). Er sicherte sein Residenzen Mainz, Würzburg und Erfurt durch wirkungsvolle Verteidigungsanlagen.

Seine Regierungszeit ist durch eine Reorganisation der Rechtsprechung und durch eine dichte Verordnungstätigkeit gekennzeichnet. So suchte er in 97 "Policeyordnungen", von denen sich zwölf mit Judensachen befassten, das Leben seiner Untertanen zu regeln.

1665 stiftete er in Mainz ein Waisenhaus für 65 Kinder, dessen Bau noch heute in der Kappelhofgasse steht. Als Erzbischof förderte er die kirchliche Erneuerung seiner Diözesanen (Gründung eines Priesterseminars, Durchführung von Visitationen, Einführung deutschsprachiger Gesang- und Gebetbücher).

Als einer der ersten deutschen Fürsten ließ er unter dem Einfluss der "Cautio Criminals" des Jesuiten Friedrich von Spee die Hexenprozesse einstellen. An seiner Mainzer Residenz versammelte er bedeutende Gelehrte ohne Rücksicht auf ihre Konfession, wie zum Beispiel den jungen Leibniz, der mehrere Jahre in Diensten des Kurfürsten stand. Er duldete evangelische Gottesdienste in seinem Erzstift. Wegen seiner Toleranz und seinem Bemühen um friedliche Konfliktreglungen priesen ihn die Zeitgenossen als den "Deutschen Salomo".

Nachweise

Verfasser: Werner Marzi

Quelle: 2000 Jahre Mainz - Geschichte einer Stadt digital

Erstellt am: 09.06.2009