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Die Grafen von Katzenelnbogen

In Gold ein blaubewehrter, gezungter und gekrönter leopardierender roter Löwe; auf dem goldgekrönten Helm mit gold-roten Decken ein geschlossener schwarzer Flug, der je mit einer Scheibe belegt ist, darin das Schildbild.

Die zunächst Edelfreien und späteren Grafen von Katzenelnbogen führten die „Katz“ als roten Löwen in Ihrem Wappen.

Die Edelfreien von Katzenelnbogen, die sich seit 1138 nach ihrer um 1095 errichteten Burg Katzenelnbogen nannten, sind im Raum St. Goar seit Ende des 11. Jahrhunderts als Untervögte der Grafen von Arnstein bezeugt. Die Arnsteiner hatte die Vogtei über den Besitz der Abtei Prüm inne. Wie einflussreich die Familie damals schon war, zeigt die Tatsache, dass Heinrich II. von Katzenelnbogen († 1160) durch König Konrad III. als Graf (comes) in den Reichsgrafenstand erhoben wurde. Ihres ursprünglichen Besitz im Kraichgau gehen sie verlustig, es gelingt ihnen aber zusammen mit den Grafen von Nassau um 1160 die Grafschaft auf dem Einrich zu erringen. Als die Arnsteiner 1185 ausstarben, traten die Katzenelnbogen in St. Goar in deren Rechtstellung ein und es gelang ihnen rasch, den Besitz am Rhein zu einer Gebietsherrschaft auszubauen.

Mitglieder der Familie nahmen einflussreiche Stellungen ein, etwa als Bischöfe in Osnabrück und Münster oder als Ratgeber und „Beamte“ mehrerer Könige. Sieben Angehörige des Grafenhauses unternahmen Orientreisen oder nahmen an Kreuzzügen teil.

Zu Sicherung ihres Herrschaftsbereiches entstand nach 1245 anstelle einer älteren Burganlage im Tal die Festung Rheinfels über St. Goar. Rheinfels war im 13. Jahrhundert war als Hochburg der Kunst und Kultur bekannt, die dort gefeierten höfischen Feste wurden weithin gerühmt. 1276 erwarb das Grafenhaus das isenburgische „Hausen apud sanctum Goarem“, das seit 1313 St. Goarshausen genannt wird und im 14. Jahrhundert durch den Bau zweier Burgen, Burg Reichenberg im Hasenbachtal und Burg Katz (Neukatzenelnbogen) den Befestigungsgürtel mit Rheinfels verstärkten.

Um 1260 spaltete sich die Grafschaft in zwei Bereiche auf, in eine Obergrafschaft (jüngere Linie) mit Darmstadt, Reinheim, Lichtenberg, Auerbach, Zwingenberg, Dornberg und Rüsselsheim sowie in eine Niedergrafschaft (ältere Linie) mit den Bezugsorten Katzenelnbogen, Hohenstein, Braubach, Reichenberg, Burgschwalbach, Neu-Katzenelnbogen und Rheinfels/St. Goar. Über die Heirat der Gräfin Anna (ältere Linie) mit Graf Johann IV. (jüngere Linie) wurden beide Linien 1402 wiedervereinigt. Zu großem Reichtum kamen die Grafen von Katzeneinbogen durch eine rege Handelspolitik und den Erwerb zahlreicher Zollstätten am Rhein, wie etwa. Gernsheim, Mainz, Kaub, St. Goar, Boppard, Oberlahnstein, Linz, Bonn und Düsseldorf.

Die Grafschaft war organisatorisch bestens aufgestellt. Drei Landschreibereien bildeten mit 24 Kellereibezirken die Infrastruktur. Hinzu kam die Zollschreiberei St. Goar. 16 Burgen, Braubach, Schwalbach, Katzenelnbogen, Hohenstein, Reichenberg, Reinfels, Neu-Katzenelnbogen, Rüsselsheim, Stadecken, Dornberg, Darmstadt Reinheim Lichtenberg, Rodenstein, Zwingenberg und Auerbach waren im Alleinbesitz des Grafenhauses und sicherten Besitz und Rechte. Wie reich und mächtig das Grafenhaus war, zeigt u.a. die Tatsache, dass die rheinischen Erzbischöfe häufig bei ihnen verschuldet waren.

Im Jahr 1453 nutzte Graf Philipp d.Ä. von Katzenelnbogen den finanziellen Zusammenbruch der Herren von Eppstein, um Teile der Grafschaft Diez und der Herrschaft Eppstein zu erwerben. Um nach dem Tode seiner Söhne Eberhard und Philipp d.J. den Heimfall der Reichsgrafschaft an das Reich zu verhindern, übertrug Graf Philipp d.Ä. mit Zustimmung des Königs die Grafschaft an den Ehemann seiner einzigen Tochter. Anna von Katzenelnbogen war mit Landgraf Heinrich III. von Hessen verheiratet und so ging die Grafschaft nach dem Tod des letzten Katzenelnbogeners am 28. Juli 1479 an den Landgrafen von Hessen-Marburg über. Mit diese Erbschaft begründete das Haus Hessen seinen politischen und wirtschaftlichen Aufstieg.

Nachweise

Verfasser: Dr. Stefan Grathoff

Verwendete Literatur:

  • Demandt, Karl E.: Die Anfänge des Katenelnbogener Grafenhauses und die reichsgeschichtlichen Grundlagen seines Aufstiegs, in: Nassauische Annalen 63 (1952), S. 17-71
  • Ders.: Die letzten Katzenelnbogener Grafen und der Kampf um ihr Erbe, in: Nassauische Annalen 66 (1955), S. 93-132
  • Ders: Kultur und Leben am Hofe der Katzenelnbogener Grafen, in: Nassauische Annalen 61 (1950), S. 149-180.
  • Krieger, Dieter: Die Grafen von Katzenelnbogen, in: www.heraldik-studio.de [26.11.2009], URL: http://www.heraldik-studio.de/catz.htm

Geändert: 26.11.2009