Geschichtsmobil

  • Geschichtsmobil

Das Geschichtsmobil - regionalgeschichte.net unterwegs

Das Geschichtsmobil vor dem Mainzer Dom[Bild: Mercedes-Magazin]

Mit der fahrbaren Forschungsstation "Geschichtsmobil" fährt das Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz seit Oktober 2009 Ziele in Rheinland-Pfalz an, um die Menschen vor Ort mit individuell gestalteten Mini-Ausstellungen und interaktiven Bildungsangeboten zu erreichen. Wo immer das Mobil auftaucht, informieren die Mitarbeiter des Instituts über die Geschichte der angesteuerten Objekte, sammeln Dokumente aus Privatbesitz, digitalisieren diese mit Hilfe modernster Technik und bereiten die so gewonnenen Erkenntnisse anschließend sowohl im Rahmen von regionalgeschichte.net als auch auf traditionellem Wege auf.  So wird Geschichte im direkten Austausch mit den Menschen von heute lebendig.

Die Tätigkeiten des IGL lassen sich am besten mit den Stichworten "Forschen – Vermitteln – Mitmachen" umschreiben. Neben historischer Grundlagenforschung ist es ein Hauptziel unserer historisch-germanistischen Einrichtung, akademische Grenzen abzubauen und Menschen dazu zu ermutigen, ihr kulturelles Wissen in die Forschungsarbeit einzubringen. Konsequent verwirklicht das IGL diesen Ansatz seit einigen Jahren mit dem Internetportal regionalgeschichte.net. Das IGL ist bundesweit die einzige Institution, die historisch interessierte Laien auf derart breiter Basis in ein landesgeschichtliches Internetangebot einbindet.


Doch Geschichte im Internet erreicht bei weitem nicht jeden. So scheuen sich vor allem ältere Menschen oft vor der neuen Technik – obwohl gerade sie enorm viel landesgeschichtliches Wissen beizusteuern haben. Die älteren Bürgerinnen und Bürger verfügen über z.T. umfangreiche Informationen zur Ortsgeschichte -historische Fotos, Urkunden, Dokumente, Sammlungen zur regionalen und lokalen Geschichte schlummern unbeachtet in vielen Schubladen und sind nach dem Ableben der Besitzer oftmals für immer verloren, wenn sie nicht den Weg in die Wissenschaft finden. Oder eben die Wissenschaft den Weg zu ihnen. So entstand im IGL vor einiger Zeit die Idee zum Geschichtsmobil, einer fahrbaren Forschungsstation, die es den Historikern erlauben soll, selbst den Kontakt mit den Menschen vor Ort und ihrem kulturhistorischen Wissen herzustellen.

Diese Idee ist mit der Anschaffung des Mobils Wirklichkeit geworden. Ganz nebenbei wurde auf diese Weise wird auch eine Versorgungslücke geschlossen. Denn während die Vermittlung von Ortsgeschichte in größeren Städten durch staatliche Einrichtungen gewährleistet ist, blieben die kleineren Gemeinden selbst in alten Kulturlandschaften wie etwa Rheinhessen bisher weitgehend unberücksichtigt. Man muss zu den Menschen gehen, um sie für eine Sache zu begeistern - dieses Konzept, das in anderen Bereichen, z.B. bei Wahlen, eine Selbstverständlichkeit ist, wird in der Geschichtswissenschaft noch kaum umgesetzt. Insofern ist das Geschichtsmobil etwas völlig Neues. Neben seiner Forschungsfunktion dient das Mobil auch als Schulungszentrum. Ziel ist es, die Medienkompetenz der Bürgerinnen und Bürger in Sachen Internet zu erhöhen, um sie direkt am Entstehungsprozess historischer Online-Inhalte beteiligen zu können. Mit kleinen Ausstellungen im Gepäck zeigt das Auto nicht zuletzt Präsenz bei regionalen und überregionalen Veranstaltungen.

Das Geschichtsmobil - samt Austattung - wurde vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur aus den Mitteln des Konjunkturpakets II finanziert.