Fenster
Bis in das 13. Jahrhundert hinein waren viele Fenster nur dazu bestimmt, Licht in die Räume zu lassen. Wie bei den heutigen Oberlichtern befand die Fenstersohle erst in Kopfhöhe. Mit dem Aufkommen von Fensterverschlüssen ging man aber rasch dazu über, die Fenster so tief zu legen, dass man auch hinausblicken konnte. Glasfenster kamen erst im 14. Jahrhundert auf den Burgen in Gebrauch.
Schon im 12. Jahrhundert sparte man Fensternischen aus, in denen Seitenbänke eingebaut wurden. Diese Fensternischen wurden im 13. Jahrhundert allgemein üblich und blieben es bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Die Nischen konnten die Ausmaße eines kleinen Zimmers haben. Fensternischen finden sich meist nur in den oberen Stockwerken. Sie waren dann so ausgelegt, dass sie zur Verteidigung benutzt werden konnten Wehrgang. In den unteren Stockwerken gab es aus Sicherheitsgründen nur kleine Außenfenster, manchmal nicht größer als ein Licht- oder Luftschlitz.
Die Fensterrahmen waren meist aus sorgfältig gehauenem Sandstein gefertigt. Wie aus den mittelalterlichen Baurechnungen hervorgeht, wurden Fenstersteine teilweise aus weit entlegenen Gegenden importiert und auf die Burgbaustelle gebracht. Die Formen und die Anordnung der Fenster zeigen eine große Vielfalt.
Fensterformen
Grundform des Fensters auf den Burgen war das einfache, hochrechteckige, rundbogig abgeschlossene Fenster (Kuppelbogenfenster). Gekuppelte Fenster finden sich an den Palasbauten und gelegentlich an den obersten Geschossen der Bergfriede und Wohntürme. Besonders aufwendig und repräsentativ waren Arkadenfenster mit einer, zwei, drei oder mehr Mittelsäulen, die vorwiegend an repräsentativen Palasbauten Verwendung fanden.
Solche Arkadenfenster mit mehrfach gekuppelter Arkadenöffnung sind etwa in der Pfalz Gelnhausen, auf Burg Münzenberg und der Burg in Büdingen zu bewundern. Auch die Burgen Salzburg und Wimpfen in Bayern, die Wartburg und Rothenburg in Thüringen sowie die Albrechtsburg in Sachsen verfügten über einen besonders dekorativen Fensterschmuck.
Daneben gab es Fenster, deren Sturz die Form eines Halbkreises besaß. Erst in späterer Zeit (14. Jahrhundert) kamen aufgrund der zunehmenden Verglasung der Fenster kleinere, rechteckige Formen in Mode.
Fenster mit geraden Stürzen oder flachen Stichbögen gab es selten, ebenso die kleinen kreisrunden Fenster. Fenster mit Spitzbogen kamen erst Anfang des 13. Jahrhunderts auf. Die Fensterrahmen weisen mannigfaltige Verzierungen auf. Am Oberrhein und in Sachsen begann man im späten 11. Jahrhundert, die äußeren Fenstergewände zu profilieren und plastisch zu verzieren. Man findet Kreise, Vierecke, Rosetten, Zickzack- und Schachbrettornamente.
Die selten zu beobachtenden ziegelgewölbten Fensterbogen stammen überwiegend aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
Fensteranordnung
Das Mittelalter kennt, was die Gestaltung und Anordnung der Fenster betrifft, keine Gleichförmigkeit und keine Symmetrie. Fenster wurden dort gesetzt, wo man sie benötigte. Ihre Lage, Größe und Ausführung richtete sich nach dem Zweck des dahinter liegenden Raumes. Oft lässt sich an den Fenstern erkennen, um welche Art von Raum es sich handelt: Kapelle, Wohnraum, Wirtschaftsraum oder Wehrraum. Die unregelmäßige Bauweise entsprach dem ästhetischen Empfinden der Zeit, sie diente aber in erster Linie der Sicherheit des Gebäudes. In einer Linie übereinander gesetzte Fensteröffnungen unterbrachen die statische Geschlossenheit der Mauer so nachhaltig, dass auch Entlastungsbögen und Fensterstürze ihre Wehrhaftigkeit nicht gewährleistet konnten.
Fensterverschlüsse
Gegen die Kälte und den Windzug brachte man an den Fensteröffnungen einfache Windläden aus Eichenbalken oder mit Blech beschlagene Platten an. Verschlüsse gab es aber auch aus Stroh (vensterschübel), geölten und gewachsten Leintüchern, gegerbte dünnen Tierhäuten (Darm und Blase), dünn geschabten Hornplatten, geöltem Papier und durchscheinenden gefirnisten Pergamenten sowie Wachstüchern. In Thüringen verfügte man über das Spat- bzw. Marienglas, perlmutglänzende Tafeln aus kristallisiertem Gips. Wegen der wenigen und gegen Kälte sowie Zugluft meist verschlossenen Fenster drang nur schwaches Licht in die Räume.
Die Läden wurden mit Balkenriegeln verschlossen. Noch heute sieht man in manchen Fensternischen noch entsprechende Aussparungen für die Fensterriegel.
Bei Fenstern, deren Läden außen vorgesetzt wurden, erkennt man häufig noch die entsprechenden Falze, auf denen der Laden aufsaß. Im 12. Jahrhundert hatte man auch Klappläden mit an der Oberkante sitzenden Scharnieren. Fensterläden mit rückwärtiger Verstrebung im Gewände gab es seit Anfang des 13. Jahrhunderts. Im 14. Jahrhundert findet man gelegentlich auch Schiebläden und erst im 16. Jahrhundert kamen Fensterangeln oder an Bändern drehbare Fenster in Gebrauch. Diese waren oft mit den Wappenfarben, einem Schrägkreuz und dergleichen bemalt. Eiserne Fensterläden sind u.a. noch im bewohnbaren Bergfried von Wachenheim erhalten. Zu den Fensterverschlüssen im weitesten Sinne gehört auch das Eisengitter, das in manchen Gegenden auf Burgen gebräuchlich war.
Glasfenster
Mittelalterliches Glas wurde aus einem Gemenge von Quarzsand und Soda hergestellt. Als im 10. Jahrhundert nördlich der Alpen der Handel mit Soda abbrach, trat die Asche (Potasche) aus der Holzverbrennung in den Vordergrund. Mittelalterliche Glashütten lassen sich nur sehr selten nachweisen.
Glashütten mussten wegen des hohen Holzbedarfes in Waldgebieten (Spessart, Bayerischer Wald, Rheinland) eingerichtet werden. Nach ca. 10 Jahren waren die Holzvorräte in der Umgebung der Hütte erschöpft und der Standort musste gewechselt werden. Die Existenz einer mittelalterlichen Hütte ist daher meist nur durch urkundliche Erwähnung oder durch Zufallsfunde nachzuweisen.
Man kannte Hohl- und Flachglas, die beide im Blasverfahren hergestellt wurden. Durch spezielle Verfahren war es möglich, das Glas einzufärben. Das Glas hatte eine braun-grüne Färbung. Die seit dem 11./12. Jahrhundert entstehende venezianische Glasproduktion beeinflusste auch den Herstellungsprozess und die Glasgestaltung nördlich der Alpen. Mitte des 15. Jahrhunderts wird die Anfertigung farblosen Transparentglases perfektioniert.
Später als in kirchlichen und städtischen Gebäuden, hielt das Glas auf Burgen Einzug.
Die Fertigung von Glas war den Römern bereits bekannt und ganz vereinzelt wurde es seit dem 5. Jahrhundert im Kirchenbau verwendet. Im späten 12. Jahrhundert sind Glasfenster hin und wieder als besonderer Luxus in Privathäusern zu finden. In Lützelhardt/Lahr, 1225/35 errichtet, wurden Reste der Bleieinfassung eines Fensters gefunden. Aber auch in der Stadt waren Glasfenster im 15. Jahrhundert noch keineswegs selbstverständlich und nur in reichen Patrizierhäusern anzutreffen.
Erst im 14. Jahrhundert, setzte die teure Verglasung der Burgfenster ein, , als, aus dem Orient eingeführt, Mondglas und Butzen in Deutschland hergestellt wurden.
Auf den Burgen fanden überwiegend Butzenscheiben Verwendung. Sie hatten meist rhombische, selten eine rechtwinklige Form und wurden stets in Blei gefassßt. Beliebt waren offensichtlich auch Zusammenstellungen von viereckigen und runden Butzenscheiben, wie man später auch Rhomben und Sechsecke kombinierte.
Bei den ganz verglasten Fenstern brachte man oft kleine besondere Flügel an, die in Angeln hingen oder seitwärts zurückgeschoben werden konnten. Später konnte auch das ganze "fahrende" Fenster als Schiebfenster in die Mauer zurückgedrückt werden. Gelegentlich wurden die Gläser mit Wappen u.ä. bemalt. Durch das Glas kam zwar Licht herein, wärmeisolierend wirkte es aber nicht. Hier mussten wieder hölzerne Fensterläden vor Wind und Kälte schützen.
Bogenfenster
Romanischer Rundbogen, gotischer Spitzbogen, gemauert oder aus Werksteinen, gelegentlich zu zweit oder dritt gekuppelt mit Säulchen und Pfeilern.
Butzenscheiben
Die im Durchmesser etwa sechs Zentimeter messenden, meist grün oder wasserfarben, in Blei gefassten runden Glasscheiben, kamen im deutschsprachigen Raum im 14. Jahrhundert auf und waren im 16. Jahrhundert sehr verbreitet. Sie haben in der Mitte eine Verdickung, den "Butzen". Butzenscheibenfenster gestatten einen milden Lichteinfluss in den Raum, aber keinerlei Ein- oder Ausblicke. Im Historismus wurden sie im bürgerlichen Hausbau wieder beliebt, wo sie manchem gründerzeitlichen Mietshaus ein altdeutsches Gepräge gaben.
Die Butze wurde in einer Größe bis zu 12 cm gefertigt und als ganzes Scheibchen verarbeitet, während das größere Mondglas (40 bis 100 cm) in einzelne Segmente zerteilt wurde.