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Die Handfeuerwaffen des Mittelalters

Erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts kommen Handfeuerwaffen in unterschiedlicher Bauweise auf. Es gab Rohre, die der Schütze unter den Arm klemmte und solche die er gegen den Boden stemmen musste, um den Rückstoß aufzufangen. Die Reichweite der Handfeuerwaffen unterschied sich kaum vom Aktionsradius von Pfeil und Bogen bzw. Armbrust. Sie betrug 50 bis 100 Meter. Die Durchschlagskraft und damit die zerstörerische Wirkung war aber ungleich höher.
Die ersten Handfeuerwaffen waren Vorderlader, d.h. die Kugeln wurden von vorne in die Rohrmündung geschoben. Die Zündung erfolgte zunächst über eine Lunte, die an das mit Pulver gefüllte Zündloch gehalten werden musste. Dies war äußert umständlich, denn eine Person allein konnte nicht zugleich zielen und abfeuern. Einfacher gestaltete sich dies, als man den Hahn erfand, in den eine Lunte eingeklemmt wurde. Wenn der Schütze den Luntenhahn niederschlug, entzündete sich das Pulver in der Zündpfanne, reagierte mit dem Schußpulver und der Schuß ging los. Dem Luntenhahn folgte die Entwicklung des Luntenschlosses. Jetzt genügte ein Fingerdruck, um den Hahn mittels einer Feder niederschnappen zu lassen.
Der Schütze trug die Pulverbüchse an einem Band um den Hals. Darin wurden die kleinen hölzernen Pulvermaße aufbewahrt, in denen die im Voraus abgemessene Pulvermenge für jeweils einen Schuss enthalten war. Außerdem führte er einen Vorrat an Kugeln mit sich und ein Pulverhorn mit dem Zündpulver.

Handbüchse

Als früheste Form einer Handfeuerwaffe ist die Handbüchse zu nennen, die auch als Lotbüchse, Knallbüchse, Faust- bzw. Handrohr bezeichnet wird. Die ersten Knallbüchsen tauchten Ende des 14. Jahrhunderts in Italien und in der Schweiz auf. Diese geschmiedeten oder aus Bronze gegossenen Rohre waren 30 bis 40 cm lang und als Munition dienten  ihnen hauptsächlich Bleikugeln (Lot). Sie wurden entweder auf einem schmalen Holzbalken mittels Eisenbändern fest montiert oder am hinteren Ende an einer Holz- bzw. Eisenstange befestigt. Diese Handbüchse stemmte man mit dem Stiel in den Boden, klemmte sie in die Achselhöhle, legte sie auf die Schulter, stemmte sie gegen die Brust oder hielt sie mit beiden Händen frei vor sich. Genaues Zielen war so natürlich nicht möglich.  

Hakenbüchse

Da man mit den Handbüchsen schlecht zielen konnte, brachte man an der Unterseite Haken an, die man in eine Mauerritze einklemmen konnte und so den Rückstoß auffingen. Diese neue Form der Handbüchse nannte man Hakenbüchse Doppelhaken. Sie wurde vom späten 14. bis ins 16. Jahrhundert gebraucht. Sie war aus Eisen geschmiedet oder aus Bronze gegossen und hatte eine Rohrlänge von ungefähr einem Meter. Sie besaß Hahn, Feder und Drücker, konnte somit von einer Person bedient werden [Handfeuerwaffen]. Die Hakenbüchse ist der Urahn des modernen Gewehrs.

Radschlossbüchse und Steinschlossgewehr

Die Radschloßbüchse soll 1515 in Nürnberg erfunden worden sein. Die Besonderheit dieser Handbüchse ist die Zündung: Mit dem Zug am Hahn wurde ein kleines Stahlrad in Drehung versetzt, brachte Stückchen von Eisen- oder Schwefelkies durch Reibungswärme zum Glühen und entzündete schließlich die Ladung. Die Radschloßbüchse vermochte nie, die mit der Lunte gezündete Hakenbüchse gänzlich zu verdrängen, da deren Mechanismus einfacher, solider und sicherer war. Zudem zerbröckelte der Schwefelkies im Kampf häufig und machte das Gewehr funktionsunfähig.
Bei den später eingeführten Steinschloßgewehren ersetzte der härtere Feuerstein das aus Stahl gefertigte Rad, während an die Stelle des Schwefelkieses feine Stahlspäne traten, die nun das Material für die Funken lieferten.

Arkebuse

Die Arkebuse war eine schwere, geschmiedete Handfeuerwaffe des 15. Jahrhunderts. Sie war auf einem Holzstück befestigt und konnte in der Regel von einem einzelnen Mann bedient werden. Anfänglich befand sich das Zündloch oben auf dem Rohr und konnte einen Zündlochdeckel besitzen, der mit Zapfen oder Scharnier befestigt war. Dieser schützte die Ladung vor Feuchtigkeit. Später wurde das Zündloch an der rechten Seite des Rohrs angebracht.

Munition

Steinkugeln wurden von den Büchsenmeistern in der erforderlichen Größe bei Steinmetzen bestellt und mit Hilfe von Holzschablonen (Lehren) gefertigt. Sie wurden bevorzugt aus Granit, Trachit, Basalt oder Sandstein hergestellt. Steinkugeln waren vor allem deshalb beliebt, weil sie leicht zu bekommen und einfach zu bearbeiten waren. Als Nachteil erwies sich, dass Steinkugeln beim Aufprall leicht zerplatzten und ihre Wirkung dadurch verfehlten.
Deshalb verstärkte man sie eine Zeitlang mit gekreuzten eisernen Bändern, die aber keine entscheidende Abhilfe brachten. Im 15. Jahrhundert wurden die Steinkugeln von den Eisenkugeln weitgehend verdrängt. Sie wurden vor allem von den großkalibrigen mauerbrechenden Steinbüchsen verschossen, aber auch kleinkalibrige Waffen wurden mit ihnen bestückt.

Blei- und Eisenkugeln

Die ersten Bleikugeln sollen der Düringischen Chronik zufolge im Jahr 1365 vom Herzog von Braunschweig benutzt worden sein. Diese neue Geschoßart wurde einige Zeit später zusammen mit einer großen Anzahl eiserner Kanonen von deutschen Fabrikanten nach Norditalien geliefert, wo sie von den Venetianern erfolgreich bei der Belagerung von Claudia-Fossa eingesetzt wurden. Dies zeigt, wie schnell sich Blei als Kugelmaterial verbreitet hatte. Da das spezifische Gewicht von Blei höher ist, hatte die Bleikugel eine größere Reichweite als die Steinkugel. Kugeln aus reinem Blei wurden aber nur bei kleinen Kalibern verwendet. Da Blei zudem teuer war, wurde bei größeren Kugeln ein Eisenkern mit einem Bleimantel überzogen, was dank des harten Eisens die Wirkung beim Einschlag sogar noch erhöhte. Gegen 1400 trat an die Stelle der teuren Bleikugel die eiserne Vollkugel.

Steinbomben

Die Steinbombe des 14. und 15. Jahrhunderts war ein typisches Geschoß der großen Steinbüchse. Die Bomben bestanden aus zwei Hohlkugelhälften aus Stein oder Holz, die mit Pulver gefüllt und danach mit Eisenbändern verschlossen wurden. Ihre Zündung erfolgte durch eine in die Bombe reichende Lunte, die vor dem Abfeuern angesteckt werden musste. Bei Bomben aus Holz wurde ein mit Pulver gefüllter Federkiel verwendet, der sich beim Abfeuern des Geschützes durch die Treibladung "selbst" entzündete.