Wie leidenschaftlich Angaben in Biographien kommentiert werden, zeigt sich in einem Beitrag eines regioNet-Lesers
Sehr geehrte Damen und Herren, es ist schon erstaunlich, wie viele Fehler man in einem so kurzen Text veröffentlichen kann. Zur Richtigstellung:
- Thonet fertigte ab Werkstattgründung 1819 NICHT nach eigenen Entwürfen, sondern in Anlehnung an die gängigen Musterbücher für Schreiner seine Möbel.
- Der Text impliziert, Thonet habe eine neue Technik bereits ab 1819 angewendet. Richtig ist, dass er erst ab den 1830er Jahren Möbel aus gebogenem Holz in Schichtverleimtechnik herstellte.
- Das Verfahren des Biegens von Rundstäben hat er erst ab 1859 in Koritschan angewendet und nicht bereits in seiner Bopparder Werkstatt
- Die Erkenntnis mit dem "dünnen Leim?" ist falsch! Der Leim wurde in der Technik der Schichtverleimung nicht "verdünnt".
- Die schichtverleimten Möbel hatten eben gerade nicht die propagierte "große Festigkeit"- im Gegenteil: sie gingen beim Export durch andere klimatische Zonen extrem leicht AUS DEM LEIM. In Konsequenz dessen wurde diese Technik dann später auch aufgegeben.
- 1849 hat Thonet nicht MIT seinen 5 Söhnen eine Firma gegründet. ER allein hat sie gegründet – nannte sie aber vorausschauend Firma Gebrüder Thonet. 1849 war sein Sohn Jacob gerade mal 8 Jahre alt. Und der soll dann schon Mitbegründer einer Firma gewesen sein?
- Die Söhne haben den Betrieb NICHT ab 1853 weitergeführt. Michael Thonet war auch weiterhin der Chef des Unternehmens bis zu seinem Tod. Erst dann wurde die Firma durch die Kinder weitergeführt.
- Wieso heißt es "inzwischen weltweitem Vertrieb". Das impliziert eine lange Entwicklung hin zu einer globalen Verkaufsstrategie, die nun endlich erreicht zu sein scheint. Der weltweite Vertrieb setzte bereits in den 1850er Jahren ein. Der Umsatz der Firma war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts deutlich größer als heute.
(Heinz Kähne)