Die Franzosen erobern im Jahr 1792 Mainz

Nach der Französischen Revolution von 1789 war es zum Konflikt zwischen Frankreich und dem Reich gekommen (Revolutionskriege). Am 20. April 1792 begann der Krieg zwischen Ludwig XVI. und den Bündnistruppen (Österreich, Preußen, Russland, Hessen-Kassel und Baden). Nach der Kannonade von Valmy (20. 09.1792) drangen französische Truppen unter General Custine in die Pfalz ein und eroberten das Fürstbistum Speyer. Von Landau kommend umzingelten die Franzosen am 19. Oktober 1792 die Stadt; am 21.10.1792 wird die völlig unzureichend besetzte Festung Mainz ohne Gegenwehr besetzt.
Befehlshaber der Rheinarmee war Adam Philippe Comte de Custine, ein General, dessen strategisches Talent hinter seinem politischen und psychologischen Fähigkeiten zurückblieb. Er verstand es, seine schlecht ausgerüstete und ausgebildete Armee so zu motivieren, dass sich militärische Erfolge einstellten.
Mainz war nicht nur Residenz des vornehmsten Kurfürsten, des Erzkanzlers des Reiches, sondern die Stadt war mit seiner vor kurzem neu gegründeten Universität und seinen ca. 30.000 Einwohnern, geistiges und kulturelles Zentrum. Kurfürst Joseph von Erthal hatte in den 1780er Jahren die Universität wieder in Gang gebracht, eine bescheidende Bildungsreform durchgeführt und aufgeklärte Gelehrte an die "Hohe Schule" berufen. Ihr prominentester Angehöriger war Georg Forster.
Professoren und Studentenschaft hatten die revolutionäre Entwicklung in Paris aufmerksam verfolgt, gerade bei ihnen fielen die Ideen der Revolution auf fruchtbaren Boden Kurfürst Friedrich Carl Joseph Erthal, der kurfürstliche Hofstaat und nahezu der gesamte Adel flohen beim Herannahen der französischen Truppen. Der Kurfürst begab sich nach Aschaffenburg.

Französische Besatzung

General Custine richtete sich in Mainz für den Winter ein. Zunächst ging er daran, die größte deutsche Festung, weiter auszubauen. Vor allem befestigte er den rechtsrheinischen Brückenkopf Kastel. Gleichzeitig legte er großen Wert darauf, nicht als Eroberer oder Unterdrücker, sondern als Befreier der politisch rechtlosen Bevölkerung aufzutreten. Er bemühte er sich, die Bevölkerung von den Ideen der Revolution zu überzeugen, doch angesichts der unsicheren militärischen lage verhilet sich die städtische Bevölkerung zunächst eher vorsichtig-abwartend. Doch eine in 40 Ortschaften des Mainzer Umlandes durchgeführte Umfrage zeigte - zumindest nach entsprechender Propaganda - eine überwiegende Zustimmung der landbevölkerung zu den revolutionären Veränderungen.
Auch gegenüber der Kirche verhielt sich Custine durchaus pragmatisch. Obwohl der Kurfürst in Aschaffenburg war, erhielten einige Mitglieder des Vikariats vom französischen Kommandanten die Genehmigung, ihre geistlichen Amtsgeschäfte im linksrheinischen Gebiet weiterzuführen. Die rechtsrheinischen Belange sollten vom Aschaffenburger Vikariat geführt werden.

Redakt. Bearb. S.G.