Hinweise

Literaturtipps

  • Bundesarchiv und Stadt Mainz (Hrsg.): Deutsche Jakobiner. Mainzer Republik und Cisrhenanen 1792-1798. 3. Bde. Mainz. 1981.
  • Dumont, Franz: Die Mainzer Republik von 1792/93. Studien zur Revolutionierung in Rheinhessen und der Pfalz. Alzey 1982.
  • Landtag Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Die Mainzer Republik. Der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent. Mainz 1993.
  • Scheel, Heinrich: Die Mainzer Republik. 3 Bde. Berlin 1981-1989.

Die Mainzer Republik (1793 )

Zwei Tage nach dem Einzug der Franzosen in die Stadt gründeten am 23. Oktober 1792 Studenten, Professoren und Bürger nach dem Vorbild des Pariser Jakobinerclubs die "Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit". Wenig später wurden solche Clubs auch in Worms und Speyer gegründet. Obwohl Custine an der politischen ordnung des Kurstaates so lange nichts ändern wollte, bis die Einheimischen sich aus freien Stücken heraus für die Annahme der "fränkischen Konstitution" ausgesprochen hätten, ersetzte er am 18. bzw. 19.11.1792 den alten beamtenapparat durch eine so genannte "Allgemeine Administration". Der Vorsitz ging an Anton Jospeh Dorsch und Georg Forster. Die Städte Mainz, Womrs und Speyer (später auch Bingen) erhielten bald darauf jeweils zusätzlich eine eigene Verwaltung.

Unter französischem Schutz entwickelte die Gesellschaft eigenständige politische Pläne: Man sprach sich für die Rheingrenze aus, man wollte sich Frankreich anschließen. Clubmitglieder korrespondierten mit anderen Clubs in Straßburg und Savoyen; es dürften auch Kontakte zu den Demokraten jenseits des Rheins bestanden haben. Über 400 Mitglieder zählte der Club. Zu ihnen gehörten Menschen aller sozialen Schichten: Professoren, Kaufleute, Bürger und Landleute. Georg Wedekind hielt Vorträge über Freiheit, Gleichheit und Demokratie, zahlreiche Flugschriften entstanden, dazu Lieder, Gedichte und republikanische Gebete. Mit Unterstützung der neuen Verwaltung und der vielen sich allerorten gründenden Jakobinerclubs betrieben die Franzosen auf dem linken Rheinufer eine massive Propaganda. Plakate und Flugblätter wurden verbreitet. Überall dort, wo man sich für die Ideen der Revolution erwärmte, wurden zu dieser Zeit - in Reminiszenz an die alte Kirchweihtradition - Freiheitsbäume aufgestellt.

Da die Bevölkerung in den "befreiten" Gebieten die neue Ordnung nur zögernd akzeptierte und die allierten Truppen auf der anderen Rheinseite erste Erfolge gegen den sieggewohnten Custine verzeichneten (Rückeroberung Frankfurt am 2.12.1792), verfügte der Pariser Nationalkonvent am 15. Dezember 1792 die zwangsweise Einführung der französischen Demokratie im besetzten Gebiet.

Am 21.1.1793 wurde Ludwig XVI. in Paris von den Republikanern (10.8.1792 Ausrufung der Republik) hingerichtet. Am 24. Februar fanden Wahlen zu einem so genannten "Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent" statt, die allerdings mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden waren. Vor der Wahl mussten die Wähler einen Eid auf Volkssouveränität, Freiheit und Gleichheit leisten. Angesichts der immer näher rückenden preußisch-hessischen Armee kam es darüber zu hitzigen Debatten und Wahlverweigerungen. Außerdem war das für die Wahlen bestimmte Gebiet zwischen Bingen und Landau nur unzureichend von der französischen Verwaltung erfasst worden. Nur 130 Orte entsandten frei gewählte Abgeordnete in den Konvent, der folglich nur im Namen dieser Orte Entscheidungen treffen konnte.

Am 17. März 1793 konstituierte sich im Rittersaal des Mainzer Deutschhauses (heute Landtag) der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent. Zum Konventspräsidenten wurde Anton Joseph Hofmann, zu seinem Stellvertreter Georg Forster gewählt. Die Abgeordneten beschlossen, dass jene Landstriche, aus denen Deputierte zum Nationalkonvent gekommen waren, einen "Rheinisch-Deutschen Freistaat" bilden sollten. Der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent schaffte unverzüglich "alle bisherigen angemaßten willkührlichen Gewalten" ab und erklärte per Dekret vom 18. März 1793 das Gebiet von Landau bis Bingen zu einem unabhängigen, auf Freiheit und Gleichheit gegründeten Staat und das Volk zum einzig rechtmäßigen Souverän. Noch am gleichen Tag rief der Präsident Hofmann vom Balkon des Deutschhauses den Rheinisch-Deutschen Freistaat aus. Aber schon wenige Tage später, am 21. März 1793, beschloss man einen Antrag auf Anschluss der gerade ausgerufenen Republik an Frankreich beim Pariser National-Konvent zu stellen, da der Rheinisch-Deutsche Freiheit aus eigener Kraft nicht lebensfähig war. Der Mainzer Konvent schickte daraufhin Georg Foster, den Mainzer Doktor Adam Lux und den Kaufmann Georg Patoki nach Paris. Die Abordnung brach am 25. März auf. Der Antrag des Freistaates ("Reunionsadresse")wurde vom Pariser National-Konvent begeistert angenommen.

Doch es war bereits zu spät. Die kaiserliche Armee hatte im Gefolge der siegreichen Schlacht bei Neerwinden (28.3.1793) in der Zwischenzeit das Umland von Mainz zurückerobert und die Stadt eingeschlossen. Der Mainzer Konvent löste sich auf, viele Abgeordnete verließen fluchtartig die Stadt. Der Konvent verhängte am 27. und 28. März 1793 zwar noch mehrere Maßnahmen und wählte am 31.03.1793 eine neue "Allgemeine Administration". Doch bereits zwei Tage zuvor hatte die Vorbereitungen zur Verteidigung der Stadt gegen die Armee der deutschen Fürsten begonnen.

Mit der Eroberung der Stadt am 22./23.07.1793 und dem Abzug der Franzosen war der Versuch, die Ideen der französischen Revolution im Reich umzusetzen, vorerst gescheitert.

Redakt. Bearb. S.G.