Die "Mainzer Frage"...

Wiener Kongress (1815) und die Geburt Rheinhessens

Die Franzosen waren am 4. Mai 1814 aus Mainz abgezogen und deutsche Truppen hatten am Tage darauf die Stadt wieder in Besitz genommen, doch es sollte zwei Jahre dauern, bis die politisch-rechtlichen Verhältnisse von Stadt und Festung geklärt waren.
Am 18.9.1814 begannen die Verhandlungen in Wien mit dem Ziel, das europäische Staatensystem neu zu ordnen. Am 1.11.1814 wurde der Wiener Kongress offiziell eröffnet.

Im Wiener Kongreß (1814/15) wurden die linksrheinischen Gebiete neu verteilt. Die früher den Raum beherrschenden Territorien Kurmainz und Kurpfalz wurden nicht wiederhergestellt. Den größten Teil des heutigen Kreisgebietes erhielt das Großherzogtum Hessen-Darmstadt (Rheinhessen), das Gebiet nördlich der Nahe fiel an Preußen (Rheinprovinz). Die kirchliche Neuregelung dieser Region erwies sich als schwieriger. Nach langen Verhandlungen in Frankfurt (1818) wurde das Bistum in seiner heutigen Begrenzung neu umschrieben. Es war geographisch identisch mit dem Großherzogtum und umfasste Rheinhessen mit der Bischofsstadt Mainz sowie die Provinzen Starkenburg und das überwiegend protestantische Oberhessen mit der Universitätsstadt Gießen. Kirchenrechtlich wurde es der Oberrheinischen Kirchenprovinz, bestehend aus dem Erzbistum Freiburg und den Bistümern Rottenburg (Stuttgart), Fulda und Limburg, zugewiesen.
Mainz hatte damit nicht nur seinen Rang als Erzbistum, sondern auch wichtige seit Jahrhunderten in seinem Besitz befindliche Gebiete eingebüßt.
Die Problematik der Eingliederung Rheinhessens in das Großherzogtum bestand vor allem darin, daß die noch dem Aufgeklärten Absolutismus verpflichteten Territorien (Hessen, Preußen) auf Gebiete trafen, die aufgrund der vorausgegangenen französischen Reformen einen deutlichen Entwicklungsvorsprung hatten. Konflikten suchte man dadurch zu begegnen, dass man sich bei der Eingliederung an die ehemaligen französischen Strukturen anlehnte.

Rheinhessen wird hessisch

Seit 1797 bildete Rheinhessen den nördlichen Teil des französischen Départements Donnersberg (Mont Tonnere). Die französische Herrschaft ging mit der militärischen Niederlage 1814 zu Ende (4.5.1814 Abzug der Franzosen aus Mainz) und eine provisorische Regierung unter Leitung des Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein (1757-1831) übernahm das Land zwei Jahre lang.
Die Verbündeten schufen für eine Übergangszeit in den von ihnen besetzten Gebieten mit Generalgouvernements neue Verwaltungseinheiten, zunächst ohne die bestehenden Verwaltungseinrichtungen zu ändern. Aus den Departements Donnersberg, Saar und Rhein-Mosel wurde das Generalgouvernement Mittelrhein gebildet, dem im März 1814 noch das Wälderdepartement angegliedert wurde. Aber bereits im Juni des gleichen Jahres wurde die gemeinsame Verwaltung beendet; die Gouvernements wurden den einzelnen Mächten zugeteilt. Das Gebiet südlich der Mosel kam unter gemeinsame bayerisch-österreichische Verwaltung mit Sitz in Kreuznach; das Gebiet nördlich davon fiel an Preußen.
Auf dem Wiener Kongress wurde der größere Teil des ehemaligen Departements Donnersberg als "Rheinkreis" an das Königreich Bayern (1837 in "Pfalz" umbenannt) überweisen. Das Gebiet um Mainz kam an das Großherzogtum Hessen. Am 30. Juni 1816 wurde der entsprechende Vertrag unterzeichnet. Am 12. Juli 1816 trat Großherzog Ernst Ludwig die Herrschaft an. Erst jetzt erhielt das Land den Namen "Rheinhessen".
Gleichzeitig wurde die Festung Mainz dem Deutschen Bund unterstellt. Denn die deutschen Länder sahen die festung als wichtigstes Bollwerk gegen Frankreich an. So wurden große Summen bereitgestellt, um die Festung zu verstärken und zu modernisieren. Zusätzlich wurde eine ständige Garnison nach Mainz gelegt, die von Preußen und Österreich gestellt wurde.

Redakt. Bearb. S.G.