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Der berüchtigte Schinderhannes. Nichtsnutz, Pferdedieb, Räuberhauptmann?
Kategorie: Rheinhessenportal, Vorträge
Datum: 13.09.2008
Vortrag von Dr. Mark Scheibe, 19.30 Uhr
Im Rahmen des Zitadellenfests, veranstaltet von der Initiative Zitadelle Mainz e.V., werden am Samstag, 13. September 2008 um 19.30 Uhr im Drusussaal der Zitadelle Mainz, Bau E über 200 Jahre nach dem Tod des bekannten Kriminellen zahlreiche Geheimnisse aus seinem Leben gelüftet. Dr. Mark Scheibe, der an der Universität Mainz erstmals die Strafakten des bekannten Kriminellen aus der Sicht des Juristen beleuchtet hat und die Spuren der Räuber bis in die Neue Welt verfolgen konnte, ist den Mainzern schon länger als Forscher und „Räuberjäger“ bekannt. Weit über 1.000 Strafakten von Mainz und Frankfurt aus den Jahren der Französischen Revolution und Napoleons hat der Wissenschaftler ausgewertet und ein neues Bild von den Spießgesellen und Halsabschneidern dieser Zeit zeichnen können. Schinderhanneswar aber – anders als man ihn heute kennt – nur ein kleines Licht unter den Bösewichtern. Von wegen „Robin Hood“ oder „Räuberhauptmann“ Schinderhannes. Weder gab er den Armen, noch hatte er eine Bande, die sich um ihn scharte.
Um dem Räuber aber auf die Spur zu kommen, waren sogar Reisen bis in die Archive von Wien, Paris und nach Brasilien nötig! So waren damals Tausende von Hessen und Hunsrückern in die Neue Welt abgewandert. Dort haben sie die Berichte über den bekannten Räuber viel besser erhalten, als das heute bei uns der Fall ist. Insbesondere Romanschreiber und die Presse haben den Schinderhannes bei uns zu einer schillernden Figur gemacht. Wo man deren Bücher nicht las, blieb er das, was er tatsächlich war: ein ganz übler Verbrecher!
Besonders spannend sind aber nicht nur die alten Strafakten, sondern auch beispielsweise die Berichte des Kölner Professors Anton Keil, der durch den Taunus bis hinunter nach Frankfurt und Mainz die Gefängnisse nach bekannten Spießgesellen durchsuchte. Wer von seinen Berichten erfährt, wird keinen amerikanischen Western mehr sehen wollen – denn die wilden Schießereien und Abenteuer fanden bei uns vor der Haustür statt. So nahm Keil einmal in einer Nacht 120 Vagabunden fest. Keiner traute sich ihm zu widersetzen, denn Keil war der Schrecken selbst der professionellen Kriminellen. Neben zahlreichen, dem Publikum völlig neuen Berichten zum Schinderhannes, werden zeitgenössische Polizeiberichte unserer Gegend vorgetragen und so einspannender und kurzweiliger Abend geboten.
Der Eintritt ist frei, wegen der begrenzten Zahl an Sitzplätzen wird um rechtzeitiges Erscheinen gebeten.