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„Die Bilderhandschrift ‚Hortus deliciarum‘, ein Meisterwerk über die christliche Kultur zur Stauferzeit“

Datum: 08.03.2008

ein Lichtbildervortrag von Werner Karg

Der Verein für Landeskunde im Saarland lädt zu einem Lichtbildervortrag am 08. März 2008 um 15 Uhr in den Räumen des Historischen Vereins der Stadt Neunkirchen (Irrgartenstraße 18 in 66538 Neunkirchen) ein. Werner Karg referiert über das Thema „Die Bilderhandschrift ‚Hortus deliciarum‘, ein Meisterwerk über die christliche Kultur zur Stauferzeit“

 

Wer Interesse an der mittelalterlichen Kulturgeschichte hat, insbesondere an der christlichen Ikonographie, der sollte diesen Vortrag nicht versäumen.

 

Erläuterungen zum Vortrag

Das Kloster Hohenburg (heute Mont Ste. Odile) gilt als eines der geschichtlichen und geistlichen Zentren des Elsass. Der Konvent verfügte schon früh über eine Klosterschule, welche im 12. Jahrhundert durch die gelehrte Äbtissin Relindis, die Kaiser Friedrich I. Barbarossa nach Hohenburg berief, eingerichtet wurde. Relindis beauftragte ihre Schülerin Herrad, die ab 1167 das Amt der Hohenburger Äbtissin übernahm, mit der Anlegung der Bilderhandschrift „Hortus deliciarum“ (Garten der Freude). Dieses wohl bedeutendste Werk über die christliche Kultur zur Stauferzeit war für den Unterricht der Nonnen und Novizen, aber auch für die adligen Töchter aus der Umgebung, die sich zur christlichen Unterweisung vorübergehend im Kloster aufgehalten haben, bestimmt.

Schon rein äußerlich war der „Hortus deliciarum“ ein Monument, das 255 Pergamentblätter in großem Folio-Format 37/53 cm umfasste, denen später 69 Folios in kleinerem Format beigefügt wurden. Auf 346 farbigen, teils ganzseitigen Minaturen, die sehr zum Ruhm dieses Werkes beigetragen haben, 45 000 Textzeilen, 55 Liedern und Gedichten, hat Herrad alles zusammengetragen, was sie an Wissenswertem in der Bibel, bei den Kirchenvätern, in den theologischen und philosophischen Schriften ihrer Zeit für die christliche Bildung der ihr anvertrauten Schar fand, wobei sie den Inhalt eigenschöpferisch auflockerte und ergänzte.

Beabichtigt war die Darstellung der universalen Kirche und der in ihr verwirklichten Heilsgedanken Gottes, beginnend mit der Weltschöpfung, quer durch die Geschichte des Alten Bundes und des Neuen Testaments bis zum Weltgericht mit den Vorausdeutungen auf das himmlische Jerusalem, das leuchtende Ziel der göttlichen Heilsgeschichte.

In kulturgeschichtlicher Hinsicht ist der „Hortus deliciarum“ einmalig, denn es gibt keine vergleichbare Bilderhandschrift, die einen so tiefen Einblick in das Leben, wie es sich zur Stauferzeit zugetragen hat, gewährt.

Leider können wir uns heute nicht mehr am Original dieses bedeutenden Werkes des Denkens und Schaffens unserer mittelalterlichen Vorfahren erfreuen, da es 1870 bei der Beschießung der Stadt Straßburg mit vielen anderen bibliophilen Kostbarkeiten der Kriegsfurie zum Opfer gefallen ist. Durch vorhandene Abschriften und Abzeichnungen konnten jedoch zwei Drittel des „Hortus deliciarum“ rekonstruiert werden. Da die Textfragmente entsprechend dem Original nur in schwer verständlichem Mittelalterlatein vorliegen, war das Werk bisher nur dem Experten zugänglich. Um den „Hortus deliciarum“ auch dem deutschsprachigen Laien verständlich zu machen, hat Werner Karg bereits vor Jahren den ersten Teil der Texte in die deutsche Sprache übersetzen lassen und die Miniaturen - von der Malerin Claude Tisserant rekonstruiert – neu zusammengestellt und beschrieben. So besitzen wir jetzt ein Dokument, das eine Übersicht bietet, was in den mittelalterlichen Klosterschulen gelehrt wurde.