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„Vor hunnerd Johr is die Neinkeijer Schdrooßebahn es erschte mol die Scheib enuff gefaahr.“

Von Wolfgang Melnyk

Kategorie: Vorträge, Ausstellungen, Saarlandportal

Datum: 06.09.2007

alt und neu - der Busbahnhof 1978
alt und neu - der Busbahnhof 1978

Vortrag, Ausstellungseröffnung und Broschürenvorstellung

„Vor hunnerd Johr is die Neinkeijer Schdrooßebahn es erschte mol die Scheib enuff gefaahr.“

Der „Historischer Verein Stadt Neunkirchen“ würdigt dieses Ereignis.

 

Eine Fotoausstellung in den eigenen Räumen in der Irrgartenstraße zeigt viele, teilweise noch nicht veröffentlichte Bilder und Dokumente von der Neunkircher Straßenbahn. Am 6. September wird die Ausstellung mit einem Vortrag von Wolfgang Melnyk über „unser Schdrooßebahn“ eröffnet. Zu diesem Vortrag erscheint eine über 100-seitige Broschüre mit vielen Bildern.

 

Am 13. September 1907 fuhr in Neunkirchen zum ersten Mal die Straßenbahn im fahrplanmäßigen Betrieb von Wiebelskirchen bis zur Scheib. Dabei bewältigte die Bahn zwischen der Christuskirche und der Marienkirche etwa auf Höhe des Edenkinos das steilste Stück mit über 11% Steigung. Dass eine Straßenbahn eine solche Steigung ohne Zahnradunterstützung nur mit normalem Antrieb bewältigte, war einmalig in Europa. Entsprechend gefährlich war dieser steile Abschnitt zu befahren und in der langen Geschichte kam es hier auch immer wieder zu spektakulären Unfällen. Erinnert sei an den ersten Unfall bereits am 19. September 1907 mit zwei Toten und 20 Verletzten. Am 13. August 1959 kam es etwa an gleicher Stelle zu dem letzten schlimmen Unfall mit ebenfalls zwei Toten und 15 Verletzten. Dennoch hat die Straßenbahn auf dieser Strecke in den knapp 71 Jahren ihres Bestehens vielen Menschen einen anstrengenden Fußweg erspart.

Zu der Strecke Wiebelskirchen – Scheib kamen im Laufe der Jahre noch einige Streckenerweiterungen.

Am 9. April 1927 konnte die Strecke nach Spiesen feierlich eingeweiht werden und 1930 wurde die Strecke von der Scheib bis zur neu erbauten Steinwaldsiedlung verlängert.

1931 erfolgte die letzte große Streckenerweiterung nach Heiligenwald. Damit umfasste das Streckennetz der Neunkircher Straßenbahn fast 19 km und erreichte seine größte Ausdehnung. Der zweite Weltkrieg stellte an den Bahnbetrieb außergewöhnliche Anforderungen. Noch vor Kriegsbeginn wurde das Teilstück Dechen – Heinitz für den Betrieb einer Feldbahn auf 1000 mm Spurweite umgespurt. Nach dem Frankreichfeldzug benötigte man die Feldbahn nicht mehr und schon 1941 wurde die Gleisänderung wieder rückgängig gemacht. Die während des zweiten Weltkrieges verursachten Schäden konnten überwiegend, wenn auch nur behelfsmäßig, instand gesetzt werden. Doch der letzte Bombenabwurf am 15. März 1945 führte zu so gewaltigen Schäden an Gleisanlagen, Oberleitung und Fahrmaterial, dass der Fahrbetrieb eingestellt werden musste. Mit großen Anstrengungen setzte man nach dem Krieg die einzelnen Anlagenteile wieder instand. Es dauerte lange, bis erneut ein regulärer Fahrbetrieb stattfinden konnte.

Bereits in den fünfziger Jahren zeigten sich große Schäden am Gleiskörper, die zu Streckenstilllegungen führten. So ersetzte bereits 1953 der Trolleybus die Straßenbahnlinie 4 nach Heiligenwald und 1954 wurde die Strecke nach Wiebelskirchen auf Busverkehr umgestellt,

Noch Anfang der 60er Jahre stellten die Stadtväter Überlegungen an, die Strecke nach Furpach zu verlängern. Doch es kam anders. Die Strecke nach Spiesen wurde nach der Schließung der Zechen in Heinitz (1962) und Dechen (1964) immer unrentabler und ab 1965 ersetzten Busse die Straßenbahn auf dieser Linie.

Auch im innerstädtischen Verkehr stand die Straßenbahn immer mehr der Verkehrsplanung entgegen und so fand am 10.Juni 1978 die letzte Fahrt auf der verbliebenen Strecke vom Schlachthof zum Steinwald statt.

 

Ach hätte ma se noch, unser Schdrooßebahn!!!!!!!!!!!!!!

 

Der Vortrag mit Eröffnung der Bilderausstellung findet am 6. September 2007 um 19.00 Uhr in der Geschäftsstelle des HVSN in der Irrgartenstraße 18, 66538 Neunkirchen statt.

 

Gäste sind wie immer willkommen, Nichtmitglieder zahlen drei Euro.

 

Die Broschüre kann ab dem 7. September beim HVSN, in der Buchhandlung König (Bahnhofstraße) und in der Adlerapotheke (Zweibrücker Straße) zum Preis von 6,90 € erworben werden.

 

Die Bilderausstellung kann bis Ende Oktober jeden Donnerstag von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr besichtigt werden.

Wir suchen noch weiteres Bildmaterial, Anekdoten und sonstige Geschichten zur Straßenbahn. (Horst Schwenk Tel.: 06821/88670, Wolfgang Melnyk Tel.: 06821/87440, eMail: melnyk@email.de