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Wie Völker hassen lernen

Datum: 06.02.2007

Prof. Dr. Michael Kißener (Mainz) referiert über das Verhältnis von Deutschen und Franzosen im 19. Jahrhundert

Im Rahmen der Vortragsreihe des "Instituts für geschichtliche Landeskunde an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz findet dieser Vortrag am

Dienstag, den 6. Februar 2007 um 19 Uhr im Kardinal-Volk-Saal zu Mainz (Erbacher Hof, Grebenstraße 24-27)

statt.

Vor etwas mehr als 60 Jahren hat die französische Besatzungsmacht die Universität Mainz gegründet, vor bald 60 Jahren das Land Rheinland-Pfalz. Grund genug, die Präsenz Frankreichs am Rhein in ihrer ganzen historischen Tiefe und in unterschiedlichen Facetten in Erinnerung zu rufen.
Der Blick reicht zurück bis in die Zeit vor der Entstehung Frankreichs und Deutschlands, als der Vertrag von Verdun 843 die Lande am Rhein von Mainz bis Speyer dem Reich Ludwigs "des Deutschen" hinzufügte, um des Weines willen, der dort wächst. So der Chronist Regino von Prüm, der damit nur einen Reichtum dieser Landschaft nannte, die Otto von Freising als "stärkste Kraft des (Römisch-Deutschen) Reiches" rühmte. Freilich hatte man im Westen die alten Kernlande des Karlsreiches nicht vergessen. Nach dem Untergang des lotharingischen Mittelreiches scheiterten die Vorstöße der westfränkischen Könige bei Andernach und Pfeddersheim. Die wechselseitige Anerkennung besiegelten Karl III. (von Westfranken) und Heinrich I. 921 symbolträchtig auf einem Schiff mitten im Rhein. Wenige Jahre später allerdings optierten die lotharingischen Großen für Heinrich I. und verschoben damit, nach wechselvollen Jahrzehnten, die Grenze des Ostfränkisch-Deutschen Reiches für Jahrhunderte weit nach Westen.
Schon im späten Mittelalter freilich sprach man in Frankreich vom Rhein als natürlicher Grenze. In politisches Handeln umgesetzt, führte das in der Zeit des Absolutismus zu friedlichen und kriegerischen Eroberungen, die tief in das historische Gedächtnis der betroffenen Lande am Rhein gesunken sind. Gleichzeitig faszinierte die französische Kultur, und die Große Revolution wurde hierzulande begrüßt. Das 19. Jahrhundert hielt am Erbe der französischen Zeit fest, vereinte Franzosen und Deutsche (und Engländer) in der Begeisterung für die Rheinromantik, "lehrte aber auch die Völker hassen" – mit den verheerenden Folgen der Weltkriege und der Okkupation im 20. Jh. Die Älteren unter uns haben die Verwandlung der "Erbfeinde" in "Freunde" mit freudigem Erstaunen miterlebt, für die Jüngeren ist sie eine Selbstverständlichkeit, von der wir alle hoffen, dass sie ewig bleibt.

Weitere Auskünfte:

Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.
Johann-Friedrich-von-Pfeiffer-Weg 3
55099 Mainz
Tel.: 06131 / 39 20 102 (Sekretariat)
Fax: 06131 / 39 25 508
E-Mail: igl{at}uni-mainz.de