Hunsrück

Dill, Stierstall

Für eine bäuerliche Gemeinde war die Stierhaltung oder des Faselviehes eine wichtige Angelegenheit, hing doch davon der Viehbestand mit dem Nachwuchs eines ganzen Dorfes ab und damit ein beachtlicher Teil der Lebensgrundlage.

Die Haltung war verantwortungsvoll und für frühere Zeit auch kostspielig. Es entstand deshalb darüber ein umfangreicher Schriftverkehr.

Schon bald  nach Übernahme der Rheinlande durch die Preußen wurden Gesetze und Ordnungen über die Haltung von Faselvieh erlassen ( 19. Feb. 1820, 9. Aug. 1826). Ehe diese als Gemeindeeinrichtung übernommen wurde, wurde sie von Privatleuten versehen. Manchmal wechselte die Haltung von Haus zu Haus. 1827 erhielt der damalige Stierhalter 9 ½ Mlt Hafer badischen Maßes oder 32 Scheffel. Hinzu kam die Nutzung der ‘Stierswiese’ und einer Bütze im Pfarrgarten. In einem schriftlichen Vertrag waren alle Bedingungen festgehalten.

Da hieß es u.a. in Punkt IV.: „Der Stierhalter ist verpflichtet, einen tüchtigen und für tauglich anerkannten Stier vom Glan oder der Nahe anzuschaffen. Beim Ankauf solle er den Ortsvorsteher zu Rate ziehen. Der Polizei war die Überwachung der Haltung übertragen. V. Bei ungehöriger Pflege konnte eine Strafe verhängt werden. VI. Der Halter soll das Zutrauen der Gemeinde besitzen und einen Bürgen stellen. VII. Für auswärtige Kühe durfte der Stier nicht hergegeben werden VIII. Bei Selbstverschulden konnte vom Halter eine Entschädigung verlangt werden“. Ein Peter Herber forderte für die Haltung 45 T, den Zuschlag erhielt Carl Schmidt für 29 T.

Diese Form der Haltung ging bis 1865, als man sich entschloss, einen Gemeindestier zu beschaffen. Die Kosten sollten auf die Viehhalter entsprechend der Zahl der Kühe umgelegt werden. Bald musste wegen Zunahme des Rindviehbestandes an einen zweiten Bullen gedacht werden Es wurden Beschlüsse gefasst, Überlegungen  zur Finanzierung angestellt und eingegangene Beschwerden behandelt 1901 meldete sich Adam Schüler, der die Tätigkeit für 25 Mk übernehmen wollte. 1904 wurde eine Staatsbeihilfe von 300 Mk zum Kauf eines 2. Stieres gewährt.

Inzwischen war der Bau eines Stierstalles erforderlich. Nach langen Verhandlungen und Prüfung der Kostenanschläge der Handwerker wurde damit begonnen. Die Planung übernahm der Kreisbaumeister. Friedrich Litzenburger lieferte das Holz den lfd. m für 23 Pf und als Lohn  fürs Beschlagen der lfd. m 12 Pfg. Hinzu kam die Stellung der Kost „ohne Branntewein“. Die Maurerarbeiten übernahm Jacob Schneider von Laufersweiler, die Dachdeckerarbeiten Peter Liesch von Nierdsohren. Die Schreinerarbeiten besorgten Adolf Weber und Adam. Der Klempner Clemens Meinhard kam aus Sohren. Die Preise für Baumaterialien und Erdarbeiten waren: Erdarbeit pro lfm. 1,50 M; Bruchsteine pro cbm 2,80 Mk. Ziegel cbm 3,75 M, Schwemmsteinen cbm 0,40 M, Rheinsand cbm 10 M.. Gebraucht wurden 1000 Feldziegel, der Kalk musste von der Mosel geholt werden. 1906 unternahm der Winterschuldirektor von Simmern eine Revision. Er stellte fest, „dass die Tiere schlecht gepflegt, der Stall ungenügend gelüftet sei. 1920 hatte Adolf Schuch die Stierhaltung.[i] Die Stierhaltung endete mit der Einführung der künstlichen Besamung Anfang der 1970er Jahre. Heute dient der Stierstall als  Feuerwehrgerätehaus.

 


[i] Archiv Kirchberg Fach 59 Nr. 5 u. 8