Hirzenach am Mittelrhein

Daten zur Kirchengeschichte - von Elmar Rettinger

Hirzenach war Bestandteil der ehem. Großpfarrei Boppard im Archidiakonat Karden und gehörte zum engeren Pfarrbezirk Boppard. Die Seelsorge wurde wohl bald nach Gründung der Propstei (1110) von Benediktinern übernommen. Wann Hirzenach ein eigener Pfarrbezirk wurde, ist nicht sicher. Ca. 1330 werden ein Monasterium und eine Ecclesia parochialis in Niederhirzenach erwähnt. Laut Sendweistum von 1445 wurde die Einsetzung des Propstes durch einen Beauftragten des zuständigen Archidiakonats vorgenommen. 1445 ist ein eigener Taufbrunnen bezeugt, damit verbunden waren wohl die Rechte einer selbständigen Pfarrei. Ein Steuerverzeichnis vom Anfang des 16. Jahrhunderts nennt Prepositura in H. bona et optima, Ecclesia in H. und Ecclesia parochialis ibidem.

Die Gründung der Propstei Hirzenach erfolgte indirekt durch Kaiser Heinrich IV. (1056-1105) auf einem Allod, das ihm der Reichsministeriale Erlolf übertragen hatte. Die Propstei muss vor 1109, als Papst Paschalis II. der Benediktinerabtei Siegburg die Güter in Hirzenach und Quintenach bestätigte, entstanden sein. Die Schenkungsurkunde, in welcher Erzbischof Friedrich von Köln die Abtei Siegburg zur Errichtung eines Klosters mit Besitz ausstattete, wurde 1110 ausgestellt. Durch namhafte Schenkungen vollzog sich im 12. Jahrhundert der schnelle Aufstieg der Zelle. 1181 ist ein päpstliches Schutzprivileg für das Kloster ausgestellt worden. Von der wichtigen Rolle der Propstei im Zusammenhang mit dem Landesausbau zeugt die Rodungstätigkeit der Mönche.

1264 nahm die Stadt Oberwesel die Zelle als Mitbürgerin auf; gegen den Schutz seiner Besitzungen verpflichtete sich die Propstei zur Stellung eines Burgmannes. 1294 übertrug die Abtei Siegburg die Verwaltung der Zelle auf Lebenszeit an Enolf, Kantor von St. Martin in Worms. 1315 übertrug die Abtei wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten ihrem Konventualen Georg gen. Raugraf die Propstei. 1802 wurde die Propstei durch die französische Verwaltung aufgehoben.

1294 verpflichtete sich Enolf, 12 Mönche in Hiirzenach zu unterhalten. 1299 bestand die Zelle aus 13 Herren, von denen in den nächsten 10 Jahren 6 verbleiben sollten; nach dieser Zeit sollte die Zahl 13 wiederhergestellt werden. Die Übertragung der Zelle 1315 war mit der Verpflichtung, 8 Geistliche zu präbendieren, verbunden. 1555 hat kein Konvent in Hirzenach mehr bestanden.

Liste der Pröpste (nach Rettinger)

1166-73 Ansfried
1226 Brohge
vor 1256 Willehelm
1256-66 Gerhard
1278 Ludwig
1285f. Rembold
vor 1290 Theoderich von Bleydenstett
1290-95 Erkinbert
1294/97 Eynulphus von Sternberg
1315-26 Georg gen. Raugraf
1337 Arnold
1340-58 Johann von Sternberg
1362 Johann Rode
1346-87 Johann van deme Lobusch
1380 Johann von Kobern
1387 Heinrich von Moos
1392 Konrad von der Arken
vor 1404 Johann von Kobern und Johann v. Sternenberg
1404/05 Johann Stail von Holstein
1411-24 Hermann von Reven
1424-45 Johann von Fremersdorf
1445-62 Heinrich von Plettenberg
1469 Gerhard Dube von Nevenhof
1472-1516 Gerhard von Plettenberg
1500 Reinhard Spieß von Büllesheim

Der Besitz der Propstei:

Die größten Schenkungen erfolgten schon im 12. Jahrhundert. 1110 stiftete Erzbischof Friedrich von Köln 20 Morgen Weinberge bei Diebach. 1114 Schenkung der beiden Höfe Rheinbay und Bullingesheim durch Erzbischof Bruno von Trier. 1124 bestätigte Kaiser Heinrich V. alle Zuwendungen. Weitere Schenkungen sind in den folgenden Jahren belegt, u.a.: 1139 Hofgut (evt. bei Bacharach), Rechte im Wald Frankscheid, Weinberg im Pere u. Hof in Kestert. Die Besitzbestätigung von 1149 erwähnt Höfe (curtes) in Rheinbay, Quintenach, Drais bei Mainz, Weiler, Prath, Oberkestert, Bacharach, Lay und Bullingensheim, Weinberge apud Ermetre (Ehrenthal?), sowie Fischfangrechte im Bereich Boppard. Päpstliche Besitzbestätigung 1181, weitere Stiftungen 1208, 1247 (Allod zu Gondershausen). Eine Aufstellung über Schulden, Außenstände und Einkünfte 1291 umfasste die Orte Aspisheim, Bacharach, Boppard, Rheinbay, Drais, Vikinrode, St. Goar, Koblenz, Köln, Lay, Mainz, Niederhirzenach, Oberkestert, Oberwesel, Prath, Quintenach, Siegburg und Worms. 1318 Tausch von Weinbergen in Kestert gegen solche in Bad Salzig. Neuerwerbungen in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts in Drais (Hof und Ackerland), Dieblich (Weingärten), Lay (Hof), Koblenz, Rheinbay, Diebach, Nauheim, Oberkestert (Hof) und Güls. Laut einer Bestandsaufnahme von 1735 umfasste der Besitz der Propstei Höfe in Prath, Rheinbay und Oberkestert mit insgesamt 45.388 Weinstöcken., Besitz in Bacharach, Pachtzins und Zehnten aus einem Hof zu Karbach, St. Kilianshof (Hungenroth), Niederhirzenach/Rheinbay und Prath. Die Einkünfte beliefen sich auf insgesamt 83 Malter Korn, 61 Malter Hafer, 2 Malter Gerste, 1 Malter Spelz, 5 Malter 6 Simmer Erbsen und 3 Simmer Linsen. Darüber hinaus existierte weiterer verpachteter Besitz. 1780 bestand Güterbesitz in Hirzenach, Güls, Waldesch, Wellmich, Kestert, Weiler, Rheinbay, Ehrenthal, Lay, Sinzig, Kamp und Prath; ebenso in Bacharach, Breitscheid, Steeg, Diebach und Karbach. Nach der Aufhebung der Propstei 1802 wurde der Bessitz von den Franzosen verk.; der Pfarrei Hirzenach blieben 250 Morgen Ackerland in Dörth, Karbach und Hungenroth.

Quelle: Rettinger, dort auch sämtliche Belege; redakt. Bearb. S.G.