Ebersheim in Rheinhessen

Ebersheim bei Mainz

Grundherrschaft und Ortsherrschaft im Mittelalter und in der frühen Neuzeit - von Sigrid Schmitt

St.Laurentius[Bild: Harald Strube]

Frühmittelalterliche Schenkungen an die Reichsklöster Lorsch und Fulda zeigen einen gewissen Anteil an freieigenem Besitz in Ebersheim an. Daneben aber muss es umfangreiches Königsgut gegeben haben, von dem 893 ein großer Komplex an St. Maximin in Trier gelangte.

Der größte Teil scheint jedoch im Frühmittelalter auf die Mainzer Kirche übertragen worden zu sein. Ein großer Hof, der sich bis in die Neuzeit auch als räumlich vom Dorf getrennter Komplex erhalten hat - der später sog. Töngeshof - gelangte wohl schon früh an das Mainzer Kloster St. Alban. Er kam später an die Alzeyer Antoniter, von diesen an die Rüdt von Kollenberg und schließlich 1546 an den Mainzer Erzbischof, der es als Domäne mit Sitz einer eigenen Kellerei betrieb. Der übrige Mainzer Kirchenbesitz wurde ebenfalls an die Mainzer Stifte und Klöster weitergegeben. Neben dem späteren Töngeshof muss St. Alban noch weiteren bedeutenden Besitz in Ebersheim gehabt haben, da es nicht nur die Gerichtsherrschaft im Dorf an sich bringen konnte, sondern auch noch im 17. Jahrhundert, lange nach dem endgültigen Verlust des großen Fronhofes, über Haus, Hof und mehr als 200 Morgen Land verfügte. 

Wie und wann die übrigen Mainzer Kirchen zu ihrem Ebersheimer Besitz kamen, lässt sich nicht genau sagen. Früh bezeugt sind Güter von St. Jakob, seit dem 13. Jahrhundert finden sich St. Johannes, St. Peter, St. Stephan und Mariengreden mit Grundbesitz in Ebersheim bezeugt. Erst in der Neuzeit scheint Maria Dalheim zu seinem recht bedeutsamen Besitz in Ebersheim gekommen zu sein. Begütert waren auch die Mainzer Kirche Heilig-Grab und das Stift St. Moritz. Der Hof von St. Maximin, auf dem offenbar die später St. Alban inkorporierte Pfarrkirche entstand, scheint im Wesentlichen an adlige Herrschaften, vermutlich auf deren Vogteirechten basierend, übergegangen zu sein. Wie das Oppenheimer Katharinenstift, das seit dem 14. Jahrhundert in Ebersheim nachweisbar ist, und das Kloster Maria Kron zu ihrem dortigen Gut kamen, lässt sich nicht mehr nachvollziehen.

Am Beginn der recht kompliziert verlaufenden ortsherrschaftlichen Entwicklung im hohen Mittelalter standen die beiden größten Grundherren Ebersheims, St. Alban und St. Maximin, sowie der vom Wildgrafen mit der praefectura und von St. Maximin mit dessen Ebersheimer Gütern belehnte Werner II. von Bolanden. St. Alban scheint sich gegenüber St. Maximin - wie auch in der Frage der Kirchenherrschaft - als dominante Grundherrschaft im Ort durchgesetzt zu haben; in den Auseinandersetzungen mit den Bolander Erben von Hohenfels 1263 trat St. Alban als deren bedeutendster Widerpart in Ebersheim auf. Seinen Hof samt dazugehörigem Hubgericht - hierbei muss es sich um den späteren Töngeshof gehandelt haben - konnte das Kloster seit dieser Zeit der Hohenfelser Vogtei völlig entziehen. Der Töngeshof führte künftig ein auch räumlich vom übrigen Ebersheim getrenntes Eigenleben.

Neben dem Hubgericht auf dem späteren Töngeshof gab es aber in Ebersheim 1263 noch weitere Gerichte. So lässt sich ein weiteres Hubgericht nachweisen, das auf das St. Maximiner Gut zurückgeht. Bis in die Neuzeit belegt sind auch das 1590 und 1668 genannte Vollgericht und ein Hubgericht des Dompropstes. Für die Entwicklung der Ortsherrschaft aber blieben diese Hubgerichte ohne Bedeutung. Entscheidend wurde vielmehr das 1263 in der Hand der Hohenfelser befindliche Gericht "auf der Straße". Bei ihm dürfte es sich um ein gemeinsames Ortsgericht gehandelt haben, das - anders als die auf dem jeweiligen Fronhof tagenden Hubgerichte - an einem neutralen, öffentlichen Ort in strata, sub arboribus in publica platea seu via zusammentrat. Mit diesem Gericht befanden sich dominium et jurisdictio im Dorf Ebersheim 1325 als Lehen von St. Alban wieder in der Hand der Bolander. St. Alban war es also offenbar gelungen, sich gegenüber dem Vogt in Ebersheim in zweifacher Hinsicht zu behaupten: Sein Fronhof (Abtshof zu St. Alban, der spätere Töngeshof) war aus dessen Gerichtsbarkeit herausgetrennt und die Herrschaft über das restliche Dorf wurde als von ihm ausgehendes Lehen betrachtet.
In der Folgezeit mussten die Bolander die Gerichtsherrschaft über Ebersheim mehrfach verpfänden, wobei sie jeweils die Zustimmung von St. Alban einzuholen hatten. 1367 kaufte St. Alban schließlich das Ortsgericht von den Bolandern zurück und löste in der Folgezeit auch die von diesen vergebenen Pfandrechte ein, so dass es schließlich zum alleinigen Gerichtsherrn über Ebersheim wurde. Recht bald aber muss es seinerseits gezwungen gewesen sein, diese Rechte - wohl zusammen mit dem Töngeshof - an die Alzeyer Antoniter zu vergeben. 1420 löste der Mainzer Erzbischof die Ortsherrschaft von den Antonitern ein; der Töngeshof gelangte erst 1546 über die Rüdt von Kollenberg an das Erzstift, bei dem Ebersheim und der Töngeshof bis zum Ende des alten Reiches blieben.


Nachweise

Verfasser: Sigrid Schmitt

Redaktionelle Bearbeitung: Stefan Grathoff, Sarah Traub

Verwendete Literatur:

  • Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen nebst einer Einleitung. Gießen 1905.

Bild: Harald Strube

 

Aktualisiert am: 5.4.2016