Boppard am Mittelrhein

Römische Siedlung am Mühlbachtal

Boppard, Rhein-Hunsrück-Kreis

Zu besichtigen: Baustrukturen des römischen vicus im NW von Boppard am Mühlbachtal sind nicht erhalten.


Das Mittelrheingebiet war wegen seiner günstigen Bedingungen schon seit frühesten Zeiten relativ intensiv besiedelt. Die Hauptwohngebiete der damaligen Bevölkerung befanden sich jedoch weniger in der Enge des Rheintales, als vielmehr auf den weiten Talniederungen der benachbarten Höhenzüge des Hunsrücks und des Taunus. In den letzen Jahrhunderten vor Christi Geburt war diese Region am Mittelrhein geprägt von der Hunsrück-Eifel- und der Laténekultur, jener hochentwickelten Zivilisation der Kelten. Nur vereinzelt bestanden schon in vorrömischer Zeit kleinere Ansiedlungen unmittelbar an den Ufern des Rheines. Darauf weisen archäologische Funde und auch der für Boppard überlieferte keltische Name Baudobriga hin.

Datierende Funde der vorrrömischen Bebauung der Talweite bei Boppard sind bisher nicht beobachtet worden. Im NW von Boppard ist eine römische offene Straßensiedlung, ein vicus, bekannt, der an der Südseite der großen Rheinschleife, dem heutigen Bopparder Hamm, gelegen hatte. Der Siedlungsplatz war günstig am Fuß des Gebirges auf dem Schwemmkegel des Mühlbaches, an der römischen Rheintalstraße und nicht weit vom Ufer des Wasserweges Rhein ausgewählt. Es boten sich gute Voraussetzungen für einen Umschlagplatz für Schwergüter aus dem nahen Hunsrück und für Transporte zwischen Land- und Wasserstraße.

Dieses kleine Dorf bestand bereits aus festen Häusern, die zum Teil unterkellert waren. Bemerkenswert ist der Fund einer Tonstatuette einer reitenden Epona ursprünglich eine keltische Fruchtbarkeitsgöttin aus einem solchen Keller. Die aus dem vicus stammenden Kleinfunde weisen auf eine ausgeprägte Blütezeit der Ortschaft im 1. bis 3. Jahrhundert nach Christus hin. Da keine Funde des 4. und 5. Jahrhunderts im Bereich der ungeschützten römischen Siedlung zu beobachten waren, kann davon ausgegangen werden, dass die spätere Siedlung im Schutz des etwa 1 km entfernt liegenden Kastells zu suchen ist.

Trotz der schweren Beschädigungen seit dem Bahnbau 1859 stehen noch Teile der römischen Kastellmauer bis zu neun Meter Höhe. Boppard besitzt damit die am besten erhaltene römische Mauer in Deutschland. Diese und die lückenlose Besiedlung seit der Spätantike machen Boppard zu einem herausragenden Kulturdenkmal über das Rheingebiet hinaus.


M. Thoma