Hinweise

Literaturtipps

  • Peter Keber: Die Werner-Kapelle in Bacharach. Ein Denkmal erhebt Anspruch - Weg einer Bürgerinitiative. In: Lebendiges Rheinland-Pfalz 36/4 (1999) S.30-33. Vgl. ebd. 21/3 (1984), S.78-82.
  • Friedrich Ludwig Wagner und Arnold Wolff: Die Wernerkapelle in Bacharach am Rhein. Rheinische Kunststätten. Heft 276. 8. neubearbeite Auflage.

Adressen

Friedrich G. PaffRenthof 4335037 MarburgWebseite

Werner-Kapelle

Ruine der Werner-Kapelle in Bacharach

Die in den Weinbergen oberhalb von St. Peter gelegene Ruine eines hochgotischen Zentralbaus war früher eine viel besuchte Wallfahrtskapelle. Sie wurde kurz nach 1287 errichtet. Anlass zum Bau gab die Ermordung eines Knaben namens Werner, dessen Leiche man in der Karwoche 1287 gefunden hatte. Der Tod wurde ohne jeden Beweis der Judengemeinde von Oberwesel angelastet. Die Folge war eine ungezügelte Judenverfolgung, bei der über 40 Menschen zu Tode kamen.
Aufgrund dieses Pogroms wurde eine diesem Werner geweihte Kapelle errichtet. Gleichzeitig setzten damals Wallfahrten zum Grabe des in der Kunibertskapelle auf dem Friedhof beigesetzten Werner ein. 1293 erfolgte die Weihe eines Altars im Südarm der Wernerkapelle, 1337 die Weihe des Ostchores. Vollendet wurde die Kapelle aber erst nach 1426 auf Betreiben des Theologieprofessors und Humanisten Dr. Winand von Steeg (1421-38 Pfarrer in Bacharach).
1689 wurde die Kapelle bei der Sprengung der Burg Stahleck stark beschädigt, als Trümmer auf die bis dahin noch unversehrte Kapelle fielen. 1752 musste man den Nordarm mit einem Figurenportal wegen Bergrutschgefahr abtragen, 1787 wurden alle Dächer und Gewölbe entfernt. Seit 1980 erfolgten Sicherungsmaßnahmen unter Leitung von Dombaumeister Wolff aus Köln.
Seit 1981 kümmert sich auch der Bauverein Wernerkapelle um die Rettung bzw. Wiederherstellung der Wernerkapelle.

Baubeschreibung

Werner-Kapelle: Gemälde von Carl Gustav Carus

Die Mathematische Klarheit des Aufbaues, Durchsichtigkeit der Struktur und Schönheit der Einzelformen machen den aus rotem Sandstein errichteten Bau zu einer der schönsten Schöpfungen gotischer Architektur im Rheinland. Kleeblattförmiger Grundriss (in Anlehnung an Märtyrer- bzw. Grabeskirchen?); an die quadratische, ursprünglich kreuzrippengewölbte Vierung schließen sich nach Norden, Osten und Süden regelmäßige 5/8-Apsiden an, die östliche um ein schmales Vorjoch hinausgeschoben, von der nördlichen nur die Ostseite mit Teilen des Portalgewändes erhalten; nach Westen (wegen des beengten Bauplatzes?) nur ein einziges schmales Joch, ursprünglich mit Empore über zwei Kreuzrippengewölben, zu der in der Südwestecke ein sechseckiger Treppenturm führt. Die Polygonsseiten der Apsiden sind völlig durch tief heruntergezogene Maßwerkfenster aufgelöst, im Sinne des hochgotischen Gliederbaues ohne jegliche Wandfläche; die Profile der Gewände und der Gewölbedienste von größter Feinheit und Lebendigkeit. Die Fenster der Ostapsis sind vierbahnig mit abschließenden Bogenvierecken, im Grunde das Gliederungssystem der Straßburger Langhausfenster (durch die Kölner Dombauhütte vermittelt?), nur sind an die Stelle der Kreise sphärische Vierecke getreten (vgl. auch das 1317 begonnene Langhaus der Katharinenkirche zu Oppenheim: Obergadenfenster und Wimperge darüber); die Fenster der Südapsis dreibahnig mit krönendem Dreistrahlmotiv. Um den ganzen Bau verkröpfte Fenstersohlbank. Fialenbekrönte Strebepfeiler, die an den Polygonseiten der Hauptapsis noch mit Blendmaßwerk geschmückt sind. Figürliche Wasserspeier.

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Quelle: Dehio; Krämer; redakt. Bearb. S.G.