Adressen

Mittelrhein

W.O. von Horn MuseumKarl-Richard Mades Rheingoldstr. 15755413 ManubachTel 06743/3362

Hinweise

Öffnungszeiten

18. 11.2006 - 15-18 Uhr
16. 12. 2006 - 15-18 Uhr
20.01.2007 - 16-18 Uhr
17.2.2007 - 16-18 Uhr
17.3.2007 - 16-18 Uhr
21.4.2007 - 16-18 Uhr

Mehr zum Thema

Lesungen 2006/2007:
15. November 20 Uhr
13. Dezember 20 Uhr
17. Januar 19.30 Uhr
14. Februar
14. März
18. April

Das W.O. von Horn-Museum in Manubach

In Manubach gibt es seit Juni 2004 ein Museum zum Andenken an den Manubacher Pfarrer und Schriftsteller Wilhelm Oertel, alias W. O. von Horn. Das Museum befindet sich im Erdgeschoss des alten Pfarrhauses, Auf der Schadenbach 2. Dort werden Handschriften, Bücher und Bilder aus Oertels Zeit ( 19. Jahrhundert ) präsentiert.
Träger des Museums ist die Ev. Kirchengemeinde Oberdiebach-Manubach.

Öffnungszeiten:

Das Museum wird bei Bedarf geöffnet durch Nachbarn, die in einem Schaukasten am Eingang benannt sind.
Führungen sind möglich in Absprache mit Karl-Richard Mades.
Weitere Öffnungstermine werden hier, bzw. in der Regionalpresse bekannt gegeben.

Eine ausführliche Biografie mit Bibliografie unter dem Titel „W. O. von Horn – der Heimat- und Volksschriftsteller“ von Karl-Richard Mades, Argenthal 1998 ist im Museum erhältlich.

Museum

Museumseingang

Im Erdgeschoss des ehemaligen Manubacher Pfarrhauses, einem Fachwerkhaus aus dem Jahre 1780, befindet sich ein Museum zur Erinnerung an den ehemaligen Manubacher Pfarrer und Schriftsteller Wilhelm Oertel, alias W. O. von Horn. Neben dem Museum befindet sich ein Tagungsraum, in dem regelmäßig Lesungen veranstaltet werden.
Wilhelm Oertel war von 1820 bis 1835 Pfarrer in Manubach und wohnte mit seiner Familie in dem alten Pfarrhaus.
In mehreren Vitrinen werden Handschriften und Bücher ausgestellt, die den Werdegang des Schriftstellers W. O. von Horn darstellen. An den Wänden hängen Fotos und Stahlstiche von Wilhelm Oertel. Im Nebenraum hängen Holzschnitte von Ludwig Richter, sowie einige Federzeichnungen von Marie Schiele-Fliedner, einer Tochter des ehemaligen Pfarrers Ernst Fliedner, und einige historische Bilder des Pfarrhauses.

Exponate

Über dem Stehpult:
Reproduktionen der einzigen Fotos von Wilhelm und Henriette Oertel von 1866. Linke Seitenwand Federzeichnungen der Oertel-Wohnhäuser von Hanfried Oertel, Ur-Ur-Enkel von Wilhelm Oertel.
Zwischen den Fenstern einige Stahlstiche von Wilhelm Oertel.  

Vitrine 1:

Handschriftlich von Wilhelm Oertel Presbyteriums Protokoll vom  31.12.1832, erste Veröffentlichungen Oertels unter dem Pseudonym F. W. Lips in der Didaskalia, einer täglichen Kulturbeilage des Frankfurter Journals, erste Verlags-Buchveröffentlichung Oertels unter dem Titel „Sämmtliche historisch-romatischen Erzählungen und Geschichten“ von F.W-Lips, Frankfurt a. M., J.D. Sauerländer, 1833, Konfirmationsdokument für Joh. Phil. Fülber vom 27. März 1831, von Pfr. Wilhelm Oertel ausgefüllt und unterschrieben (Reproduktion, Original bei Fam. Günter Otto, Manubach), Brille, Tintenfass, Sandfass und Pfeife aus seiner Zeit, Brief des Malers Ludwig Richter an Wilhelm Oertel vom 17. März 1857.  

Vitrine 2:

Friedel, erster Roman unter dem Pseudonym W. O. von Horn, mindestens 30 mal neu aufgelegt, Die Spinnstube, Jahreskalender ab 1846, im J. D. Sauerländer Verlag Frankfurt a. M., Oertels erstem Hauptverleger, ab 1847, von 1848 bis 1860 von Ludwig Richter illustriert, mit dem Oertel überregional bekannt wurde. Sammlungen von Erzählungen aus der Spinnstube unter dem Titel Rheinische Dorfgeschichten oder Gesammelte Erzählungen, 4 Expl. einer kompletten 50-bändigen Subscription, Des alten Schmiedjakobs Erzählungen, Sammlung von Erzählungen Oertels 1852 im J. D. Sauerländer-Verlag, Frankfurt a. M. mit vielen Illustrationen von Ludwig Richter, Rheinisches Taschenbuch von 1851 als Beispiel für viele Publikationen dieser Zeit mit W. O. von Horn – Beiträgen, Die Maje, eine Monatsschrift mit Erzählungen und naturwissenschaftlichen Beiträgen, Jahresband von 1858, erschien bis 1866.  

Vitrine 3:

Silberblicke, Biografien von Menschen der Zeitgeschichte, Lesebuch von 1882 als Beispiel für viele Lesebücher des 19. Jahrhunderts mit Beiträgen von W. O. von Horn, Der Rhein Geschichte und Sagen seiner Burgen, Abteien, Klöster und Städte, Hauptwerk seiner späten Phase mit 36 wertvollen Stahlstichen, Erstausgabe 1867 (fünf spätere Neuauflagen, auch in englisch und französisch und Faksimile-Druck von 1978) Abendmahlskelche aus Oertels Zeit als Pfarrer in Manubach, restliche Bändchen der 50-bändigen Subscription Gesammelte Erzählungen im Schuber.  

Vitrine 4:

W. O. von Horn – Büchlein aus Südamerika, durch Stempel ersichtlich, Von einem, der das Glück gesucht, eine Auswanderergeschichte und Johannes Scherer, oder Tonsor, der Wanderpfarrer aus der Unterpfalz, Lebensgeschichte eines Manubacher Pfarrers während des 30-jährigen Krieges. Prinz Lies’chen in Stenoschrift, Ausgabe von 1930, Ook een Menschenleven, holländische Ausgabe einer Erzählung Oertels, A Good Deed Rewarded, engl. Ausgabe einer Erzählung Oertels, weiterhin Volks- und Jugendbücher, Originalausgaben vom Verlag Julius Niedner, Wiesbaden, Oertels zweitem Hauptverleger ab 1855, unten Neuauflagen aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Vitrine 5:

Dauerleihgaben der Familie Oertel aus der Familiensammlung. U. a. Autorenexemplar der Erstausgabe der „Spinnstube“, sowie mehrere Bücher mit persönlichen Widmungen. 

Vitrine 6 (Bücherschrank)

Protokollbuch für die Verhandlungen des Presbyteriums..., Verzeichnis sämmtlicher Frauenstühle (Ein Teil der Kirchenstühle wurde jährlich an wohlhabende Leute vermietet), Kirchenchronik von 1820 bis 1835, handschriftlich von Wilhelm Oertel, hier schrieb er besondere Ereignisse, Geburten, Todesfälle, Weinernten, Wetter und sonstiges aus dieser Zeit nieder, Sammlung aller Verordnungen und Rundschreiben der höheren Behörde das Kirchen- und Schulwesen betreffend...,  Die Spinnstube, Textbuch des 1998 aufgeführten Bühnenstücks von Horst Helfrich, Die Spinnstube, Sammelbände von 1853 bis 1874, Die Spinnstube, Auszüge aus der Spinnstube von 1848 bis 1860, neu herausgegeben 1927 vom Hendel-Verlag, Leipzig.
Unten restliche Bücher der Sammlung der ev. Kirchengemeinde.    

Neben den Vitrinen:

Veranstaltungsplakate, 1989 zur ersten W. O. von Horn – Ausstellung und zur Enthüllung der Gedenktafel am Pfarrhaus in Manubach, und zu dem Bühnenstück Die Spinnstube, zum 200. Geburtstag Oertels aufgeführt 1998 in Manubach, Horn und Kirchberg. Bühnenmodell für das Bühnenstück, Fotos der Darsteller, des Autors und des Regisseurs.  
Bilderwand mit diversen Fotos und Reproduktionen.

Nebenraum:  

Linke Wand: Zeichnungen von Marie Fliedner, später Marie Schiele-Fliedner, Tochter des Manubacher Pfarrers Ernst Fliedner, der von 1887 bis 1919 in Manubach lebte. Motive aus Manubach und Bacharach.  

Stirnwand: Alte Fotos, Postkarten und Zeichnungen von Manubach, vom Manubacher Pfarrhaus, Aquarell von Gisela Graßmann aus Manubach, heute in Argenthal lebend. Fotos ehemaliger Manubacher Pfarrer.  

Rechte Wand: Kopien von Holzschnitten Ludwig Richters zum Vater Unser, die er in seinem Brief von 1857 an Wilhelm Oertel zur Bewerbung in der Spinnstube vorschlug.

Kurzbiografie des Schriftstellers W. O. von Horn

Wilhelm Oertel

Am 15.08.1798 wurde in Horn im Hunsrück als 5. Kind des Pfarrerehepaares Peter Paul Oertel und Caroline, geb. Wolff, Friedrich <u>Wilhelm</u> Philipp Oertel geboren. Nach sechs Jahren wurde der Vater nach Bacharach, weitere acht Jahre später nach Manubach versetzt.
Nach seinem Studium der Theologie in Heidelberg übernimmt Wilhelm Oertel im Jahre 1820 die Pfarrstelle in Manubach von seinem Vater. Dort beginnt er – zunächst unter dem Pseudonym F. W. Lips (Friedrich Wilhelm und Lips = Kurzform von Philipp) Aufsätze und Erzählungen für das Frankfurter Journal zu schreiben. Später schrieb er einige historisch-romantische Erzählungen, die in dem Kulturbeiblatt des Frankfurter Journals – Didaskalia – erschienen. Diese Erzählungen werden 1833 in einer Sammlung als erstes Buch Oertels veröffentlicht.
Im Jahre 1835 übernimmt er die Superintendentenstelle in Sobernheim. Ab 1845 änderte er sein Pseudonym in W. O. von Horn (Wilhelm Oertel von Horn = seinem Geburtsort) und seinen Stil und schrieb Erzählungen „für die Jugend und das Volk“. Damit und mit einigen Romanen wurde er bekannt und mit dem ab 1846 herausgegebenen Jahreskalender „Die Spinnstube“ zum damals meistgelesenen Schriftsteller im deutschsprachigen Raum. Seine Erzählungen waren damals so beliebt, dass sie immer wieder neu herausgegeben wurden, z.B. unter „Schmiedjakobs Geschichten“ oder „Gesammelte Erzählungen“ in für damalige Verhältnisse großen – 20 bis 30 000 er - Auflagen.
Dazwischen schrieb er im Auftrag seines Verlegers Julius Niedner, Wiesbaden, innerhalb von 15 Jahren 75 Volks- und Jugendbücher.
Sein größter Erfolg war das Werk „Der Rhein – Geschichten und Sagen seiner Burgen, Abteien, Klöster und Städte“, welches in fünf Auflagen, darunter auch in französisch und englisch, erschien und wegen seiner wertvollen Stahlstiche heute einen hohen Sammlerwert hat.
Ein weiteres großes Werk war „Die Maje“, ebenfalls mit schönen Stahlstichen ausgestattet, eine Monatsschrift, die in acht Jahrgängen erschien.
Seine Geschichten und Erzählungen wurden bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts vielfach neu aufgelegt und in mehrere Sprachen übersetzt, was ihn auch international bekannt machte.
Viele seiner Werke wurden von dem bis heute ebenfalls berühmten Maler Ludwig Richter mit schönen Holzschnitten und Stahlstichen illustriert.
Eine Vielzahl seiner Erzählungen findet man in Schulbüchern des 19. und 20. Jahrhunderts. Seine Schriften wurden auch für deutsche Auswanderer in Nord- und Südamerika vertrieben. Im Jahre 1864 zog er als Pensionär nach Wiesbaden, wo er 1869 verstarb.
Insgesamt gab es bis in unsere Zeit über 700 Buchveröffentlichungen von Wilhelm Oertel. Auch in unserer Zeit werden einige seiner Erzählungen noch gelegentlich in Anthologien veröffentlicht. Dass W. O. von Horn nicht in Vergessenheit gerät, hat sich das Museum in Manubach zur Aufgabe gemacht.

Bilder und Texte: Karl-Richard Mades, W. O. von Horn - Museum Manubach 2006.
Eine ausführliche Biographie unter dem Titel "W.O. von Horn - der Heimat- und Volksschriftsteller" von Karl-Richard Mades, Argenthal 1998 ist im Museum erhältlich.