St. Goarshausen am Mittelrhein

Zur Geschichte von St. Goarshausen

Die Siedlungsgeschichte St. Goarshausen beginnt im 6. Jahrhundert, als sich auf der gegenüberliegenden Rheinseite der aquitanische Mönch Goar niederließ. Die Rechte über die Gemarkung St. Goarshausen mit der noch unbedeutenden Ansiedlung wurden vom Erzstift Trier als Lehen vergeben. Als trierische Vögte treten seit dem 12. Jahrhundert die Herren von Arnstein bzw. von Isenburg (1185) auf.
Urkundlich tritt St. Goarshausen erstmals in einer Notiz aus dem Jahr 1222 in Erscheinung. Darin wird das Kirchspatronat der Isenburger in einer bona villaerwähnt, die sich auf dem rechten Rheinufer gegenüber St. Goar befand. Als im Jahr 1276/77 Ludwig von Isenburg seiner Tochter Irmgard den größten Teil seiner mittelrheinischen Besitzungen als Mitgift verspricht, gehörte zum diesem Heiratsgut auch Husen aqud sanctum Goarem. 1284 heiratete Irmgard den Grafen Wilhelm I. von Katzenelnbogen. So kam St. Goarshausen als Trierer Lehen an das Grafenhaus. Umgehend sicherte der Graf seine Neuerwerbung mit dem Bau der Burg Reichenberg auf der Taunushöhe.
Lebensgrundlage der Ortsbewohner waren Fischfang und Weinbau. Der Salmfang an den "Waag" oder "Woog" wird in einem Pachtvertrag vom 26. Mai 1387 genannt.


Die Erhebung zur Stadt 1324

Sant Geweshusen bildete zusammen mit Patersberg ein Gericht, das zuerst 1313 erwähnt wird. Durch die Erbauung der Burg Reichenberg erbat der Graf von Katzenelnbogen bei König Ludwig dem Bayer die Gunst, sowohl Reichenberg als auch Husen zur Stadt zu erheben. König Ludwig der Bayer kam am 20. Januar 1324 dieser Bitte nach. Er nahm das Dorf Husen in seinen Schutz nahm und stattete es mit den Rechten und Freiheiten der Stadt Frankfurt aus. Die Burg Katz, die erst 1393 errichtet wurde, konnte den Schutz der Stadt damals noch nicht übernehmen. Der Ort wurde mit einer Mauer und den zwei Türmen befestigt, die noch immer das heutige "Obertal" begrenzen. Durch den Bau von Mauern und Türmen hatten zahlreiche Bewohner der Stadt Arbeit gefunden, ebenso durch die Abhaltung von Wochenmärkten und anderen Märkten, durch die zusätzlich Handel und Verkehr gesteigert wurden. Weiterhin wurde ein eigener Gerichtsbezirk gebildet, an dessen Spitze der Schultheiß mit einem Schöffenkollegium stand. Diese Schöffen führten ein Siegel mit der Umschrift: Sigillum commune scabinorum in Husen. Wilhelm II. von Katzenelnbogen erhielt durch Kaiser Karl IV. 1358 die Erlaubnis, in Goarshausen einen Zoll einzurichten. Dem Trierer Erzbischhof gelang es aber 1378, die Aufhebung diesr Zollstelle zu erreichen. St. Goarshausen war mit dem ebenfalls katzenelnbogischen St. Goar durch eine Fähre verbunden. Die wirtschaftliche und strategische Bedeutung des Rheinübergangs wird durch die Existenz der Burgen Rheinfels, Neukatzenelnbogen (Katz), Maus und auch Reichenberg unterstrichen. Nach dem Aussterben des katzenelnbogischen Grafenhauses fiel 1479 auch St. Goarshausen an die Haupterben, die Landgrafen von Hessen.

St. Goarshausen seit dem 19. Jahrhundert

Nach dem Friedensvertrag von Luneville (1801) musste das gesamte linke Rheinufer an Napoleon abgetreten werden; St. Goar wurde französisch. Nach der Gründung des Rheinbundes kam es schließlich zu der Zerstörung der Burg Katz, die bis dahin wehrfähig geblieben war. Währenddessen erfolgten auch in St. Goarshausen französische Rekrutierungen. Ab 1807 war St. Goarshausen Teil des Königsreiches Westfalen. Nach dem Wiener Kongress (1815) und durch einen Tauschvertrag des Landgrafen von Hessen-Rotenburg mit dem Königreich Preußen kam St. Goarshausen mit dem gesamten rechten Rheinufer 1816 an das Herzogtum Nassau. Nassau blieb bis 1866 Landesherr. Unter den nassauischen Herzögen gedieh die Stadt vor allem in wirschaftlicher Hinsicht. Durch zahlreiche Gesetze wurde zwischen 1816 und 1832 eine neue, zeitgemäße Ordnung geschaffen, die sich auf Politik, Kirche, Schule und andere Gebiete des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens erstreckte. Ab 1885 war St. Goarshausen Kreisstadt und umfasste einige der früheren nassauischen Ämter. 85 Jahre konnte es den Kreissitz behalten, bis der 1885 gebildete Kreis St. Goarshausen 1969 bei der Schaffung des Rhein-Lahn-Kreises aufgelöst wurde. St. Goarshausen ist seitdem Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung Loreley.

Quelle: Homepage der Verbandsgemeinde und Schaback; red. Bearb. S.G.; d.b.; d.s.