Waldlaubersheim am Mittelrhein

Zur Geschichte von Waldlaubersheim

Panorama von Waldlaubersheim aus dem Jahr 2010.[Bild: Immanuel Giel (CC-BY 3.0)]

Waldlaubersheim wird 767 als Leiberesheim in einer Schenkung an das Kloster Lorsch erstmals genannt. Dort heißt es, dass Wandert dem Kloster Lorsch 1 Mansus und 1 Wingert und 20 Eimer Weinertrag zu Leiberesheim, desgl. Äcker und Wiesen zu Gaginheim (Genheim) schenkt. Kurz darauf tätigt Richlindis eine großherzige Schenkung aus Leibersheim. Sie gibt dem Kloster all ihre Äcker, Wingerte, Wiesen, Weiden, Wasser und Wasserläufe in Leiberesheim. Als Ortsangabe wird angefügt, dass Leiberesheim am Bach Therminbizia liege. Mit dem Bach Therminbizia ist der heutige Hahnenbach gemeint. [Anm. 1]

Mittelalterliche Grundherrschaft

Waldlaubersheim war zusammen mit Rümmelsheim und der Burg Leyen Besitz des Werner II. von Bolanden (um 1134–um 1190). [Anm. 2] Das Wappen der Familie von Bolanden ziert heute noch das Ortswappen. Den Kirchenzehnten in Waldlaubersheim hatte er von dem Grafen von Loon in Mainz um 1190 erhalten. Aus dieser Zeit stammt noch der romanische Turm der Kirche. [Anm. 3] Den Kirchenzehnten verpfändete er an die Ritter von Schönburg bei Oberwesel. Deshalb ist das Wappen von Waldlaubersheim zweigeteilt: Oben ist das Rad der Ritter von Schönburg zu sehen, unten das Rad der Herren von Bolanden. Seit 1282 war Waldlaubersheim größtenteils an die Herren von Schönburg verliehen. [Anm. 4]. Das Wappen führt die Gemeinde seit 1939.[Anm. 5] Zum Kirchspiel von Waldlaubersheim gehörten um 1190 neben dem eigentlichen Ort die benachbarten Ortschaften Genheim, Roth, Schweppenhausen, Renzenberg und Eckenroth.[Anm. 6]

Der Besitz der Herren von Bolanden kam durch das Aussterben der Linie im Mannesstamm mit Philipp und Konrad von Bolanden und durch Erbschaft, Kauf und Pfandschaft an Heinrich II. von Sponheim-Bolanden (um 1330–1393). Über seine Tochter Elisabeth von Sponheim-Bolanden (gest. 1381), die sich  mit Kraft IV. von Hohenlohe-Weikersheim (gest. 1399) vermählte und dessen Tochter Anna von Hohenlohe-Weikersheim (um 1340–1410) , die sich mit Philipp I. von Nassau-Saarbrücken-Weilburg  (gest. 1429) vermählte, kam Waldlaubersheim an das Haus Nassau-Saarbrücken-Weilburg. Diese wiederum verpfändeten den Ort aber teilweise an die Herren von Schönburg. 

Die Frühe Neuzeit - Epoche der konfessionellen Konflikte

Die im Jahr 1438 durch Philipp II. von Nassau-Weilburg (1418–1492)  und Johann III. von Nassau-Saarbrücken (1423–1472) vorgenommene Inkorporation der Kirche von Waldlaubersheim an Kloster Rotenkirchen wurde 1459 durch Papst Pius II. (1405–1464; Amtszeit: 1458–1464) bestätigt. [Anm. 7] Aus dieser Zeit stammt noch der elegante gotische Turmhelm der Kirche.[Anm. 8] Als das Kloster Rotenkirchen 1551 aufgelöst wurde, fiel das Kirchenpatronat an das Haus Nassau-Saarbrücken zurück. [Anm. 9] Mit Johann IV. von Nassau-Saarbrücken ging Waldlaubersheim an seinen Sohn Philipp IV. Von Nassau-Weilburg (1542-1602). Dessen Vorgänger hatte bereits in seinen Ländern 1524 die Reformation eingeführt. Spätestens also 1574 führten die Grafen von Nassau-Weilburg die Reformation in Waldlaubersheim ein, weshalb die einzige Kirche in Waldlaubersheim protestantisch ist. 

Zwischen 1601 und 1608 gab es einige Streitigkeiten zwischen Nassau und Kurpfalz wegen der Besitz- und Wildfangrechte in Waldlaubersheim. [Anm. 10] In den Verträgen von 1615, 1617 und 1625 wurde von den Grafen von Nassau-Weilburg Waldlaubersheim mitsamt einigen Zehnten, Renten und Gefällen in Langenlonsheim und Wöllstein an die Freiherren Dietrich, Johann Otto und Johann Eberhard von Schönburg wiederkäuflich verkauft. Die Grafen von Nassau-Weilburg behielten sich allerdings die Religionsausübung vor, die Besetzung der Pfarrstelle und das Patronatsrecht vor, das die Reichssteuer und Landrettungssteuer vorbehielt. [Anm. 11]

Der Dreißigjährige Krieg hatte auch für Waldlaubersheim schlimme Folgen. Während der Plünderung Waldlaubersheims durch spanische Truppen wurde der Pfarrer des Orts Severin Grusemann (Amtszeit: 1604–1621) zu Tode gequält, weil er sich weigerte das Abendmahlsgerät herauszugeben.[Anm. 12] 1635 wurde der Ort erneut gebrandschatzt.  Hinzu kamen Hunger und Pest, weshalb die Bewohner größtenteils nach Stromberg oder Kreuznach flohen. [Anm. 13]

Zwischen 1672 und 1679 hatte die verbliebene Bevölkerung erneut viel zu leiden. Diesmal waren es die ständigen Truppendurchmärsche, die Waldlaubersheim verarmen ließen. Die ständigen Einquartierungen von Soldaten und Pferden waren für die Bevölkerung kaum zu tragen. Die Soldaten plünderten die Häuser und fütterten mit dem Bestand der Scheunen ihre Pferde. In einer Woche lagerten in Waldlaubersheim 500 brandenburgische Reiter. Zwischendurch kamen des Öfteren kleinere Patrouillen im Ort an. Im März 1674 zogen Lothringer mit 300 Pferden durch den Ort und plünderten ihn aus. Die Kirche wurde aufgebrochen und die dort vorhandenen Lebensmittel und Habseligkeiten der Bewohner gestohlen. Sogar die Kirchturmuhr wurde mitgenommen.[Anm. 14].

Die Rechte der Grafen von Schönburg fielen 1719 erblich an den Grafen von Degenfeld, so dass der Ort bis 1785 beim Grafen von Degenfeld blieb, der den Ort dann wieder an Nassau-Weilburg abgeben musste. [Anm. 15] Nach dem Ende der französischen Herrschaft kam Waldlaubersheim 1815 zum Staatsgebiet des Königreichs Preußen, wo es seit 1822 im Kreis Kreuznach zur sogenannten Rheinprovinz gehörte (auch Rheinpreußen genannt). Am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 nahmen 28 Einwohner aus dem Ort teil - ihnen wurde durch den Gemeinderat eine "Gratifikation" von jeweils drei Thalern zuteil.[Anm. 16]

Als erster katholischer Christ wurde im protestantischen Waldlaubersheim am 19. November 1892 der bekannte Orgelbauer Johann Schlaad (1822-1892) auf dem Friedhof beigesetzt. Bis um 1900 hatte die Orgelbauerfamilie Schlaad ihre Werkstatt in Waldlaubersheim. [Anm. 17]

Das 20. Jahrhundert

Über die Auswirkungen des ersten Weltkriegs ist für Waldlaubersheim nur wenig bekannt. Lediglich von Teuerungen ist in den Quellen die Rede, und davon, dass 1915 in der Gemeinde Kriegsgefangene zu Arbeitsdiensten herangezogen wurden. Die große Anzahl an Bittstellern, die während der Zwischenkriegszeit vor den Gemeinderat traten, lässt die Vermutung zu, dass Armut zu dieser Zeit ein verbreitetes Problem darstellte. [Anm. 18]

Im Zweiten Weltkrieg mussten mehr als 100 Personen den Ort zum Kriegsdienst verlassen. Darunter waren nicht nur Männer, sondern auch Mädchen, welche zum Sanitätsdienst oder Reichsarbeitsdienst herangezogen wurden. Von den Soldaten starben 41 - darunter auch fünf Angehörige von Heimatvertriebenen, die erst wenig zuvor im Ort ansässig geworden waren. In der Ortschaft kam es nicht zu direkten Kampfhandlungen. [Anm. 19] Nach dem Ende des Kriegs gehörte Waldlaubersheim zur französischen Besatzungszone.

Seit 1946 ist es Teil des neugegründeten Bundesland Rheinland-Pfalz. Im Zuge einer Verwaltungsreform kam der Ort 1970 an die Verbandsgemeinde Stromberg. Eine Bürgerbefragung, bei welcher 98% der Einwohner für einen Verbleib in der Verwaltung von Langenlonsheim stimmten, konnte auch vor dem Verfassungsgerichtshof in Koblenz nichts bewirken. [Anm. 20]

Nachweise

Verfasser: Alexander Wißmann M.A.

Redaktionelle Bearbeitung: Simeon Thomas Pfeiffer 

Verwendete Literatur:

  • Fabricius, Wilhelm: Die Herrschaften an der unteren Nahe. Der Nahegau und seine Umgebung, Geschichtlicher Atlas der Rheinprovinz. Erläuterungen IV, Bonn 1914.
  • Köllner, Adolph: Geschichte der Herrschaft Kirchheim-Boland, Wiesbaden 1854.
  • Reimann, Heinz: Chronik der Ortsgemeinde Waldlaubersheim, Aktualisierte Ausgabe, Waldlaubersheim 2010.
  • Rosenkranz, Albert: Aus der Geschichte der Gemeinden Waldlaubersheim und Schweppenhausen im Dreißigjährigen Krieg. In: Monatshefte für rheinische Kirchengeschichte 26, Heft 9, 1932, S. 261-265.
  • Wittelsberger, Manfred: Orgelbau in Waldlaubersheim. Die Orgelbauerfamilien Engers und Schlaad. Die Johan Michael Stumm-Orgel (1742) in der Martinskirche in Waldlaubersheim. Kleine Waldlaubersheimer Schriftenreihe 3, Waldlaubersheim 2005.
  • Zimmermann, Walter: Die Kunstdenkmäler des Kreises Kreuznach. Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Unveränderter Nachdruck, München, Berlin 1972.

 

Aktualisiert am: 18.05.2017.

 

 

Anmerkungen:

  1. Siehe Reimann 2010, S. 13f. Zurück
  2. Siehe Fabricius 1914, S. 428. Zurück
  3. Siehe Zimmermann, S. 414. Zurück
  4. Siehe a.a.O., S. 413. Zurück
  5. Siehe Reimann 1979, S. 13. Zurück
  6. Siehe Fabricius 1914, S. 187. Zurück
  7. Siehe Köllner 1854, S. 286. Zurück
  8. Siehe Zimmermann 1979, S. 414. Zurück
  9. Siehe Köllner 1854, S. 286. Zurück
  10. Siehe Fabricius 1914, S. 188. Zurück
  11. Siehe a.a.O., S. 189f. Zurück
  12. Siehe Rosenkranz 1932, S. 261 sowie Reimann 2010, S. 15. Zurück
  13. Siehe Reimann 2010, S. 15. Zurück
  14. Siehe a.a.O., S. 15. Zurück
  15. Siehe Fabricius 1914, S. 189f. Zurück
  16. Reimann 2010, S. 18. Zurück
  17. Siehe Wittelsberger 2005, S. 5. Zurück
  18. Reimann 2010, S. 23-26. Zurück
  19. Reimann 2010, S. 27-28. Zurück
  20. Reimann 2010, S. 31-32. Zurück