Pfeffelbach in der Pfalz

Pfeffelbach

0.1.Allgemeine Angaben

Unterhalb der "Preußischen Berge"

Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Kusel

Einwohner (2005): 1159, davon 85% ev. und 11% röm. kath.  

Einwohner (2007): 1002

Einwohner (2008): 1024

Gemarkung: 1132 ha, davon 600 ha Wald 

 

0.2.Lage

Der Ort liegt im erweiterten Tal des Pfeffelbachs, der nur wenige Kilometer weit entfernt im Westen entspringt. Der Bach fließt in nordöstlicher Richtung zu den steilen Hängen der Burg Lichtenberg hin. Das Dorf  breitet sich hauptsächlich auf dem rechten Bachufer aus als ein ausgedehntes Haufendorf. Auf der Nordseite des Tales steigen die so genannten “Preußischen Berge“ in einem lang gezogenen Kamm auf Höhen von fast 600 Metern über NN an (Teufelskopf 582 m, Spitzerberg 577 m, Herzerberg 485 m). Diese Bergkette wird überragt von einem hohen Fernmeldeturm, der in der Gemarkung der Nachbargemeinde Eckersweiler steht. Die Höhen im Süden der Ortslage reichen über die 400-Metergrenze hinaus (Niederberg 442, Pflugsturz 416 m).  Die Gemarkung wird im südwestlichen Bereich von der Autobahn A 62 durchschnitten. Vor allem im Süden und Osten des Ortes dehnen sich Hartsteinbrüche aus, die zum Teil noch in Betrieb sind. Die Gemarkung grenzt im Osten an die Gemarkungen von Ruthweiler, Kusel und Ehweiler, im Süden an die Gemarkung von Albessen, im Westen an die Gemarkungen von Schwarzerden (Saarland) und Reichweiler, im Norden an die Gemarkungen von Eckersweiler (Landkreis Birkenfeld) und Thallichtenberg.

0.3.Siedlung und Wohnung

Die Straßen des alten Bebauungsgebietes laufen fast sternförmig auf die Kirche zu, deren Standort wohl als Ursprung der Siedlung anzusehen ist. Von da aus in nördliche Richtung  verläuft die Straße Bangertseck, die sich dann in nordwestliche Richtung wendet. In östliche und nordöstliche Richtung verläuft die Kirchstraße, in westliche Richtung verlaufen Brunnenstraße und die Straße Obereck. In einigem Abstand parallel zum Pfeffelbach verläuft die Durchgangsstraße (L 349) mit teilweiser Bebauung und den Namen St. Wendeler Straße nach Westen hin und Kuseler Straße nach Osten hin. Die Trennung der beiden Straßenteile erfolgt seitlich einer Brücke über den Pfeffelbach. Hier zweigt die Hauptstraße von der Landesstraße in südliche Richtung ab, überquert den Bach und wendet sich an der Peripherie der dichteren Besiedlung nach Osten. Die Trasse der ehemaligen Bahnlinie (heute Rad- und Wanderweg) zieht sich entlang der südlichen Ortslage, der ehemalige Bahnhof steht am südöstlichen Ortsende. Auf halbem Weg zwischen Kirche und Bahntrasse erstreckt sich der Sportplatz. Hier steht auch die Schulturnhalle, heute Mehrzweckhalle. Im nordöstlichen neueren Ortsbereich liegt der Friedhof. Die Bebauung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts erfolgte vornehmlich entlang der heutigen Landesstraße und an der Hauptstraße. Das ehemalige Schulhaus steht quer gegenüber der Kirche. Von den ehemaligen Mühlen stehen am Bachlauf oberhalb des Ortes die Schwarzenborner Mühle und am Bachlauf unterhalb des Dorfes die Altmühle und die Bremmenmühle. Ausgesprochene Neubaugebiete erstrecken sich in der Nähe des Bahnhofs (Binnerwies - Pfarracker) und nördlich der Landesstraße.  

0.4.Wüstungen

Im Bereich der Gemarkung Pfeffelbach sind zwei untergegangene Dörfer zu erwähnen, Herzweiler und Stauderhof. Herzweiler lag im Grenzbereich der Gemarkungen von Pfeffelbach und Reichweiler, wurde wahrscheinlich  schon im 15. Jahrhundert aufgegeben, erscheint aber noch in Flurnamen, z. B. Herzerberg. Der Stauderhof wird bei Johannes Hoffmann erwähnt, erscheint aber sonst nicht in den Urkunden. „Der Stauderhof war damals eine Räuberhöhle, und die Bewohner schreckten auch vor Morden nicht zurück“ (Stepp 2000 S. 73). 

0.5.Name

Gehen wir davon aus, dass sich der Ortsname aus dem Grundwort bach- und dem Bestimmungswort nach einem altdeutschen Personennamen zusammensetzt, so muss Pfeffelbach ursprünglich die Siedlung eines Mannes mit dem Namen „Paffilo“ gewesen sein. (Vgl. Dolch/Greule 1991 S. 368). In der Ersterwähnungsurkunde von 1124 wird der Ort  als „Peflembach“ bezeichnet. Weitere Nennungen sind u. a. „Peffellembach (1138), Peffebach (1305), Peffelnbach (1328), Pfeffelnbach (1347), Pfeffelbach (1588). Auch den Ortsnamen „Peychnillenbach“ (genannt 1316) ordnet Christmann Pfeffelbach zu, während es sich nach Dolch und Greule bei Peychnillenbach um eine frühere Siedlung bei Diedelkopf handelt. Es bestehen weitere unveröffentlichte Versuche, den Ortsnamen zu deuten. So könnte sich das Bestimmungswort auch auf den Namen Paffen oder Pfaffen beziehen.  Dann müsste der Ort Pfeffelbach bei einem frühmittelalterlichen Kloster entstanden sein. (Vgl. auch Brill 1989 S. 34 und Stepp 2000 S. 71)

0.6.Wappen

Das Wappen ist horizontal zweigeteilt und zeigt auf silbernem Grund im oberen Bereich einen rotbezungten und rotbewehrten wachsenden blauen Löwen als Hinweis auf die frühere Grafschaft Veldenz, im unteren Bereich einen braunen Baum mit braunen Wurzeln und grünen Blättern nach dem Vorbild eines alten Schultheißensiegels. Das Wappen wurde 1962 durch das Innenministerium des Landes Rheinland-Pfalz genehmigt.  (Vgl. Debus o. J. S. 158)

0.7.Abriss der Ortsgeschichte

0.7.1.Römerzeit

Älteste Spuren aus der Vergangenheit führen in die Römerzeit, so vor allem eine römische Spolie im Turm der Kirche, die von einem Grabstein stammt und die Oberkörper eines Mannes und einer Frau zeigt mit der Inschrift D M („Dis Manibus“ d. h. Den Seelen der Verstorbenen). Außerdem wird schon im 16. Jahrhundert über Funde aus der Römerzeit berichtet. Auch aus neuerer Zeit erfahren wir von Funden aus der Römerzeit. „Auf dem Anieshügel entdeckte Karlheinz Schultheiß 1967 zahlreiche Gefäßscherben, darunter Krugscherben des 2./3. Jahrhunderts und Ziegelstücke“. (Bernhard 1983 S. 104/ Vgl. auch Stepp 2000 S. 72)

0.7.2.Mittelalter

Pfeffelbach wurde wohl im so genannten Remigiusland gegründet, das mit großer Wahrscheinlichkeit gegen Ende des 6. Jahrhunderts durch den fränkischen König Childebert II. dem damaligen Bistum Reims unter Bischof Ägidius geschenkt wurde. 1124 bestätigte Erzbischof Adalbert I. von Mainz dem Abt Odo des Klosters Saint Remi in Reims innerhalb dieses Remenser Besitzes um Kusel den Besitz der Kuseler Kirche mit ihren drei Filialkapellen Altenglan, Konken und Pfeffelbach. (Stimming 1932, Urkunde Nr. 524) Kurz vor dieser Ersterwähnung wurde das Remigiusland dem Grafen Gerlach I.  aus dem Nahegau als Vogtei übergeben (1121), der aus Eigenbesitz und aus weiteren Vogteien des Erzbistums Mainz und des Bistums Verdun die Grafschaft Veldenz begründete. Diese Grafschaft wurde später in Ämter unterteilt, die selbst wiederum mehrere Schultheißereien oder Unterämter umfassten. Pfeffelbach wurde der Sitz einer solchen Schultheißerei im Amt Lichtenberg neben den weiteren Schultheißereien Ulmet und Konken. Der letzte Graf von Veldenz Friedrich III. verheiratete seine einzige Tochter Anna  mit dem Pfalzgrafen Stephan, der nun wiederum mit kurpfälzischem Eigenbesitz, mit der Grafschaft Veldenz und mit der ausgelösten Grafschaft Zweibrücken 1444 eine neue Pfalzgrafschaft begründete, die später allgemein als das Herzogtum Zweibrücken bezeichnet wurde. Pfeffelbach blieb auch innerhalb des Herzogtums Zweibrücken Sitz eines Unteramtes in dem jetzt auf zehn Schultheißereien erweiterten Oberamt Lichtenberg, wobei der Amtssitz gelegentlich nach Diedelkopf verlegt wurde.

0.7.3.Neuzeit

Zur Zeit des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit zählte Pfeffelbach 42 Steuerpflichtige und gehörte damit zu den größeren Orten des Amtes Lichtenberg. 1609 zählte der Ort nach dem Kirchenvisitationsprotokoll des Oberamtes Lichtenberg 217 Einwohner. Nachdem schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts die Pest im Ort selbst und in der Umgebung aufgetreten war, starben allein im Jahr 1612 in Pfeffelbach und in den Nachbarorten Schwarzerden und Reichweiler 188 Menschen an der grauenvollen Epidemie. 1613 wurden durch eine Feuersbrunst mehrere Wohngebäude, darunter das Pfarrhaus, Scheune und Ställe vernichtet. Der Dreißigjährige Krieg brachte dem Dorf schwere Heimsuchungen. Ein großer Teil der Bevölkerung wurde getötet, Gebäude niedergebrannt. Erneute Zerstörungen und Menschenverluste erfolgten durch die Eroberungskriege des französischen Königs Ludwigs XIV. 1675 gab es nur noch 13 Familien im Ort. Das 18. Jahrhundert brachte dann eine Zeit des allgemeinen Aufschwungs und Wachstums. Eine detaillierte Aufstellung über Ereignisse in Pfeffelbach während dieser Zeit finden wir bei Hartmut Stepp und bei Hermann Brill. (Stepp 2000 S. 80/81 und Brill 1989 S. 38 ff.) Durch den Anschluss an Frankreich nach der Französischen Revolution und während der Napoléonszeit verlor Pfeffelbach seine Position als Sitz eines Amtes. Im Zuge der territorialen Neuordnung kam  Pfeffelbach nun zu dem Departement Saar (de la Sarre), zum Arrondissement Birkenfeld, zum Kanton Kusel und zu der Mairie Burglichtenberg. 1802 brach an Ostern ein Brand aus, der fast das ganze Dorf vernichtete.

0.7.4.Neueste Zeit

Nach dem endgültigen Sieg über Napoléon brachte der Wiener Kongress eine abermalige territoriale Neuordnung. Aus einem Teil des früheren Oberamtes Lichtenberg und aus Teilen des früheren Kurfürstentums Trier und der Wild- und Rheingrafschaft entstand 1816 das Fürstentum Lichtenberg mit dem Hauptort St. Wendel, aufgeteilt in die Kantone Sankt Wendel, Baumholder und Grumbach. Pfeffelbach lag im Kanton Baumholder und in der weiteren Unterteilung im Amt Burglichtenberg. In diesen Bereich der Ortsgeschichte gehört die Episode einer Totenrast der coburgischen Herzogin Luise, die 1831 verstorben war. Der einbalsamierte Leichnam wurde zunächst im Schlösschen von Sankt Wendel aufbewahrt und trat dann, infolge böser Intrigen innerhalb des Hauses Sachsen-Coburg, eine Irrfahrt an. Der Sarg stand zunächst im Haus eines Rechtsanwaltsgehilfen, wurde 1833 in der Kirche von Pfeffelbach in einer einfachen Gruft unter der Kanzel beigesetzt und geriet später fast in Vergessenheit. Der Leichnam wurde 1844 nach Coburg überführt, zunächst in der dortigen Stadtkirche und 1860 im Mausoleum auf dem Glockenberg beigesetzt. Ein Sohn der Herzogin wurde Ehegatte der Königin Victoria von Großbritannien. Zugleich gilt das Haus Sachsen-Coburg als die Wiege des belgischen Königshauses.

1834 verkaufte Sachsen-Coburg das Fürstentum Lichtenberg zu einem Preis von 2 100 000 Talern an Preußen. Es wurde Teil der preußischen Rheinprovinz, in der Pfeffelbach nun zu dem Kreis St. Wendel gehörte und zu der Bürgermeisterei (später Amt) Burglichtenberg.

Weitere Veränderungen ergaben sich nach dem Ersten Weltkrieg. Ein Großteil des Kreises St. Wendel verblieb 1919 bei dem autonomen Saargebiet. Aus dem bei Preußen verbliebenen Teil des Kreises entstand zunächst der „Restkreis St. Wendel-Baumholder” mit Sitz in Baumholder. 1937 wurde dieser Restkreis mit dem bis dahin oldenburgischen Kreis Birkenfeld vereinigt, und es entstand ein neuer Kreis Birkenfeld innerhalb des preußischen Regierungsbezirks Koblenz.  Nach dem 2. Weltkrieg lag der Ort zunächst im Regierungsbezirk Koblenz des Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Durch die Regional- und Verwaltungsreform  wurde das Amt Burglichtenberg aufgelöst. Pfeffelbach kam zur neu gegründeten Verbandsgemeinde Kusel und zum Landkreis Kusel in dem damals neu gebildeten Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz, der inzwischen wieder aufgelöst worden ist.

0.8.Ausgesuchte Wahlergebnisse, ab 2002 nur Prozentzahlen, KG heißt "Kriegsgeschädigte"

Bundestag 1957                    
  SPD CDU FDP BHE DP BdP DRP      
Stimmen 245 90 95 4 4 14 56      
Prozent 48 17,7 18,7 0,8 0,8 2,8 11.0      
                     
Bundestag 2002                    
SPD CDU FDP Grüne Rep. PDS Tiersch. PBC oedp NPD Schill
46,8 27,0 8,6 5,9, 7,4 0,8 0,8 0,2 0,2 1,3 1,1
                     
Bundestag 2005                    
SPD CDU FDP Grüne Linke Rep. NPD PBC Fam. MLPD  
41,1 19,6 7,3 3,8 14,8 8,0 3,5 0,0 2,6 0,0  
                     
Bundestag 2009                    
SPD CDU FDP Grüne Linke Sonst.          
18,3 28,3 12,3 6,0 21,6 13,5          
                     
Bundestag 2013                    
SPD CDU FDP Grüne Linke Sonst.          
28,4 36,7 2,0 5,9 7,2 19,9          
                     
Landtag 1951                    
SPD CDU FDP KPD BHE KG Zentr.        
21,7 7,7 35,5 30,4 1,3 3,1 0,5        
                     
Landtag 2001                    
SPD CDU FDP Grüne Rep. NPD FW Sonst.      
49,6 23,6 3,9 3,7 14,7 0,6 2,3 1,5      
                     
Landtag 2006                    
SPD CDU FDP Grüne Linke Rep. FW Sonst.      
50,2 17,0 6,6 2,1 2,1 10.0 --- 11,9      
                     
Landtag 2011                    
44,1 20,9 2,2 10,6 7,7 4,8 1,8 7,9      
SPD CDU FDP Grüne Linke Rep. FW Sonst.      

0.9.Zeittafel

Römerzeit Römische Spolie im Turm der Kirche, Berichte über Funde aus der Römerzeit aus früheren Jahrhunderten, Funde auf dem Anieshügel
6. Jhd. Mögliche Gründung des Ortes im Remigiusland
1124 Ersterwähnung in einer Urkunde Adalberts I. von Mainz
1121 Pfeffelbach in der Grafschaft Veldenz
14. Jhd. Pfeffelbach Sitz eines veldenzischen Unteramtes
1444 Pfeffelbach Sitz eines Unteramtes in der Pfalzgrafschaft Zweibrücken
1523 Einführung der Reformation
1588 Einführung der Reformation nach Johannes Calvin
1592 Auftrag der Regierung zur Gründung einer Schule
1609 Pfeffelbach hat 217 Einwohner
1612 Ein Großteil der Einwohner stirbt an der Pest
1613 Eine Feuersbrunst vernichtet einen Teil des Dorfes
1619/1648 Dreißigjähriger Krieg mit erheblichen Verlusten für das Dorf
1675 13 Familien im Ort. Verluste durch die Kriege Ludwigs XIV.
1768 Pfeffelbach hat 375 Einwohner
1792 Einmarsch französischer Revolutionstruppen
1798 Neue (französische) Verwaltungsordnung. Auflösung des Amtes Pfeffelbach
1801 Pfeffelbach in der Mairie Burglichtenberg, im Canton Kusel, im Arrondissement Birkenfeld, im Département de la Sarre (Saar)
1802 Ein Großbrand am Osterfest vernichtet fast das ganze Dorf
1816 Pfeffelbach im Fürstentum Lichtenberg des Herzogtums Sachsen-Coburg.
1833-1846 Totenrast der Herzogin Luise in Pfeffelbach
1834 Pfeffelbach wird preußisch
1835 Pfeffelbach im Amt Burglichtenberg, Kreis Sankt Wendel, Regierungsbezirk Trier
1870 Eröffnung der Hartsteinbrüche
1872 Dreschgenossenschaft und erste Dreschmaschine
1897 Wasserleitungsbau
1918 27 Bewohner sterben während einer Grippeepidemie
1920 Verkehrsanbindung an eine Postlinie
1921 Ausbau des Elektrizitätsnetzes
1935 Bahnstrecke Kusel-Ottweiler
1936 Strecke Kusel Türkismühle
1945 Ende des Zweiten Weltkriegs. 92 Gefallene in Pfeffelbach
1955 Einweihung der neuen Schule und Ausbau der Kanalisation
1968 Territorial- und Verwaltungsreform, Pfeffelbach kommt zum Landkreis Kusel des Regierungsbezirks Rheinhessen-Pfalz und 1972 zur Verbandsgemeinde Kusel

0.10.Religiöse Verhältnisse

Kirche aus dem 12. Jahrhundert

Pfeffelbach war schon im hohen Mittelalter der Mittelpunkt eines Kirchspiels. Davon zeugt das Kirchengebäude mit den Spolien aus der Römerzeit, das in der Urkunde von 1124 erwähnt wird, wahrscheinlich aber viel älter ist und möglicherweise nicht als der erste Kirchenbau in Pfeffelbach anzusehen ist. Nach der Urkunde von 1124 war Pfeffelbach neben Konken und Altenglan eine von drei Filialkirchen der Kirche von Kusel, galt als Besitz des Klosters Saint Remi, gehörte aber kirchenorganisatorisch zu dem Erzbistum Mainz. Nach mehreren Umbauten blieb von dem ursprünglichen Gebäude lediglich der Turm erhalten. Darüber hinaus ist aus dem Mittelalter wenig über die Kirche von Pfeffelbach bekannt geworden. 1534 führten die Herzöge von Zweibrücken die Reformation ein. Letzter katholischer Pfarrer war Nikolaus Becker, als erster reformierter Pfarrer gilt Johannes Gelanus, zu Ende des Jahrhunderts wirkte Pfarrer Heinrich Gossenberger im Ort, der allgemein als Trunkenbold galt, und über den entsprechende Histörchen noch heute in Umlauf sind. (Vgl. Stepp 2000 S. 75 ff.) 1588 veranlasste Herzog Johannes I. den Übertritt aller Bewohner zum reformierten Glauben des Reformators Johannes Calvin. Im Fürstentum Lichtenberg des Herzogtums Sachsen-Coburg und danach in der Preußischen Rheinprovinz nahm das evangelische Kirchenwesen von Pfeffelbach seinen Weg zur heutigen Rheinischen Landeskirche. Der Herzog von Sachsen Coburg bestimmte 1818 den Zusammenschluss der beiden reformierten Konfessionen, und der Beschluss einer Synode in Baumholder von 1820 führte die "völlige Vereinigung" der beiden Bekenntnisse herbei. Die nun vereinigte Evangelische Kirche des Fürstentums Lichtenberg gehörte in der preußischen Epoche nach 1834 innerhalb der Rheinischen Provinzialkirche zum Kirchenkreis Sankt Wendel. Im Grunde genommen blieb dieses Organisationsschema bis heute erhalten. Die römisch-katholischen Christen des Ortes gehören entsprechend der geschichtlichen Entwicklung zum Dekanat Kusel und besuchen auch den Gottesdienst in Kusel. Während des 18. Jahrhunderts konnte auch die Kirche in Pfeffelbach simultan genutzt werden. In früherer Zeit lebten auch einige wenige Juden im Ort als „Schutzjuden“ der Herzöge von Zweibrücken.

0.11.Bewohner

Die Dorfbewohner lebten in früherer Zeit hauptsächlich von der Landwirtschaft. Es gab auch die wichtigsten Handwerker in dem vergleichsweise großen Dorf. Im 19. Jahrhundert bestand schon, vor allem für die nachgeborenen Bauernsöhne, die Möglichkeit zum Broterwerb in den Steinbrüchen. In dieser Zeit kam es auch verstärkt zu Auswanderungen vor allem nach den Vereinigten Staaten von Amerika. Von der Wende zum 20. Jahrhundert an arbeiteten viele Pfeffelbacher in den Kohlengruben des Saarlandes. Diese „Saargänger“ betrieben oft nebenher eine kleine Landwirtschaft für den Eigenbedarf in der Familie. Nach einer Personenstandsaufnahme aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert gab es neben ca. 200 Landwirten die unten aufgeführten Gewerbetreibenden aus anderen Berufen im Dorf. Die meisten dieser traditionellen Berufe kommen heute nicht mehr vor. Auch die Landwirtschaft ist insofern von untergeordneter Bedeutung, als große Betriebsflächen nur noch in ganz wenigen Betrieben bewirtschaftet werden. Nach und nach hat sich das Bauerndorf in ein Arbeiterdorf verwandelt, aber auch diese Aussage hat heute nur noch bedingt Gültigkeit Wiewohl sich im Ort selbst eine Reihe von Betrieben angesiedelt haben, leben im Dorf Bewohner aus den unterschiedlichsten Berufen, die zum großen Teil als Pendler ihrer Arbeit nachgehen. Aus religiöser Sicht gehören die meisten Bewohner zur evangelischen Konfession. Während 1609 216 Menschen im Dorf lebten (im benachbarten Ruthweiler 86), stieg die Bevölkerung nach kriegsbedingten Rückschlägen bis ins frühe 19. Jahrhundert auf fast 500 Bewohner an. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Zahl 1000 überschritten, und im Jahr 2005 wird ein Höchststand von 1063 Einwohnern erreicht zu einer Zeit, da allgemein rückläufige Bevölkerungszahlen konstatiert werden.

0.12.Berufe im Ort um 1900

Gastwirte 3  
Händler 2  
Hebamme 1  
Schmiede 4  
Tüncher 1  
Bäcker 2  
Schuhmacher 5  
Hirt 1  
Klempner 1  
Kaufmann 1  
Metzger 1  
Schneider 3  
Schreiner 4  
Gärtner 1  
Zimmermann 1  
Krämer 3  
Näherin 1  
Wagner 4  
Maurer 24  
Steinabrichter 3  
Tagelöhner 3  
Lehrer 2  
Pfarrer 1  
(Vgl. Brill 1989)    

0.13.Einwohnerzahlen seit 1609

1609 1815 1843 1871 1905 1939 1961 1972 1978 2000 2005
216 474 731 803 862 1010 1044 1059 1050 1063 1024

0.14.Schulen, Kultur, Vereinswesen

0.14.1.Schulen

Hier wird derzeit noch unterrichtet

Die Herzöge von Zweibrücken suchten seit dem späten 16. Jahrhundert das Schulwesen in ihrem Land zu fördern. In dieser Zeit unterrichteten zumeist die Pfarrer. Alle gut gemeinten Anfänge des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts zerschlugen sich durch die Schreckensereignisse des 30-jährigen Krieges. Nur mühsam wurde nach dem Krieg ein neues Schulwesen aufgebaut. In Pfeffelbach resignierte 1651 der Pfarrer über sein zusätzliches Amt als Schulmeister. Als Lehrer wurde nun Hans Simon Brill eingestellt, der sich bezüglich seines Einkommens damit zufrieden geben wollte, dass man ihn von der Verpflichtung zum Frondienst befreite. Allerdings besaß er die beste Fuhre im Ort, und die Gemeinde wollte eher auf den Schuldienst als auf Brills Fronarbeit verzichten. Über dieses Problem berichtete Schulinspektor Gervinus und meinte, ein Pfarrer könnte im Schuldienst doch mehr leisten als ein gewöhnlicher Gemeinsmann, und es gäbe auch keine Gewähr dafür, dass von Brill einen gleichwertiger Schuldienst zu erwarten wäre. Da sollte schon ein ausgewählter Lehrer den Dienst antreten. Dennoch versah Brill den Schuldienst, wenngleich er nicht vom Frondienst befreit wurde. 1661 wurde Johann Berthel Fischer eingestellt, dem die Eltern aber vorwarfen, er mache die Jungen klüger als die Alten. Es waren auch zukünftig Handwerker und Bauersleute, die alle bereitwilligen Kinder des Kirchspiels im Lesen und Schreiben unterrichteten, zunächst nur zur Winterszeit.  Es werden weitere Lehrer mit Namen aufgezählt, doch allgemein beziehen sich die Nachrichten aus dem 18. Jahrhundert auf das Einkommen des Lehrers. Fünfzig bis sechzig Kinder aus dem Kirchspiel besuchten um 1600 den Schulunterricht aus etwa 80 Familien des gesamten Kirchspiels, Ende des 18. Jahrhunderts waren es ca. hundert Schulkinder. (Vgl. Kramer 1915 S. 405 ff. und Brill 1989 S. 230 ff.) 1847, also schon in der preußischen Zeit, erhielt Pfeffelbach ein Schulhaus, nachdem bis dahin allerlei Provisorien als Schulraum gedient hatten. Dieses erste Schulhaus ließ die Gemeinde 1902 abreißen und durch ein neues Gebäude ersetzen, in dem bis 1955 unterrichtet wurde. Zumeist wurde der Unterricht in drei Klassen durchgeführt. Als dieses neue Haus bald zu klein geworden war, sollte Schichtunterricht eingeführt werden, wogegen die Eltern erfolgreich mit einem Schulstreik drohten. Es sollte eine vierte Klasse eingerichtet werden, außerdem wurde das 9. Schuljahr eingeführt. Anträge zu Erweiterungsbauten zogen sich hin, bis schließlich Bürgermeister Edmund Müller in eigener Initiative einen Pavillon erbauen ließ, durch den die Raumprobleme zunächst gelöst wurden. 1968 entstanden beim Schulhaus ein Sportplatz mit 100-Meterbahn, ein Gymnastikraum und ein Kinderspielplatz. Infolge der beständigen Neuorganisationen und Zentralisierungsbestrebungen kam es immer wieder zu Raumproblemen und auch zu häufigem Lehrerwechsel. Schließlich wurden elf Klassen in der Schule Pfeffelbach unterrichtet. Doch die Änderungen nahmen kein Ende. Bald wurden alle Oberstufenklassen in die Hauptschule Kusel eingegliedert, und in Pfeffelbach blieb nur eine Grundschule zurück. In Kusel können Berufsbildende Schulen und weiterführende Schulen besucht werden, auch eine Schule für Lernbehinderte und eine Schule für Geistigbehinderte. Nächste Universitätsstadt ist Kaiserslautern.

0.14.2.Feste, Brauchtum, Vereinswesen

Die Kerwe feiert Pfeffelbach am 4. Sonntag im September. Es bestehen zur Zeit folgende Vereine:  Angelsportverein, Automobilsportclub, CDU-Ortsverein, Evangelischer Kirchenchor, FCK-Fanclub, Förderverein der Grundschule, Fröhliche Wanderer 1987, Fußballclub 1920, Jugendtreff, Landfrauenverein, Männergesangverein „Eintracht“, Schützenverein, Skat-Club, SPD-Ortsverein, Tischtennisverein, VdK-Ortsgruppe.

0.15.Gesundheits- und Sozialwesen

Zwei Allgemeinärzte praktizieren vor Ort. Spezialärzte werden zumeist in Kusel aufgesucht. Das Krankenhaus Kusel (Westpfalzklinikum II) steht nur sechs Kilometer weit von Pfeffelbach entfernt.  Zuständige Sozialstation ist die von Kusel und Altenglan. Auch ein Kindergarten besteht am Ort.

0.15.1.Wirtschaft und Verkehr

Pfeffelbach war ursprünglich ein großes Bauerndorf, doch nach und nach verdienten die Bewohner ihren Lebensunterhalt auch in anderen Berufen, zunächst vornehmlich als Arbeiter in den Steinbrüchen, seit dem frühen 20. Jahrhundert auch als so genannte „Saargänger“ in den Zechen des  nahe gelegenen Saarlandes. Das Bauerndorf verwandelte sich zunächst in ein Arbeiterdorf.

Als  traditionelle Betriebe seit Jahrhunderten waren die Mühlen anzusehen. Die „Altmühle“ war in der früheren Feudalzeit im Besitz der Kirche und galt als Kirchenbannmühle, demnach waren die Bauern des Kirchspiels dazu verpflichtet, in dieser Mühle mahlen zu lassen. Ein Mühlenweistum dieser Mühle entstand in seiner Urfassung im Jahr 1585 und wurde uns in einer Kopie des Jahres 1762 überliefert. Zur Zeit der Französischen Revolution ging die Mühle in Staatsbesitz über und wurde an eine Familie Jung verkauft, in deren Besitz sie noch heute ist. Sie stellte inzwischen den Betrieb ein. Bei der Eselsmühle, auch „Schwarzborner Mühle“ genannt, handelte es sich um eine so genannte Pletschmühle, die für den Eigenbedarf der jeweiligen Besitzer mahlte, für weitere Bauern nur dann, wenn die Bannmühle ausgelastet war. Auch sie wurde schon vor dem Dreißigjährigen Krieg erwähnt, 1632 war sie im Besitz von Heinrich Süß. Eine dritte Mühle unterhalb der Ortslage trug abwechselnd die Namen Neumühle, Brunnenmühle, Bremmenmühle, zuletzt Faußmühle nach ihren Besitzern während des 19. Jahrhunderts, und auch sie bestand schon vor dem Dreißigjährigen Krieg. Es stand im Bereich Pfeffelbach auch eine Walkmühle, deren Standort heute nicht mehr bekannt ist.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten kleinen Hartsteinbrüche in der Gemarkung von Pfeffelbach. Ein erster größerer Betrieb wurde 1870 eröffnet, weitere folgten 1887 und 1904. Damit konnten Arbeiter und im Nebenerwerb auch die Besitzer kleinerer landwirtschaftlicher Betriebe am Ort selbst dem Broterwerb nachgehen. Die Betriebe waren stark konjunkturabhängig. Sie produzierten ursprünglich nur Pflastersteine, später auch Splitt und Schotter für den Straßen- und Eisenbahnbau. Zwei Steinbrüche sind auch heute noch in Betrieb, beschäftigen aber nur wenige Mitarbeiter. Neben dem Hartsteinbruch bestehen vor Ort noch einige Kleinbetriebe, Geschäfte und Gaststätten. Insgesamt gesehen ist Pfeffelbach heute ein Wohnort für Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen, viele Pendler gehen außerhalb des Ortes ihrer Arbeit nach.

Der Ort liegt  an der Landesstraße 349, die von Thallichtenberg aus über Pfeffelbach zur Grenze des Saarlandes führt. Durch die Gemarkung verläuft aber auch die A 62 mit einer Anschlussstelle etwa drei Kilometer weit westlich von Pfeffelbach. Eine Eisenbahnlinie (Kusel- Türkismühle) war von 1936 bis 1969 in Betrieb. Ihre Trasse dient heute als Rad- und Wanderweg.

0.16.Nachweise

Verfasser: Hartmut Stepp

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

  • Altpeter Heinrich: Amt Burglichtenberg im Landkreis Kusel, Birkenfeld 1962.
  • Bauer, Maria: Die Farm Pfeffelbach in Südwestafrika, in: Westrichkalender Kusel 1982, S. 50-53.
  • Bernhard, Helmut: Fundberichte aus der Pfalz. Frühgeschichte 1966-1970, in: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz 81 (1983), S. 5-154.
  • Braun, Friedrich: Beschwörungen und Mixturen in Pfeffelbach, in: Westrichkalender Kusel 1979, S. 70-72.
  • Braun, Friedrich: Wie unsere Eltern und Großeltern die "Pfeffelbacher Kerb" feierten, in: Westrichkalender Kusel 1980, S. 89-98.
  • Braun, Friedrich: Osterei und Osterhase im Volksbrauchtum des Westrichs, in: Westrichkalender Kusel 1981, S. 185-196.
  • Braun, Friedrich: Das Schicksal des Schuldieners Johannes Fuhr zu Pfeffelbach, in: Westrichkalender Kusel 1982, S. 89-99.
  • Brill, Hermann: Chronik der Gemeinde Pfeffelbach, Pfeffelbach 1989.
  • Debus, Karl Heinz: Das große Wappenbuch der Pfalz, Speyer o. J.
  • Dolch, Martin; Greule, Albrecht: Historisches Siedlungsnamenbuch der Pfalz, Speyer 1991.
  • Hinkelmann, Daniel: Ein Pfarrer, zwei Entlein und der Wein, in Westrichkalender Kusel 1964, S. 91-95.
  • Hinkelmann, Daniel: Vor 140 Jahren: Sachsen-Coburg-Lichtenbergisches Nebenzollamt Ruthweiler, Westrichkalender Kusel 1977, S. 102-106.
  • Stepp, Hartmut: 875 Jahre Pfeffelbach 1724-1999 (Festvortrag), in: Westrichkalender Kusel 2000, S. 71-84.
  • Stimming, Manfred: Mainzer Urkundenbuch, Band I, Darmstadt 1932.