Dexheimer Geschichtsverein e.V.

.1.Dexheimer Schlosstorhaussanierung

Der traurige und verwahrloste Zustand des Dexheimer Schlosses war Anlass für den erst im Jahr 2006 gegründeten  Dexheimer Geschichtsverein, 2007 das Projekt "„Dexheimer Schloss"“ einzurichten Das historische, unter Denkmalschutz stehende Bauwerk (eigentlich nur das vom ehemaligen Schloss übrig gebliebene Torhaus mit angrenzendem Torbogen) drohte zu verfallen, zumal auch der Besitzer des Anwesens nichts unternahm, dies zu verhindern. Vor rund 20 Jahren war zuletzt das Notwendigste repariert worden. Bewohner gab es schon seit Jahren nicht mehr und die Anwohner beschwerten sich laufend über die undichten Dachrinnen, den fehlenden Fenstern und  den Taubendreck.

Ziel war und ist es deshalb, das Schlossgebäude unter Berücksichtigung behördlicher Auflagen und Kosten in einem baulich gepflegtem Zustand zu erhalten.

Zunächst einmal mussten jedoch die Besitzverhältnisse geklärt werden.

Der damalige 1. Vorsitzende Gerhard Blödel und das Vorstandsmitglied Jürgen Krieg nahmen diesbezüglich in Mainz Kontakt mit Herrn Thomas Richartz, dem Besitzer des Anwesens auf und konnten ihn nach schwierigen Verhandlungen zum Verkauf an die Gemeinde Dexheim bewegen.

Am 10.07.2008 war es dann soweit: Die Gemeinde Dexheim erwarb das Dexheimer Schlosstorhaus zum Kaufpreis von 1,00 €, allerdings unter der Auflage einer gemeinnützigen Nutzung, wobei die Nutzungsrechte dem Dexheimer Geschichtsverein - zunächst für 30 Jahre - übertragen wurden.

Gemeinde und DGV mussten sich außerdem verpflichten, kurzfristig ein Nutzungs- und Restaurierungskonzept zuerarbeiten, um sich damit um öffentliche Fördergelder zu bemühen.

Im April 2009 wurde in einer kleinen Feierstunde dem Dexheimer Geschichtsverein der Bewilligungsbescheid des Landkreises Mainz-Bingen über Fördergelder in Höhe von 50.000.-€ im Rahmen der Ehrenamtsförderung überreicht, allerdings mit der Verpflichtung ehrenamtlich Tätigkeiten im Wert von 25.000,- €.

Nun konnte es also los gehen:

Bereits im Juli des gleichen Jahres konnte das Gebäude durch eine Spezialfirma der Taubendreck entfernt und das Gebäude desinfiziert werden. Ende 2009 bekam das Dexheimer Schloss in Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt der Kreisverwaltung eine Komplettsanierung des Daches. Die Dachgauben wurden entfernt, um wieder so nah wie möglich am Original zu sein und neue Dachrinnen angebracht. Die Fenster wurden mit Draht verschlossen, um ein erneutes Nisten der Tauben zu verhindern, Schutt und Unrat aus dem Vorraum abtransportiert, sodass nunmehr das Gebäude wieder begehbar war.

Die Begehung des Gebäudes zeigte jedoch auch deutlich das Ausmaß der erforderlichen Sanierungsmaßnahmen.

Die Fußböden waren in einem katastrophalen Zustand, der Putz bröckelte von den Wänden und musste abgeschlagen werden.

Auch die Innendecken waren marode und mussten abgetragen werden.

Dazu kam noch, dass durch die Nutzungsänderung von einem ehemals privaten in ein nunmehr öffentliches Gebäude ein neuer Bauantrag eingereicht und genehmigt werden musste. Diese Genehmigung mit entsprechenden Auflagen (Behindertentoilette, Brandmauer etc.) wurde dann am 03.08.2010 erteilt, sodass die Arbeiten weiter fortgeführt werden konnten.

Dies geschah schon im Nov. 2010 mit der Installation des Wasseranschlusses und dem Einbau eines Wasserzählers. 

Im Jahr 2011 ging es dann Schlag auf Schlag:

Im April 2011 wurde der alte Sandfußboden entsorgt und neu betoniert, anschließend die Brandmauer und Toilettenwand errichtet.

Mitte des Jahres wurden dann neue massive Holzdecken eingezogen und zwei Innentreppen aus Stahl mit vorläufigen Baustellen-Holzstufen eingesetzt, die dann nach Fertigstellung der Sanierungsmaßnahmen gegen die richtigen Holzstufen ausgetauscht werden sollen.

Und gegen Ende des Jahres wurden rechtzeitig vor dem Wintereinbruch auch noch die neuen Denkmalpflegefenster geliefert und eingebaut.

Diese neuen Fenster geben dem Schloss nun auch äußerlich ein ganz neues Gesicht.

Es kann sich wieder sehen lassen!

Nach Abschluss dieser Baumaßnahmen, für die wegen der notwendigen Statik größtenteils Fachfirmen benötigt wurden, sind die finanziellen Mittel des Vereins trotz der großen Spendenbereitschaft unserer Mitglieder sowie der beteiligten Firmen einschl. der Fördermittel aus der Ehrenamtsförderung völlig erschöpft.

Es wurden über 60.000 € eingesetzt und mehr als 600 Ehrenamtsstunden geleistet

Auch wenn jetzt viele Arbeiten im Innenbereich durch Eigenleistung ehrenamtlicher Helfer erledigt werden können, werden doch erhebliche finanziellen Mittel für die entspr. Materialien benötigt.

Im Jahr 2012 konnte dennoch dank einer großzügigen Materialspende und dem Einsatz vieler Helfer unter fachmännischer Leitung die gesamte Elektroinstallation ausgeführt werden, wobei die Kosten für den Stromkasten von der Gemeinde übernommen wurden.

Ansonsten stand das Jahr ganz im Zeichen der Planung und Ermittlung der Kosten über die noch durchzuführenden Maßnahmen und der Antragstellung für weitere Fördergelder aus der Ehrenamtsförderung des Landkreises.

Diese wurden bewilligt und so konnte der DGV am 03.09.2012 im Rahmen einer kleinen Feierstunde in Ingelheim den Bewilligungsbescheid über 16.000 €  für die Fortführung der Sanierungsmaßnamen aus den Händen von Landrat Claus Schick und dem Beigeordeten Adam Schmitt entgegennehmen, allerdings diesmal mit dem Faktor von 50%, d.h. weitere 16.000 € müssen wertmäßig durch ehrenamtliche Leistungen erbracht werden.

Dies sollte allerdings kein Problem darstellen, denn für den jetzt anstehenden Innen-Ausbau waren ohnehin viele fleißige Helfer mehr als gefragt.

Wichtig war nur, dass nunmehr für die notwendigen Materialien die finanziellen Mittel vorhanden waren.

Und es ging auch gleich wieder los:

Nachdem mit Genehmigung des Amtes für Denkmalpflege im Dach ein zusätzliches Fenster eingebaut war, wurde mit der Innendämmung des Dachstuhls begonnen und die Elektro-Heizkörper installiert.

Im Torbogen-Raum wurde der Boden aufgeschüttet und mit Estrich versehen.

Die Kanalverbindung zur Straße wurde geschaffen und die Wasserleitungen verlegt.

Parallel dazu entstand durch Eigeninitiative von zwei Mitgliedern des Geschichtsvereins eine neu betonierte Treppe zum unteren Kellerbereich.

Inzwischen schrieb man das Jahr 2014 und es gab immer noch genug zu tun.

Die Wände mussten verputzt und die alten Kacheln, die im Keller gefunden wurden zur Wiederverwendung für den Erdgeschoss-Fußboden gereinigt werden.

 

 

In mühseliger Kleinarbeit wurde der Teil des Mauerwerks, der als erhaltenswert sichtbar bleiben sollte, frei gelegt und neu verfugt. Es wurde dadurch eine äußerst wirkungsvolle Wand.

Aber auch die inzwischen verflieste Behindertentoilette kann sich durchaus sehen lassen

Nachdem der Estrichboden im Torbogen-Raum trocken war, konnte auch hier eine Holzdecke eingezogen werden.

Die frei darunter liegenden Holzbalken mussten vom (desinfizierten!) Taubenkot gesäubert und komplett neu verschliffen werden.

Inzwischen war die Innendämmung des Dachstuhls fertig gestellt, sodass man damit beginnen konnte, im Obergeschoss eine Nut- und Feder-Holzdecke anzubringen, mit dem Ziel, diese bis zum Schlossfest im Mai 2015 fertig zu bekommen, was ja dann auch gelang.

 

 

Auch im Hinblick auf das Schlossfest beschloss der Vorstand dann noch, den Einbau einer neuen Eingangstür in Auftrag zu geben, um auch vom Innenhof aus das Schlosstorhaus entsprechend ansehlich aussehen zu lassen.

Beim Schlossfest selbst konnten sich dann die Besucher auch im Innern ein Bild davon machen, wie weit die Sanierung inzwischen fortgeschritten ist.

Sicher gibt es noch immer einiges zu tun, doch hat der Dexheimer Geschichtsverein sich zum Ziel gesetzt, alle noch anstehenden Arbeiten bis Mitte 2016 abzuschließen, so dass zum 10-jährigen Bestehen des Vereins die feierliche Einweihung des historischen Gebäudes stattfinden kann. 

Und dank einer erneuten Ehrenamtsförderung durch den Kreis Mainz-Bingen in Höhe von 13.000 € und der Tatkraft etlicher ehrenamtlicher Helfer ging es dann auch gleich weiter zügig voran.

Im Torbogenraum mussten noch die Wände verputzt und gestrichen sowie ein Holzboden verlegt werden. Die Behindertentoilette wurde komplett eingerichtet sowie eine behindertengerechte Schiebetür beschafft und eingebaut.

 

 

Im Anschluss daran wurde die Innenbeleuchtung sämtlicher Räume einschl. der Schalter und Steckdosen installiert und nachdem auch die schon vor Jahren vom Museum für Antike Schifffahrt in Mainz "geerbten" Vitrinen für das im Obergeschoss geplante Heimatmuseum "hochgewuchtet" waren, konnten auch endlich die "richtigen" Holzteppenstufen montiert werden.

Zum Abschluss wurde dann noch im Erdgeschoss der Boden fertig gefliest und am 22. Mai 2016 war es dann endlich soweit:

Im Rahmen eines großen Dorffestes zur 200-Jahrfeier von Rheinhessen und pünktlich zum 10-jährigen Bestehen des Dexheimer Geschichtsvereins konnte mit einer kleinen akademischen Feier die Einweihung des sanierten Schlosstorhauses gefeiert werden sowie gleichzeitig die Eröffnung eines kleinen Heimatmuseums im Obergeschoss des Gebäudes.

Ein für den seinerzeit durch einige wenige Mitglieder erst neu gegründeten Geschichtsverein äußerst ehrgeiziges Projekt, das im Laufe der Zeit über 150.000 € verschlungen hat -die Hälfte davon in Form von ehrenamtlichen Tätigkeiten -, konnte damit erfolgreich zum Abschluss gebracht werden, auch wenn bezügl. der Außenfassade im Obergeschoss durchaus noch Renovierungsbedarf besteht.

 

 

Nachdem im Anschluss an die Eröffnungsfeierlichkeiten mit dem restlichen Geld im Erdgeschoss noch eine Küchenzeile eingebaut und das erste Stockwerk mit Schrank, Tisch und Stühlen zu einem Arbeits- und Versammlungsraum gestaltet wurde, kann nunmehr das "Schloss" für den DGV auch als Vereinsheim genutzt werden.

(Die ausführlichen Berichte über das Dorffest, die Einweihung des Schlosstorhauses und die Eröffnung des kleinen Dexheimer Heimatmuseums lesen Sie bitte in der Rubrik "Veranstaltungen" bzw. in der neuen Rubrik "Heimatmuseum" im Hauptmenü.)