Verein Heimatmuseum Burg Windeck

Natur - Landschaft - Heimat

Heidesheimer Wasser im Wandel


"Ich ging im Walde so für mich hin ..." Zwischen Heidesheim und Finthen sehe ich linker Hand eine Schutzhütte und erinnere mich: Da müssten die "Sieben Weiher" sein. Lange ist es her, dass ich hier nicht mehr war.

Von der Höhe aus gesehen liegt der erste Weiher zu meinen Füßen, am Ufer lädt eine Bank zur Rast und Besinnung ein. Eine steile Treppe, mit Vorsicht zu betreten, führt hinunter zur Quelle. In einer Grotte gefasst, rinnt aus der hinteren, rechten Ecke ein Wässerchen, das den Weiher speist.

Das Angebot der Ruhebank lockt, ich genieße die Stille und lasse die Beschaulichkeit des Fleckchens auf mich wirken. Sechzig Jahre mögen es her sein, dass ich mit einer Wandergruppe junger Naturfreunde zum ersten Mal an diesen Ort gelangte. Übermütige Streiche am und im Wasser fallen mir ein und ich spüre, wie meine Mundwinkel lächeln wollen.

Bild 01 Schutzhuette[Bild: Franz Eiermann]
Bild 02 Treppe zum Weiher[Bild: Franz Eiermann]
Bild 03 Quellengrotte[Bild: Franz Eiermann]
Bild 04 Schuettung der Quelle[Bild: Franz Eiermann]
Bild 05 Weiher mit Bank[Bild: Franz Eiermann]
Bild 06 Am obersten Weiher[Bild: Franz Eiermann]

Bild 07 Leben im Weiher[Bild: Franz Eiermann]
Bild 08 Auslauf zum naechsten Weiher[Bild: Franz Eiermann]
Bild 09 Das letzte Wasser quert den Waldweg[Bild: Franz Eiermann]
Bild 10 Eine trockene Rinne fuehrt weiter [Bild: Franz Eiermann]
Bild 11 Unterfuehrung der Autobahn[Bild: Franz Eiermann]

Der Ausfluss des ersten Weihers mündet in einen nächsten und so weiter in die terrassenförmig folgenden Wasserflächen. Zugewachsen und mit Dornenhecken umgeben ist der Blick teilweise versperrt, und sieben Weiher sind es auch nicht mehr. Zeit und Autobahn haben ihren Tribut gefordert. Neugierig bin ich aber doch, wohin denn das Wasser am Ende verschwindet. Weiter unten, am letzten Tümpel quert eine Rinne, abgedeckt mit einem Einlaufrost, den Waldweg. Sie liegt trocken, verläuft zu einer Autobahnunterführung und verschwindet dort.

Wenn hier schon kein Wasser mehr zu finden ist, wird wahrscheinlich weiter unten auch keines mehr sein.

Bild 12 Zur Rheingoldruhe[Bild: Franz Eiermann]
Bild 13 Ehemalige Jugendherberge Rheingoldruhe[Bild: Franz Eiermann]
Bild 14 Kraeutergarten[Bild: Franz Eiermann]
Bild 15 Heute Lennebergverein[Bild: Franz Eiermann]

Ich ändere die Richtung und folge dem Weg zur Rheingoldruhe. Früher eine Jugendherberge ist dort heute ein Ausflugsstätte des Wander- und Lennebergvereins, zu bestimmten Zeiten bewirtschaftet. Auch ein Kräutergarten ist dort angelegt.

Aber das Wasser lässt mich nicht los. Aus alten und neueren Karten weiß ich, dass irgenwo weiter südwestlich eine Viehtränke war, danach will ich mal suchen. In der Trauttnerkarte von Heidesheim aus dem Jahre 1755 findet sich eine Stelle, bezeichnet als "Brunen" und "Kühe Tränck". Die Lage könnte passen. Auch in heutiger Kartografie finden sich blaue Flecken, die auf Wasser hinweisen.

Bild 16 Kuehe Traenck

Bild 19 Wasser der Viehtraenke[Bild: Franz Eiermann]
Bild 20 Durchlass unter der Autobahn[Bild: Franz Eiermann]
Bild 21 Verstecktes Rinnsal[Bild: Franz Eiermann]
Bild 22 Am Forstplatz[Bild: Franz Eiermann]
Bild 23 Strassenunterfuehrung[Bild: Franz Eiermann]
Bild 24 Rinne am IBM-Zaun[Bild: Franz Eiermann]
Bild 25 Wasser quert einen Waldweg[Bild: Franz Eiermann]
Bild 26 Muendung im ersten Becken[Bild: FE]
Bild 27 Rinne fuehrt weiter[Bild: Franz Eiermann]
Bild 28 Zweites Becken[Bild: FE]
Bild 29 Rinne endet in einer Senke[Bild: Franz Eiermann]
Bild 30 Die Senke[Bild: Franz Eiermann]

Oberhalb der Autobahn kommt Wasser aus einer Art Schlucht, verschwindet in einem Rohr unter der Autobahn und tritt auf der anderen Seite wieder hervor. Es schlängelt sich durch das Gestrüpp entlang von Gärten zur Straße hin, unterquert die Mainzer Landstraße und fließt entlang des IBM-Zauns. Nach jedem Meter wird das Rinnsal dünner, bis es ganz versiegt, die Rinne ist trocken. Neugierig möchte ich wissen, wohin die Rinne führt und folge ihr. Sie quert einen Waldweg und wendet sich ins Gebüsch. Mühsam dringe ich durch das Gestrüpp, immer der nun trockenen Rinne nach, bis ich plötzlich vor einem betonierten Tümpel stehe. In einer Regenpfütze spiegeln sich morsches Geäst und ein Baumstämmchen. Das ist aber noch nicht alles. In einer Ecke verlässt die Rinne den Tümpel und strebt weiter in den Wald, wo bald ein zweiter Tümpel auftaucht.

Überrascht erkenne ich auch hier noch nicht das Ende. Sehr neugierig verfolge ich weiter die Halbschalenr, bis sie sich im Winkel von ca 30 Grad nach unten absenken und in einer großen Mulde enden.

Das also war das Ziel der Wasserführung, ein Ort wie geschaffen, sofern der Untergrund das Wasser hält, zu einem stillen Weiher südlich von Uhlerborn zu werden. Eine Idee, die sicher auch die Menschen hatten, die einst das Wasser hierher führten.

Schade, dass unsere heutige Landschaft so arm an offen fließendem Wasser ist.

Verfasser: Franz Eiermann

 

Bild 16: Trauttnerkarte von Heidesheim, Original aufbewahrt im Stadtarchiv Mainz unter der Signatur VII H 3 / Bild 01: bis Bild 15: und Bild 19: bis Bild 29: Eiermann, Franz, Heidesheim

 

Ergänzt 10.11.2014