Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein

.1.Tätigkeitsbericht der "Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein" für die Zeit vom 1. Juli 2002 bis zum 30. Juni 2003 "

Die Themenwahl unseres neuen Heimatjahrbuches hätte von dem Wort "Warum denn in die Ferne schweifen..." geprägt sein können. Hatten wir die Beziehungen zur Provinz Verona zum Schwerpunkthema im Jubiläumsjahr der Partnerschaft gemacht, so wagten wir hiernach den Blick in den uns sehr verbundenen Rheingau, wo uns herzliche Freundschaft für dieses Interesse entgegengebracht wurde. Dies wollen wir für die Zukunft - nicht zuletzt wegen vieler geschichtlicher Bindungen und Verbindungen - mit unserer besonderen Aufmerksamkeit begleiten. Mit dem Leitthema des neuen Heimatjahrbuches richten wir unser Augenmerk auf die Fundamente unserer Heimat und ihre reichen Geschichte. Die Schlösser und Burgen in unserem Landkreis Mainz-Bingen sind stolze Zeugen von jahrhundertealter geschichtlicher Entwicklung, von Macht und Herrschaft, von Ruhm und Vergänglichkeit. Gerade nach der Anerkennung des Mittelrheines als Weltkulturerbe durch die Unesco, wollen wir diese beeindruckenden Bauten, seien es Ruinen oder auch romantische Schlösser, unsere Aufmerksamkeit zuwenden. Hier könnte die Erkenntnis des französischen Philosophen André Malraux mitschwingen, dass wer in der Zukunft lesen will, in der Vergangenheit blättern muss. Dies will auch der Jahresbericht. Hierbei sind wir erfüllt von Stolz über unsere Arbeit, zu deren Schwerpunkten auch dieses Heimatjahrbuch zählt. Wir fühlen uns aber auch angespornt von der Öffentlichkeitswirkung, die dieses Buch findet und der freudigen Erwartung bei der alljährlichen Präsentation. Dies alles gibt uns Mut und Zuversicht für die Gegenwart und Zukunft unserer kulturhistorischen Vereinigung. Für deren Organe, Vorstand, Beirat und Redaktionsausschuss erstatten wir Bericht.

1.Frühjahrsexkursion

Die Exkursion im Frühjahr 2003 führte uns nach Meisenheim / Glan, einem Kleinod in unserer Nachbarschaft, wo HF Horst Kiehl alle Vorbereitungen getroffen hat, den Tag zu einem kulturellen Erlebnis werden zu lassen. Begrüßung durch die Repräsentanten der Stadt und Verbandsgemeinde, ein Konzert an der berühmten Stummorgel, Führungen durch die Schlosskirche, über die mittelalterlichen Stadtmauer zu den Fürstenhöfen und markanten Türmen, ein herzhaftes Mittagessen und ein stimmungsvoller Abschluss bei vorzüglichem Nahewein, ließen den Tag in Windeseile vergehen. Mit vielen neuen Eindrücken traten wir die Heimreise an. Mit der Exkursion war auch eine Mitgliederversammlung verbunden, die ihre Beschlüsse zur Verleihung des Heimatliteraturpreises 2003 fasste.

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2.Heimatjahrbuch

Die Präsentation des Heimatjahrbuches 2003 im November war organisatorisch mit einer Podiumsdiskussion anlässlich der 50 jährigen Partnerschaft des Landkreises mit der Provinz Verona verbunden. Rekordverdächtig war nicht nur die Anzahl der Besucher sondern auch der Umfang des Buches, das 366 Seiten umfasst. Nach dem Willkommensgruß von Landrat Claus Schick gab der Leiter des Redaktionsausschusses Günter F. Hattemer einen Überblick zum Inhalt, den 61 Text- und Bildautoren geliefert hatten. Er bescheinigte dem Werk trotz des Themenschwerpunktes eine redaktionelle Vielfalt und Farbigkeit. Die Geschäftsführerin des Verlages Dagmar E. Hilden - Kuntz überreichte das 1. Exemplar des Heimatjahrbuches an Landrat Claus Schick, der von dem gelungenen Werk sichtlich beeindruckt war. In seinem Grußwort stellte der Vorsitzende der Heimatfreunde Adam J. Schmitt fest, dass das Heimatjahrbuch, ein echtes Sachbuch für Heimatgeschichte, Kultur, Brauchtum und Heimatpflege sei. Texte von Hildegard Hattemer und das Oppenheimer Saxophon-Quartett rundeten die Feierstunde ab.

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3.Heimat am Mittelrhein

Nachdem unser langjähriger Redaktionsleiter Heribert Ertel, dem wir an dieser Stelle für seine Arbeit nochmals sehr herzlich danken, sein Amt zur Jahreswende abgab, hat Günter F. Hattemer, der sich aus dem Berufsleben verabschieden durfte, diese verantwortungsvolle Aufgabe übernommen. Dank ihrer Arbeit und dem des Redaktionsteams konnten im Berichtszeitraum 6 Ausgaben der Monatsblätter für Kultur- und Heimatpflege, zusammen mit der Allgemeinen Zeitung in Bingen und Ingelheim, herausgegeben werden. Die Beilagen zum Amtsblatt der Verbandsgemeinde Gau-Algesheim konnten auch in 2002, Dank der freundlichen Unterstützung von Bürgermeister Dieter Link und seinem Sachgebietsleiter S. Petry Im Zusammenwirken mit unserem Schatzmeister Erich Hinkel unseren Mitgliedern zur Verfügung gestellt werden.

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4.Heimatliteraturpreis an Günter F. Hattemer

Es waren aufregende Monate seit Jahresbeginn für den Redaktionsleiter unseres Heimatjahrbuches Günter F. Hattemer. Im April wurde er mit der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet, die Landrat Claus Schick "dem "rheinhessischen Urgestein" überreichte. Anfang Mai wurde ihm der Heimatliteraturpreis 2003 überreicht. Bei der Übergabe der künstlerisch gestalteten Urkunde in einer Feierstunde in Budenheim, hob der Vorsitzende Adam J. Schmitt hervor, dass der Kreisverband der Heimatfreunde "Binger Land" - Vorgänger unserer kultur-historischen Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein - 1959 den Heimatliteraturpreis stiftete, um dem ohnehin regen heimatlichen Schaffen noch einen besonderer Akzent zu verleihen. Mit keiner Geldprämie verbunden, soll mit diesem Literaturpreis kein Wirkender auf ein hohes Podest hinaufgelobt werden, von dem man allzu leicht wieder herunterpurzeln kann, so hatte der Preisträger Karl Greifenstein einmal treffend bemerkt. Der Heimatliteraturpreis sei eine bescheidene Geste, die in unserer pluralistischen Gesellschaft, jene Heimatfreunde auszeichne, die, um mit Heinrich Böll zu sprechen "zu einer Gattung gehören, die gerade im Entstehen ist: zu den Menschen. Den Menschen Günter F. Hattemer zeichne Menschlichkeit, Demut, Bescheidenheit und Höflichkeit aus. Neben der Anerkennung für sein Heimatbezogenes literarischen Schaffen sei hiermit auch seine sich öffnende Literatur von Heimat und Weite zu würdigen. Bürgermeister Rainer Becker hielt die Laudatio auf den Geehrten und zeichnete dessen Lebensweg von Gau-Algesheim bis Budenheim nach. Alfons Molitor brachte heimatliterarische Gedanken in die Feierstunde ein und Landrat Claus Schick überbrachte die Glückwünsche als Kreischef und als Freund des Preisträgers.

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5.Premiere für den historischen Sachbuchpreis Mittelrhein

Neue Formen der Information haben Bücher nicht in den Schatten gestellt. Bedeutende Buchausstellungen zeigen, dass das Kulturgut Buch auf Dauer Bestand haben wird. Deshalb haben die Heimatfreunde am Mittelrhein, erstmals den einen Historischen Sachbuchpreis Mittelrhein für 2003 ausgeschrieben. Aufgefordert waren Autoren und Verlage, historische und kulturhistorische Sachbücher, die sich mit der Geschichte, der Kultur und Natur des Mittelrheins beschäftigen, einzureichen. Eine sechsköpfige Jury aus Historikern, Kunsthistorikern, Redakteuren und heimatgeschichtliche Literaten hatte die 8 eingereichten Arbeiten zu prüfen und über die Preisvergabe zu befinden. In einer stilvollen Feierstunde im Ingelheimer Rathaus dankte OB Dr. Gerhard den Heimatfreunden für ihr Bemühen, Geschichte und Kultur der Region zu dokumentieren. Nach dem Dank an die Jurymitglieder wurde das zweibändige Werk "Das Rheintal von Bingen und Rüdesheim bis Koblenz" des Landesamtes für Denkmalpflege mit einem Sonderpreis bedacht. Vierte Preise erzielten Friedel Holighaus und Helga Eckert für "Wackernheim - einst und jetzt", Ingeborg Diez-Hecker für "Pflanzen von Hunsrück und Mittelrhein", Rüdiger Diezeman für "Ran wie Blücher - der Rheinübergang bei Kaub" und Alfons Krupp für "Hildegard - Äbtissin auf dem Rupertsberg". Der dritte Preis ging an Dieter Stiehl für eine "ganze andere" Festschrift des TV Steeg, mit dem zweiten Preis wurde der frühere OB Anno Vey für sein Werk "Ingelheim unter dem Hakenkreuz" ausgezeichnet. Gewinner des Wettbewerbs waren Martha Schwab und Margarethe Köhler mit ihren "Zeitspiegelungen. Ingelheim von den Dreißigern bis heute". Alfons Molitor mit heimatliterarischen Anmerkungen zu dem neuen Sachbuchpreis und ein Gitarrenduo umrahmten die Feier.

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6."Partnerschaften heute und im Europa von morgen"

war das Thema einer Podiumsdiskussion, die mit der Eröffnung einer Tafelausstellung "50 Jahre Partnerschaft über den Brenner hinweg" verbunden war. Mit dem Moderator Markus Jung vom SWR diskutierten Rosemarie Müller, MdEP, die Leiterin der Kreis-VHS Frau Monika Nickels, vom Freundschaftskreis Mainz-Bingen / Provinz Verona Theo Hattemer, als Repräsentant der kulturellen Partnerschaftspflege Rainer Reitz vom MGV Bingen-Kempten und Landrat Claus Schick. Die Aufgabe für die Europäer, die beste Gestalt der zukünftigen Einheit zu finden, sei nicht leicht und könne gewiss nicht von einem Tag auf den anderen erfüllt werden. Es ist dies, so die übereinstimmende Meinung, eine Aufgabe, an der zu arbeiten wir verpflichtet sind. Vor 50 Jahren, als Europa nach einem schrecklichen Krieg noch aus vielen Wunden blutete, haben sich mutige und weitsichtige Männer über die Grenzen hinweg die Hände zur Freundschaft und damit zur ersten internationalen kommunalen Partnerschaft gereicht. Vorbereitend und unterstützend hat die Vereinigung der Heimatfreunde diese Partnerschaft getragen und begleitet. Sie haben mit Ideen, Idealismus und ungebrochener Energie das Rad der Partnerschaft bewegt, auch wenn schwere Strecken zu überwinden waren. Diese Freundschaft hat sich bewährt. Durch die Beziehungen sind sich die Menschen, besonders viele junge Menschen, aus verschiedenen Ländern näher gekommen, haben vieles voneinander erfahren. Ohne die Beziehungen auf der untersten Ebene, der praktischen Pflege der guten Nachbarschaft, wie sie seit Jahrzehnten, gerade von Deutschland ausgehend, praktiziert wird, gäbe es Europa in seiner heutigen Gestalt vielleicht noch nicht.

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7.Tafelausstellung zur Partnerschaft mit der Provinz Verona

Die Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein war, so hat es der Mitbegründer dieser ältesten kommunalen Partnerschaft in Europa unser verehrter Claus Palm, einmal formuliert, von der Initialzündung 1952 an Wegbereiter und zuverlässiger Begleiter dieser Verbindung. Sie hat vor allem literarisch und in kulturellen Veranstaltungen für die Idee der Partnerschaft geworben. Vor diesem Hintergrund wurde anlässlich des Partnerschaftsjubiläums eine Ausstellung präsentiert, die nach 5 Jahrzehnten das vielfältige Wirken der Heimatfreunde für diese Partnerschaft darstellt. Hierbei ist es vortrefflich gelungen, die historischen Phasen im territorialen Raum und geistige Verbindungslinien großer Persönlichkeiten bildlich und textlich verständlich darzustellen. Der junge Künstler und Designer Marcus Gräff aus Weiler hat die ganzen Ideen und Materialien künstlerisch aufbereitet, gestaltet hat und den hohen Anspruch, den wir in diese Tafelausstellung gesetzt haben, sachkundig und klug umgesetzt hat. Diese Ausstellung bekunde, so hieß es, den Willen zur Partnerschaft, deren Pflege und weiteren Ausbau, sie verbindet Heimat und Weite. Mit dieser Ausstellung wurde auch eine Computeranimation gestaltet, die in Bild und Ton die "Partnerschaft über den Brenner" hinweg eindrucksvoll schildert. Wir wollten damit auch beweisen, so Adam J. Schmitt, dass wir auf die neuen Medien setzen, uns ihrer bedienen um unsere Arbeit nach außen deutlich zu machen. Wir, die Heimatfreunde, sind Stolz darauf, dass wir auf diese Weise unsere üblicherweise stille Arbeit mit dieser Ausstellung und Computeranimation ins Rampenlicht rücken können. Sein Wunsch zur Eröffnung nach einer guten Aufnahme dieses Angebotes geht in Erfüllung, die Ausstellung fand in der Kreisverwaltung überaus guten Zuspruch, mittlerweile war sie in Bingen-Kempten zu sehen, weitere Ausstellungsorte sind bereits vorgemerkt.

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8.Von und über unsere Mitglieder

Eine Reihe unserer Mitglieder durften besondere Geburtstage feiern, hierzu haben wir unsere Glückwünsche übermittelt. Unser Ehrenmitglied Robert Ernst Hammer beging im Dezember 2002 das äußerst seltene Fest der Gnadenhochzeit nach 70 Ehejahren. Wenige Wochen danach verstarb seine Frau, er folgte ihr im März 2003. Einige unserer Mitglieder wurden mit Staatlichen Ehrungen, Verdienstorden und kommunalen Auszeichnungen bedacht, von Verbänden und Organisationen geehrt. Unserem langjährigen überaus engagierten Schatzmeister Erich Hinkel wurde der Ehrenbrief der Stiftung "Kultur im Landkreis Mainz-Bingen" verliehen; Bürgermeister a.D. Karl-Heinz Pfaender wurde in einer Feierstunde in Gau-Algesheim zum Ehrenmitglied ernannt. Ihnen und allen Geehrten gelten unsere herzlichen Glückwünsche. Zahlreiche Schriften, Bildbände und heimatgeschichtliche Werke, die aus Kamera und Feder unser Mitglieder stammen, sind im vergangenen Jahr herausgegeben wurden. Sie geben Zeugnis für ein engagiertes Wirken der Autoren aber auch der tiefen Verbundenheit zu unserer Heimat. Wir dürfen allen unsere Anerkennung hierfür aussprechen. Im letzten Jahr haben uns Persönlichkeiten verlassen, die für unsere Vereinigung beispielhaft gewirkt und für das kulturelle Leben im Kreis gearbeitet haben. Stellvertretend für alle verstorbenen Mitglieder erwähnen wir unsere Ehrenmitglied Robert Ernst Hammer, dessen Wirken und Vermächtnis wir an andere Stelle dieses Buches würdigen, Dr. Karl Greifenstein und Heinz Sarg, die von uns gingen. Sie haben Zeichen gesetzt, mit ihrem Wirken und Schaffen, die Arbeit unserer Vereinigung geprägt und auch bereichert. Wir sind ihnen tiefen Dank schuldig.

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9.Danke

Viele engagierte Heimatfreunde haben im Berichtszeitraum für unsere Vereinsziele gewirkt und gearbeitet, ohne ins Rampenlicht zu treten. Ihnen allen gilt unser herzlicher Dank, den Mitgliedern des Vorstandes, dem Beirat und dem Redaktionsausschuss für deren aktive Mitarbeit und nicht zuletzt allen Mitgliedern, die unsere gemeinsame Arbeit mittragen und begleiten. Es war ein erfülltes Jahr, das den Amtsträgern viel abverlangt hat und an dessen Ende wir mit Genugtuung auf das Geleistete zurückblicken dürfen.

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