Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein

.1.Tätigkeitsbericht der "Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein" für die Zeit vom 1. Juli 2003 bis zum 30. Juni 2004

"Unser Volk am Rhein hat einfach deshalb mehr Esprit und mehr Verve, weil es mehr mit der Welt in Berührung kam...Der Rhein war stets eine große Verkehrsstraße, und die großen Landrouten führten durch unser Land. Bei allen Invasionen haben die Rheinhessen nicht nur zu leiden gehabt, sondern auch profitiert; und magst du sagen, was du willst; ich werde dir haarklein beweisen, dass die französische Herrschaft - so kurz sie auch gedauert hat - kein unwichtiges Moment in der Ausbildung unseres Volksgeistes war. Berührung mit anderen Völkern, anderen Sitten, anderer Weisheit ist das beste Mittel zur Ausrottung aller Steifheit, aller Verblendung, allen Stumpfsinns, aller Knechtschaft, kurz: alles Schlimmen im Geschicke der Völker ...." Dies schrieb der aus Bingen-Büdesheim stammende Stefan George als zwanzigjähriger 1888 an seinen Freund Arthur Stahl über die historisch geprägte Mentalität seiner mittelrheinischen Landsleute. Carl Zuckmayer, in Nackenheim geboren, hat den Begriff der Völkermühle Europas geprägt. Ihn bewegen die gleichen Gedanken wie der junge George. Der Rhein, der unsere Heimat so einzigartig prägt und bestimmt, ist seit den Zeiten der Römer in Germanien nicht nur eine wichtige Wasserstraße, an seinen Ufern führten auch die römischen Heerstraßen vor 2000 Jahren entlang. Er war in diesen zweitausend Jahren die Völkermühle Europas, er war Grenze, umkämpft, geliebt, Touristenattraktion, seit den Tagen der Rheinromantik immer wieder gemalt, bedichtet aber auch viel besungen. Kein Strom weltweit übt eine solche Anziehungskraft auf die Menschen aus. Sind es Landschaft, die zum Weltkulturerbe wurde, die Menschen, die hier leben? Sicherlich fallen ihnen hierzu viele Antworten ein. In diesem Heimatjahrbuch wollen wir auf diese Frage eine von vielen Antworten hierauf geben, wenn wir uns mit "Migration und Emigration" befassen. Ein anspruchsvolles Thema, das unser letztjähriges Leitthema "Links und recht des Rheins" - Bindungen und Verbindungen über den Rhein gedanklich fortführt. Es ist eine gute Übung, dass wir in unserem Heimatjahrbuch auch die Aktivitäten unserer Vereinigung, jetzt für das Berichtsjahr 2003 / 2004, aufzeigen, um deutlich zu machen, wo unsere Aufgabenstellung liegt. Wir wollen hiermit auch für unsere Sache werben, den Menschen im Landkreis Mainz-Bingen unsere Ziele vermitteln, die "nur" Leser dieses Buches sind und sich bislang noch nicht dafür entscheiden konnten, unsere Ziele mit zu unterstützen, sei es als fördernde Mitglieder oder auch als Autoren unseres Heimatjahrbuches. Es ist für uns immer beeindruckend, welches große Echo das Heimatjahrbuch alljährlich findet, dennoch würden wir uns ein "Feedback" wünschen, durch Männer, Frauen, besonders auch Jugendliche, die Mitgestalten und Mitwirken wollen beim Heimatjahrbuch und der Verwirklichung unserer Ziele und Aufgaben. Die Organe, Vorstand, Beirat und Redaktionsausschuss sind im Berichtszeitraum zu ihren satzungsgemäßen Treffen zusammengekommen. Über ihre Arbeit geben wir pflichtgemäß Bericht.

1.Exkursionen

Die Herbstexkursion 2003 führte uns nach Sprendlingen, das sich in den letzten Jahren sehr berändert hat. Ortsbürgermeister Helmut Simon und Bürgermeister Friedel Bess haben uns das Bild einer modernen aufstrebenden Gemeinde präsentiert, die aus der Geschichte heraus den Weg in die Zukunft gefunden hat. Bei strahlendem Sonnenschein hieß man die Teilnehmer im historischen Ratssaal willkommen. Ein Rundgang mit fachkundigen Erläuterungen von Dr. Fitz Schellack fand begeisterte Aufnahme. Einen Besuch des Europaparlamentes in Strasbourg hatten wir Anfang März geplant. Leider machte uns ein Schneechaos dieses Ansinnen zu nichts; im Herbst 2004 soll diese Exkursion nachgeholt werden. Im Frühjahr 2004 waren wir im 1250 Jahre jungen Wackernheim zu Gast. Ortsbürgermeister Burkhard Hofmann begrüßte die stattliche Besucherschar. Beim Rundgang durch das alte und neue Dorf erläuterte Altbürgermeister Friedel Holighaus Geschichte und Architektur. Aus der Ortschronik und von tiefer heimatlicher Verwurzelung getragene Texte brachte Heimatfreund und Altbürgermeister Otto Herrmann zu Gehör. Bestens bewirtet klang ein rundum gelungener Frühlingstag aus.

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2.Mitgliederversammlung

In der Mitgliederversammlung vom 18. November 2003 fanden Neuwahlen zu den Organen unserer Vereinigung statt. Es wurden in den Vorstand gewählt: 1. Vorsitzender Adam J. Schmitt, stellvertretende Vorsitzende Klaus Penzer und Alfons Molitor, Schatzmeister Erich Hinkel Schriftführer Karl Thorn, Tedaktionsleiter Günter F. Hattemer, Justitiar Anno Vey und Archivar Winfried Arnold. Beisitzer wurden Herbert Huff, Joachim Junker. Dr. Gabriele Mendelssohn, Erich Naujack, Monika Nickels, Claus Palm, Pia Steinbauer und ein von der Kreisverwaltung delegiertes Mitglied. Auch Beirat und Redaktionsausschuss wurden neu berufen.

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3.Heimatjahrbuch

Die Präsentation des Heimatjahrbuches 2004 im November führte zahlreiche Besucher in die Kreisverwaltung. Redaktionsleiter Günther F. Hattemer gab nach einem Willkommensgruß von Landrat Claus Schick einen Überblick zum neuen Heimatjahrbuch, zu dem über 60 Text- und Bildautoren beigetragen haben, eine bestechende Vielfalt von Themen und Beiträgen. In seinem Grußwort stellte der Vorsitzende der Heimatfreunde Adam J. Schmitt fest, dass das Heimatjahrbuch, ein echtes Sachbuch sei, ein informatives Nachschlagewerk für Heimatgeschichte, Brauchtum und Heimatpflege. Die Geschäftsführerin des Verlages Dagmar E. Hilden - Kuntz überreichte das 1. Exemplar des Heimatjahrbuches an Landrat Claus Schick, der von dem gelungenen Werk überaus beeindruckt war.

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4.Heimat am Mittelrhein

Mit großem persönlichen Einsatz der Verantwortlichen konnten im Berichtszeitraum 6 Ausgaben der Monatsblätter für Kultur- und Heimatpflege, zusammen mit der Allgemeinen Zeitung in Bingen und Ingelheim, herausgegeben werden. Unserem Redaktionsteam unter Günter F. Hattemer gilt unser besonderer Dank. Wir wiederholen die Bitte an alle, uns für diese werbewirksame Zeitungsbeilage Textbeiträge zu überlassen. Die Beilagen zum Amtsblatt der Verbandsgemeinde Gau-Algesheim konnten Dank der freundlichen Unterstützung von Bürgermeister Dieter Linck und Schatzmeister Erich Hinkel unseren Mitgliedern zur Verfügung gestellt werden.

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5.Tafelausstellung zur Partnerschaft mit der Provinz Verona

Eine Tafelausstellung macht ihren Weg: Nach mehreren Präsentationen im Landkreis Mainz-Bingen ging die Ausstellung im vergangenen Herbst auf die Reise nach Verona. In der Basilika San Fermo wurde die Ausstellung aufgebaut und mit einem geistlichen Konzert, das der Männerchor des MGV "Liederkranz" Weiler b. Bingen im Rahmen einer Partnerschaftsreise gab, eröffnet. Die Ausstellungsbeschreibung war zu diesem Zweck auch in italienischer Sprache aufgelegt worden. Über 8 Wochen fand die Ausstellung Aufmerksamkeit und Beachtung in Verona und der Provinz. Die Ideen und die künstlerische Aufbereitung fanden hohe Anerkennung. Anlässlich des Rheinland-Pfalz-Tages 2004 in Nierstein-Oppenheim wurde die Ausstellung ebenfalls gezeigt. Hier fand die mit der Ausstellung verbundende Computeranimation, die in Bild und Ton die "Partnerschaft über den Brenner" hinweg eindrucksvoll schildert, starke Beachtung. Auch zum "Tag der offenen Tür" in der Kreisverwaltung Anfang Juni fand die Computeranimation Aufmerksamkeit und Anerkennung.

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6.Heimatliteraturpreis an Alfons Molitor

Nach Beschluss der Mitgliederversammlung wurden die herausragenden Leistungen und Verdienste von Alfons Molitor um Heimatpflege, Mundart, Brauchtum und Geschichte im rheinhessischen Raum mit der Verleihung des Heimatliteraturpreises gewürdigt. In der künstlerisch gestalteten Urkunde heißt es: Er pflegt und bewahrt die sprachlichen Eigenarten der Menschen, erschließt in seinen lyrischen Werken sinnend und einfühlsam in vielen Facetten Vergangenheit und Gegenwart. Der Redaktionsleiter des Heimatjahrbuches Günter F. Hattemer zeichnete in seiner Laudatio die Lebensstationen Molitors, kurzweilig, mit Episoden gewürzt, nach, und würdigte sein literarisches Schaffen. Zum Jahresbeginn war er in den verdienten Vorruhestand getreten, die Verleihung der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz ging der Verleihung des Heimatliteraturpreis 2004 voraus. Bei der Übergabe des Preises in einer Feierstunde im Hildegardishof in Bingen-Büdesheim, hob der Vorsitzende Adam J. Schmitt hervor, dass der Kreisverband der Heimatfreunde "Binger Land" - Vorgänger unserer kultur-historischen Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein - 1959 den Heimatliteraturpreis stiftete, um dem ohnehin regen heimatlichen Schaffen noch einen besonderer Akzent zu verleihen. Der Heimatliteraturpreis, zum 25. Male verliehen, sei eine bescheidene Geste, die heimatbezogenes literarisches Schaffen würdige. Für den Landkreis überbrachte Beigeordneter Thomas Feser Glückwünsche, für die Verbandsgemeinde gratulierte Bürgermeister Dieter Linck und stolz auf den Sohn Gau-Algesheims war Stadtbürgermeister Clausfiedrich Hassemer. Für die Gau-Algesheimer Vereine sprach Theo Hattemer Glückwünsche. In Dankesworten philosophierte Alfons Molitor über die Kreativität der Freiwilligen. Eine große Gästeschar nahm an der Feier teil, die von den Gulaschsängern und der Contrast-Band musikalisch mitgestaltet wurde, sie bewies die hohe Wertschützung, die man Alfons Molitor entgegenbringt.

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7.Von und über unsere Mitglieder

Viele unserer Mitglieder durften besondere Geburtstage feiern, hierzu haben wir unsere Glückwünsche übermittelt, besondere Geburtstagsjubilare wurden und werden in unserem Heimatjahrbuch an anderer Stelle gewürdigt. Oberbürgermeister, Bürgermeister und Ortsbürgermeister wurden in ihren Ämtern bestätigt, einige neu ins Amt gewählt. Wir wünschen ihnen alle eine glückliche Hand bei ihrer Arbeit, die in diesen Zeiten Ideenreichtum und Schaffenskraft fordert. Einige Mitglieder wurden mit hohen Staatlichen Ehrungen, Verdienstorden und kommunalen Auszeichnungen. Ihnen allen gelten unsere herzlichen Glückwünsche. Den Ehrenbrief des Landkreises erhielt unser langjähriger Schriftführer und Archivar Winfried Arnold. Auch in zurückliegenden Berichtszeitraum haben Mitglieder eigene Schriften, Bildbände und heimatgeschichtliche Werke präsentiert, wertvolle Chroniken zu Jubiläen wurden herausgegeben. Wir dürfen ihnen allen unsere hohe Anerkennung für diese besondere Art heimatkundlicher Pflege zollen. Im letzten Jahr haben uns Persönlichkeiten verlassen, die für unsere Vereinigung beispielhaft gewirkt und für das kulturelle Leben im Kreis gearbeitet haben. Stellvertretend für alle verstorbenen Mitglieder erwähnen wir unsere Literaturpreisträger Prof. Dr. Franz Staab und Hermann-Josef Stipp. Sie haben Zeichen gesetzt, mit ihrem Wirken und Schaffen die Arbeit unserer Vereinigung bereichert. Wir verneigen uns in tiefer Dankbarkeit.

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8.Danke

Viele unserer Mitglieder haben im Berichtszeitraum für unsere Vereinsziele gewirkt. Ihnen allen gilt unser tiefer Dank, besonders den Mitgliedern des Vorstandes, dem Beirat und dem Redaktionsausschuss für deren engagierte Mitarbeit und nicht zuletzt allen Mitgliedern, die unsere gemeinsame Arbeit mittragen und begleiten.

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