Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein

Tätigkeitsbericht der „Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein“ für die Zeit vom 1. Juli 2006 bis zum 30. Juni 2007

Unser neues Heimatjahrbuch, das sie jetzt in den Händen halten, hat als Schwerpunktthema „Am Vorabend des Wirtschaftswunders“. Die  Währungsreform 1948 war sicherlich die Initialzündung für eine einzigartige wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland, die als       „Wirtschaftswunder“  schlechthin in die Geschichte einging. Es war der Wendepunkt in den Jahren nach dem Ende des verhängnisvollen Zweiten Weltkrieges. Diese bewegten Zeiten, die gerade einmal 50 Jahre zurückliegen, wollen wir aus verschiedener Sicht beleuchten, nicht zuletzt um den jüngeren Menschen, die in Wirtschaftswunder und Wohlstand geboren wurden, diese Erinnerungen und Erlebnisse mitzugeben. Eine Fülle geschichtlicher Beiträge haben die Autoren zusammengetragen, wobei auch die Denkmäler im Kreisgebiet im Focus der Abhandlungen stehen.  Von Land und Leuten wird berichtet, von Menschen die unsere Heimat geprägt haben; aktuelle Themen runden  das Bild einer vielseitigen und vielfältigen Heimatlektüre ab. Mit dem kleinen Ausblick ist natürlich auch eine Rückschau auf den Berichtszeitraum verbunden.  
Das überaus große Echo, das unser Heimatjahrbuch wiederum gefunden hat, bestätigt uns in unserer Arbeit und beflügelt uns für die Zukunft. Wenngleich im Berichtszeitraum keine reguläre Mitgliederversammlung stattzufinden hatte, so gab es doch viele Gelegenheiten der Begegnung  mit zahlreichen Mitgliedern, mehr als sich üblicherweise zu Mitgliederversammlungen einfinden. Die Vereinsorgane, Vorstand, Beirat und Redaktionsausschuss sind im Berichtszeitraum zu ihren satzungsgemäßen Treffen  zusammengekommen. Über ihre Arbeit geben wir pflichtgemäß Bericht.

Exkursionen

Die Herbstexkursion 2006 führte uns nach Waldalgesheim, die nicht ohne Grund als Wohlfühlgemeinde wirbt und in der Tat wir fühlten uns sehr wohl. Nach dem Begrüßungstrunk und einem herzlichen Willkommen von Ortsbürgermeister Dr. Gerhard Hanke führte uns Heimatfreund Kurt Hochgesand über den alten Friedhof und durch das Naturschutzgebiet an den Teichen bis zum Baugebiet „Untere Amalienhöhe“, sozusagen auf Schritt und Tritt auf geschichtsträchtigem Gebiet, was natürlich den Blick in die Geschichte des ehemaligen Knappendorfes eröffnete und da war Kurt Hochgesang ein profunder Kenner.  Mit der Besichtigung des Biomasse-Heizwerkes in der Nauwiese war man in der Gegenwart angekommen, um den Blick in die Zukunft zu richten, wie es Dr. Hanke zum Ausdruck brachte. Im Rathaus konnten die Fundstücke aus einem keltischen Fürstengrab bewundert werden, das in Waldalgesheim gefunden wurde. Nach so viel Information klang der Nachmittag in gemütlicher Runde im Sportlerheim aus.

Die Frühjahrsexkursion 2007 führte auf die andere Rheinseite, mit Schiff und Zug nach Kamp-Bornhofen, wo man nicht nur den Wallfahrtsort pflegt, sondern auch der Tradition der Flößer und Schiffer treu geblieben ist. Im 1968 eingerichteten Museum – drei Jahre nachdem das letzte Floß den Rhein befuhr – hat man sich dieser einzigartigen Geschichte, die um 1850 begann,   erinnert und viele Exponate aus der Zeit der Flößerei und Dampfschifffahrt  zusammen getragen, Dokumente die den mittlerweile ausgestorbenen Beruf des Flößers in Erinnerung halten. Eine Führung durch den Ortsteil Kamp schloss sich an, wo alte Gassen und Plätze sich in neuem Glanz zeigen, ein attraktiver Ortskern beeindruckt und viele historische Bauten bewundert wurden, die zum Teil auf alte klösterliche Besitztümer zurückgehen. Mit dem Gruppenbegleiter, dem Verfasser der Ortschronik Dr. Monschauer, war natürlich ein „Mann vom Fach“ dabei, der erläuterte und viele Fragen beantworten konnte.  In einer urgemütlichen Weinstube endete der offizielle Teil.

Heimatjahrbuch

Die Präsentation des Heimatjahrbuches 2007 im November führte wiederum eine große Zahl von Besuchern in die Kreisverwaltung. Redaktionsleiter Günther F. Hattemer gab einen Überblick zum 320 Seiten umfassenden Buch, zu dem 70 Text- und Bildautoren beigetragen haben, eine bestechende Vielfalt von Themen und Beiträgen. Im Mittelpunkt der Feier stand naturgemäß des Jahrbuchthema „Höhenflüge“, wozu der Landrat Claus Schick lobend anmerkte, dass „tatsächliche und geistige Höhenflüge unter Beweis stellen, dass die Menschen aus unserer Region den Mut haben, den Boden althergebrachten Denkens und Handels zu verlassen“. In seinem Grußwort stellte der  Vorsitzende der Heimatfreunde Adam J. Schmitt fest, dass das Heimatjahrbuch, ein Sachbuch sei, „das erlebte Umwelt und zu gestaltenden Lebensraum“ beschreibe. Die Geschäftsführerin des Verlages Dagmar E. Hilden – Kuntz überreichte das 1. Exemplar an Landrat Claus Schick, der von dem Werk überaus beeindruckt war. Die Pianistin Barbara Schweikard-Sepehr entlockte dem Flügel akustische Höhenflüge mit wohl ausgesuchten Werken von Bach, aber auch von Robert Stolz und Hermann Dostal und nicht zuletzt dem Liedermacher Reinhard Mey; sie rundeten eine harmonische  Feierstunde ab.

Sonderschriften

Nach längeren Vorbereitungen konnten wir gleich zwei Sonderschriften in einer stilvollen Feier im Rathaus der Stadt Gau-Algesheim präsentieren: Erich Hinkel mit „Separatisten in Gau-Algesheim“ und vom den Heimatfreunden Claus Palm, Prof. Dr. Ulrich Nonn, Prof. Dr. Heinz R. Eschnauer und Günter F. Hattemer“ eine Zusammenstellung bislang nicht veröffentlichter Beiträge des verstorbenen Heimatforschers Prof. Dr. Franz Staab unter dem Titel „Universitätsprofessor Dr. Franz Staab – Der Wissenschaft verpflichtet, der Heimat verbunden“. Mit diesen beiden Broschüren wurde ein wichtiger Beitrag zur Heimatgeschichte geleistet wie die Laudatoren Alfons Molitor, als Kenner der Gau-Algesheimer Stadtgeschichte, und Joachim Junker im Auftrag von Günter F. Hattemer zur Schrift von Prof. Staab anerkennend feststellten. Durch die Übernahme wesentlicher technischer Vorarbeiten und der Erstellung des Layouts durch Heimatfreund Erich Hinkel konnten die beiden Schriften den Mitgliedern im  Rahmen des Jahresmitgliedsbeitrages kostenfrei überlassen werden.

Heimat am Mittelrhein

Durch großen persönlichen Einsatz der Verantwortlichen konnten im Berichtszeitraum wiederum 6 Ausgaben der Monatsblätter für Kultur- und Heimatpflege, zusammen mit der Allgemeinen Zeitung in Bingen und Ingelheim, herausgegeben werden. Unserem Redaktionsteam unter Günter F. Hattemer gilt unser besonderer Dank, ebenso allen, die immer wieder Beiträge zur Verfügung stellen, damit wir die Beilage der AZ sicherstellen können. Allen Mitgliedern überlassen wir diese Beilagen mit der Jahrespost, die ebenso wie die Beilagen zum Amtsblatt der Verbandsgemeinde Gau-Algesheim, Dank der freundlichen Unterstützung von Bürgermeister Dieter Linck  und Herrn Stefan Petry für unsere Mitgliedern aufbereitet werden.

Heimatliteraturpreis

Gleich zweimal fiel die Verleihung des Heimatliteraturpreises in den Berichtszeitraum: Im Juli 2006 wurde der Historiker Dr. Helmut Neubach aus Zornheim im Rathaus der Verbandsgemeinde Nieder-Olm ausgezeichnet. Bürgermeister Ralph Spiegler würdigte  den Preisträger, der neben Veröffentlichungen über Zornheim und Nieder-Olm, eine Fülle wertvoller Beiträge für das Heimatjahrbuch geschrieben habe. Ortsbürgermeister Dr. Werner Dahmen wertete die Auszeichnung als Ehre für die Gemeinde Zornheim. Laudator Detlef Bojak, Vizepräsident a.D. des rheinland-pfälzischen Landtags, betonte in seiner Laudatio, dass Dr. Neubach die Bewahrung von Kultur und Geschichte Schlesiens ein Herzensanliegen war. Seine Forschungen im Rahmen der Aussöhnung mit Polen waren Orientierungshilfen zur Standortbestimmung. Co-Laudator Historiker Dr. Wolfgang Stribrny   bezeichnete die Begegnung mit den Vertriebenen als Schlüssel, den Dr. Neubach zu einem Rufer nach Versöhnung mit Polen habe werden lassen, der aufforderte die Hand zu reichen, um die Oder-Neiße-Linie gemeinsam und friedlich zu überwinden. Aus der Hand des Vorsitzenden Adam J. Schmitt erhielt Dr. Neubach die künstlerisch gestaltete Urkunde. Die Feierstunde  wurde von Solisten der Musikfreunde Zornheim musikalisch würdevoll umrahmt.

Im Rheingoldsaal auf Burg Klopp, seiner früheren Wirkungsstätte, zu Füßen die Stadt, für die er viele Jahre als Bürgermeister und zuletzt als Oberbürgermeister Verantwortung trug, einen passenderen Ort für die Verleihung des Heimatliteraturpreises 2007 an Oberbürgermeister a.D. Erich Naujack hätte man wohl kaum finden können. So kamen zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft, von Kirchen, Ordensgemeinschaften und Vereinen. Mit dieser Ehrung, so Vorsitzender Adam J. Schmitt würdige man die Verdienste Naujacks für das Aufarbeiten und Aufbereiten der Geschichte Bingens und der Region in einem langen Zeitraum. Laudator Prof. Dr. Heribert Bickel, Staatsminister a.D., ehemaliger Präsident des Verfassungsgerichtshofes Rheinland-Pfalz und erster Mainz-Binger Landrat zeichnete die Verdienste des Preisträgers anhand von Beiträgen nach, über Victor Hugo, die Beziehungen zur Provinz Verona, Binger Fährleute und Lotsen bis hin zum Binger Wald, die er zusammentrug und dem Leser vermittelt habe. Hierbei habe er sich mit der Region am Mittelrhein, der Unteren Nahe und Rheinhessen identifiziert. Für diese Verdienste sei er zu Recht Preisträger 2007 der Vereinigung. Oberbürgermeisterin Collin-Langen gratulierte ihrem Amtsvorgänger und beschrieb dessen verdienstvolles Wirken. Landrat Claus Schick und der Mitbegründer der Vereinigung Ehrenmitglied Claus Palm hatten Grußadressen übermittelt, die verlesen wurden. Für die Verbandsgemeinde Rhein-Nahe und die Wohnsitzgemeinde Naujacks, die Ortsgemeinde Waldalgesheim, gratulierten Beigeordneter Gerhard Huber und Ortsbürgermeister Dr. Gerhard Hanke.

Sachbuchpreis Decimus Magnus Ausonius 2007

Die Juroren freuen sich mit den Preisträgern des Sachbuchpreises Decimus Magnus Ausonius 2007. Foto: Schmitt

Der Veronatag, der 14. Juli, wurde mit einem Besuch des Standbilds der Julia  auf dem kleinen Platz Ecke  Rathausstraße / Basilikastrasse in Bingen eingeleitet.  Als äußeres Zeichen der Verbundenheit zwischen der Provinz Verona und dem Landkreis Mainz-Bingen wurde die Statue  traditionell mit einem Blumengruß im Beisein von Vorstandsmitgliedern geschmückt.
Im Mittelpunkt des Tages stand jedoch die Verleihung des Historischen Sachbuchpreises der Heimatfreunde am Mittelrhein, erstmals mit einem attraktiven Namen, dem des römischen  Dichters Ausonius, ausgeschrieben. Autoren und Verlage waren aufgerufen, historische und kulturhistorische Sachbücher, die sich mit der Geschichte, der Kultur und Natur des Mittelrheins beschäftigen, einzureichen. Insgesamt 6 Beiträge lagen der sechsköpfigen Jury aus Historikern, Kunsthistorikern, Redakteuren und heimatgeschichtliche Literaten vor. Zur Auszeichnung der Preisträger hatte die Vereinigung ins Historische Museum am Strom – Hildegard von Bingen geladen. Bürgermeister Thomas Feser dankte den Heimatfreunden, dass sie mit diesem Preis Literaten der Heimat, aber auch Geschichte und Kultur der Region dokumentieren. Nach dem Dank an die Jurymitglieder wurden die Beiträge „Eine schöne und wahre Geschichte kann ich Euch erzählen ….“ von Margarete Köhler,  die „Oberdiebacher Weinchronik“ von Karl Richard Mades und „Die Historischen Grenzsteine im Museum der Stadt Ingelheim“ von Rainer Letzner mit einem 4. Platz ausgezeichnet. Der dritte Preis ging an Volker Sonneck und Frank Frey aus Guntersblum für „Hinüber und Herüber“ von 1829 und 2005 - Über den Rhein zum Kühkopf - die Guntersblumer Rheinfähre. Mit dem zweiten Preis wurde Dr. Matthias Schmandt aus Bingen für die Schrift „650 Jahre Stadtrat in Bingen“ bedacht. Gewinner des Wettbewerbs 2007 wurde Marlene Hübel aus Mainz mit „Was fragt die Welt nach Poesie“. Die Laudationes auf die Preisträger hatten Mitglieder der Jury übernommen. Urkunden, Präsente  und Preisgeld gab es aus der Hand des Vorsitzenden Adam J. Schmitt. Die Feier wurde stilvoll mit Beiträgen des einheimischen Liedermachers Martin Rector umrahmt, der Weinlieder und Lyrik aus 4 Jahrhunderten darbot und  dem Abend eine besondere Note gab.


Von und über unsere Mitglieder

Eine Reihe unserer Mitglieder durften besondere Geburtstage feiern, hierzu haben wir unsere Glückwünsche übermittelt. Eine Reihe von Mitgliedern wurden mit hohen Staatlichen Ehrungen, Verdienstorden und kommunalen Auszeichnungen aber auch  von Verbänden und Organisationen bedacht. Ihnen gelten unsere herzlichen Glückwünsche. Einige unserer Mitglieder haben eigene Schriften, Bildbände und heimatgeschichtliche Werke herausgegeben. Wir dürfen ihnen unsere hohe Anerkennung für diese besondere Art heimatkundlicher Pflege zollen.  
Im letzten Jahr haben uns Persönlichkeiten verlassen, die für unsere Vereinigung beispielhaft gewirkt und für das kulturelle Leben im Kreis gearbeitet haben. Stellvertretend für alle verstorbenen Mitglieder erwähnen wir unser Ehrenmitglied Heinrich Maurer. Sie alle haben Zeichen gesetzt, mit ihrem Wirken und Schaffen die Arbeit unserer Vereinigung bereichert. Wir werden sie in bester Erinnerung behalten.

Ehrung verdienter langjähriger Mitglieder

Am 13. November 2007 wurden in der Kreisverwaltung in Ingelheim
erstmals in der Vereinsgeschichte Mitglieder für langjährige Treue von 25 bzw. 35 und mehr Jahren sowie für ihr Mitwirken und ihre Unterstützung bei der Erfüllung der satzungsgemäßen Ziele geehrt und mit der Ehrenplakette der Vereinigung ausgezeichnet.

Foto: Pia Steinbauer

Dankeschön

Viele haben im Berichtszeitraum für unsere Vereinsziele gearbeitet und gewirkt. Ihnen allen gilt unser herzlicher Dank, besonders den Mitgliedern des Vorstandes, dem Beirat und dem Redaktionsausschuss für eine engagierte  Mitarbeit und nicht zuletzt allen Mitgliedern, die unsere gemeinsame Arbeit mittragen und begleiten.