Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein

Tätigkeitsbericht der „Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein“ für die Zeit vom 1. Juli 2007 bis zum 30. Juni 2008

Es kommt in unserer Zeit immer öfters vor, dass Firmen und Gewerbebetriebe die in Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten vertrauten Fabrik- und Produktionsanlagen aufgeben. Nicht selten rücken Raupen und Abrissbirnen an und löschen diese Erinnerungen vollständig aus. Vielleicht bleibt gerade noch ein Straßenname, der an eine große Firmengeschichte erinnert. Glücklicherweise sind aber auch eine Reihe von Gebäuden erhalten geblieben, in geänderter Nutzung, teils in privatem, teils in gemeindlichem Besitz, mitunter auch als Denkmäler ausgewiesen. Diesen Zeugen der Industrialisierung gilt unser besonderes Augenmerk. Sie werden als Schwerpunkthema im neuen Heimatjahrbuch behandelt, längst nicht erschöpfend, aber dennoch eine kleine und feine Auswahl. Wir wollen hierdurch einmal mehr auf diese Facette unserer vielfältigen Geschichte aufmerksam machen. Wir wollen mit diesem Schwerpunktthema aber auch denen, die sich für deren Pflege und Erhalt einsetzen, hiermit ein stilles Danke sagen.
Ebenfalls statten wir mit diesem Jahresbericht auch Dank ab denen, die unsere Arbeit tragen, in allen unseren Vereinsorganen, denen, die bei der Erstellung und Herausgabe des Heimatjahrbuches oder unserer Schriften sich ganz besonders einbringen. Stellvertretend für viele möchte ich Günter F. Hattemer, Erich Hinkel undAlfons Molitor nennen,die in herausragender Weise in unserer kulturhistorischen Vereinigung wirken. Wir sind von Stolz erfüllt über unsere Arbeit, die wir auch in diesem Berichtsjahr abgeliefert haben. Dies alles gibt uns Mut und Zuversicht für die Gegenwart und Zukunft unserer kulturhistorischen Vereinigung.

Herbstexkursion

Die Exkursion im Herbst 2007 führte uns nach Bretzenheim an die Nahe. Das „Feld des Jammers" und seine bewegende Geschichte, mit Berichten von Zeitzeugen, hinterließ in der Gruppe einen tiefen Eindruck. Für viele war die Eremitage in Bretzenheim, die zweite Station der Exkursion, etwas gänzlich Unbekanntes und Neues. Eine fachkundige Erläuterung im Rahmen der Begehung brachte dieses Naturdenkmal und dessen Geschichte allen aufmerksamen Teilnehmern näher. Wenngleich der Wettergott kein ausgesprochenes Ausflugswetter bescherte, so war man ob der ausgesuchten Programmzusammenstellung mehr als zufrieden.

Neuwahlen zu den Vereinsorganen

Mit unserer Herbstexkursion war auch turnusgemäß die ordentliche Mitgliederversammlung verbunden, in der Vorstand, Beirat und Kassenprüfer neu gewählt und der Redaktionsausschuss bestätigt wurden. Es gab nur ganz geringe Änderungen. Das könnte ein Zeichen weiterer kontinuierlicher Arbeit sein. Dennoch muss der Wunsch auch an dieser Stelle ausgesprochen werden, dass auch neue, jüngere Mitglieder in die Vereinsgremien treten mögen. Sie sind zur aktiven Mitarbeit jederzeit willkommen.

Heimatjahrbuch

Die Präsentation des Heimatjahrbuches 2008 im November war organisatorisch wieder bestens vorbereitet. Nach dem Willkommensgruß von Landrat Claus Schick gab der Leiter des Redaktionsausschusses Günter F. Hattemer einen Überblick zum Inhalt, den 73 Autoren mit 98 Beiträgen gestalten. Er bescheinigte dem Werk trotz des Themenschwerpunktes eine große redaktionelle Vielfalt und Farbigkeit. Die Geschäftsführer des Verlages odd AG Dagmar Hilden-Kuntz und Michael Kappler überreichten das erste Exemplar des Heimatjahrbuches an Landrat Claus Schick, der von dem gelungenen Werk sichtlich beeindruckt war. In seinem Grußwort stellte der Vorsitzende der Heimatfreunde Adam J. Schmitt fest, dass das Heimatjahrbuch, das Sachbuch am Mittelrhein für Heimatgeschichte, Kultur, Brauchtum und Heimatpflege sei. Die stimmgewaltigen KIDS des Männergesangvereins Klein-Winternheim rundeten die Feierstunde ab.

Sonderschriften

Nach längeren Vorbereitungen konnten wir gleich drei Sonderschriften der Öffentlichkeit vorstellen. In einer stilvollen Feier im Rathaus in Schwabenheim wurde die Broschüre von Erich Hinkel „Philipp Baum - ein jung verstorbener Schwabenheimer Architekt und Künstler" präsentiert. Im historischen Rathaus in Gau-Algesheim wurde ein Beitrag von Gerrit Walczak über den Maler Jean-Jacques Hauer „Niedere" Kunst, populäre Bildwerke und staatsbürgerliche Einbindung in der Französischen Revolution" vorgestellt. Und schließlich konnten wir die Laudatio von Prof. Dr. Heribert Bickel neben anderen Ansprachen in einem Büchlein über die „Verleihung des Heimatliteraturpreises an Erich Naujack" auflegen. Durch die Übernahme wesentlicher technischer Vorarbeiten und der Erstellung des Layouts durch Heimatfreund Erich Hinkel konnten alle Schriften den Mitgliedern im RahmendesJahresmitgliedsbeitrages kostenfrei überlassen werden.

Heimat am Mittelrhein

Durch hohen persönlichen Einsatz der Verantwortlichen konnten im Berichtszeitraum wiederum sechs Ausgaben der Monatsblätter für Kultur- und Heimatpflege, zusammen mit der Allgemeinen Zeitung in Bingen und Ingelheim, herausgegeben werden. Unserem Redaktionsteam unter Günter F. Hattemer gilt unser besonderer Dank, ebenso allen, die Beiträge zur Verfügung stellen, damit wir diese einzigartige Beilage der AZ sicherstellen können. Allen Mitgliedern überlassen wir diese Beilagen mit der Jahrespost, die ebenso wie die Beilagen zum Amtsblatt der Ver-bandsgemeinde Gau-Algeshcim dank der freundlichen Unterstützung von Bürgermeister Dieter Linck und Herrn Stefan Petry für unsere Mitglieder aufbereitet werden.

Heimatliteraturpreis an Dr. phil. Werner Lauter

Im Bonifatiussaal im Kloster Jakobsberg wurde im Rahmen einer Feierstunde der Heimatliteraturpreis 2008 an einen profunden Kenner Hildegards von Bingen, Dr. Werner Lauter aus Rüdesheim-Eibingen, verliehen. Der Prior des Klosters, Pater Aurelian Feser, hatte zu Beginn der Feier die zahlreichen Giiste aus nah und fern herzlich begrüßt. Bei der Übergabe der künstlerisch gestalteten Urkunde hob der Vorsitzende Adam J. Schmitt hervor, dass man das gesamte Schaffen von Dr. Werner Lauter würdige, insbesondere habe er sich mit seiner wissenschaftlich anerkannten Bibliographie über Hildegard einen Namen gemacht. Das Werk ist weltweit bekannt geworden und steht neben einer Vielzahl von Abhandlungen, die Bedeutung und Wirken dieser Ordensfrau den Menschen vermitteln. Mit einer Vielzahl von Beiträgen zur Geschichte der Region habe er die heimatkundliche Literatur bereichert. Oberstudienrätin a.D. Margot Klug hatte in ihrer Laudatio das Leben und den Berufsweg des Preisträgers eindrucksvoll geschildert. Landrat Claus Schick überbrachte die Glückwünsche für den Landkreis Mainz-Bingen; die Bürgermeister Dieter Link von der Verbandsge-meinde und Reinhard Dickenscheid für die Ortsgemeinde Ockenheim gratulierten ebenfalls sehr herzlich. Prof. Dr. Gernot Blume umrahmte mit Musik an der Harfe nach Themen aus Hildegards Leben äußerst wirkungsvoll diese Festveranstaltung.

Mundartabend auf der Landesgartenschau in Bingen

Es war ein großartiges Ereignis, und für die, die dabei waren, ein Erlebnis obendrein. Die Mundartveranstaltung der besonderen Art zur Landesgartenschau hatte unser Zweiter Vorsitzender Alfons Molitor unter das Motto „Gebabbelt un gehorcht - rund ums Rhein-Nahe-Eck" gestellt. Hierzu hatte er die Mundartbereiche Rheinhessen. Rheingau, Mittelrhein und Untere Nahe zusammengeführt. Autoren und Interpreten gaben sich im Park am Mäuseturm auf der Open-Air-Bühne ein Stelldichein. Mundartkenner Alfons Molitor moderierte den Abend, der musikalisch von den Contrast-Dixies unter Michael Kaiser gestaltet wurde, die im Vortrag auch an die alten Lieder wie „Ei, wo bleibt mei Josepche" oder „Siehst de nit, do kimmt er" erinnerten. Neben der bekannten Rheingauer Interpretin Ulrike Neradt.dem Bad Kreuznacher„Hombes" Karl Rudolf Hornberger war auch der Mainz-Bin-ger Mundartsänger Herbert Völkner mit seiner Gitarre dabei, der die rheinhessische Lebensart musikalisch vermittelte. Mundart vom Feinsten boten Hildegard Hattemer und Günter F. Hattemer, Irma Roos begeisterte mit „Stickelcher vun Hoimbach". Mehr als 250 Besucher konnten diesen Abend miterleben.

Von und über unsere Mitglieder

Eine Reihe unserer Mitglieder durften besondere Geburtstage feiern, hierzu haben wir unsere Glückwünsche übermittelt. Einige unserer Mitglieder wurden mit staatlichen Ehrungen, Verdienstorden und kommunalen Auszeichnungen bedacht, von Verbänden und Organisationen geehrt. Ihnen und al len Geehrten gelten unsere herzlichen Glückwünsche.
Zahlreiche Schriften, Bildbände und heimatgeschichtliche Werke, die aus Kamera und Feder unserer Mitglieder stammen, sind im vergangenen Jahr herausgegeben wurden. Sie geben Zeugnis für ein engagiertes Wirken der Autoren, aber auch der tiefen Verbundenheit zu unserer Heimat. Wir dürfen allen unsere Anerkennung hierfür aussprechen. Im letzten Jahr haben uns Persönlichkeiten verlassen, die für unsere Vereinigung beispielhaft gewirkt und für das kulturelle Leben im Kreis gearbeitet haben. Stellvertretend für alle verstorbenen Mitglieder erwähnen wir unseren Mitbegründer, Ehrenmitglied Claus Palm, der ebenso Heimatliteraturpreisträger war wie unser Ehrenmitglied Fritz Gaul, der ebenfalls von uns ging. Sie und alle ungenannten haben Zeichen gesetzt, mit ihrem Wirken und Schaffen die Arbeit unserer Vereinigung geprägt und auch bereichert. Wir sind ihnen tiefen Dank schuldig.

Danke

Viele engagierte Heimatfreunde haben im Berichtszeitraum für unsere Vereinsziele gewirkt und gearbeitet, ohne ins Rampenlicht zu treten. Ihnen allen gilt unser herzlicher Dank, den Mitgliedern des Vorstandes, dem Beirat und dem Redaktionsausschuss für deren aktive Mitarbeit und nicht zuletzt allen Mitgliedern, die unsere gemeinsame Arbeit mittragen und begleiten. Es war ein erfülltes Jahr, das den Amtsträgern viel abverlangt hat und an dessen Ende wir mit Genugtuung auf das Geleistete zurückblicken dürfen.