Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein

Tätigkeitsbericht der „Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein“ für die Zeit vom 1. Juli 2008 bis zum 30. Juni 2009

Die Schwerpunkte unseres neuen Heimatjahrbuches „Aktive Seniorengruppen" und „Siedlungsbauten nach den Kriegen" liegen bei näherer Betrachtung gedanklich gar nicht so weit auseinander. Siedlungsbauten sind unter großem Einsatz der Menschen, zumeist denen, die Hab und Gut in den Kriegen verloren haben, entstanden. Man baute wieder auf, dort wo es Arbeit gab. Andere, die ihre Heimat verloren hatten, machten einen Neuanfang. Natürlich gab der Staat, gaben Unternehmen und Wohnungsbaugenossenschaften Hilfestellung, dennoch ohne den Einsatz des Einzelnen gelang damals nur wenig. Über diese Siedlungsbauten und deren Entstehung berichten wir.

Einsatz für das Gemeinwesen, für ihr Dorf und ihr Umfeld bringen seit Jahrzehnten aktive Seniorengruppen ein. Man packt Aufgaben an, die die Kommune zumeist aus finanziellen Gründen nicht mehr schultern kann. Diese Seniorengruppen, Rentnerringe, Heimatfreunde, Heinzelmännchen, Dorfverschönerungsvereine halten es mit dem Spruch „Altern ist kein Job für Feiglinge". In zwei, drei Jahren wird ein Drittel der Bevölkerung in unserem Landkreis 60 Jahre und älter sein. In anderen Regionen ist dieser Umbruch in der Gesellschaft noch dramatischer. Man ist im Alter ungeheuer bedroht von der Lange-weile-nicht, weil man nichtgenug Menschen um sich hat, sondern: Langeweile vor sich selbst. Und gerade dem entgegen zu wirken heißt es, nicht nur Seniorenausflüge, Seniorencafe, nein es gibt auch vielfältige „aktive" Seniorenarbeit, die munter und fit hält, an Körper und Geist. Zumeist kommt neben der Geselligkeit ein freundliches fröhliches Miteinander beim gemeinsamen Werkeln hinzu.

Sie halten es mit dem Wort des französischen Schriftstellers Andre Maurois, der sehr treffend meint: „Altern ist eine schlechte Gewohnheit, die ein beschäftigter Mensch gar nicht erst aufkommen lässt". Diese Aussage wollen wir in unserem neuen Heimatjahrbuch näher beleuchten.

Ins rechte Licht rücken wollen wir auch die Arbeit unserer Vereinigung im Berichtsjahr. Hierbei sind wir erfüllt von Stolz über das Geleistete, zu dessen Schwerpunkten auch dieses Heimatjahrbuch zählt. Wir fühlen uns angespornt von der Öffentlichkeitswirkung, die dieses Buch findet und der freudigen Erwartung bei der alljährlichen Präsentation. Dies alles gibt uns Mut und Zuversicht für die Gegenwart und Zukunft unserer kulturhistorischen Vereinigung. Für deren Organe, Vorstand, Beirat und Redaktionsausschuss erstatten wir Bericht.

 

Exkursionen

Im Herbst 2008 durften wir zu Gast in Trechtingshausen sein, wo wir die Arbeit einer überaus aktiven, seit Jahrzehnten tätigen Seniorengruppe hautnah erleben konnten. Ein beeindruckendes Dorfmuseum fand unsere Bewunderung, die abgeschlossenen Restaurierungen in der Klemenskapelle wurden bestaunt und ein höchst interessanter Vortrag zur berühmten „Trauttner'schen Karte vom Binger Wald" rundeten den Tag ab, den die Heimatfreunde um Wilhelm Härtung aus Trechtingshausen spannend und interessant gestalteten.

Im März 2009 waren wir an einem frischen und sonnigen Frühlingstag in Budenheim zu Besuch im neuen Heimatmuseum, das HF Heribert Schäfer, zugleich Dorfchronist, aufbaut. Im Anschluss besuchten wir die Nachbargemeinde Heidesheim. Die HF Walter Schleuß und Willi Geisenhof warteten mit einer Fülle von zum Teil „frischen" Forschungsergebnissen zur historischen Georgskapelle und der Burg Windeck auf. Ein rundum gelungener Exkursionstag, den eine Mitgliederversammlung mit Ehrungen abschloss.

Heimatjahrbuch

Heimatjahrbuch

Mit dem Schwerpunktthema Industrie- und Gewerbedenkmäler hat das Heimatjahrbuch für das Jahr 2009 einen neuen Akzent gesetzt. ohne den Menschen, seine Geschichte in Gegenwart und Zukunft zurückzusetzen. Eine große Zahl Besucher, Mitglieder der Vereinigung und Kommunalvertreter neben zahlreichen Autoren waren in den Ratssaal der Kreisverwaltung gekommen um bei der Präsentation des 53. Heimatjahrbuches dabei zu sein. Nach dem Willkommensgruß von Landrat Claus Schick gab der Leiter des Redaktionsausschusses, Günter F. Hattemer, einen Überblick zum Inhalt, den rund IOC) Beiträge von 71 Text- und Bildautoren ausmachen. Im Schwerpunktbereich werden 17 Industrieanlagen vorgestellt, die längst nicht alle auf der Denkmalliste stehen, aber dennoch die BeSchreibung verdient haben, weil sie an längst vergangene Arbeitswelten erinnern. Er bescheinigte dem Werk große redaktionelle Vielfalt und Farbigkeit. Der Geschäftsführer des Verlages, Michael Kappler und Dagmar E. Hilden-Kuntz überreichten das erste Exemplar des Heimat jahrbuche s an Landrat Claus Schick, der von dem gelungenen Werk sichtlich beeindruckt war und von einem „gehaltvollen Produkt" sprach. In seinem Grußwort stellte der Vorsitzende der Heimatfreunde, Adam J. Schmitt, fest, dass das Heimatjahrbuch auch für das kommende Jahr ein Nachschlagewerk für Heimatgeschichte, Kultur, Brauchtum und Heimatpflege sei. Der Gospelchor der Hildegardisschule unter der Leitung von Stefan Speyer rundete die Feierstunde ab.

 

Sonderschriften

Der technische Fortschritt und die Vielseitigkeit des Einsatzes machen es möglich, die Layouts für Schriften und Broschüren am heimischen Computer zu gestalten. Heimatfreund Erich Hinkel wartet hier mit außerordentlichen Fähigkeiten auf, die wir dankbar in Anspruch nehmen dürfen. So konnten wir nach monatelangen Vorbereitungen im Berichtszeitraum gleich drei Sonderschriften präsentieren: Mit der Sonderschrift „Bekanntes und Unbekanntes - zur Erinnerung an den Heimatforscher und Schriftsteller Claus Palm", die wir mit Unterstützung der Angehörigen von Claus Palm im November 2008 herausgeben konnten, halten wir die Erinnerung an eine herausragende Persönlichkeit in den Reihen unserer Vereinigung auf ganz besondere Weise lebendig. Zum Zweiten war es eine Diplomarbeit, die Francesca Aldrighetti an der Universität Verona schrieb. Die Arbeit mit dem Titel „Die Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein' und der Landkreis Mainz-Bingen im Spiegel des Heimatjahrbuchs'*' eröffnet nicht nur den Blick in den Landkreis selbst, sondern behandelt auch geschichtliche Themen, weist auf bedeutende Persönlichkeiten unserer Region hin,erwähnt Denkmäler, vergleicht die Verkehrswege früher und heute und spricht natürlich auch den Wein an. der unseren Landkreis so einzigartig prägt. Dies war der Grund für unseren Entschluss, diese Arbeit zu veröffentlichen. Ursprünglich in italienischer Sprache verfasst, hat Francesca Aldrighetti dank der freundschaftlichen Kontakte zu Günter F. Hattemer die Arbeit ins Deutsche übersetzt, damit alle Mitglieder unserer Vereinigung diese eindrucksvolle Abhandlung nachlesen können. Im März 2009 wäre Dr. Karl Greifenstein 90 Jahre alt geworden. 1955 zog der gebürtige Kurpfälzer in die Rotweinstadt In-gelheim, nachdem er Geschäftsführer des Landesverbandes der Volkshochschulen Rheinland-Pfalz wurde. Schon in jungen Jahren hatte es ihm die Lyrik angetan. Eine Vielzahl seiner Werke hat unsere Vereinigung über Jahre in den Heimatjahrbüchern veröffentlicht. Nach seinem Tod haben wir es als Aufgabe gesehen, Gedichte undTexte aus seinem Nachlass zusammenzutragen um diese der Nachwelt zu erhalten. Mit der Sonderschrift „Dezente Gewalt der Sprache. Karl Greifenstein - ein Leben zwischen Lyrik und Erwachsenenbildung" haben wir eine bleibende Erinnerung geschaffen, die gute Aufnahme fand. Und schon jetzt dürfen wir Ihre Vorfreude wecken, denn es sind weitere Sonderschriften in Arbeit, die wir in den nächsten Monaten fertig stellen.

Heimat am Mittelrhein

Durch großen persönlichen Einsatz der Verantwortlichen konnten im Berichtszeitraum wieder sechs Ausgaben der Monatsbiätter für Kultur- und Heimatpflege, zusammen mit der Allgemeinen Zeitung in Bingen und Ingel-heim, herausgegeben werden. Unserem Redaktionsteam unter Günter F. Hattemer gilt unser besonderer Dank, ebenso allen, die immer wieder Beiträge zur Verfügung stellen, damit wir die Beilage der AZ sicherstellen können. Hierbei werden stets aktuelle Themen aufgegriffen, besondere Gedenktage in Erinnerung gerufen, Persönlichkeiten der Heimat gewürdigt. Mundartbeiträge oder lyrische Texte runden die Beilagengestaltung vortrefflich ab. Allen Mitgliedern überlassen wir diese Beilagen mit der Jahrespost, die ebenso wie die Beilagen zum Amtsblatt der Verbandsgemeinde Gau-Algesheim dank der freundlichen Unterstützung von Bürgermeister Dieter Linck und Stefan Petry für unsere Mitglieder aufbereitet werden.

 

Heimatliteraturpreis an Hans Günter Altenhofen

In seiner Heimatgemeinde, so hatte es sich der Heimatliteraturpreisträger 2009 Hans Günter Altenhofen gewünscht, wollte er den Preis entgegen nehmen. In Weiler, wo er das Licht der Welt erblickte, wo er neben vielen Tätigkeiten in Vereinen und Verbänden 15 Jahre lang das Amt des ehrenamtlichen Ortsbürgermeisters innehatte, lud er zur Feier ein, die die Gesellschaft der Heimatfreunde gestaltete und die von der Sängerin Menna Mulugeta mit Heinz Josef Bell musikalisch umrahmt wurde. Er ist der 29. Preisträger der Vereinigung und nach Hermann Josef Stipp der zweite Preisträger aus derGemeinde Weiler. In der Laudatio würdigte Günter F. Hat-temerdas Bestreben von Hans Günter Altenhofen um die Erforschung der Geschichte und die kulturelle Basis der Region, insbesondere von Weiler. Neben den geschäftlichen Erfolgen und dem kommunalpolitischen Engagement habe er sich mit Eifer für die Heimatfreunde in Weiler und die Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein jahrzehntelang eingebracht, mit den Heimatnachrichten. Beiträgen für das Heimatjahrbuch und die AZ-Beilage Heimat am Mittelrhein, als Mitarbeiter im Redaktionsaus-schuss. Dieses nachhaltige Wirken würdige die Vereinigung mit dem Literaturpreis. Vorsitzender Adam Schmitt überreichte die künstlerisch gestaltete Urkunde, womit „die kulturhistorische Gemeinschaft im Landkreis Mainz-Bingen ein verdienstvolles Wirken beim Zusammentragen historischer Schriften, Bilder und Dokumente,der Sicherung heimatlicher Denkmäler, der Herausgabe heimatkundlicher Schriften und Periodi-ka" würdige. Als langjähriger Autor des Heimatjahrbuches , bei der Herausgabe der „Weilerer Heimatnachrichten" und mit zahlreichen heimatkundlichen Aktivitäten habe er „der mittelrheinischen Kulturlandschaft und der Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein hervorragende Dienste geleistet", stellte der Vorsitzende fest. Landrat Claus Schick hatte durch den l. Kreisbeigeordneten ein Grußwort übermittelt, und Bürgermeister Franz Josef Riediger gratulierte namens der Verbandsgemeinde Rhein-Nahe. Ihnen schlössen sich Ortsvereine und Heimatfreunde aus Weiler und Waldalgesheim an. Vor der Feierstunde hatte Ortsbürgermeister Owtscharenko bei einem Gemeinderundgang bereits seine Glückwünsche übermittelt.

Sachbuchpreis Decimus Magnus Ausonius 2009

Mit der Stiftung des Historischen Sachbuchpreises Mittelrhein im Jahre 2002 und seiner erstmaligen Auslobung im Folgejahr hatte unsere Vereinigung einen Turnus von zwei Jahren für die Verleihung vorgegeben. So wurde der Preis, um den sich Verlage und Autoren mit historischen und kulturhistorischen Sachbüchern bewerben können, bereits zum vierten Mal ausgeschrieben. Seit jetzt zwei Jahren trägt er auch einen Namen, der ihn besonders herausstellt: Sachbuchpreis Decimus Magnus Ausonius. Die Namensgebung geht auf Decimus Magnus Ausonius zurück, einen römischen Dichter und Staatsmann, der um das Jahr 365 n. Chr. von Kaiser Valentinian I. als Erzieher des Prinzen Gratian nach Trier berufen wurde. Ausonius' heute noch bekanntestes dichterisches Werk ist die "Mosclla* ,ein Lobpreis des Flusses, seines Nutzens und seiner landschaftlichen Schönheiten, wobei auch die Region um Ringen erwähnt wird. Insgesamt fünf Beiträge lagen der Jury aus Historikern, Kunsthistorikern, Redakteuren und heimatgeschichtlichen Literaten vor. Die Feierstunde im Juni 2009 zur Preisübergabe fand in der „Zchntscheune", dem Dorfgemeinschafts-haus der Gemeinde Nieder-Hilbersheim, statt. Ortsbürgermeister Franz Mersch hatte mit seinen Helfern eine ansprechende Feierstunde ausgerichtet. Die Jury befand, dass Erich Hinkels Werk „Nieder-Hilbersheim -Geschichte in Bildern und Dokumenten" mit dem l. Preis auszuzeichnen sei. Auf Platz 2 kam „100 Jahre Trinkwasser aus dem Wasserwerk Guntcrsblum", Autoren Frank Frey, Volker Sonneck und Peter Klöppel, Platz 3 belegte die Mainzerin Marlene Hübel, mit ihrer Schrift „Im Schatten Napoleons - Frauen um Napoleon in Mainz", und der 4. Platz ging an Karl-Richard Mades. der ..Bauern- und Winzerregeln - Weisheit im Volksmund" von Friedrich Walter Kutscher aktualisiert, zusammengestellt und veröffentlicht hat. Die Laudationes auf die Preisträger hatten Mitglieder der Jury übernommen.

Unsere Mitglieder

2007 hatten wir erstmals in unserer Vcreins-geschichte eine Plakette für Mitglieder geschaffen, die sich besondere Verdienste erworben haben. Aufgrund der Beschlüsse der Vereinsgremien haben wir im März 2009 im Rahmen einer Feier am Rande unserer Mitgliederversammlung Mitglieder auszeichnen dürfen. Mit der Plakette wurden geehrt: Eduard HJ. Hellmeister (Budenheim), Rudolf Pleines (Waldalgesheim), Wilhelm Härtung (Trechtingshausen). Karl-Werner Rump (Heidesheim) und Hans Knussmann (Nackenheim). Denen, die an der Feier nicht teilnehmen konnten, wird in entsprechendem Rahmen die Plakette in nächster Zeit überreicht. Eine ganze Reihe unserer Mitglieder durfte besondere Geburtstage feiern, hierzu haben wir unsere Glückwünsche übermittelt. Einige unserer Mitglieder wurden mit staatlichen Ehrungen, Verdienstorden und kommunalen Auszeichnungen bedacht, von Verbänden und Organisationen geehrt. Ihnen und allen Geehrten gelten unsere herzlichen Glückwünsche.

Zahlreiche Schriften, Bildbände und heimatgeschichtliche Werke, die aus Kamera und Feder unser Mitglieder stammen, sind im vergangenen Jahr herausgegeben worden. Sie geben Zeugnis von einem engagierten Wirken der Autoren aber auch der tiefen Verbundenheit zu unserer Heimat. Wir dürfen allen unsere Anerkennung aussprechen. Auch im letzten Jahr haben uns Persönlichkeiten verlassen, die für unsere Vereinigung beispielhaft gewirkt und für das kulturelle Leben im Kreis gearbeitet haben. Sie haben Zeichen gesetzt, mit ihrem Wirken und Schaffen, die Arbeit unserer Vereinigung geprägt und auch bereichert. Wir sind ihnen Dank schuldig.

Danke

Viele engagierte Heimatfreunde haben im Berichtszeitraum für unsere Vereinsziele gewirkt und gearbeitet, ohne ins Rampenlicht zu treten. Ihnen allen gilt unser herzlicher Dank, den Mitgliedern des Vorstandes, dem Beirat und dem Redaktionsausschuss für deren aktive Mitarbeit und nicht zuletzt allen Mitgliedern, die unsere gemeinsame Arbeit mittragen und begleiten. Es war ein erfülltes Jahr, das den Amtsträgern viel abverlangt hat und an dessen Ende wir mit Genugtuung auf das Geleistete zurückblicken dürfen.