Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein

Geschichte der Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein

von Erich Hinkel

VI. Vielfältige Betätigungen

Neben den literarischen Aktivitäten führt die Vereinigung in Zusammenarbeit mit den Weiterbildungseinrichtungen Kunst- und Literaturausstellungen sowie Vortragsreihen durch. Jährlich finden zwei Exkursionen statt, die sich in den letzten Jahren immer stärkerer Beliebtheit erfreuen. Leider fiel der Buß- und Bettag, der traditionsgemäß zu einer Exkursion in eine Gemeinde des Kreisgebietes benutzt wurde, dem Zeitgeist zum Opfer. Erst zu spät merkte man, daß man ein Stück Religions-, aber auch Kulturgut aufgegeben hatte.

Gefragt sind auch Mundart-Darbietungen, in denen sich Vielfalt im Kreisgebiet zeigt. Es ist auch nicht vergessen, daß es die Heimatfreunde waren, die die Idee hatten, einen Rheinland-Pfalz-Tag einzuführen. So regte bereits 1967 Claus Palm in der Heimat am Mittelrhein (Nr. 10, S. 2) an, eine dominierende Veranstaltung als Rheinland-Pfalz-Tag durchzuführen, um das einigende Band aller Landstriche zu festigen. Er wurde 1984 unter diesem Motto in Koblenz tatsächlich erstmals eingeführt. Als Ministerpräsident Bernhard Vogel am 14. Dezember 1983 Herrn Claus Palm mit dem neugeschaffenen Landesorden auszeichnete, hob er diese Tatsache besonders hervor.

Auch über die Idee, unsere Ortschaften zu verschönern, wurden schon sehr früh Diskussionen geführt. Lange vor dem Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden, nämlich im Jahre 1953, regten die Heimatfreunde an, den Ortsbildern besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Der Verfasser hat in den Archivunterlagen der Stadt Gau-Algesheim eine Bekanntmachung vom 24. März 1953 gefunden:

Der Kreisverband der Heimatfreunde "Binger Land" hat angeregt, im Rahmen der kulturellen Heimatarbeit der Pflege des Ortsbildes unsrer Dörfer besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Es geht heute nicht nur darum, gegen das Negative einer übertriebenen Reklame, die so viele landschaftlich reizvolle Gebiete verschandelt, vorzugehen. Vielmehr ist uns die Aufgabe gestellt, durch eine positive kulturelle Landschaftsarbeit das Gesicht unserer Dörfer freundlicher zu gestalten.

Durch Blumenschmuck, ohne großen Kostenaufwand kann das so oft graue Ortsbild freundlicher und lebendiger gestaltet werden. Ich bitte daher die Bevölkerung zu überlegen, wie sie selbst durch geeigneten Blumenschmuck auf ihren Fensterbrettern, in Vorgärten usw. zur Hebung des Ortsbildes beitragen kann.

Rathaus und Schule werden in diesem Jahre mit dieser Arbeit beginnen. Ganz abgesehen von der kulturellen Bedeutung liegt es auch im wirtschaftlichen Interesse, zumal sich unserer Stadt um den Anschluß an den Fremdenverkehr sehr bemüht. Der Kreisverband der Heimatfreunde Binger Land steht hier gerne beratend allen Interessierten zur Seite. Dieser Aufruf erfolgt frühzeitig, um der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben zeitig zu planen und hierzu ihre Vorbereitungen zu treffen.

Es ist Zeit einmal daran zu erinnern. Die Heimatfreunde waren immer ein Stück ihrer Zeit voraus. Sie schauten nicht nur rückwärts, sondern in die Zukunft.