Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein

Geschichte der Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein

von Erich Hinkel

III. Heimatliteratur

Die Geschichte der Heimatliteratur der Heimatfreunde begann mit der Herausgabe der Schrift Binger Land. Nach schwierigen Verhandlungen mit der französischen Besatzungsmacht erschien 1948 das vom späteren Vorsitzenden Dr. Johannes Kohl verfaßte Buch. Es fand vor allem in den Schulen lebhaften Anklang. Es war im Kreis Bingen nach dem Kriege das erste Lesebuch mit heimatlichem Bezug.
Im Rahmen unserer Vereinigung folgten weitere Sonderschriften, die sich mit Persönlichkeiten unseres Gebietes und besonderen historischen Ereignissen befaßten. Dabei hob sich der 1953 erschienene Band 1000 Jahre Binger Land (in der Wissenschaft als Binger Festschrift 1953 zitiert) hervor. 1995 erschien das 223 Seiten umfassende Heimatbuch mit dem Titel Meine Heimat - Der Landkreis Mainz-Bingen, das nicht nur in den Schulen gute Aufnahme fand.
Die Festschrift zum 50-jährigen Bestehens der Vereinigung mit ihren vielfältigen kultur-historischen Beiträgen fand in der Fachwelt große Beachtung. Im Jahre 2001 erfolgte die Herausgabe eines Bildbandes, der dem Werk und dem Lebenslauf der Sprendlinger Künstlerin Charlotte Waterbeck gewidmet ist.
Dr. Ernst Emmerling, der unserer Vereinigung von 1953 bis 1973 vorstand, als Mitglied des Kreistages mit der Freiherr-vom-Stein-Plakette des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet, war ein engagierter Heimatfreund, der sich als Kunsthistoriker in der Fachwelt einen Namen gemacht hat. Als gesuchter Autor der Literatur verpflichtet, rückte er diese in den Mittelpunkt der heimatpflegerischen Arbeit. Er drängte auf periodische Veröffentlichungen mit Breitenwirkung. Es war nicht leicht, dieses zu verwirklichen. Dr. Emmerling ließ nicht locker. Am 8. Juni 1955 schrieb Landrat Trapp an die Hauptredaktion der Allgemeinen Zeitung in Mainz:

Der Kreisverband der Heimatfreunde "Binger Land", die Organisation für die gesamte kultur-historische Arbeit im Landkreise Bingen, hat mir den Wunsch unterbreitet, seinen Wunsch für den Landkreis Bingen Heimatblätter herauszugeben, zu unterstützen.
...Nach einem schnell gescheiterten Versuch, wurde vor etwa 2 Jahren die sogenannte "Brücke" Ihrem Blatt in dankenswerter Weise angefügt. Die Praxis zeigt, daß diese Beilage nicht in der Lage ist, gleichlaufend mit den privaten und amtlichen Bestrebungen die heimatkundliche Arbeit eines Landkreises von 70.000 Einwohnern zu fördern und zu unterstützen.
...Den Vorschlag des Kreisverbandes der Heimatfreunde, für diese Ausgabe mit verantwortlich zu zeichnen, sie mitzugestalten und auszubauen, finde ich sympathisch.
...Sie werden daher verstehen, daß wir auch den Ehrgeiz haben, uns in dieser Hinsicht nicht von anderen Kreisen überflügeln zu lassen.
...Das dürfte um so leichter sein, als gerade in den Reihen des Kreisverbandes der Heimatfreunde namhafte Redakteure Ihrer Zeitung tätig sind. Wir schlagen vor, ihnen die Redaktion dieser Heimatblätter für den Landkreis Bingen zu übertragen.

Der in der Weltpresse bekannte Journalist Chefredakteur Erich Dombrowski entschied am 21. September 1955, daß in jedem Monat eine Heimatbeilage herausgegeben wird. Die Erscheinungsweise wurde später auf zweimonatlich umgestellt. Für das gute Gelingen der Heimatbeilage zeichnen bzw. zeichneten Josef Adolf Schmitt-Kraemer, Heinz Fischer, Josef Funk, Robert Ernst Hammer, Heribert Ertel, Günter F. Hattemer, Erich Hinkel, Josef Loos und Claus Palm verantwortlich. Sie sorgten unermüdlich dafür, daß die jeweiligen Artikel von namhaften Autoren in der Heimatforschung geliefert werden.
Aus dem Südbereich des Kreises wurde immer wieder gefordert, daß die Beilage auch dort veröffentlicht wird. Dies konnte bisher aus den verschiedensten Gründen nicht erreicht werden. Damit auch die Mitglieder der Vereinigung in den Genuß dieser Beilage kommen, hat sich die Verbandsgemeinde Gau-Algesheim bereiterklärt, die Vervielfältigung zu übernehmen. So werden seit einigen Jahren alle Beilagen mit der Weihnachtspost an die Mitglieder versandt.
Das Heimatjahrbuch des Landkreises Bingen, ab 1971 des Landkreises Mainz-Bingen, als Mittler zwischen Vergangenheit und Zukunft, wie es einmal Landrat Schick formulierte, ist ohne die Tätigkeit der Heimatfreunde nicht denkbar. So liefern die Heimatfreunde seit 1957 in ununterbrochener Folge die Manuskripte für dieses Werk. Seit 1970 erscheint das Jahrbuch unter redaktioneller Regie der Heimatfreunde.
Ein eigens eingerichteter Redaktionsausschuß sichtet und wertet die Beiträge, die aufgenommen werden sollen. So werden Maßstäbe gesetzt, die eine gleichbleibende hohe Qualität des Buches garantieren. Besondere Verdienste haben hier die Redakteure, die letztlich die Feinarbeit leisten. Diese waren bzw. sind Journalist Robert Ernst Hammer (1976 bis 1988), Journalist Markus Jung (1989 bis 1991), Redakteurin Eva Maria Harsche (1992 bis 1993) und Redakteur Günter F. Hattemer (1994 bis heute).
Die Anregung der Herausgabe des jährlichen Heimatkalenders, wie man diese Bücher anfangs nannte, erfolgte ebenfalls von den Heimatfreunden. Es war übrigens der erste Heimatkalender, der nach dem Kriege im Südteil von Rheinland-Pfalz von einem Landkreis herausgegeben wurde. Um den Heimat- und Geschichtsforschern die Arbeit bei der Suche im reichen Fundus der Heimatjahrbücher und der Beilage Heimat am Mittelrhein zu erleichtern, wurden auf Kosten der Vereinigung entsprechende Namens-, Orts- und Themenregister für die Jahrgänge bis 1999 erstellt, die künftig fortgeführt werden.
1983 gestalteten die Mitglieder der Heimatfreunde eine Ausgabe der anspruchsvollen Hefte Lebendiges Rheinland-Pfalz (Heft 3/1983), die von der Landesbank Rheinland-Pfalz herausgegeben werden. Die sachkundige Arbeit der Heimatfreunde war dafür entscheidend. Vier Mitglieder unserer Vereinigung wurden 1979 eingeladen, Beiträge für die Festschrift Hildegard von Bingen zu liefern. Das Buch war in kürzester Zeit vergriffen. Die Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte hat im Hildegardisjahr 1998 eine unveränderte Neuauflage herausgebracht. Herausgeber war unser Ehrenmitglied und Literatur-Preisträger Professor Dr. Dr. Anton Philipp Brück.
Trotz dieser umfangreichen literarischen Tätigkeit der Heimatfreunde, die die Geschichte, die Kultur und das Wesen unserer vielgliedrigen Landschaft qualitätvoll dargestellt hat, haben manche Zirkel in der Geschichtswissenschaft diese Arbeit zunächst nicht anerkannt! Man wollte die Arbeit der Heimatforscher ohne wissenschaftliche Ausbildung nicht gelten lassen. Karl-Heinz Spieß schreibt noch 1982 in den Blättern zur Landeskunde, daß Arbeiten zur Ortsgeschichte, die auf Quellennachweise und Register verzichten, (bei der Verwertung) ausgeklammert würden. Das hat sich geändert: Zwischenzeitlich fügen auch unsere Verfasser von orts- und raumbezogenen geschichtlichen Beiträgen die sog. Apparate ihren Texten an, ohne damit einen wissenschaftlichen Anstrich zu bekunden. Wer neuere wissenschaftliche Literatur durchsieht, wird feststellen, daß gerade die Veröffentlichungen der Heimatfreunde immer wieder genannt werden. Besonders wird auf Artikel des Heimatjahrbuches verwiesen.
Auch haben sich in den letzen Jahren Wissenschaftler der Heimatforschung und Heimatkunde geöffnet und arbeiten mit interessierten und orts- und raumkundigen Laien in hervorragender Weise zusammen. Diese Tatsache beweist das jährlich erscheinende Heimatjahrbuch, in dem namhafte Wissenschaftler zu Wort kommen und Heimatgeschichte in für jedermann verständlicher Sprache näherbringen. Die Heimatfreunde folgen der Einsicht des Historikers Hellmut Diwald: Heimat und Landschaft sind nicht Literatur, aber es gibt keine Literatur ohne Heimat und Landschaft.