Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein

Geschichte der Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein

von Erich Hinkel

VIII. Im Wandel der Zeit

Geschichtsvereine herkömmlicher Prägung waren ursprünglich elitäre Vereine. So war es auch ursprünglich bei den Heimatfreunden. Unter der Führung des verdienstvollen Josef Loos hat sich die Vereinigung für alle Schichten der Bevölkerung geöffnet. Heute sind bei Heimatfreunden alle Berufsgruppen vertreten - vom Bandarbeiter bei Opel bis zum Universitätsprofessor vereint. Jeder Interessierte, ob Frau oder Mann, ist willkommen. So ist die Mitgliederzahl von 140 im Jahre 1978 bis heute auf über 350 gestiegen. Der Trend hält an.

Während des 50jährigen Bestehens haben sich die Mitglieder nicht entmutigen und durch die geschichtslose Zeit nicht beeinträchtigen lassen. Die in den letzten 15 Jahren neu gegründeten lokalen Geschichts- und Heimatvereine im Kreisgebiet sind nicht zuletzt das Aufgehen der Saat, die unsere Mitglieder in fruchtbaren Boden geworfen haben.

Die Kreis-Heimatfreunde haben sehr vielen Vereinen bei der Taufe geholfen, mittelbar oder unmittelbar. Eine gegenseitige Unterstützung ist selbstverständlich, dies nicht deshalb, weil unsere Vereinigung keine anderen Vereine bevormunden will. Die Kreis-Heimatfreunde sind keinesfalls ein übergeordnetes Organ für andere Heimatvereine im Kreisgebiet. Sie haben aber vielen späteren Vereinsgründungen geholfen und u.a. auch ihren Namen Heimatfreunde gegeben.

Die Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein wird auch künftig im Bereich der Kulturarbeit wirken, unbeirrt und ohne behördlichen Status, ohne Abhängigkeit von staatlichen oder kommunalen Organen. Aber sie sucht die Mitarbeit im Vertrauen und findet sie auch.

Heimatpflege im Bewahren und in der Fortentwicklung standen oft und stehen weiter gegen den Strom des Beeinflußbaren und Unbeeinflußbaren. Infolge des leichtfertigen Abbaus des Geschichtsbewußtseins geriet die Heimatpflege in eine Krise, die nur scheinbar überwunden ist. Das rechtfertigt unsere Arbeit, ja fordert sie heraus.

Heimatliebe ist stets dort zu finden, wo auch echter Bürgersinn herrscht. Heimatpflege basiert auf Tradition einer kommunalen Gemeinschaft in der Landschaft. Eine Kommunalpolitik die auf dieser Tradition steht, wird sich kaum von Eigeninteressen den Blick trüben lassen, sondern vielmehr aufgeschlossen für die Wirklichkeiten zwischen Geschichte und Zukunft dem Gemeinsamen den Vorrang geben. Anderseits werden Menschen, die hier heimatverbunden leben wollen, sich nicht von einem Schreibtisch aus kommandieren lassen. Sie spüren die Veränderungen, die sich weltweit anbahnen und bemühen sich, sie zu meistern. Das gilt auch für die Heimatfreunde. Erfahrungen eines halben Jahrhunderts ermutigen.

Gedenkblatt zur Erinnerung an ein Gespräch der Vorstände der Heimatfreunde und dem Verein für Geschichte der Stadt Bacharach und der Viertäler in Bacharach