Ludwigshöhe in Rheinhessen

Zur Geschichte von Ludwigshöhe

Luftbildaufnahme Ludwigshöhe.[Bild: Alfons Rath]

Der Ort Ludwigshöhe ist an seiner jetzigen Lage das jüngste Dorf Rheinhessens. Die Stelle der ursprünglichen Siedlung, die damals "Rudelsheim" hieß, liegt heute am Rhein, unmittelbar vor dem heutigen Hochwasserdamm. An der Position des verschwundenen Ortes steht heute ein Gedenkstein (siehe unten). Der Rhein floss noch im frühen Mittelalter weiter entfernt vom Ort. Sein Flussbett verschob sich im Lauf der Jahrhunderte und führte schließlich im 16. Jahrhundert dicht am Ort vorbei.
Rudelsheim wird im Jahr 765 zum erstenmal urkundlich genannt. Damals schenkte ein gewisser Hirminhildis dem Kloster Lorsch einen Weinberg in Rudolfesheim. Solche Schenkungen an das Kloster Lorsch kommen in den folgenden Jahren mehrfach vor, wobei der Ortsname variiert: Rudolfesheim, Rudilsheim, Rudulfisheim. Im Jahr 802 schenkt Vualura dem Kloster Fulda eine Hofstätte im Dorf Hruodolfesheim.
Pfalzgraf Ludwig III. erwarb 1418 von Heinrich Beck (von Lambsheim) einen Teil von Rudelsheim. Balthasar von Lutinbach, genannt Buchen, zu Eppelsheim bei Alzey erhielt im Jahr 1497 vom Abt Johann II. von Fulda acht Morgen Ackerland, zwei Morgen Wiesen und ein Haus in Rudilsheim bei Oppenheim zu Lehen.
In einem Notariatsinstrument vom 3. Januar 1666 über die der Pfalz gehörenden "Armen Leute", Wildfänge und Bastarde, welche in den angrenzenden Herrschaften unter fremder Hoheit lebten, mit Angabe dieser zur Präfektur Alzey zählenden Ausdörfer, kommt unter den Jahren 1494 und 1577 auch Rudelsheim vor. Später war Rudelsheim ein reichsritterschaftlicher Ort, über den bis Ende des 18. Jahrhunderts die Freiherren von Dienheim die Hoheit hatten.
Die ständigen Überschwemmungen (1784 standen z.B. die Häuser bis an die Dächer unter Wasser; 1799 stürzten sieben, 1809 neun Häuser ein; immer wieder wurde die Ernte vernichtet) spielten dem Ort übel mit. In der Weihnachtszeit des Jahres 1819 stand der Rhein so hoch, dass der Damm zu brechen drohte. In der Nacht vom 26. auf den 27. Dezember brach die Guntersblumer Schleuse, ganz in der Nähe der Rudelsheimer Gemarkung. Mit zerstörerischer Wucht unterspülte der Strom die Fundamente der Schleuse. Dieses Ereignis beeindruckte die Rudelsheimer so sehr, dass sie begannen, ihr Dorf in das höher gelegene Hinterland zu verlegen. Am 25. August 1822 wurde der Grundstein zu dem neuen Dorf gelegt. Als Ortsname wurde zu Ehren des Großherzogs Ludwigs I. von Hessen-Darmstadt Ludwigshöhe gewählt.
Im Oktober 1830 verließen die letzten Einwohner das alte Rudelsheim, die Häuser wurden abgerissen. In der Nacht vom 17. auf den 18. Januar 1837 fiel die Kirche, die immer noch stand, einem Brand zum Opfer. Die verkohlten Mauerreste standen noch bis 1845. Heute erinnert nur noch ein Gedenkstein, das alte Friedhofskreuz, an dieses Dorf und seine Einwohner. Auf dem Gedenkstein steht: "Gott gebe allen gestorbenen Seelen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. O Herr lass sie ruhen in Frieden. Amen".

Nachweise

Redaktionelle Bearbeitung: Stefan Grathoff, Sarah Traub

Verwendete Literatur:

  • Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen nebst einer Einleitung. Gießen 1905.
  • Landesamt Denkmalpflege (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 18.2: Kreis Mainz-Bingen. Bearb. v. Dieter Krienke. Worms 2011.
  • Webseite der Gemeinde

Aktualisiert am: 07.06.2016