Mainz in Rheinhessen

Kloster Dalheim in Mainz

Die Anfänge als Doppelkloster

Kloster Dalheim in Mainz von J. Lindenschmit 1807.

Das ehemalige Kloster Dalheim (Dalen, Dalem, Dalin, Mariendalen) mit seiner der Jungfrau Maria geweihten Kirche, stand zwischen Zahlbach und der Dalheimer- oder Aureusmühle im Heiligen Tal, dem unteren Zahlbacher Weg, am Fuße des Abhanges, gegenüber den letzten Pfeilern der römischen Wasserleitung (Römersteine). Es war ursprünglich ein Doppelkloster. Die Mönche und Nonnen folgten der Regel des hl. Benedikt. Die älteste urkundliche Nachricht über ein Kloster im Tal stammt aus dem Jahr 1145. Damals tauschte Erzbischof Heinrich I. von Mainz das Kloster Dalen wahrscheinlich vom Kloster Disibodenberg gegen die Kirche von Staudernheim ein. Erzbischof Arnold (1153-1160) vollendete das Kloster und stattete es reichlich mit Gütern aus.

Das Nonnenkloster
Das Doppelkloster bestand noch 1251. Damals verkauften Propst Otto, die Magistra Hedwig und der Konvent des Klosters Marienthal verschiedene Gefälle für 6 ½ Mark an das Heilig-Geist-Hospital zu Mainz. Die Klosterleute klagten, dass ihr Kloster wegen der Verwüstungen, die König Konrad, der Sohn des verstorbenen Kaisers Friedrich II., der Klosterkirche zugefügte hatte, nicht mehr weiter bestehen könne. Damals verließen die Mönche das Kloster, das Frauenkloster blieb bestehen, schloss sich aber dem Zisterzienserorden an. 1265 übertrug Erzbischof Werner dem Kloster Eberbach die Aufsicht über die Kirche und den Konvent. 1266 verlieh Werner der Äbtissin und dem Konvent des Klosters einen Ablass, damit verschiedene Ordensgebäude finanziert werden konnten. Diese Bauten wurden auch Ende des 13. Jahrhunderts von einer gewissen Libsta ausgeführt; so ging es jedenfalls aus ihrem Grabstein in der Kirche hervor.

Der Klosterbesitz

Kloster Dalheim in Mainz, Aquarell von Franz Graf von Kesselstadt.

In der Folge erhielt das Kloster durch Schenkung, Kauf und Tausch zahlreiche Besitzungen in der Umgebung. Im Jahr 1318 bestätigte Papst Johann XXII. dem Kloster dessen Freiheiten und Güter: als solche werden ein Hof zu St. Hylarius, ein Hof mit dem Dorf Bretzenheim, das Dorf Zahlbach, der Hof zu Bodenheim und der Hof zu Finthen genannt. Die Hoheitsrechte über die beiden Orte Bretzenheim und Zahlbach übte das Kloster bis zum 31.12.1797 aus. Auch in der Stadt Mainz erwarb und baute das Kloster mehrere Häuser, die in den Kriegzeiten den Nonnen mehrfach als Zufluchtsort dienten.

Die Zerstörung der Klostergebäude 1447
Aufgrund der tiefen Lage in einem Tal, in dem sich bei jedem starken Regen das Wasser von den benachbarten Höhen zu sammeln pflegte, wurde das Kloster häufig von Überschwemmungen heimgesucht. Eine Katastrophe ereignete sich am 29. Juli 1447. Ungeheure Wassermassen brachten die Klostermauern zum Einsturz, die Küche und die Ställe wurden hinweggeschwemmt und der Beichtvater der Nonnen, Konrad von Eltville, sowie eine Laienschwester kamen im Wasser um. Erst 1697 wurde die Gefahr beseitigt, man legte den sog. Wildgraben an, der das Wasser in den Rhein leitete.

Das Kloster im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648)
Schwere Zeiten erlebte das Kloster, als 1632 die Schweden Mainz okkupierten. Die Nonnen flohen mit Ausnahme der Äbtissin Susanna nach Köln. Sie kehrten erst zurück, als die Schweden 1636 wieder abzogen. Susanna überlebte die Zeit der Okkupation nicht lange, sie starb wenig später. Noch 1636 wurde die beschädigte Klosterkirche wieder hergestellt und die Altäre durch Weihbischof Anselm konsekriert.

Die Aufhebung des Klosters 1802

Ruine des Klosters Dalheim, von J.C.A. Dillenius 1793.

Im Jahr 1781 wurden dem Kloster aus dem durch den Kurfürsten zugunsten des Universitätsfonds aufgehobenen Kloster Altmünster 14 Klosterfrauen überstellt, darunter auch die Priorin. Während der Belagerung des Festung Mainz duch die Franzosen wurde das Kloster 1793 größtenteils zerstört. Die Nonnen waren bereits im April nach Mainz geflohen. Die noch stehenden Mauern der Klostergebäude wurden von den Franzosen während der Blockade der Stadt 1794 und 1795 als Verteidigungsstellungen benutzt.
Im Jahr 1802 wurde das Kloster aufgehoben. Von den 21 Frauen, die damals noch im Kloster lebten, erhielten die linksrheinisch geborenen eine Pension in Höhe von 500 Francs. (Wer das 60. Lebensjahr erreicht hatte sogar 600 Francs). Die linksrheinisch gebürtigen Frauen zogen in der Folge zumeist aus Mainz weg, die letzte Verbliebene starb am 24.12.1821. Die übrigen Frauen bekamen ein Reisegeld von 160 Francs und mussten das linke Rheinufer verlassen. Unter den Ausgewiesenen befand sich auch die Äbtissin Rosalia Steinbach aus Hochheim, welche sich mit vier Mitschwestern, Maria Anna Beck aus Aschaffenburg, Ludovica Ort aus Rüdesheim, Klara Helbig aus Oberursel und Thekla Ritschel aus dem Oberamt Lahr, in ihr elterliches Haus in ihrem Geburtsort zurückzog.
Die Kirche, die ursprünglich als Filialkirche für Zahlbach stehen bleiben sollte, wurde dann doch niedergerissen. Die Steine wurden teilweise für die neue Zahlbacher Kirche verwendet, die Altäre, Fenster und dergleichen kamen nach Bretzenheim. Noch zu Zeiten Brilmayers fanden sich in manchen Zahlbacher Häusern Heiligenstatuen aus der Dalheimer Kirche.

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Beschreibung der Klostergebäude

Von der Kirche und dem Klostergebäude ist ein anschauliches Bild in einem von dem Mainzer Künstler Kaspar Schneider (angeblich 1780) gefertigen Aquarell erhalten Das Bild zeigt die Kirche von der Nordseite. Die Kirche war mit dem Chorhaupt an den östlich davorliegenden Hügelrücken gebaut worden. Sie bestand aus fünf Gewölbejochen und 3/8 geschlossenem Chor. Die Kirche war ein einschiffiger Bau mit vorgelegten Streben. Die gotischen Maßwerkfenster waren zweiteilig mit Vierpässen. Sie deuten darauf hin, dass der gesamte Bau in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet wurde. Die drei letzten Fenster des Schiffes lagen so hoch, dass man auf eine innere Empore für die Nonnen schließen kann. Hier saß auch der Dachreiter mit den Glocken, die vom Nonnenchor aus geläutet zu werden pflegten. An der Nordwestecke des Schiffes war ein Stiegenturm angebaut, und in der Mitte der nördlichen Langseite des Schiffes lässt sich das Dachwerk eines kapellenartigen Anbaus erkennen. Nach Westen schloss ein hufeisenförmiger Torbau die Klosteranlage ab. Ein Portal mit großer Bildnische lag Richtung Nordosten an der Straße. Im Inneren de Hofes ist der hohe, spitze Steingiebel eines offenbar mittelalterlichen Hauses sichtbar. Die nach Norden angrenzenden Gelände waren mit Mauern und Toren umgeben. An der Bergseite waren zu Brilmayers Zeiten noch ansehnliche Reste der Futtermauern zu sehen. Damals diente der Platz, wo einst Kirche und Kloster standen, militärischen Zwecken.

Besitzstreitigkeiten mit Bretzenheim

Das Kloster besaß Häuser, Mühlen, Weinberge, Äcker, Waldungen, Gerechtsame usw. zu Mainz, Zahlbach, Bretzenheim, Hochheim, Ebersheim, Finthen, Gau-Bickelheim, Gonsenheim, Marienborn, Mombach, Nackenheim, Ober-Olm und Siefersheim, welche - so Brilmayer - 390.000 Gulden wert waren. Wegen Ausübung der Hoheitsrechte geriet das Kloster mit der Gemeinde Bretzenheim öfters in Streit. (Auch mit Gonsenheim hatte das Kloster einen Zwist wegen der Schafweide am Judensand. Dieser Vorfall wurde am 6.7.1408 geschlichtet).
Die Hoheitsrechte des Klosters über Bretzenheim und Zahlbach wurden am 14.4.1578 unter der Äbtissin Anna von Reiffenberg geregelt. Doch obwohl in 111 Artikeln "Freiheit und Gerechtigkeit beider Flecken" festgehalten wurden, hörten damit die Unstimmigkeiten nicht auf. 1773 kam es zum Eklat: Die Bretzenheimer verjagten Klosterknechte, die auf dem Felde arbeiteten und nahmen ihnen die Pferde weg. Die Ursache des Streites war das St. Georgfestes, das in Bretzenheim gebotener Feiertag war, im Kloster aber nicht gefeiert wurde. Wie in früheren Jahren auch gingen die Klosterknechte an diesem Tag zur Arbeit auf das Feld. Auch mit der Pfarrei hatte das Kloster wiederholt Streitigkeiten. Das Kloster selbst, sowie der dazu gehörige Aureushof mit der Aureusmühle lag innerhalb der Bretzenheimer Pfarrei, die Einwohner dieser Gebäude, soweit sie keine Klosterfrauen waren, pfarrten demnach nach Bretzenheim. Dessen ungeachtet zeigte das Kloster dem Pfarrer niemals Geburten, Heiraten und Sterbefällen seiner Dienerschaft an und ließ alle Kasualfälle von Franziskanern aus Mainz vornehmen: Es pfarre, so behauptete das Kloster, nicht nach Bretzenheim sondern nach St. Emmeran in Mainz. Der Streit wurde am 24.9.1788 zugunsten der Pfarrei entschieden. Ein anderer Streit betraf den kleinen Zehnten. Der Pfarrer von Bretzenheim hatte Anspruch auf den kleinen Zehnten von allen Äckern in der Pfarrei. Nur von den Klosteräckern wurde nach altem Herkommen kein Zehnt erhoben. Pfarrer Faulhaber verlangte nun auch vom Kloster diese Abgabe. Da sich das Kloster weigerte, kam es zu einem langwierigen Prozess, der aber zugunsten des Klosters entscheiden wurde.

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Altäre und Altaristen

Die Klosterkirche hatte mehrer fundierte Altäre, es werden genannt: ein Altar der Jungfrau Maria, Johannes des Täufers und der hl. Maria Magdalena 1297, des hl. Johannes 1306 und 1337, des hl. Petrus und der Märtyrer Blasius, Vitus, Modestus 1319, des hl. Stephanus 1346. Als Kapläne erscheinen vor 1321 Antzo von Saulheim, Heinrich super agro und Jakob von Zahlbach, 1345 Konrad Ezegmenger, 1346 Mangold, 1368 Hartmann von Seligenstadt. Als diese Kapläne ihre Pflichten vernachlässigten, erließ Erzbischof Gerlach 1360 genaue Vorschriften über ihre Rechten und Pflichten. Auch später hatte das Kloster einen Altaristen, der letzte war Pfarrer Senser zu Bretzenheim (1698-1725).

Prozessionen
Das Fest des hl. Bernard wurde im Kloster mit großer Pracht gefeiert: Am Mittwoch in der Bittwoche ging die Prozession von Bretzenheim in die Klosterkirche, wo das Bittamt gehalten wurde. Auch die Fronleichnamsprozession von Bretzenheim führte ins Kloster Dalheim.

Nachweise

Verfasser: Stefan Grathoff

Verwendete Literatur:

  • Brilmayer, Karl Johann:Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen nebst einer Einleitung. Neudruck der Ausgabe 1905 Würzburg 1985.
  • Landesamt Denkmalpflege (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 2.2: Stadt Mainz. Bearb. v. Ewald Wegner. Worms 1988.

Aktualisiert am: 25.09.2014

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