Mainz in Rheinhessen

Rheinbrücken

Die Römerbrücke bei Mainz

Fotostrecke zu den Rheinbrücken

Ein politisches Ziel des römischen Princeps Augustus war es, den "optimus status" (besten Zustand) des Römischen Reiches zu bewahren und die Grenzen Roms abzusichern. Ob sein Feldherr Drusus (gest. 9.v.Chr.) bei seiner Vorbereitung der Feldzüge gegen die Stämme Germaniens eine Brücke über den Rhein errichtete, ist unsicher. Eine feste Holzbrücke wurde wohl erst um 27. n. Chr. erbaut. Diese Holzbrücke wurde ungefähr an gleicher Stelle um das Jahr 70/71 durch eine Steinbrücke ersetzt. Jetzt waren die beiden Kastelle diesseits und jenseits des Stromes dauerhaft miteinander verbunden. Die steinerne Rheinbrücke zwischen Mainz und Kastel führte ca. 30 Meter oberhalb der heutigen Brücke über den Strom. Am Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Stümpfe der meisten Brückenpfeiler noch vorhanden. Dann wurden sie jedoch beseitigt, weil sie eine Gefahr für die Schifffahrt darstellten. Die Brücke war 600 Meter lang und besaß mindestens 21 Stützpfeiler aus Stein. Sämtliche Pfeiler waren im Grundriss fünfeckig, 18 m lang und 7 m breit. Als Fundament diente ein Rost aus mächtigen, eingerammten Eichenpfählen. Der Oberbau mit der 12 m breiten Fahrbahn war vermutlich eine Holzkonstruktion.
Die Steinpfeilerbrücke hatte lange Bestand und musste mehrfach ausgebessert werden. Auf einem bei Lyon gefundenen Bruchstück eines Bleimedaillons aus der Zeit um 300 n.Chr. ist die Brücke zwischen Mainz und Kastel - allerdings stark idealisiert - bildlich dargestellt. Mehrfach mußte die Brücke ausgebessert werden, da permanenter Wasserdruck und Eisgang in strengen Wintern immer wieder Schäden an den Steinpfeilern verursachten. Noch um das Jahr 406 n.Chr. scheint die Brücke in Benutzung gewesen zu sein, nachdem sie bei den Alamanneneinfällen in der Mitte des 4. Jahrhunderts kurzfristig zerstört worden war. Doch bald darauf ist sie in den Wirren der "Völkerwanderung" zerstört worden bzw. verfallen.

Rheinbrücke Karls des Großen (768-814)

Der Biograph Karls des Großen - Einhard - schreibt in einem seiner Werke (Einhard, Seite 59f.): "[...] Auch hatte Karl bei Mainz eine hölzerne Brücke über den Rhein schlagen lassen, die zehn Jahre schwerste Arbeit gekostet hatte und so geschickt gebaut war, dass es schien, als müsste sie ewig bestehen. Durch ein zufällig entstandenes Feuer wurde sie dann binnen dreier Stunden vollkommen eingeäschert, so dass nicht einmal ein Holzspan von ihr übrigblieb, soweit sie nicht unter Wasser stand [...]." Die Brücke Karls des Großen war wohl zwischen 803 - 813 an der Stelle der alten Römerbrücke entstanden. Natürlich wurden die durch den Brückenbau arbeitslos gewordenen Fährleute der Brandstifftung bezichtigt. Zwar plante der Kaiser, die zerstörte Brücke durch einen Neubau, diesmal aus Stein, ersetzen zu lassen, doch sein Tod verhinderte dieses Vorhaben. Es sollte mehr als 1000 Jahre dauern, bis bei Mainz wieder eine feste Rheinbrücke entstand.

Schiffsbrücke 1661-1885

Schiffsbrücke

Im Jahr 1661 ließ Kurfürst Johann Philipp von Schönborn eine Schiffsbrücke über den Rhein errichten. Die geschwungen geführte Schiffsbrücke führte von Mainz hinüber auf die rechte Rheinseite nach Kastel. In der linken Bildhälfte (hinter der Falz-Verzerrung) sind zwölf Schiffsmühlen zu erkenn, die für die Versorgung von Mainz von großer Wichtigkeit waren. Die Schiffsbrücke diente den Reisenden bis zum Jahr 1885 als Überweg über den Rheinstrom.

Eisenbahnbrücke 1862

Eisenbahnbrücke in Mainz

In der zweiten Hälfte der 1850er Jahre betrieb die "Hessische Ludwigs-Eisenbahngesellschaft" Bahnverbindungen im Rhein-Main-Gebiet, doch endeten die Gleise beiderseits des Rheins, so dass Reisende und Waren mit Fähren über den Strom gebracht werden mussten. Reisende aus Richtung Frankfurt mussten den Zug in Gustavsburg verlassen und in die Rheinfähre nach Weisenau umsteigen.
Als vierte der in Deutschland gebauten Rheinbrücken nach Köln, Koblenz und Straßburg wurde die Eisenbahnbrücke zwischen Mainz und Gustavsburg am 15. Juli 1862 nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellt. Nach über 1000 Jahren gab es erstmals wieder eine feste Rheinbrücke in Mainz. Das von der Maschinenfabrik Klett & Kramer (später MAN) nach dem "Paulischen Trägersystem" errichtete Bauwerk ist eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Insgesamt drei stählerne Balkenträger mit parabolisch gekrümmten Ober- und Untergurten, sowie Ausfüllungen mit Vertikalpfosten und Diagonalbändern lasten auf gemauerten Strompfeilern. Ein Stützenabstand von 105,26 m war bis dahin noch nicht erreicht worden. Einen formal abweichenden Akzent zur stählernen Brückenkonstruktion setzen die massiven Kopfbauten an den Ufern. Hier bestimmen wehrhafte Doppelturmanlagen aus rotem Sandstein das Bild. Zwischen den neogotischen Rundtürmen, denen kleinere Treppentürme angefügt sind, erstrecken sich Torwände mit doppelten, spitzbogigen Durchfahrten. Der monumentale Eindruck von Wehrhaftigkeit wird durch den fast überreichen Einsatz von Zinnen noch verstärkt In der Nacht vom 17./18. März 1945 sprengten deutsche Soldaten die beschädigte Brücke. Ihre neue, 1949 fertiggestellte Stahlkonstruktion besteht aus einem Balkenträger mit einem Oberbau aus parallel geführten Gurten und einem Gittersystem mit Dreigelenkrahmen. Während die Turmsubstanz auf der heute hessischen Seite fast gänzlich verschwunden ist, künden auf der Mainzer Seite die in ihrer Substanz reduzierten Doppeltürme immerhin noch von der originären Bauabsicht. Noch heute ist die Mainzer Südbrücke mit 1028,6 m (die rechtsrheinischen Flutbrücken eingerechnet) eine der längsten Eisenbahn-Rheinbrücken.

Theodor Heuss-Brücke

Theodor Heuss-Brücke in Mainz

Die Theodor Heuss-Brücke verbindet seit 1885 Mainz und Mainz-Kastel. Nach dreijähriger Bauzeit konnte die von Friedrich von Thiersch entworfene Stahlkonstruktion für die Öffentlichkeit freigegeben werden - eine feste Verbindung dieser Art hatte es zwischen den beiden Stadtteilen seit mehr als 1000 Jahren nicht mehr gegeben. 1933 wurde die Brücke umgestaltet, bevor sie in den Kämpfen des Zweiten Weltkriegs 1945 zerstört wurde. Nach dem Krieg begann die Wiedererrichtung nach den Plänen des Umbaus von 1933 und 1950 konnte der damalige Bundespräsident Theodor Heuss die Brücke einweihen - sie trägt noch heute seinen Namen. Eine umfassende Generalsanierung in den Jahren 1991-1995 passte die Brücke noch besser an die modernen Anforderungen an, aber auch die Denkmalpflege kam nicht zu kurz: mit größtmöglicher historischer Genauigkeit versuchte man, den Flair vergangener Zeiten wieder aufleben zu lassen.

Quelle: www.taunus-wetterau-limes.de; Michael Huyer www.politische-bildung-rlp.de; Redakt. Bearb. S.G./K.H.