Nieder-Olm in Rheinhessen

Zur Geschichte von Nieder-Olm - von Sigrid Schmitt

Grundherrschaft

Alte Schmiede in Nieder-Olm.[Bild: Horst Goebel]

Nieder-Olm gehörte mit Ober-Olm und Klein-Winternheim zur Keimzelle des späteren Amtes Olm. Der Besitz des Mainzer Erzbischofs muss hier bereits in der Merowingerzeit umfassend und geschlossen gewesen sein. Die Zentrale der erzbischöflichen Güterverwaltung befand sich jedoch in Ober-Olm. Praktisch der gesamte hoch- und spätmittelalterliche Besitz anderer Herrschaftsträger lässt sich auf Übertragungen aus diesem ursprünglichen Mainzer Kirchengut zurückführen, entweder als Ausstattung für Mainzer Kirchen oder für die Mainzer Ministerialität. Bei letzterer spielte die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaute Burg mit ihren Burglehen eine besondere Rolle. So beruhte wohl auch das Gut der Grafen von Sponheim in Nieder-Olm, darunter eine Mühle, auf einem im 13. Jahrhundert abgeschlossenen Burglehnsvertrag zwischen Graf Heinrich von Sponheim und Erzbischof Werner von Eppstein. Zum bei weitem größten Grundherrn in Nieder-Olm wurde aber das Mainzer Domkapitel. Außerdem waren folgende Kirchen in Nieder-Olm begütert: St. Peter, das Heiliggeistspital, St. Johannes, Kloster Eberbach, der Allerheiligenaltar im Mainzer Weißfrauenkloster, St. Agnes, St. Moritz, St. Viktor, Heiligkreuz, die Dominikaner, Mariengreden und der Deutschherrenorden.
Der Mainzer Erzbischof selbst behielt gleichfalls bedeutende Güter in Nieder-Olm, die zum Teil dem jeweiligen Amtmann als Ausstattung dienten.

Ortsherrschaft

Die Ortsherrschaft des Mainzer Erzbischofs war in Nieder-Olm zu keiner Zeit gefährdet. Die 1092 ausgesprochene Übertragung der Vogtei an das Domkapitel kann lediglich eine Befreiung von diesbezüglichen Abgaben, nicht aber eine Verleihung von Herrschaftsrechten bedeutet haben. Die Errichtung der erzbischöflichen Burg in Nieder-Olm dürfte wohl in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Gegenreaktion auf den Bau der Burg Stadecken erfolgt sein. Mit ihr wurde Nieder-Olm, das für den Standort der Burg aus geographischen Gründen bevorzugt wurde, und nicht der bisherige Zentralort Ober-Olm zum Verwaltungsmittelpunkt des entstehenden Amtsbezirks. 1301 wurde die Burg im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen König Albrecht von Habsburg und den rheinischen Kurfürsten vom König erobert. Das Urbar von 1390 verzeichnet Einkünfte des Erzbischofs und Rechtsverhältnisse, die denen im ältesten Nieder-Olmer Weistum aus dem 15. Jahrhundert bereits sehr ähneln. Die gemeinsame Behandlung von Nieder-Olm, Ober-Olm und Klein-Winternheim in diesem Urbar dokumentiert die noch immer enge organisatorische Einheit der drei Orte. Auch das Gericht war 1392 noch ein gemeinsames für die drei Gemeinden. Mit der Verpfändung von Burg und Amt Olm an Herzog Ludwig von Pfalz-Zweibrücken 1461 und der Eroberung der Burg durch Pfalzgraf Friedrich den Siegreichen 1471 erfolgte im Zusammenhang mit der Mainzer Stiftsfehde eine länger anhaltende Entfremdung Nieder-Olms vom Erzstift. Die 1491 von Berthold von Henneberg erlassene Gemeindeordnung ist daher wohl als Schritt zur Neuorganisation der Gemeinde und ihrer Integration in das Erzstift zu verstehen.

Nachweise

Redaktionelle Bearbeitung: Stefan Grathoff

Verwendete Literatur:

  • Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Dörfer, Flecken, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen nebst einer Einleitung. Gießen 1905.
  • Sigrid Schmitt: Ländliche Rechtsquellen aus den Kurmainzischen Ämtern Olm und Algesheim. Stuttgart 1996. (Geschichtliche Landeskunde.44).

Aktualisiert am: 10.06.2016