Ockenheim in Rheinhessen

Der Friedhof in Ockenheim

Das Gelände des Friedhofs erstreckt nördlich vom Hindenburgplatz und der Gaulsheimer Straße. Er entstand um die erste Kirche von Ockenheim, die sich spätestens 1652 in einem schlechten Zustand befand und abgetragen wurde. Die neue Kirche von Ockenheim entstand 1774 an heutiger Stelle. Auch eine Michaelskapelle und ein Beinhaus werden 1552 erwähnt. Der Friedhof wurde im 19. und 20. Jahrhundert mehrmals erweitert.

Auf dem Friedhof befinden sich mehrere Grabkreuze aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Darunter die Grabmäler von Nikolaus Algesheimer, Bürger zu Ockenheim (gest. 1629), von Nikolaus Reitz, Gerichtsverwalter (gest. 1729) und das Grabmal für Valentin Joseph Klingler (gest. 1902) von Karl Landvogt (1867-1935) bestehend aus einem Sockel und einer Engelsfigur aus Sandstein.[Anm. 1]

Unter dem großen Kastanienbaum stand die sogenannte Weingärtner-Kreuzigungsgruppe, die wahrscheinlich älteste erhaltene Kreuzigungsgruppe in Ockenheim. Sie stand seit ihrer Entstehung um 1750 unter einem großen Kastanienbaum. Wegen der unsachgemäßen Restaurierung in den 1970er Jahren und um sie vor Umwelteinflüssen zu schützen wurde die Kreuzigungsgruppe im Mai 1997 in der neu errichteten Friedhofshalle aufgestellt. Der Stifter der Gruppe war wohl Kaspar Weingärtner, der an Heilig Abend (24. Dezember) verstorben ist. Seine Inschrift befand sich auf dem Querbalken des Kreuzes. Dort stand: Kaspar Weingärtner ist dem Herrn entschlafen, den 24. Dezember.[Anm. 2]

Die Kreuzigungsgruppenfiguren bestehend aus dem gekreuzigten Heiland, der schmerzhaften Muttergottes und dem Hl. Johannes Evangelist sind aus rotem Sandstein gefertigt. Sehr ähnlich gearbeitet sind die Figuren vom sogenannten Ginkelskreuz in Ockenheim.[Anm. 3] Eine fast identische Kreuzigungsgruppe aus Holz steht auf dem Hochaltar der katholischen Basilika von Mittelheim im Rheingau, die aus Kloster Gottesthal stammen könnte.[Anm. 4] Entfernter ist auch die Kreuzigungsgruppe aus Sandstein vom Mainzer Bildhauer Martin Biterich (1691-1759) in St. Stephan in Gonsenheim verwandt. [Anm. 5]

Nachweise

Verfasser:

Alexander Wißmann M.A.

Verwendete Literatur:

  • Döry, Ludwig Baron: Der Mainzer Barockbildhauer Martin Biterich, in: Mainzer Zeitschrift 66, 1971, S. 9–43.
  • Hinkel, Erich: Ockenheim am Fuße des St.-Jakobs-Berges. Geschichte in Bildern und Daten, Horb am Neckar 1998.
  • Krienke, Dieter: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Kreis Mainz-Bingen 18.1, Worms 2007.
  • Monsees, Yvonne: Das Zisterzienserinnenkloster Gottesthal im Rheingau. Geschichte, Verfassung, Besitz, Wiesbaden 1986.

Erstellt am:

6.04.2016.

 

 

Anmerkungen:

  1. Siehe Dieter Krienke: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Kreis Mainz-Bingen 18.1, Worms 2007, S. 298. Zurück
  2. Siehe Erich Hinkel: Ockenheim am Fuße des St.-Jakobs-Berges. Geschichte in Bildern und Daten, Horb am Neckar 1998, S. 75f. Zurück
  3. Siehe Dieter Krienke: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Kreis Mainz-Bingen 18.1, Worms 2007, S. 298. Zurück
  4. Siehe Yvonne Monsees: Das Zisterzienserinnenkloster Gottesthal im Rheingau. Geschichte, Verfassung, Besitz, Wiesbaden 1986, S. 60. Zurück
  5. Siehe Ludwig Baron Döry: Der Mainzer Barockbildhauer Martin Biterich, in: Mainzer Zeitschrift 66, 1971, S. 9–43, S. 41. Zurück