Ockenheim in Rheinhessen

0.Die Wendelinuskapelle in Ockenheim

Die kleine Wendelinuskapelle liegt am Ortsausgang von Ockenheim.[Bild: Alexander Wißmann]

Nach der Besetzung des Ruhrgebiets durch französische Truppen und den damit verbundenen Konflikten 1923 wurden einige deutsche Familien, darunter 51 Familien aus Ockenheim, aus den französischen Gebieten in die rechtsrheinischen Regionen verbannt. In Ockenheim errichtete man in Erinnerung an diese Zeit eine kleine Kapelle, die dem Hl. Wendelin (gest. um 617) geweiht wurde. Sie wurde zum Zeichen des inneren Widerstands gegen die französische Besatzung.[Anm. 1] Der heilige Wendelinus ist Schutzheiliger der in Not Bedrängten, Leidenden und der verfolgten Unschuldigen. Seine Grabeskirche in der nach ihm benannten Stadt Sankt Wendel im Saarland war von Anbeginn eine beliebte Asylstätte.[Anm. 2] Im Jahr 1927 konnten die Vertriebenen in ihren Heimatort zurückkehren.

Das Wendelinuskapellchen wurde 1924 nach Plänen des Architekten Hans Baptist Becker aus Darmstadt errichtet und am 3. Oktober 1924 eingeweiht.[Anm. 3] Die Kapelle steht am Ortsrand, an der Einmündung eines Feldwegs und ist ein kleiner verputzter Bau mit giebelständigem, schiefergedecktem Satteldach. Der Bau wird durch ein umlaufendes Kämpfergesims und Blendbögen zwischen Eckpilastern gegliedert. Über dem rundbogigen Eingang ist ein Tympanon angebracht, wo in einer Nische die Figur des Hl. Christophorus steht, der Patron der Reisenden, aber auch der Eisenbahner ist.[Anm. 4] Die Nische wird beidseitig gerahmt von Okuli. Im tonnengewölbten Inneren steht ein Altar. Darüber eine Gipsfigur des Heiligen Wendelin, die in St. Wendel erworben wurde. Im Boden ist ein Relief des Hl. Erzengels Michael von 1746 eingelassen, das Herr Valentin Josef Hüneborn in Geisenheim erwarb.[Anm. 5]  Neben dem heiligen Wendelin steht ebenfalls eine bemalte Gipsfigur, die Unsere Liebe Frau vom Heiligsten Herzen darstellt.

0.1.Nachweise

Verfasser:

Alexander Wißmann

Verwendete Literatur:

  • Hinkel, Erich: Ockenheim am Fuße des St.Jakobs-Berges. Geschichte in Bildern und Daten, Horb am Neckar 1998.
  • Krienke, Dieter: Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Kreis Mainz-Bingen (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, 18.1.), Worms 2007.
  • Selzer, Alois: St. Wendelin. Leben und Verehrung eines alemannisch-fränkischen Volksheiligen, Mödling bei Wien 1962.

Erstellt am: 25. 01. 2016

Anmerkungen:

  1. Siehe Erich Hinkel: Ockenheim am Fuße des St.Jakobs-Berges. Geschichte in Bildern und Daten, Horb am Neckar 1998, S. 119. Zurück
  2. Siehe Alois Selzer: St. Wendelin. Leben und Verehrung eines alemannisch-fränkischen Volksheiligen, Mödling bei Wien 1962, S. 207. Zurück
  3. Siehe Erich Hinkel: Ockenheim am Fuße des St.Jakobs-Berges. Geschichte in Bildern und Daten, Horb am Neckar 1998, S. 119. Zurück
  4. Siehe Dieter Krienke: Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Kreis Mainz-Bingen (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, 18.1.), Worms 2007, S. 294. Zurück
  5. Siehe Erich Hinkel: Ockenheim am Fuße des St.Jakobs-Berges. Geschichte in Bildern und Daten, Horb am Neckar 1998, S. 119. Zurück