Zur Geschichte Bechtheims
Der Wonnegau liegt zwischen Pfrimm und Selz, nördlich von Worms. Dieses südlichste Gebiet Rheinhessens verfügte laut dem Geographen Sebastian Münster, der im 16. Jahrhundert lebte,über "gutes und fruchtbares Erdreich, das viel des guten Weines und Kornes trägt".
Schon in der Römerzeit haben sich Menschen in der Gemarkung aufgehalten. Eine keltische Siedlung und eine römische Kultstätte sind durch Grabungen belegt. Die Besiedlung des Landes durch die Franken erfolgte seit ca. 500. In Bechtheim bestand wohl zunächst ein fränkischer Adelshof, der von einem "Bero" oder "Berchto" geleitet wurde. Aus dem Heim dieses Anführeres wurde der Ortsname dann abgelietet.
Erstmals genannt wird der Ort Bechtheim im Jahr 793 in einer Urkunde des Klosters Fulda genannt. 1070 wird "Bertheim" im Lorscher Codex erwähnt. Frühere Nennungen von Orten mit ähnlichen Namen sind nicht eindeutig dem heutigen Bechtheim zuzuordnen.
Das Recht, in Bechtheim einen Pfarrer einzusetzen, hatte schon vor 1128 Augustinerchorherrenstift St. Ägidius in Lüttich. Das Hochstift Lüttich hatte im 8. Jahrhundert Besitz in Bechtheim, der wohl auf altes Reichsgut zurückgeht. Die Vogtei hatten die Herren von Bolanden, später die Grafen von Leiningen, die sie an Untervasallen weiterverliehen.
Im Jahr 1267 beerbten die Grafen von Leiningen die Bolandern. So kam Bechtheim in die Hand dieser Grafenfamilie, die den Ort mehrfach verpfändeten. So löste Graf Emicho von Leiningen im Jahr 1412 den Ort von Hennemann von Sickingen, Viztum zu Neustadt, und Henne Werberge, Vogt zu Germersheim. Die Grafen von Leiningen erwarben 1586 für 700 Gulden auch das Patronatsrecht von den Lütticher augustinerchorherren. So konnte anfang des 16. Jahrhunderts die Reformation in Bechtheim eingeführt werden.
1684 wurde beschlossen, dass die evangelischen Kirchen von den Katholiken mitbenutzt werden konnten (Simultaneum). Diese Bestimmung war eine Quelle ständiger Auseinandersetzungen zwischen den evangelischen und katholischen Gemeinden. Auch in Bechtheim wurde um 1700 das Simultaneum eingeführt. 1722 erhielten die Bechtheimer das Marktrecht.
Bechtheim blieb in leiningenschem Besitz und gehörte bis 1795, bis zur französischen Besetzung Rheinhessens, zu den Besitzungen der Familie Leiningen-Hardenburg. Heute gehört Bechtheim zur Verbandsgemeinde Westhofen.
Die zahlreichen ehemaligen Adelssitze sind heute als solche kaum mehr zu erkennen. Die weinlage "Pilgerpfad" erinnert daran, dass Bechtheim Durchgangsstation für die Pilger auf der Route Ungarn-Aachen war.
Kirchengeschichte
Die Grafen von Leiningen machten den Ort nach der Reformation lutherisch. Nach dem Westfälischen Frieden, der 1648 die Konfessionen gleichstellte und den Evangelischen den Besitzstand zur Zeit des Jahres 1624 garantierte, entstand Streit darüber, ob in der evangelischen Kurpfalz öffentlicher katholischer Gottesdienst gehalten werden durfte.
In der Kurpfalz war man allgemein bemüht, die Simultaneen durch den Bau neuer Kirchen möglichst schnell zu beenden. Im Jahr 1910 wurde das Simultaneum beendet. Die evangelische Gemeinde baute sich eine eigene Kirche, da die alte romanische Kirche für die Vielzahl der Gemeindemitglieder zu klein geworden war. Die alte Kirche kam in den alleinigen Besitz der Katholischen.
Die Größe der Kirche weist auf die ehemals große Bedeutung Bechtheims hin. Die Kirche war Wallfahrtsort, vor 1800 gab es 20 Adelshöfe im Ort und schon damals spielte der Weinbau ein wichtige Rolle im Wirtschaftsleben der Stadt. In französischer zeit um 1800 war Bechtheim Kantonsort.
Da die katholische Gemeinde über wenig Geld verfügte, konnte die Kirche erst 1972-79 renoviert werden. Die Dächer der Seitenschiffe wurden tiefer gelegt, damit die romanischen Fenster des Mittelschiffs (Obergaden) wieder besser zur Geltung kamen. Die Außenfassade wurde wieder hergestellt und neu verputzt. Die Dachstühle wurden instandgesetzt und neu eingedeckt.
Bild: Harald Strube; Red. Bearb. (mk), AKZ

