St. Georg

Die Kirche St. Salvatoris wird bereits im Jahr 775 genannt. Damals gelangte sie an das Kloster Fulda. Von diesem muss sie mit dem übrigen Fuldaer Gut an die Mainzer Kirche übergegangen sein. Das Patronatsrecht der nunmehr dem hl. Georg geweihten Kirche vertauschte der Mainzer Erzbischof Konrad 1189 an das Mainzer Stift St. Stephan (gegen das der Kirche zu Alzey). Fortan übte das Stephansstift das Recht aus, den Pfarrer einzusetzen. Das Stift könnte aber bereits zuvor Zehntrechte in Bretzenheim besessen haben, wie ihm auch schon vor 1190 der Zehnte und seit diesem Jahr die Kapelle St. Viktor in Zahlbach unterstanden. Im Verlauf des 13. Jahrhunderts gelangten schließlich auch die bis dahin noch bei der Familie von Selenhofen und dem Kloster Disibodenberg befindlichen Zehntrechte an St. Stephan.
Außer Bretzenheim gehörten noch zur Pfarrei das Dorf Zahlbach, der Aureushof mit der Aureuskapelle, die gegenüberliegende Aureusmühle, die Laien des Klosters Dalheim sowie der Gutleuthof. Der Gutleuthof lag vor dem Gautor, rechts von dem Weg, der nach Marienborn führte und damls Gutleutsraße hieß. Er diente als Aufenthaltsort für die Aussätzigen.
Da die alte Kirche Anfang des 18. Jahrhunderts zu klein wurde, entschloss sich die Gemeinde zu einem Neubau. Die alte Kirche wurde vollständig abgerissen, nur der Turm blieb erhalten Am 30. August 1722 wurde die neue Kirche, der leitende Maurermeister hieß Lechleitner, zu Ehren des hl. Georg und des hl. Sebastian, denen die alte Kirche ebenfalls geweiht gewesen war, eingeweiht.
In den Kriegen mit Frankreich Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche wiederholt stark beschädigt. Am 5. Mai 1793 wurde sie von den Franzosen sogar in Brand gesteckt. Der Turm wurde bei der Restauration der 1896 neu aufgebaut.

[Bild: Harald Strube]

Zum Hochalter (von Harald Strube):

Der neubarocke Hochalter von 1906 wurde mit Inventar vor allem aus der ehemaligen Dalheimer Klosterkirche, die abgebrochen werden sollte, ausgestattet. Es kam auf Initiative des Pfarrers Faulhaber und mit Genehmigung des Bischofs Colmar 1804 nach Bretzenheim: Das bedeutende Hochaltarbild "Mariä Himmelfahrt" von Johannes Zick (Entstehungszeit unbekannt, vielleicht um 1740); die flankierenden Figuren der Heiligen Josef und Bernhard; die Engel mit Girlanden beidseits vom Hochalter; daneben die Figurengruppe Anna Selbdritt und das Orgelgehäuse.

Die Figur des Hl.Georg (von Harald Strube):

Der den Drachen tötende St. Georg ist die getreue Kopie (1995) einer Skulptur in der katholischen Kirche in Dienheim, die 1770 in Handschuhsheim entstanden ist. Einziger Unterschied: Der Bretzenheimer Drache ist vor dem Lanzenstich blutbesudelt.
Die Figur der mit dem Jesuskind spielenden Anna Selbritt und die Figur des Hl. Sebastian stammen wahrscheinlich aus dem Kloster Dahlheim.

Zur Orgel (von Harald Strube):

1999 gelang es in langwierigen Verhandlungen und Bemühungen die erste Cavaillé-Coll-Orgel aus Suresnes bei Paris nach Deutschland in die Kirche St. Bernhard zu holen. Aristide Cavaillé-Coll (1811-1899) gilt als der unbestrittene Schöpfer der symphonischen Orgel in Frankreich. Das Oberteil des unbemalten Eichenprospekts wurde schon von Cavaillé-Coll einer älteren Orgel aus dem 18. Jh. entnommen. Die Schnitzereien im unteren Teil wurden von ihm passend hinzugefügt. Die ORgel, die 1876 für eine Pariser Kirche bestimmt war, nahm er zurück als Experimental- und Vorführorgel in sein Atelier, als er für die Kirche ein größeres Werk liefern konnte. Von 1912 bis 1950 stand sie in einem Pariser Stadtpalais, kam anschließend in eine lutherische Kirche in Paris und wurde dann einer kleinen lutherischen Gemeinde in Suresnes bei Paris übergeben. Die inzwischen überfällige Restaurierung konnte die Gemeinde nicht tragen, so dass man sich zum Verkauf entschloß. Die Restaurierung erfolgte in Mainz durch die Orgelbaufirme Claude Berger aus Clermont d'Hérlaut bei Montpellier. Am 17.12.1999 wurde das Instrument geweiht.

Quelle: Schmitt, Rechtsquellen; Brilmayer, Harald Strube; Bilder: Harald Strube (unten) und bretzenheim.de; red.Bearb. AKZ