
Am 10.11.1912 erfolgte die Einweihung unter der Anwesenheit des hesssischen Großherzogs und seiner Gattin. Der erste Pfarrer war Otto Pabst (1912-1925).
Das Gotteshaus ist bis ins letzte Detail dem Darmstädter Jugendstil verpflichtet (z.B. Ernst-Ludwig-Haus, Hochzeitsturm in Darmstadt). Der Architekt war Friedrich Pützer (1871-1922), seit 1898 Privatdozent und seit 1902 Ordinarius für Baukunst an der Technischen Hochschule Darmstadt; seit 1908 ausserdem -obwohl Katholik - auch Kirchenbaumeister der evangelischen Landeskirche des Großherzogtums Hessen.
Als Bildhauer waren Ludwig Habich (1872-1949) und Augusto Varnesi (1866-1944), beide ebenfalls Vertreter des späteren Jugendstils Darmstädter Prägung.
Die Lutherkirche ist nördlich des Eleonoren-Gymnasiums am heutigen Karlsplatz an der Friedrich-Ebert-Strasse gelegen. Als Material für die Quaderung des bis zur Kuppelspitze in Werkstein ausgeführten Turmes, der östlichen Portalfront und der vorgelegten Terasse wählte man den roten Sandstein des Wormser Doms. Pützer ordnet sich damit bewußt in die Tradition des mittelalterlichen Wormser Kirchenbaus ein. Der Turm misst 42,5 Meter. Der dunkle, rauhe Putz der übrigen Mauerflächen fasst den Bau einheitlich zusammen.
An der Portalseite befindet sich eine ionisierende Säulenhalle mit zwei freistehenden Säulen und sechs Wandpfeilern. Vier große Kupertüren, von denen zwei zum Kirchenschiff und zwei zu den seitlichen Emporentreppen führen, wurden von dem Wormser Kunstschmied Philipp Jung geschaffen.
Das Walmdach der Kirche findet seine Entsprechung im quergestellten Walmdach des sich westlich anschliessenden Pfarrhauses und war ursprünglich mit silbergrau-schwärzlichen Pfannenziegeln gedeckt, die jedoch de Zweiten Weltkrieg zum Opfer fielen. Turmkreuz, Turmuhr, Turmgitter, Fenster- und Lampengitter des Portikus sowie die Architravinschrift waren und sind wieder vergoldet.
Der Innenraum wurde mit großer Strenge nach den Forderungen des Wiesbadener Programmes von 1891 gestaltet. Man betritt von Osten her durch zwei Portale zunächst einen schmalen, quergelagerten Vorraum. Von ihm aus führen zwei Holztüren in das eigentliche Kirchenschiff, einen rechteckigen Saal von 17,7 m Breite und ca. 21 m Länge. Der Raum ist von einer mächtigen, stuckierten Tonne überspannt, die mit geometrischer und pflanzlicher Ornamentik in Ocker, Bronze und Blau bemalt ist. Die Westwand wird von dem Kanzelaltar aus poliertem Muschelkalk eingenommen.
Ausstattung:
Vier Evangelistenstatuen von Augusto Varnesi (sind jetzt im Untergeschoss des Turmes magaziniert)
Orgel und urprünglicher Orgelprospekt
Ein kunsthandwerkliches Meisterwerk: gedrehter, geschnitzter und reich vergoldeter Orgelprospekt der Orgel von 1912 mit Inschrifttafel, die das Wappen des Stifterehepaares Cornelius Wilhelm und Sophie Freiherr und Freifrau Heyl zu Herrnsheim zeigt
Bronzerelief des Turmportals
Gestiftet von Maximilian Freiherr von Heyl, 1916 enthüllt, noch heute an seinem ursprünglichen Standort über dem inneren Turmportal.
Ludwig Habich fertigte ein Reliefband in drei Feldern: zwei Lutherzitate ("Wir wissen ja, dass wir Gottes Wort für uns haben" und "Bauet und tröstet euch untereinander mit Gottes Wort, das alles überwindet"), dazwischen im mittleren Feld ein Porträtkopf Luthers über der Stifterinschrift; zwischen den Feldern Statuetten Calvins, Huttens, Melanchthons und Sickingens