Saarland

Neue Vorsitzende gewählt

In der Vorstandsitzung vom 28.6.2013 wurden die Weichen für die weitere Arbeit des Historischen Vereins Schmelz gestellt. Johannes Schmitt gab den Vorsitz ab und steht zukünftig als Redaktionsleiter der Vereinspublikationen im Rahmen der Vorstandsarbeit zur Verfügung. Zur neuen Vorsitzenden wurde Dr. Edith Glansdorp gewählt, die bisher die Aufgabe Fachbereich Vor- und Frühgeschichte innerhalb der Vereinsarbeit tätigte. Ihre zentralen Aufgaben sieht die neue Vorsitzende in Gewinnung jüngerer Mitglieder, die sich auch aktiv an der Dokumentation der Schmelzer Geschichte beteiligen und den Mut aufbringen Geschichte aufzuschreiben. Auch die gleichmäßigere Verteilung aktiver Mitglieder aus den verschiedenen Ortsteilen wird angestrebt. Die Forschungs- und Dokumentationsarbeit des Vereins soll stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung und die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung und den Vereinen gepflegt werden. Zweiter Vorsitzender und ein Garant für die Kontinuität in der Vereinsarbeit bleibt Elmar Schmitt. Auch die Kasse führt Emil Petry weiterhin mit viel Sachverstand. Schriftführer wird Andreas Haan und Ansprechpartner in den Ortsteilen sind Erwin Jäckel (Limbach), Alois Johann (Dorf im Bohnental), Andreas Haan (Bettingen), Elmar Schmitt (Hüttersdorf) Christa Rohnert (Michelbach).

25 Jahre Historischer Verein Schmelz Festvortrag anlässlich des 25jährigen Bestehens des Historischen Vereins Schmelz, gehalten am 10. November 2012 im Kulturhaus Hüttersdorf

Geschichte und Heimat im Primstal

(von Johannes Schmitt)

Geschichte Vor Jahren, sehr geehrte Damen und Herren, überraschte ich meine Schüler bei der Einführung des Faches Geschichte in der Oberstufe – und wahrscheinlich werden auch sie verblüff t sein – mit der provozierenden Feststellung: „Geschichte ist Zukunft“ – „Geschichte als Wissenschaft ist Zukunftsforschung“. Die Verblüffung und Überraschung löste ich dann so auf, dass ich aufzuzeigen suchte, dass Geschichte nicht allein dazu da ist, um, wie es der große Historiker Ranke im 19. Jahrhundert formuliert hat, aufzuzeigen, „wie es eigentlich gewesen sei“. Dies tut Geschichte auch, aber Geschichte – und das ist mein grundlegendes Postulat und wohl auch das unseres Vereins – soll in erster Linie dazu dienen, die Gegenwart zu verstehen, die sich aus der Vergangenheit entwickelt hat. Denn in der Gegenwart ist die Vergangenheit in Elementen aufgehoben, im Sinne von bewahrt. Ich will es noch mehr zugespitzt formulieren: Nur wer die Vergangenheit kennt, versteht die Gegenwart und kann künftiges Handeln danach ausrichten. Geschichte versteht sich also in erster Linie aus dem Bezug zur Gegenwart. Und dieser Gegenwartsbezug vermittelt uns das Orientierungswissen, das nötig ist, um bewusst zu bewahren oder zu verändern. Tradition und Fortschritt sind gewissermaßen so die beiden Seiten der Medaille Geschichte. Um es an einem regionalen Beispiel zu erläutern: Wie konnte man die drängenden Probleme der wirtschaftlichen Strukturkrise und Arbeitslosigkeit an der Saar verstehen und eine adäquate Antwort finden, wenn man sich nicht weit in die Geschichte der Industrialisierung der Saargegend und deren Folgen für den sozialen Wandel seit über zwei Jahrhunderten eingelassen hat? Aber dieses von mir hier aufgezeigte Geschichtsverständnis, nämlich von der Gegenwart her Vergangenheit zu betrachten, ist selbst ein Produkt der historischen Entwicklung. Die Antike und die Kulturen des Ostens hatten dieses lineare Geschichtsbewusstsein nicht: Sie orientierten sich an der Idee des Kreislaufs, der ständigen Wiederkehr des Gleichen, und erst im christlichen Abendland, seit der Renaissance und dann vollends seit der Aufklärung des 18. Jahrhunderts, bildete sich dieses auf Veränderung und Fortschritt orientierte Geschichtsbewusstsein. Die politischen Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts, voran die große Französische, dann die industrielle Revolution und in ihrem Gefolge der soziale Wandel haben die Historiker motiviert, die historischen Dimensionen dieser fundamentalen Veränderungen zu erforschen und zu reflektieren, und die Politiker und in der Demokratie eigentlich jeden Staatsbürger bewegt, diesen Wandel zu verstehen, zu beeinflussen und zu steuern. In diesem Geschichtsverständnis gibt es auch keine unterschiedliche Wertigkeit der Räume, die die Historiker untersuchen: Lokalgeschichte – Regionalgeschichte – nationale Geschichte – europäische Geschichte und sogar im Rahmen der Globalisierung neuerdings Weltgeschichte bilden gleichsam wie die Schalen einer Zwiebel Einheiten, die sich gegenseitig beeinflussen können und überlagern. Aber für die Menschen vor Ort sind die Lokalgeschichte und die Regionalgeschichte in erster Linie, und auch dies mag nicht verblüff end sein, für ihre unmittelbare Lebenswelt: Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur von besonderer Wichtigkeit. Dieses Geschichtsverständnis, wie ich es zugestandenermaßen relativ abstrakt entwickelt habe, ist sehr eng mit dem Heimatbegriff und seiner Geschichte verbunden.

 Heimat Das Wort „Heimat“ ist von dem Substantiv „heim“ abgeleitet, das ursprünglich „Niederlassung“, „Wohnsitz“ bedeutete und von dem das Adjektiv „heimisch“ im Sinne von „an einem bestimmten Ort ansässig“ gebildet ist und dessen Gegenbegriff e „fremd“ und „Fremde“ darstellen. So schwingt schon in der ursprünglichen Bedeutung das positiv gefühlsmäßige „Vertrautsein, vertraut, vertraute Umgebung“ mit. Heimat wird so seit frühmittelalterlicher Zeit und bis zum 18./19. Jahrhundert der Gegenbegriff zur Fremde. Heimat war zugleich, und das galt ebenfalls bis zum 18. Jahrhundert für weit mehr als 90 % der Bevölkerung, überwiegend das bäuerliche Dorf, in dem man ein „Haus“ besaß, oder die Stadt, in der man durch Handwerk und Handel eine auskömmliche Nahrung fand. War Heimat an Haus und Besitz gebunden, so besaß der Besitzlose und Hauslose im Umkehrschluss eigentlich keine Heimat, auch kein Heimatrecht im Dorf und in der Stadt: Dies waren Tagelöhner und Bettler, Arbeiter und Vagabunden. Dieses Heimatrecht begründete auch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein einen Versorgungsanspruch im Alter und in Notfällen, da die Dorfgemeinde verpflichtet war, die im Dorf Beheimateten bei Krankheit, Bedürftigkeit und im Alter mitzuversorgen. Aber seit dem späten 18. Jahrhundert befand sich diese weitgehend immobile ländliche und kleinstädtische Gesellschaft in einem tiefgreifenden Umbruch: Ein enormes, bis dahin nie gekanntes Bevölkerungswachstum, das schon im 18. Jahrhundert einsetzte, die durch die Französische Revolution angestoßene oder durchgeführte Bauernbefreiung, die Gewerbefreiheit, die Auflösung der Stände insgesamt schufen in Stadt und Land neue ökonomische und soziale Chancen und Rahmenbedingungen, die in die Industrialisierung einmündeten und mit dieser auch für den Heimatbegriff das Tor zur „Moderne“ öffneten. Für viele Menschen – insbesondere der Unterschicht, auch im Primstal – waren die sozialen Umbrüche und der soziale Wandel seit dem frühen 19. Jahrhundert und bis weit ins 20. zunächst und vor allem eine Verlusterfahrung. Denn infolge der Bevölkerungsexplosion kam es zunächst zu einer massenhaften Armut, dem Pauperismus. An die Stelle der traditionalen Dorfgemeinde trat nun die bäuerliche Eigentümer- und Konkurrenzgesellschaft. Die seit Jahrhunderten durch die bäuerliche Kultur geformte Landschaft wurde nun durch die vorangetriebene Industrialisierung umgestaltet, die Umwelt beschleunigt so verändert wie nie in Jahrhunderten zuvor. Kleinstädte wuchsen zu Ballungsgebieten; die Fachleute nennen diesen Prozess „Urbanisierung“. Tausende von Menschen verließen auch aus der Saargegend vor 1850 ihre Heimat und wanderten wegen fehlender sozialer Chancen vor allem nach Amerika aus. In der Saarregion änderten sich seit dem 19. Jahrhundert die Siedlungsstrukturen grundlegend. Viele, die in der Landwirtschaft nicht mehr Arbeit und Brot fanden, zogen als Bergleute und Hüttenarbeiter in die Industriezone, viele aber blieben weiter ihrer dörflichen Lebenswelt als „Pendler“ verbunden und betrieben nach der Schicht als so genannte „Bergmannsbauern“ zur Selbstversorgung eine kleine Landwirtschaft. Dies war eine Eigentümlichkeit, die das Saarrevier, auch das Primstal auszeichnete und bis in die 60er Jahre des eben vergangenen Jahrhunderts andauerte und als Indiz für die Heimatgebundenheit der Saarländer galt und gewertet wurde. Der Heimatbegriff ist so seit dem frühen 19. Jahrhundert konservativ besetzt, und er war häufig die in die Vergangenheit zurückprojizierte Sehnsucht nach dem Erhalt der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Strukturen. Heimat wurde somit eine konservative Antwort auf Revolution und Industrialisierung, auf den von diesen hervorgerufenen fundamentalen Wandel, der, und darin lag der kritische Impuls, die Menschen vielerorts individualisiert, entwurzelt und heimatlos gemacht habe. In diese Bewegung, die überwiegend von bürgerlichen Honoratioren getragen war, waren damals auch die Heimatvereine, örtlichen Geschichtsvereine und Heimatmuseen eingebunden, durch die die lokale Geschichte als Heimatgeschichte gepflegt und intensiviert wurde, die bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts auch als Heimatkunde Eingang in die Lehrpläne der Volks- und Grundschulen fand und damit die soziale Identität der heranwachsenden Generation – die Verbundenheit mit der Heimat – prägen sollte. Der konservative, zivilisationskritische Heimatbegriff war seit dem frühen 19. Jahrhundert in eher kleinräumigen politischen und sozialen Strukturen entstanden, in kleineren Herrschaften, Dörfern und Kleinstädten mit ihren vormodernen Lebensbedingungen, die Identität, festen Halt und einen sicheren sozialen Bezugsrahmen bieten sollten. Dieser Heimatbegriff wurde aber schon in dieser Zeit von einer zeitlich parallelen Gegenbewegung überlagert, die gerade das Partikulare und Regionale dieser Heimat, die überholten Herrschaftsräume, überwinden und ihr neues Identifikationsobjekt, ihre Heimat gewissermaßen, in der Nation und im Nationalen finden wollte. Ähnlich wie der konservativ romantische Heimatbegriff im Laufe des 19. Jahrhunderts vom Begriff der Nation aufgesogen war und Heimat in Nation aufging, vollzog sich gegen Ende des 19. und zu Beginn des frühen 20. Jahrhunderts ein ähnlicher Prozess, in dem ein einzelnes Moment, das neben Kultur und Sprache die Nation begründete, verabsolutiert wurde: das Element des Volkhaften, des Völkischen, das zum Rassegedanken im biologistischen Sinne im Nationalsozialismus fortentwickelt wurde: „Rasse“, „Lebensraum“, „Heimatboden“, „Blut und Boden“, „Volk und Raum“ bildeten die zentralen Begriff e ihres Menschen- und Weltbildes. „Heimat und Boden“, „Heimat und Blut“, „Blut und Boden“ wurden in der NS-Zeit gewissermaßen religiös besetzt und sakralisiert. Das Jahr 1945 bedeutete auch für die Geschichte des Heimatbegriff s eine tiefe Zäsur. Über 12 Millionen Deutsche beziehungsweise Deutschstämmige wurden aus den deutschen Gebieten östlich der Oder-Neiße-Grenze, aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn vertrieben und umgesiedelt, verloren so ihre Heimat und mussten neue heimatliche Wurzeln überwiegend in den Westzonen und der späteren Bundesrepublik finden. Millionen flüchteten zudem aus der sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR, fanden neue Lebensmittelpunkte in der Bundesrepublik, die damit eine einmalige Integrationsleistung vollbrachte, sicherlich begünstigt durch das so genannte Wirtschaftswunder in den 50er Jahren. Dieses bis in die Mitte der sechziger Jahre ungebremste Wachstum der Wirtschaft war begleitet von einem erneuten beschleunigten sozialen Wandel und einer verstärkten sozialen Mobilität in einem bis dahin nie bekannten Umfang. Traditionelle Sozialmilieus, etwa das ländlich katholische in weiten Teilen West- und Süddeutschlands oder das traditionelle Arbeitermilieu der Großstädte und industriellen Ballungsgebiete, schienen sich allmählich aufzulösen, eine Entwicklung, die bis heute noch nicht abgeschlossen ist. Dass sich in diesem wirtschaftlichen, bevölkerungsmäßigen und sozialen Wandlungsprozess, der zweiten „Moderne“ gewissermaßen, eine „Sehnsucht nach Heimat“ artikulierte, scheint fast selbstverständlich. Aber die Antworten, die die Kulturindustrie bot und bis heute bietet, waren, wie man es kritisch formuliert hat, nur „Heimat von der Stange“: Seit den 50er Jahren waren dies der Heimatfilm mit seinen vormodernen Requisiten einer intakten bäuerlichen Gesellschaft und Kultur, der Schlager und die Heimatmusik von „Heino“ bis zu dem „Musikantenstadl“ und die ungezählten trivialen Heimatromane, also insgesamt die Vermittlung einer heilen Welt als Freizeit- und Unterhaltungsangebot, das allerdings nur in Klischees und Stereotypen bestand und diese reproduzierte. Ende der siebziger Jahre wurde „Heimat“ im neuen Sinne wieder entdeckt: Die ökonomischen und ökologischen Grenzen des Industriesystems, die Grenze des Wachstums, führten gewissermaßen dialektisch im Umschlag zur Rückbesinnung auf die Heimat und den Erhalt der Umwelt. Nun aber bot sich dafür die Region an, und ein regionales Bewusstsein und regionale Identität bildeten sich in den siebziger Jahren als ein in Gesamteuropa verbreitetes Phänomen. Heimatbewegung wurde nun zur Regionalbewegung, Heimatbewusstsein zum Regionalbewusstsein, auch um die in Verruf geratenen Bestandteile und Inhalte des Begriff s zu umgehen oder zu vermeiden, um nicht, wie formuliert wurde, in den Geruch einer linken „Heimattümelei“ zu geraten. Auch die Geschichtswissenschaft hat sich seit den siebziger Jahren diesem neuen Regionalismus geöffnet und sich in der Regionalgeschichte von der klassischen politischen Ereignisgeschichte, der Geschichte des Nationalstaates, abgewandt: so etwa durch die Erforschung der Industrialisierung der einzelnen Regionen, durch die Untersuchung der Bevölkerungsentwicklung, durch Familienforschung im regionalen Bezug, durch die Erforschung von Parteien, Vereinen, Verbänden auf lokaler und regionaler Ebene. In den letzten Jahren sogar wendet sie sich verstärkt der so genannten Alltagsgeschichte zu, um kleine Lebensräume und Lebenswelten zu erfassen, um auch, soweit das durch Quellen möglich ist, zu beschreiben, was die einfachen Leute gedacht, gefühlt und erfahren haben. Region ist in diesem neuen Konzept des Regionalismus gegenüber der eher kleinräumigen auf ein Dorf oder Kleinstadt bezogene Heimat ein funktionales Gebilde, ein historisch entstandener und sich ständig wandelnder Lebensraum, in dem Individuen, Familien, Gruppen, Vereine, Verbände, Milieus, usw. zusammen handeln. Je nachdem, ob ökonomische, gesellschaftliche, politische oder kulturelle Kriterien eine Region defi nieren und abgrenzen können, haben Regionen unterschiedliche Reichweiten und Größen. Menschen in einer Region entwickeln ein regionales Bewusstsein, da die Region einen Erfahrungsraum darstellt, in dem Menschen zusammenwirken, sich mit ihrer Region, ihren unverwechselbaren historisch gewordenen Merkmalen identifi zieren und sich in diesem Raum vertraut, also heimisch, fühlen.

Heimatforschung im Primstal In diese neue regionale Geschichts- und Heimatbewegung fällt, wenn auch zeitlich etwas verspätet, die Gründung des Historischen Vereins Schmelz im Jahre 1987. In Schmelz, 1974 aus den ehemaligen selbständigen Gemeinden Schmelz, Hüttersdorf, Limbach, Primsweiler, Dorf und Michelbach im Zuge einer Gebiets- und Verwaltungsreform gebildet, gab es schon eine ausgewiesene Lokalbzw. Heimatforschung, die 1973 ein Schmelzer „Heimatbuch“ verfasst und 1977 durch Josef Even und Elmar Schmitt die „Schmelzer Chronik Nr. 1“ veröff entlicht hatte. Aber der rührige Altbürgermeister Oswald Schmitt, Elmar Schmitt und der Vortragende wollten die „historischen Einzelkämpfer“ – es war durchaus off en in welcher Form – zusammenführen. Anfang Februar 1987 ludt der damalige Bürgermeister Steff en Interessierte zu einem „Gespräch über die Gründung einer Vereinigung für Heimatforschung“ ins Schmelzer Rathaus, und die drei „Schmitts“ erhielten den Auftrag als so genannte „Koordinatoren“ Alternativen für einen etwaigen Zusammenschluss zu erarbeiten. Zum 4. Juni 1987 riefen sie zur „Gründungsversammlung“ eines „Historischen Vereins“ in die Primsweiler Schule auf und 25 Anwesende verabschiedeten nach nur kurzer Diskussion die vorbereitete Satzung, gründeten damit den Verein und gaben ihm den Namen: „Historischer Verein Schmelz“. In fünf Bereichen, und diese Aufgaben haben bis heute Gültigkeit, sollte dieser Verein seine Tätigkeit entfalten: Er wollte die Gemeinde, Schulen, Vereine und Einzelpersonen in historischen Fragen und Zusammenhängen beraten, die Öffentlichkeit in Vorträgen, Ausstellungen, Exkursionen informieren, Forschungen auf unterschiedliche Weise befördern und publizieren, eine Bibliothek, ein Archiv und unterschiedliche Sammlungen anlegen und schließlich mit anderen Vereinen kooperieren. In der ersten Mitgliederversammlung am 6. Juli in der Alten Kirche in Limbach wurden der Geschäftsführende Vorstand und die Leiter der Arbeitskreise gewählt und benannt: 1. Vorsitzender Dr. Johannes Schmitt; 2. Vorsitzender Elmar Schmitt; Schatzmeister Emil Petry und Schriftführerin Sabine Altmeyer. In dieser Zusammensetzung fungiert dieser Vorstand im Wesentlichen bis heute, ein Ausdruck der fortdauernden Kontinuität der Vereinsarbeit; lediglich Mitte der 90er Jahre übernahm Cornelia Hoffmann die Aufgabe der Schriftführerin. Zu den Leitern der Arbeitskreise- bzw. Arbeitsgemeinschaften, in denen sich, wie zu zeigen sein wird, die eigentliche Vereinsarbeit vollzog, wählte die Versammlung: Allgemeine Geschichte: Josef Even; Schulgeschichte: Willi Marxen; Kommunalgeschichte: Oswald Schmitt; Pfarrgeschichte Pastor Leo Schommer; Vor- und Frühgeschichte zusammen mit Flurnamen und Siedlungsgeschichte: Lorenz Schmitt; Mundart und Brauchtum: Ewald Sturm; Familienforschung: Bernhard Arenz; Mineralogie: Hans Georg Wilhelm; Münzkunde: Reiner Schmitt; Fotodokumentation: Kurt Klein. Von Anfang an war auch der Limbacher Arbeitskreis für Pfarr- und Ortsgeschichte in die Vereins- und Vorstandsarbeit eingebunden. Die wesentliche Arbeit des Historischen Vereins wurde, wie schon erwähnt, in den Arbeitskreisen geleistet, ja deren Einrichtung war seit Vereinsgründung gewissermaßen auf die Leiter als ausgewiesene Spezialisten in ihrem Arbeitsgebiet zugeschnitten, so dass sich bei deren Ausscheiden das Problem der Nachfolge stellte. Das galt so für Kurt Klein, der bis zu seinem Tode im Jahre 1999 die Arbeitsgemeinschaft Fotodokumentation betreute und aus seinem über Jahre privat zusammengestellten „riesigen“ Fotoarchiv viele unserer Publikationen, Beiträge in den Heimatheften und diverse Ausstellungen mit Bilddokumenten ausstattete und selbst anlässlich des 100jährigen Bestehens der Primstalbahn eine viel beachtete Ausstellung konzipiert hatte. Auch Oswald Schmitt erhielt in seinem Arbeitskreis „Kommunalgeschichte“, dem er als „Altbürgermeister“ bis 1993 souverän vorstand, keinen Nachfolger, auch nicht als „Motor“ des Vereins überhaupt, der seine während seiner Amtszeit geknüpften vielfältigen Beziehungen nutzte, um Mitglieder und vor allem Sponsoren an unseren Verein heranzuführen. Im Jahre 2000 gab Ewald Sturm aus Altersgründen die Leitung des Arbeitskreises „Mundart und Brauchtum“ ab, niemand konnte ihn ersetzen, der viele Heimathefte durch seine Mundartgedichte aufgelockert und eine umfängliche Sammlung von Mundart-Redewendungen angelegt hatte. Unvergesslich bleiben seine Mundartabende mit Sketschen, Gedichten und Geschichten im Schmelzer und Hüttersdorfer „Platt“. Auch Hans Georg Wilhelm fand keinen Nachfolger im Arbeitskreis „Mineralogie“, als er 1996 dessen Leitung niederlegte und aus dem Vorstand ausschied. Viel zu früh, im September 1990 verstarb Lorenz Schmitt, kaum dass er seinen Arbeitskreis als profunder Kenner der Vor- und Frühgeschichte und als Chronist der Hüttersdorf-Bupricher Geschichte etabliert hatte. Aber seinen Arbeitskreis fand mit Reiner Schmitt, einem in der Fachwissenschaft ausgewiesenen Münzfachmann, den adäquaten Nachfolger, der seinem Vorgänger als „Kriminalist“ der römischen Archäologie in nichts nachstand. Respektabel waren die Listen der jeweils in den Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen mitgeteilten von ihm erschlossenen neuen Fundstellen und Fundstücke der Vor- und Frühgeschichte, insbesondere zur Römerzeit, die er auch in Beiträgen in den Heimatheften akkurat und wissenschaftlich exakt auswertete. Ab dem Jahre 2002 übernahmen Eric Glansdorp und Edith Jäckel, inzwischen promoviert und mit Eric Glansdorp verheiratet, die Leitung dieses Arbeitskreises, der schon unter Reiner Schmitt einen wesentlichen Schwerpunkt der gesamten Vereinsarbeit gebildet hatte. In mehreren Vorträgen, einer spektakulären Ausstellung in Limbach und in zahlreichen, auch zusammenfassenden Beiträgen in den Heimatheften brachten sie einem erstaunten Publikum, pädagogisch geschickt, aber immer wissenschaftlich fundiert, ihre Forschungsergebnisse nahe, so dass Schmelz die einzige Gemeinde des Saarlandes zu sein scheint, deren römische Vergangenheit so umfassend erarbeitet ist. Der zweite Schwerpunkt der Vereinsarbeit lag in dem Arbeitskreis für Familienforschung (Genealogie), dessen Leitung Willi Marxen 1989 von Bernhard Arenz übernommen hatte und die er dann aus Altergründen im Jahre 2006 an Dieter Leidinger abgab. Unter der Federführung von Willi Marxen gab der Historische Verein drei umfangreiche Familienbücher in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft für saarländische Familienforschung heraus. Bei allen dreien hatte der inzwischen verstorbene Gerhard Storb aus Lebach seine umfänglichen Dateien zur Verfügung gestellt. Das erste Familienbuch für Bettingen und Außen bis zum Jahre 1820, 1991 erschienen, hatte als Autoren Gerhard Storb und Lothar Klauck, der damals in einer AB-Maßnahme bei der Gemeinde Schmelz beschäftigt war. Gerhard Storb und sein Mitautor Willi Marxen, der die Datensätze im Computer erfasst und die Einleitung verfasst hatte, waren die Autoren des Familienbuches für Hüttersdorf und Primsweiler bis 1820, das 1994 fertig wurde. Birgit Bardesono erstellte in einer zweijährigen AB-Maßnahme die Druckvorlage für das zweibändige Einwohnerbuch der Amtsbürgermeisterei Bettingen seit 1820, erschienen 2004. Mitarbeiter von Gerhard Storb waren dabei Willi Marxen und Dieter Leidinger. Auch die lange Zeit noch bestehende Lücke, Dorf und Limbach vor 1820, konnte im Frühjahr dieses Jahres geschlossen werden, als die Kreisvereinigung für Heimatkunde das Manuskript dieses Familienbuches, von dem verstorbenen Richard Reinhard begonnen, unter der Federführung von Monika Fuhr fortgeführt, zum Druck brachte. Damit ist Schmelz – und darauf ist unser Verein stolz – gewissermaßen flächendeckend genealogisch erschlossen; jeder aus Schmelz Stammende kann seine Vorfahren mit Hilfe der Familienbücher erschließen. Aber bei der Erfassung der Namen und Daten der Familien blieben die Schmelzer Genealogen nicht stehen. Ergänzend haben Willi Marxen und Matthias Paulus für Hüttersdorf und Buprich und Alois Johann für Dorf im Bohnental eine Häuserchronik erstellt. In ihnen werden, so weit wie möglich mit Bildern, die Bewohner der einzelnen Häuser bis in die Gegenwart dokumentiert. Zudem hat Elmar Schmitt die Geschichte einer stattlichen Anzahl Hüttersdorfer Familien in Beiträgen in den Schmelzer Heimatheften detailreich erzählt und mit großer Sachkenntnis dokumentiert. In dem Arbeitskreis „Allgemeine Geschichte“, den bis 1996 Josef Even und seitdem Elmar Schmitt leiteten, versammelten sich gewissermaßen die drei „Federn“ unseres Vereins, von denen die meisten Beiträge in unseren Publikationen stammten. Er war zugleich auch eine Art Redaktionsausschuss. In der Verantwortung von Josef Even gab der Verein 1993 die Schmelzer Chronik Nr. 2 heraus, eine ansehnliche Sammlung von Aufsätze zu unterschiedlichen Themen der Schmelzer Geschichte, die vor der Vereinsgründung publiziert waren. Elmar Schmitt betreut im Amtlichen Nachrichtenblatt die unregelmäßig erscheinenden „Schmelzer Heimatblätter“, in denen der Faberverlag uns dankenswerterweise jeweils den Platz einräumt, um Kleinbeiträge abzudrucken. Zum publizistischen „Flaggschiff “ des Vereins indes entwickelten sich, was anfänglich nicht abzusehen war, die „Schmelzer Heimathefte“, die, seit 1988 vom Vorsitzenden redigiert, im Herbst, auch das ist Tradition geworden, im Rahmen einer Matinee ein auswärtiger Regionalhistoriker vorstellt. Heute ist es das 24., im nächsten Jahr das 25., und damit hätten wir bei einem durchschnittlichen Umfang von 120 Seiten fast 3.000 Seiten zur Schmelzer Geschichte vorgelegt: 10 Bücher gleichsam mit 300 Seiten! Auch darauf sind wir stolz! Seit etwa 40 Jahren dauert der bis jetzt nicht gelöste Streit innerhalb der Historikerzunft, ob Geschichte hauptsächlich als politische Ereignisgeschichte, Gesellschaftsgeschichte, Alltagsgeschichte, Geschlechtergeschichte oder neuerdings als Kulturgeschichte zu betreiben sei. Der Historische Verein Schmelz hat damit keine Probleme: In seinen „Heimatheften“ finden sich alle diese! Von Anfang an suchten wir Kontakte zu anderen Vereinen auch zu den Schmelzer Schulen, sehr eng wurde die Kooperation mit dem Saarwaldverein und dem Mühlenverein durch gemeinsame Projekte. Von Anfang an hatten wir die Unterstützung, auch finanzielle, durch die Gemeinde, auch diese Zusammenarbeit wuchs durch gemeinsame Vorhaben, etwa Ausstellungen und Vorträge. Seit 1988 hat die Gemeinde uns, zuvor kostenfrei, heute gegen ein geringes Entgelt, einen Raum in der Alten Schule in Hüttersdorf zur Verfügung gestellt, den wir als Versammlungsraum, als Bibliothek und als Archiv einrichteten. Aber er wurde auch anfangs der 90er Jahre zu einer „Forschungsstelle“, als der Verein – ein Glücksfall in seiner Geschichte – im Rahmen von AB Maßnahmen von jeweils fast drei Jahren – Karin Warken als Sekretärin und Cornelia Hoffmann als Historikerin beschäftigen konnte, wobei die Gemeinde diese verwaltungsmäßig betreute. Karin Warken hat eine Reihe von Beiträgen durch Schreibarbeiten vorbereitet und druckfertige Manuskripte erstellt. Cornelia Hoff man erarbeitete Unterrichtsmaterialien zur Schmelzer Geschichte, die wir den Schulen überreichen konnten. Didaktisches Neuland beschritt sie mit der Konzeption von drei Historischen Lehrpfaden zu den Gemeindebezirken Hüttersdorf/Primsweiler, Bettingen/ Außen und Limbch/Dorf/Michelbach. Diese kleinen „Heftchen“ stellen gleichsam ein „Museum im Grünen“ dar, denn sie verzeichnen und beschreiben erhaltene historische Objekte in den einzelnen Gemeindebezirken und verbinden sie durch einen Wanderweg. Den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit bildete indes die Aufarbeitung der Schmelzer Zeitgeschichte: Mehrere Dutzend Zeitzeugeninterviews, teilweise verschriftet, wertete sie aus und verfasste auf deren Grundlage einen zeitgeschichtlichen Lehrpfad und mehrer Aufsätze zur Volkerbundszeit, zur Saarabstimmung 1935, zur NS-Zeit und zum Zweiten Weltkrieg. Auch konzipierte sie eine „Heimatstube“, gleichsam ein Mini-Museum zur Bettinger Schmelze, die unser Verein im Restaurant „Heidi“ einrichten konnte, aber wieder abbauen musste, weil der nachfolgende Betreiber dafür kein Verständnis aufbrachte. Nun hat die Heimatstube ihr Domizil in der Bettinger Mühle gefunden. In den letzten Jahren konnten wir die Gemeinde und den örtlichen Saarwaldverein bei der Konzeption von Kulturwanderwegen beraten: so beim „Hüttersdorfer Rötelweg“ und bei dem „Bach- und Burrenpfad“ im Hüttersdorfer Wald. Am Ende dieses Rückblickes über das 25jährige Vereinsgeschehen möchte ich danken: zunächst allen Vorstandsmitgliedern, die engagiert die Geschichtsarbeit im Verein geleistet haben; unseren Mitgliedern, die unserem Verein die Treue gehalten haben; den vielen Sponsoren, die unsere Publikationen finanziell unterstützt haben; der Gemeinde und anderen staatlichen Stellen, auch der Arbeitsverwaltung, auf deren Hilfe wir bauen konnten; den Schmelzer Vereinen und den historischen Nachbarvereinen, mit denen wir kooperieren durften, den Schmelzer Banken und Kreditinstituten und den örtlichen Verkaufsstellen, die unsere Publikationen anboten, dem Faber Verlag, der von Anfang an die Schmelzer Heimatblätter kostenfrei in das Nachrichtenblatt einrückte; schließlich der Nalbacher Druckerei, die fast 25 Jahre die meisten unserer Publikationen betreut hat. Ganz am Ende des Vortrags indes sollte ein Ausblick, ein Blick in die Zukunft stehen. Sie erinnern sich an die Anfangsbehauptung: Geschichte als Zukunftswissenschaft? Unser Verein hat 100 Mitglieder und ist dank der ruhigen Finanzhand unseres Schatzmeisters Emil Petry finanziell konsolidiert. Der Elan der Gründerjahre unseres Vereins hat sich zwar deutlich abgeschwächt, aber in drei sehr rührigen Arbeitsgemeinschaften wird weiter Geschichtsarbeit vorangetrieben: Wir bereiten schon das 25. Schmelzer Heimatheft, ein Jubiläumsheft, vor, zudem dazu einen Registerband, der alle erschienenen Hefte erschließen soll. Emil Petry will die bestehenden Häuserchroniken durch eine Bettinger und eine Außener Häuserchronik ergänzen. Aber wir müssen auch jüngere Mitarbeiter an den Verein heranführen. Die strukturelle Überalterung, wie die Soziologen sagen, gilt indes für fast alle Geschichtsvereine im Land, sollte aber nicht Anlass für endlose Klage sein. Seit längerem führt die Erweiterte Realschule Schmelz, die „Kettelerschule“, in vorbildlicher Weise Schüler/innen an die Schmelzer Geschichte heran, einzelne zeitgeschichtliche Projekte sind in unseren Heimatheften vorgestellt worden. Auch daran lässt sich die Hoffnung knüpfen, dass die Geschichtsarbeit in Schmelz, ob im Verein oder in der Schule, weitergeht. Denn diese Geschichtsarbeit, die letztlich der „Aufklärung“ unserer Gesellschaft verpflichtet ist, sollte und wird wohl immer Bestandteil unserer Gemeinde- und Geschichtskultur sein, auch noch bis zum nächsten Jubiläum.