Saarland

2015

Buchvorstellung 27. Schmelzer Heimatheft

Gelungene Buchvorstellung. Gut hundert Gäste kamen am Sonntag dem 08. November 2015 in den Sitzungssaal des Schmelzer Rathauses, um der Buchvorstellung des neuen 27. Schmelzer Heimatheftes beizuwohnen. Die Zuhörer der Matinee, von Herrman Gelszinus von der Musikschule Schmelz mit Gitarrenmusik umrahmt, lauschen der Rede von Prof. Dr. Roland Merten, der als echter Außener Bub, mit Witz, Redegewandheit in Außener Platt und Hochdeutsch mit vielen Anekdoten das Publikum in den Bann zog. Von besonderem Reiz war, dass der Referent, heute Lehrstuhlinhaber für Sozialpädagogik am Institut für Erziehungswissenschaften an der Friedrich-Schiller Universität in Jena, in seiner Rede einen weiten Bogen zwischen seinen eigenen Kinder- und Jugendtagen zwischen Benert und Borremauer in Außen und der kleinen und großen Weltgeschichte spannte, was ihm auch als Staatssekretär a.D. im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport in Thüringen, sichtlich Freude bereitete. Der von Reiner Quinten und Emil Petry im 27. Schmelzer Heimatheft publizierte 2. Teil der Häuserchronik von Außen bildete für Prof. Dr. Merten, der schon über 30 Jahre nicht mehr in Schmelz wohnt, die ideale Vorlage, über die Kultur und die Bewohner zwischen Borremauer und Benert seiner Jugendtage zu reflektieren. Auch wenn der Schwerpunkt des Redners, bedingt durch den persönlichen Bezug zum Ort, eindeutig auf Außen lag, wurden die weiteren zehn Beiträge im 27. Schmelzer Heimatheft, summarisch dem Publikum vorgestellt. So beginnt das Heft mit dem Nachruf auf Willi Marxen, einem Gründungsmitglied des Historischen Vereins und einer Aufstellung seines literarischen Nachlasses durch Dr. Johannes Schmitt. Die Veröffentlichung eines Manuskripts aus der Zeit des 1. Weltkrieges informiert über die Geschehnisse in Dorf im Bohnental die Dr. Johannes Schmitt als 2. Teil der Serie „Die lieben Feldgrauen“ – der den 1. Weltkrieg im Spiegel Schmelzer Schulchronik zusammengestellt hat. Dem Themenschwerpunkt 1. Weltkrieg folgend, berichten Josef Lenhof und Christa Rohnert über die Gefallenen aus Michelbach. Dabei wurden Sterbebücher der Pfarrei Nunkirchen, Standesamtunterlagen, aber auch private Quellen genutzt. Elmar Schmitt schreibt im 2. Teil seiner Reihe „Splitter“ – Beiträge zum 1. Weltkrieg in Hüttersdorf über das Kriegerdenkmal. Ebenso skizziert er mit Hilfe von Postkartenbildchen die Illusionen, auf denen der Kontrast zwischen „heiler Familienwelt“ und „Kriegs-Realität“ während des 1. Weltkriegs zum Ausdruck kommt. Mit Feldpostkarten der Jahre 1904-1920 aus der Sammlung von Erwin Jäckel wird das Schicksal mehrerer Limbacher Familien, die Söhne, Brüder, Väter oder Geliebten im Kriegsdienst hatten aufgezeigt. Im 7. Teil der Hüttersdorfer Hausnamen schreibt Elmar Schmitt über den Hausname „Hänrien“. Das älteste Taufbuch der Pfarrei Hüttersdorf, 1695 angelegt, wird für die Recherchen genutzt und die Hüttersdorfer Familien Paulus und Schreder bis hin zur Familie „Hänrien-Anna“ umfassend erforscht. Elmar Schmitt greift in einem weiteren Beitrag zwei Hüttersdorfer Volksmärchen auf und stellt den historischen Kontext zu der Märchenerzählerin Elisabeth Trouvain geb. Birk aus Buprich her. Das Jubiläum der 25. Schmelzer Wanderwoche des Saarwaldvereins Schmelz ist Gegenstand des Beitrages von Dr. Eric Glansdorp der über die Entstehungsgeschichte der Wanderwoche berichtet. Ebenso stellt der Autor die neue Schmelzer Kultur-Wanderkarte vor, die anlässlich der Schmelzer Wanderwoche gemeinsam mit der Gemeinde, dem Historischen Verein Schmelz und dem Saarwaldverein Schmelz erschien.
Die Vorsitzende Dr. Edith Glansdorp bedankte sich bei allen Autoren für ihr Engagement für die Heimatgeschichte, dem Referenten für seine spannende Rede, allen die mit zur gelungenen Veranstaltung beigetragen haben und Bürgermeister Armin Emanuel als Hausherr für die Bereitstellung des Saales. Das mit 236 Seiten bisher umfangreichte Schmelzer Heimatheft ist vollständig in Farbe gedruckt. Es fand im Anschluss an die Buchvorstellung bei den Zuhörern zum Preis von 10,00 € bereits reißenden Absatz.

Das 27. Schmelzer Heimatheft kann ab sofort in den Verkaufstellen der Volksbanken und Sparkassen der Gemeinde Schmelz, dem Schreibwahrenhandel Merten & Kott in Hüttersdorf sowie Hesedenz in Limbach, dem Buchhandel Anne Treib in Lebach und der Bücherhütte in Wadern sowie im Zeitschriftenshop im Kaufland Schmelz zum Preis von 10,00 € erworben werden. 

2014

Am Sonntag dem 02.11.2014 fand im voll besetzten Sitzungssaal des Schmelzer Rathauses die Buchvorstellung des vom Historischen Verein Schmelz e.V. zum 26. Male herausgegebenen Schmelzer Heimatheftes statt. Zu Klavierklängen der beiden Schülerinnen der Musikschule Schmelz, Bianka Hinsberger und Franziska Scholl, begrüßte die Vereinsvorsitzende Dr. Edith Glansdorp die zahlreichen Gäste und den Referenten.
Dr. Lars Schweizer, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, war es eine Ehre in seiner Heimatgemeinde, als gebürtiger Außener, die sechs Beiträge des 26. Schmelzer Heimatheftes vorzustellen. Dabei kam das Thema des ersten Aufsatzes dem Referenten sehr gelegen. Die beiden Autoren Reiner Quinten und Emil Petry haben auf 100 Seiten den ersten von drei Teilen der Außener Häuserchronik publiziert. Detailreich recherchiert stellen sie die Geschichte der Häuser und ihrer Bewohner zwischen Robert-Koch-Straße und Marienstraße zusammen. Neben Daten und Namen der Bewohner erfährt man so manche Anekdote und passendes Bildmaterial ist den Häusern zur Seite gestellt. Im zweiten Aufsatz führt Dr. Johannes Schmitt die Aufzeichnungen aus den Schulchroniken der Orte Außen, Bettingen, Hüttersdorf, Michelbach und Primsweiler der Kriegsjahre von 1914-1918 auf, die die Ereignisse aus Sicht der Lehrer schildern. Ebenfalls zum Thema 1. Weltkrieg schreibt Elmar Schmitt im dritten Aufsatz über Einzelschicksale Hüttersdorfer Gefallener und deren Familien. Briefe und Fotos eröffnen dem Leser Einblicke in die Kriegsrealität. Edgar Schwer schildert im vierten Aufsatz die Lebenswege der beiden jüdischen Familien Marx, die bis 1922 ein Geschäft in Bettingen betrieben. Gesprächen mit den Nachkommen der Familien und Dokumente sind in den Aufsatz eingeflossen. Im fünften Beitrag haben die Autorinnen Karin Scheid, Hilde Herrmann, Hanni Glansdorp und Annely Lauer ihre Kindheitserinnerung an die Geschäftswelt der 1950er und 60er Jahre in Bettingen zusammenzutragen. Kartierungen, Fotos und Anzeigen illustrieren, wie vielseitig das Ortsbild und das Warenangebot damals war. Ergänzt wird der Aufsatz durch einen Mundarttext von Erwin Scheid (+) der auf amüsante Weise Bettingen und seine Geschäfte eben aus dieser Zeit beschreibt. Den Abschluss des 26. Schmelzer Heimatheftes bildet ein Beitrag von Dr. Eric Glansdorp zur Geschichte des Bienenzuchtvereins 1908 Limbach-Bohnental mit einer Darstellung der historischen Imkerei bis hin zu aktuellen Herausforderungen der Imker.
Das 26. Schmelzer Heimatheft umfasst 208 Seiten und kostet zehn Euro.
Das Heft ist sowohl in den Filialen der Volksbank und Kreissparkasse der Gemeinde Schmelz als auch in folgenden Buchhandlungen, Zeitschriften- und Schreibwarengeschäften erhältlich: Schmelz: Merten und Kott; Limbach: Hesedenz; Hüttersdorf: Merten und Kott; Lebach: Treib; Wadern: Bücherhütte.

2013

Buchvorstellung 25. Schmelzer Heimatheft 2013

Am Sonntag den 10.11.2013 wurde das 25. Schmelzer Heimatheft im Sitzungssaal des Rathauses der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach Begrüßung der zahlreichen Gäste durch die Vereinsvorsitzende Dr. Edith Glansdorp stellte der Bürgermeister der Gemeinde Schmelz Armin Emanuel die Aufsätze der Autoren des Jubiläumsbandes in einem Referat vor.
Auf 136 Seiten spannen die sieben Autoren einen weiten Bogen an unterschiedlichsten Themen zur Heimatgeschichte aus den Orten Dorf im Bohnental, Limbach, Schmelz, Hüttersdorf und Primsweiler. Im ersten Beitrag regt Werner Oster mit seinen Federzeichnungen und Texten an, sich die turbulenten Ereignisse der Jahre 1722-1750 in Hüttersdorf/Buprich vorzustellen und über die „Republicaner an der Prims“ nachzudenken. Die Serie zu alten Hüttersdorfer Hausnamen von Elmar Schmitt ergründet die Geschichte der Bewohner des „Bongerts“ Hauses, dessen Ursprung der Autor mit einem nassauischen Untertan Namens Johann Bungert in Verbindung bringt. Es folgt ein Aufsatz von Dr. Johannes Schmitt, der die Ortsgeschichte von Primsweiler, anlässlich der 700 Jahrfeier des Ortes 2013, von den Anfängen bis heute beschreibt. Die wechselvolle Geschichte der Besitzverhältnisse der Bewohner des „Metzengut“ in Dorf im Bohnental schildert Alois Johann in vierten Aufsatz. Dass Geschichte hautnah im Experiment erlebbar ist, geht aus dem Beitrag von Dr. Eric Glansdorp zum Rennofen-Bau und dem Eisenschmelzversuch auf dem Renges im Sommer 2013 hervor. Die 2011 in den Schmelzer Heimatheften begonnene Serie mit „Scholerbiller“ aus der Gemeinde setzen Erwin Jäckel und Dr. Edith Glansdorp für den Ort Limbach fort. Den Abschluss bildet ein Rückblick auf die Vereinsaktivitäten im Rahmen des 25-jährigen Vereinsjubiläums des Historischen Vereins Schmelz e.V. zusammengestellt von Dr. Eric Glansdorp.
Der Textbeitrag zur Buchvorstellung von Armin Emanuel erfolgt in einer der nächsten Ausgaben des Nachrichtenblatts. Musikalisch umrahmt wurde die Buchvorstellung von durch den Gitaristen Hermann Gelszinus von der Musikschule Schmelz.

Vorstellung des 25. Schmelzer Heimatheftes

Am 10. Nov. um 10:30 Uhr wird das 25. Schmelzer Heimatheft im großen Sitzungssaal des Schmelzer Rathauses vorgestellt. Hierzu sie alle Geschichtsfreunde herzlich eingeladen.

Rennofenbau

Vom 22.-28.7.2013 wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Marc Birringer aus Schmelz der zweite Schmelzer Rennofen im Rahmen eines öffentlichen Versuches auf dem Renges gebaut und tatsächlich auch Eisen geschmolzen. Der Historische Verein stellte mit Infotafeln den Bezug zur Schmelzer Geschichte des Eisenschmelzen her.

Buchvorstellung "Vor- und frühgeschichtliche Spuren im mittleren Primstal"

Am 23.6. 2013 wurde das Archäologiebuch von Edith und Eric Glansdorp mit Informationen zu 15 Jahren archäologischer Ausstellungen im mittleren Primstal im Heimatmuseum Neipel vorgestellt. Es hat einen Schwerpunkt auf den Ausgrabungsaktivitäten im Schmelzer Raum, die in den 90er Jahren auch vom historischen Verein Schmelz unterstützt wurden.

Buchvorstellung "Die Republicaner an der Prims"

Untersuchungen zur Reichsherrschaft Hüttersdorf-Buprich im 18. Jahrhundert

Am 25.4.2013 wurde wiederum ins Kulturhaus in Hüttersdorf eingeladen. Dr. Johannes Schmitt stellte sein umfangreiches Sammelwerk mit Aufsätzen zur Schmelzer Geschichte des 18. Jahrhunderts vor, das im Universitätsverlag "universaar" erschien. Über den Inhalt des Buches referierte Elmar Schmitt und passende Illustrationen zu den Höhepunkten des Streites zwischen den Hüttersdorfern und Buprichern und der Obrigkeit von Werner Oster wurden projiziert. Als eine Theaterfassung wurde der Protestbrief des Grundherren bezüglich eines Aufstandes der Bauern ihm gegenüber von Hans Huth und dem Verfasser vorgeführt.

2012

Buchvorstellung: 24. Schmelzer Heimatheft 2012 am 10.11.2012 im Kulturhaus in Schmelz-Hüttersdorf

(von Edith Glansdorp)

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe heute die ehrenwerte Aufgabe ihnen das 24. Schmelzer Heimatheft vorstellen zu dürfen. 24 Heimathefte bedeuten 25 Jahre Arbeit des Historischen Vereins Schmelz e.V.

Aus diesem Grunde widmet sich der Autor des ersten Heftbeitrages, Dr. Johannes Schmitt, als erster Vorsitzender des Vereins dem Thema: Geschichte und Heimat im Primstal. Sein Aufsatz hat, wie könnte es anders sein, die Genese und Idee des Historischen Vereins Schmelz zum Inhalt, der heute hier sein 25-jähriges Bestehen feiert. Beim Aufsatz handelt es sich eben um die Rede, die wir heute im Anschluss an diese Buchvorstellung vom Autor selbst hören werden. Doch sei mir gestattet, einige Aspekte seiner Rede für Sie, werte Zuhörer, zu reflektieren. Zwei Begriffe, Geschichte und Heimat, liegen dem Autor am Herzen, die er in ihrer Aussagekraft analysiert und in den chronologischen Ablauf der Ereignisse stellt. Geschichte ist Zukunft, lautet verkürzt die Formel im ersten Abschnitt der Rede und erörtert, warum die Kenntnis um die Geschichte, das Vergangene, so wichtig und spannend ist.

Ist sie, die Geschichte, doch der Schlüssel zum Verständnis des Aktuellen und die Basis für zukünftiges, aus Erfahrungen aufbauendes Handeln. Der zweite Teil der Ausführungen beschäftigt sich mit ‚Heimat’. Was hat es mit diesem Begriff auf sich? Wie wurde er durch die Zeiten hinweg verstanden? Welche verschiedenen Interpretationen dieses Begriffs gibt es? Warum ist er sowohl positiv als auch negativ besetzt? Erklärungen finden sich, wohl beschrieben und mit Beispielen verknüpft, im Aufsatz von Dr. Johannes Schmitt. Aus der Entwicklungsgeschichte des Begriffes Heimat bis zum ersten Heimat-Heft des Historischen Vereins Schmelz bedarf es nur noch eines kleinen, aber nicht zu unterschätzenden Schrittes, der sich am 04. Juni 1987 mit der Gründung des Vereins vollzog. Der weite Weg von 25 Jahren Heimatforschung im Primstal bildet mit Namen, Aktivitäten und Fotos aus der Vereinsgeschichte den dritten Teil seines Aufsatzes.   

Der zweite Aufsatz ist, stellen wir die Verbindung zum ersten her, Geschichte in Kleinformat. Werner Oster beschreibt in seinem Aufsatz - Anfänge des Skifahrens in Hüttersdorf - Heimatgeschichte in Ich-Form. Er nimmt den Leser mit in seine Welt, deren Zentrum Hüttersdorf in der Mitte des 20. Jh. ist. Was er tut und was sich daraus ergibt ist zunächst für ihn einmalig, doch ist es kein Einzelfall, sondern es ist die Genese einer neuen Zeit, die unter dem Stichwort Massentourismus Eingang in die Geschichtsbücher findet. Es ist ein spannendes Phänomen, das er beschreibt, als Kind, 1938 geboren, das in den Jahren nach Kriegsende seine Pionierphase hat. Alles ist Inspiration, keiner weiß, wohin die Reise geht. Kopfschütten bei den Eltern und sonstigen Erwachsenen. Das Kind lebt in der Neugier des Tuns. Bretter mit gebogenen Spitzen wecken sein Interesse, Geschichten von Soldaten im Schnee von Norwegen tun den Rest. Experimentieren ist angesagt und im Winter 1952 ist es soweit, andere Kinder sehen dem Beginn einer neuen Trendsportart zu, ohne sich dessen bewusst zu sein. Werner Osters Aufsatz ist eine Detailaufnahme, die in exzellenter Form beschreibt, was nicht nur in Hüttersdorf die Nachkriegsjugend antreibt, zunächst die Welt für sich, dann mit Freunden, später mit der eigenen Familie und schließlich mit dem Verein zu entdecken. Der Aufsatz informiert von den ersten Skiern in Hüttersdorf bis zum Vereinsleben des Orts eigenen Skiclubs. Thematische Zeichnungen aus der Feder des Autors und zahlreiche Anekdoten aus seiner Skifahrerzeit runden den Bericht ab.

Der dritte Beitrag des 24. Schmelzer Heimatheftes ist eine Kooperation des vorgenannten Autors Werner Oster und Elmar Schmitt. 14 Historische Skizzen zu Hüttersdorf, Buprich und Primsweiler aus der Feder von Werner Oster illustrieren seine Erinnerungen an Gebäude, Einrichtungen oder Begebenheiten, die der Künstler mit einer persönlichen Bildunterschrift kommentiert. Die Tatsache, dass ein Bild mehr sagt als tausend Worte ist wohl bekannt, so dass die Bilder dem interessierten Betrachter vieles an Informationen liefern. Doch wer kennt das Problem nicht, Daten, Fakten, Ortsbezeichnungen liefern Bilder nicht. Diese werden in den Kurzbeiträgen zu den Zeichnungen von Elmar Schmitt dem Betrachter mitgeteilt, so dass aus der Kombination von Erinnerungsskizzen und historischen Fakten - Heimatgeschichte wird. So erfährt man z.B. in Wort und Bild vom Russengrab in der Heide, der Synagoge von Hüttersdorf oder vom Badespaß an der Primsbrücke. Eine Zeichnung z.B. erinnert an das heute nicht mehr vorhandene Ehrenmal der, bei einer Schlagwetterexplosion 1930 verunglückten, acht Hüttersdorfer Bergleute, zu dem der Zeichner Werner Oster schreibt, dass er „ehrfürchtige Bewunderung empfand“, da er „als fünfzehnjähriger Malerlehrling die eingemeißelten Beschriftungen nachmalen durfte“.     

Der vierte Beitrag greift ein Thema auf, das uns alle täglich beschäftigt. Die Rede ist vom Einkauf, dem organisieren von Gütern des täglichen Gebrauches. Versorgung im vergangenen Jahrhundert, so lautet die Aufsatzüberschrift. Hier unternimmt der Autor Elmar Schmitt eine Beschreibung des Ist-Zustandes und zeigt am Beispiel von Hüttersdorf-Buprich die Entwicklungsgeschichte der Geschäftswelt des 20. Jh. auf. Dabei wird die Selbstversorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln im eigenen Garten und Feld beschrieben. Der Beginn einzelner so genannter Kolonialwaren-Geschäfte, nebst Aufzeichnung ihrer Verkaufsgüter wird aufgezeigt, die Dorf-Welt im Tante-Emma-Laden um die Ecke wieder lebendig. Gravierende Brüche in der Versorgung, die mit den Kriegsereignissen in Verbindung stehen, werden thematisiert. Der Autor beschreibt mit der Bildung von Allgemeinen Saarländischen Konsumgesellschaften (ASKO) den Sprung in die Moderne und die Zeit nach der wirtschaftlichen Angliederung des Saarlandes an die Bundesrepublik Deutschland am 5. Juli 1959, als Kühlschränke und alles mit Stecker den Siegeszug begannen. Das Kaufverhalten der immer stärker motorisierten Dorfbevölkerung führt schließlich zum Supermarkt auf der grünen Wiese. Elmar Schmitts spannende Dorf-Geschichte, steht exemplarisch für die regionalgeschichtliche Entwicklung zur Konsumgesellschaft unserer Tage. Der Beitrag ist mit zahlreichen historischen Fotos von Hüttersdorfer Geschäftshäusern und einer mehrere Seiten fassenden Liste der Geschäfte, ihrer Besitzer und der zum Verkauf angebotenen Waren ausgestattet. Auf zwei Aspekte seines Aufsatzes möchte ich kurz eingehen, so auf die Nennung von Eigennamen der „Geschäftspersonen“ wie z.B. „Biwi Kättchin“; „Appels Johann“, „Schmittchin Anna“, „Grimm Berta“ oder „Limnads Pitt“, die in der Dorfgemeinschaft immer mehr in Vergessenheit geraten. Dabei enthalten sie für die Dorfgeschichte oft wertvolle Detailinformationen über Herkunft, familiärer Verbindungen oder Besonderheiten. Ein zweiter Aspekt, den Elmar Schmitt mehrfach aufgreift, ist das sich Erinnern an vergangene Dinge, die man kaufen konnte und die er beschreibt. Ein Ausdruck soll Beispielhaft für die Geschichte stehen und gleichzeitig auf ein Problem aufmerksam machen, das bei jüngeren Lesern häufig auftritt: Beispiel – „Kleckere-Wasser“. Ruft dieser Begriff bei der Generation über 65 Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend hervor, so kann die Generation +- 40 sich nur noch vereinzelt an den Gebrauch dieses Wortes aus dem Munde der Oma/Opa erinnern, wenn man Limonade zu trinken bekam. Aber der Begriff „Kleckere-Wasser“ ist für alle Personen unter 30 völlig unverständlich. Hier bewirkt das Original einen wahren Aha-Effekt, Neugier und Verständnis bei der jungen Generation, wenn im Dialog am Objekt die Funktionsweise begreiflich gemacht und Erinnerungen erzählt werden können. In diesem Zusammenhang sei auf die didaktische Bedeutung von musealen Einrichtungen hingewiesen, die als Asservatenkammern der Vergangenheit Beweisstücke vorhalten, um Erinnerungen und Geschichte für die jüngere Generation lebendig zu halten.                       

Der fünfte und letzte Beitrag, ebenfalls von Elmar Schmitt, hat Bettingen und Außen in alten Ansichten zum Thema. Hier sind es 13 historische Fotos denen der Autor erklärende Texte zur Seite stellt, die es dem Betrachter der Bilder ermöglichen, sich in die Darstellungen einzudenken. Hier ist Kopfarbeit gefragt. Die Fotos, zusammen mit dem Text fordern den Betrachter zum Abgleich mit der heutigen Ansicht von Bettingen oder Außen auf und führen so den massiven Wandel der Orte, das Aussehen der Heimat dem Betrachter vor Augen.  

Abschließend sei den Autoren des 24. Schmelzer Heimatheftes herzlich für Ihren Einsatz für die Heimatgeschichte gedankt. Ihnen werte Zuhörer kann ich das neue Schmelzer Heimatheft zum Lesen wärmstens Empfehlen, das auf 120 Seiten, in fünf Aufsätzen mit insgesamt 66 Abbildungen, wieder einmal, ein Stück spannende Heimatgeschichte für Sie bereit hält. 

Doch bevor ich das Wort weitergebe, möchte ich Sie mit einem kleinen Wortspiel

auf eine besondere Leistung aufmerksam machen, die eben nicht selbstverständlich ist. Denn, welche Mühen und Anstrengungen es bedarf, eine Publikation anzufertigen, kann nur abschätzen, wer sich selbst einmal diesem Prozess unterzogen hat.

 

Texte schreiben – recherchieren – richtig zitieren,

Druckfahne hin – Druckfahne her,

hier fehlt noch was und – was bedeutet das.

Da muss noch was...

Es ist in Druck – wie lange dauert’s noch?

Reicht es bis zur Buchvorstellung?

Wie sieht es aus – das neue Buch?

Man schaut hinein – oh nein,

das kann nicht sein – das hab ich nicht gesehen.

Ein Tippfehler noch... was soll’s es ist vollbracht.

Es ist zum Lesen – es teilt sich mit.

Dann steht’s im Schank – oft viele Jahre

bis man sich erinnert – da war doch was,

da gibt’s doch einen Aufsatz.

Toll – das ist’s – den brach ich jetzt,

da steht es ja geschrieben.

Ein Glück, dass vor vielen Jahren sich einer all die Müh gemacht,

sonst gäb’s zum Thema – Nix.

So geht Geschichte!

 

So möchte ich, stellvertretend für alle Autoren der 24 Schmelzer Heimathefte, dem ersten Vorsitzenden des Historischen Vereins Schmelz Dr. Johannes Schmitt für seine 25-jährige, mühevolle Redaktionsarbeit und außergewöhnlichen Engagements, die zum Entstehen der Schmelzer Heimathefte notwendig waren ganz, ganz herzlich Danken.

2010

Vortrag des Historischen Vereins für die Saargegend

Frauen vor Gericht – Zur gesellschaftlichen Situation von Frauen im Dorf des 18. Jahrhunderts in der Saarregion

Termin: Donnerstag, 4. November 2010, 19.30 Uhr

Ort: VHS Lebach, Dillinger Str. 67, 66822 Lebach

Mitveranstalter: VHS Lebach, Historische Vereine Lebach u. Schmelz

Referent: Dr. Johannes Schmitt, Präsident des LHV

In diesem Vortrag werden exemplarisch die Gerichtsakten der Reichsherrschaft Hüttersdorf/Buprich aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgewertet, um die Situation von Frauen in einer Dorfgesellschaft an der Saar in der Zeit vor der Französischen Revolution zu skizzieren und zu beschreiben. Dabei werden auch weitgehend wirtschaftliche, soziale und kulturelle Aspekte berücksichtigt.

Vorstellung des 22. Schmelzer Heimatheftes

Der Historische Verein Schmelz hat in diesem Herbst sein 22. Schmelzer Heimatheft fertig gestellt.

Es enthält Beiträge von Johannes Schmitt zum Hüttersdorf/Bupricher Hochgericht im 18. Jahrhundert, von Elmar Schmitt zu dem Hüttersdorfer Hausnamen „Appels“ und von Andreas Haan zur Marienkapelle „Auf dem Renges“. Das Heft umfasst ca. 120 Seiten.

Am Sonntag, dem 21. November 2009, möchten wir diese Publikation um 10.30 Uhr  im Sitzungssaal des Rathauses im Rahmen einer Matinee der Öffentlichkeit übergeben.

Herr Dr. Eric Glansdorp stellt die Beiträge des Heimatheftes in einem Referat vor.

Musikerzieher und Schüler/innen der Musikschule Schmelz umrahmen die Matinee musikalisch.

Zu dieser Matinee mit anschließendem Umtrunk möchten wir die gesamte Bevölkerung, insbesondere alle unsere Mitglieder herzlich einladen.

2009

Der Historische Verein Schmelz hat in diesem Herbst sein 21. Schmelzer Heimatheft fertig gestellt. Es enthält Beiträge von Johannes Naumann zur Kapelle in Außen, von Willi Marxen zum Dreißigjährigen Krieg, von Niko Leiß und Johannes Naumann zum Anwesen Marktstraße 24 in Bettingen, von Elmar Schmitt zu dem Hüttersdorfer Hausnamen „Hanspitten“, von Katja Frank und Dr. Johannes Schmitt zu dem „Bupricher Rötelweg“ und schließlich ein Beitrag der Erweiterten Realschule Schmelz zu den Lebenserinnerungen von Ruth Salomon. Das Heft umfasst 104 Seiten und ist zum Preise von 10 Euro in den Schmelzer Buchhandlungen und Kreditinstituten sowie beim Historischen Verein Schmelz, Volksbank Schmelz, Trierer Str., erhältlich.

Rede des Leiters des Saarländischen Landesarchivs, Dr. Ludwig Linsmayer, anlässlich der Vorstellung des 21. Schmelzer Heimatheftes

Luwig Linsmayer

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, lieber Johannes Schmitt, meine sehr geehrten Damen und Herren,

der 21. Band der Schmelzer Heimathefte liegt druckfrisch vor und wird heute morgen von uns der Öffentlichkeit übergeben. Ich freue mich sehr darüber, dass mir die Ehre zuteil wurde, die einzelnen Beiträge vorzustellen und den Band zusammenfassend zu würdigen.

Bevor ich dies tue, gestatten Sie mir, dass ich kurz an die Anfänge erinnere. Das erste Schmelzer Heimatheft wurde 1989 publiziert, zu einer Zeit, als überall in Deutschland Geschichtswerkstätten entstanden, historische Museen aus der Taufe gehoben wurden und an den Universitäten um die sogenannte „Regionalgeschichte“ als damals neue Forschungsperspektive spannende Diskussionen geführt wurden. Es gab einen Geschichtsboom, der vor allem auch von vielen jüngeren Menschen getragen wurde, die das Motto „Grabe, wo Du stehst!“ zu ihrem Leitmotiv wählten. Intendiert war, die jeweilige Wirklichkeit vor Ort als etwas Gewordenes zu begreifen und nach ihren historischen Wurzeln zu suchen – oder, wie Johannes Schmitt vor 20 Jahren im Vorwort des 1. Bandes der Schmelzer Heimathefte schrieb: „Geschichte nicht um ihrer selbst willen zu erforschen, sondern von der Gegenwart, von Gegenwartsfragen und -problemen ausgehend, in die Vergangenheit hineinleuchten, um in diesem Sinne historisch aufzuklären.“

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

wenn wir heute, zwei Jahrzehnte später, eine Zwischenbilanz ziehen, dann dürfen wir, glaube ich, einerseits feststellen, dass dieses Programm kaum etwas von seiner Gültigkeit verloren hat. Auf der anderen Seite müssen wir aber ebenso konstatieren: Ein bewegendes Thema, das die Studenten umtreibt, ist die Regional- oder Landesgeschichte heute längst nicht mehr; die führenden Köpfe in den Geschichtswerkstätten und historischen Vereinen schauen zunehmend betagter aus; die Erklärungskraft der Geschichte ist in einer Zeit rapider globaler Veränderungen geschwunden, zumindest wird sie deutlich weniger von der Politik nachgefragt oder in Anspruch genommen. Gesamtgesellschaftlich betrachtet, ist die Dynamik, die einst von den „grass-root-historians“ und ihrer Bewegung ausging, heute spürbar erlahmt. Landesgeschichte ist nicht mehr „in“, sie wird vielfach nur noch als kulturelles Ornament und nicht mehr als aufklärerischer Impuls zur Kenntnis genommen.

Es ist nicht einfach, meine Damen und Herren, sich einem solchen Trend zu widersetzen: Kritisch bleiben, wenn Folklore angesagt ist, stets von neuem an etwas zu erinnern, das in Vergessenheit zu geraten droht, für die Geschichte eine Lanze zu brechen, wenn das Interesse daran zurückgeht. Es sind immer nur wenige Initiativen, die Kurs halten, und eine von diesen Initiativen, die es hier im  Landesmaßstab gibt, sind die Schmelzer Heimathefte.

21 Jahre Schmelzer Heimathefte – das heißt 21 Jahre dasselbe Programm, derselbe Anspruch und ein gleichbleibendes Niveau. Ich möchte deshalb die heutige Gelegenheit nutzen, um den Schriftleiter der Schmelzer Heimathefte, Herrn Dr.  Johannes Schmitt, zu dieser kontinuierlich erbrachten Leistung ausdrücklich zu beglückwünschen. Und ich schließe in diese Anerkennung bewusst auch jene Autoren mit ein, die das Format der Schmelzer Heimathefte über die Jahre hinweg geprägt haben: unter ihnen Elmar Schmitt, der heute wie bereits im 1. Band mit einem Artikel vertreten ist, aber auch Josef Even, Ewald Sturm, Cornelia Hoffmann, Willi Marxen, Edith und Eric Glansdorp und Alois Johann.

Damit komme ich zur 21. Ausgabe der Schmelzer Heimathefte, die wir heute vorstellen. Der Band ist 102 Seiten stark und beinhaltet neben dem Vorwort sieben Aufsätze. Die Reihenfolge der Beiträge ist wie immer chronologisch vorgenommen; der Leser wird eingeladen zu einem historischen Streifzug, der im Spätmittelalter im Schmelzer Ortsteil Außen beginnt und mit den Lebenserinnerungen der jüdischen Zeitzeugin Ruth Salomon endet, die ihre Kindheit zum Teil in Hüttersdorf verbrachte, bevor ihre Familie vor den Nazis fliehen musste. Eine Vielfalt von unterschiedlichen Epochen wird angesprochen – und ebenso vielfältig sind die historischen Quellen, mit denen sich die Autoren beschäftigen und aus denen sie ihre historischen Kenntnisse schöpfen. Das 21. Heft handelt von Baudenkmälern und Baugeschichte, von alten Sagenstoffen und Hausnamen, von einem kulturgeschichtlichen Wanderweg und, wie bereits erwähnt, von mündlich überlieferten Lebenserinnerungen, die im Rahmen eines Schulprojekts dokumentiert und pädagogisch aufbereitet wurden. In allen Aufsätzen ist das Bemühen spürbar, Historisches neu zu  entdecken oder zu bewahren, Geschichte als ERFAHRUNG in Wert zu setzen und dem heutigen Leser lebendig zu vermitteln.

 Vor allem was die Baugeschichte betrifft, werden wir im neuen Heft gleich mit zwei Entdeckungen bekanntgemacht. Eine davon betrifft das Gebäude Marktstraße 24 in Schmelz – ein Gebäude, das seit längerer Zeit zu verfallen drohte, aber auch architektonische Neugier weckte, weil sein fast quadratischer Grundriss und sein breit gelagerter Giebel aus den gängigen Baumustern herausfällt. Bürgermeister Armin Emanuel ließ die Bausubstanz deshalb einmal genauer unter die Lupe nehmen – und welche Überraschungen die betreffenden Untersuchungen zutage förderten, darüber berichtet uns Niko Leiß in seinem spannenden Beitrag.

Auffällig an dem Gebäude ist zunächst ein Doppelfenster, das eine Renaissance-Profilierung aufweist; dieses Gestaltungsdetail und die als stehender Stuhl ausgeführte Dachkonstruktion ließen eigentlich seine Entstehung im frühen 17. Jahrhundert vermuten. Die dendrochronologische Altersbestimmung, die anhand mehrerer Holzproben vorgenommen wurde, ergab aber dann, dass die Bauzeit erst einige Jahrzehnte später, nämlich in den Jahren 1682/83 zu datieren ist. Weil das Gebäude in seiner mehr als 300 jährigen Geschichte mehrfach umgebaut worden ist, ließen sich der ursprüngliche Standort der Treppe und die Lage des Haupteingangs nicht mehr zweifelsfrei rekonstruieren – das heißt, es blieb so manches Rätsel bestehen, das auch durch eine noch so genaue Untersuchung der baulichen Überreste nicht gelöst werden konnte.

Aber, meine Damen und Herren, es gibt ja nicht nur die dinglichen Quellen, zum Glück gibt es ja auch Archivalien. Diese müssen im Hinblick auf die äußerst zersplitterte Territorial-Geschichte und Überlieferungslage in unserem Raum freilich erst einmal gefunden werden – und so tat die Gemeinde Schmelz sicher gut daran, den ausgewiesenen Landeshistoriker Johannes Naumann mit einer entsprechenden Recherche zu betrauen. Naumann begab sich auf Quellensuche nach Koblenz ins Landeshauptarchiv, nach Speyer und Saarbrücken in die beiden Landesarchive und nicht zuletzt nach Metz, ins dortige Archiv departementale, wo er einen aufschlussreichen Fund machte.

Die Entstehungszeit unseres Gebäudes fällt, wie bereits erwähnt, in die 1680er Jahre und damit in die französische Reunionszeit, in jene Zeit, in der die Festungsstadt Saarlouis erbaut wurde und überall im lothringischen Raum Landstraßen instandgesetzt und Brücken wieder hergerichtet wurden, was mit der Erhebung von Straßen- und Brückenzöllen einherging. Auch in Bettingen wurde damals eine feste Brücke über die Prims gebaut – und Johannes Naumann ist nun im Metzer Archiv auf einen Vertrag aus dem Jahr 1689 gestoßen, der die Verpachtung des Brückenzolles an der Landstraße zwischen Außen und Bettingen nahe der besagten Primsbrücke regelt. Wo Zölle erhoben werden, musste es auch eine Zollstation geben – zumeist mit einer Amtsstube, einem separaten Wohnbereich für Familie und Gesinde des Steuereinnehmers sowie einer kleinen Gaststätte zur Verpflegung und Bewirtung der Reisenden. In Anbetracht seiner Größe und seines Grundrisses könnte das heutige Gebäude Marktstraße 24 gut  den baulichen Anforderungen an eine solche Zollstation entsprochen haben, zumal auch erhaltene Details wie das bereits erwähnte Renaissancefenster auf einen repräsentativen, herrschaftlichen Bau schließen lassen. Auf einer Karte von 1710, die Johannes Naumann in Koblenz aufgespürt hat, können wir sehr gut die Primsbrücke und ein einzelnes Gebäude daneben erkennen, während die übrigen Häuser sich um die Kirche gruppieren.

Sie sehen, meine Damen und Herren, Bauforschung und Archivforschung greifen nahtlos ineinander, fördern gemeinsam neue Erkenntnisse zutage – und wenn es überhaupt einer Kritik an Niko Leiß und Johannes Naumann bedarf, dann höchstens derjenigen, dass beide Autoren sich nicht zusammen getan und einen gemeinsamen Aufsatz verfasst haben, der ihre komplementäre Spurensuche für den Leser noch besser nachvollziehbar gemacht und unnötige Dopplungen vermieden hätte.

Das einstige Zollhaus ist übrigens nicht lange Zollhaus geblieben. Bereits 15 Jahre nach seiner Erbauung kam es zum Frieden von Rijswijk und zur Wiederherstellung Lothringens, zum Wegfall der Brückenzölle und damit zu einer Entfunktionalisierung des Gebäudes. Zugleich wissen wir aus einer Reihe von Baufunden, dass das Gebäude in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts massiv umgestaltet und in sechs gleich große Parzellen unterteilt wurde. Die daraus entstandenen Wohnungen waren zwar gerade mal dreieinhalb Meter breit, erstreckten sich aber alle über zwei Etagen und boten – gemessen am zeitgenössischen Standard – genügend Platz für den Wohnbedarf einer Familie. Vermutlich sind in das Gebäude damals einige jener Hüttenarbeiter der ersten Generation eingezogen, die durch das Aufkommen der Schmelz seit 1715 in die Gegend zuwanderten. Johannes Naumann ist bei seinen Recherchen auf einen Nachbarschaftskonflikt in Bettingen aus dem Jahr 1738 gestoßen, der in den Gerichtsprotokollen des Amtes Schaumberg, der damaligen lothringischen Landesherrschaft, seinen Niederschlag fand. Berichtet wird von gegenseitigen Handgreiflichkeiten und Beleidigungen in einem Anwesen unweit des Primsüberganges, das über zwei Geschosse und einen Dachraum verfügte und in dem mindestens 5 Parteien lebten. Die Vermutung, dass es sich hier um das Haus Marktstraße 24 handelt, ist zwar nicht zweifelsfrei gesichert, dank der untersuchten Bauhistorie und der archivalischen Funde aber in hohem Maße wahrscheinlich und evident.

 Meine sehr geehrten Damen und Herren,

bemerkenswert an den beiden Artikeln von Leiß und Naumann ist nicht nur die Forschungsleistung an sich, sondern auch der kommunale Kontext, dem sie sich verdanken. Dass ein altes verfallendes Gebäude nicht einfach abgerissen wird, dass zur Klärung seiner Baugeschichte nicht nur ein Baugutachten, sondern auch eine Archivrecherche in Auftrag gegeben wird – und dass es am Ende saniert und einer bevorzugten öffentlichen Nutzung zugeführt werden soll –, das nenne ich einen verantwortungsvollen und zukunftsweisenden Umgang mit der historischen Bausubstanz! Wie sie alle wissen, sind wir mit Bau- und Bodendenkmälern in unserer Region ja nicht gerade überreich gesegnet – und deshalb ist es umso wichtiger, dass wir das Wenige, das wir haben, schützen, achten und identifikationsfördernd verwerten.

 Das ist hier geschehen – und das gilt genauso für einen zweiten Fall, nämlich für die einstige Kapelle zu Außen, von der heute bekanntlich nur noch der Turm steht, der in den Jahren 2006 und 2007 restauriert wurde und danach erneut zu einer Andachtsstätte geworden ist. Johannes Naumann hat auch dazu im vorliegenden Heft einen eigenen Beitrag verfasst, der die Geschichte der Kapelle in ihren verschiedenen Phasen nachzeichnet und sie in das nicht immer leicht zu durchschauende kirchengeschichtliche Ganze unseres Raumes einordnet. Immerhin datieren die Anfänge der Kapelle – auch dies eine überraschende Entdeckung – aus dem späten 14. Jahrhundert, und so ist die Gemeinde Schmelz dafür zu beglückwünschen und dem Autor Johannes Naumann beizupflichten, wenn er seine Ausführungen mit dem befriedigten Fazit beschließt, dass es durch die Restaurierung gelungen sei, „den Erhalt eines wichtigen Relikts ländlicher Sakralarchitektur des Spätmittelalters“ zu sichern.

 Damit, meine Damen und Herren, komme ich bereits zum nächsten Beitrag, der einen alten Hüttersdorfer Hausnamen zum Thema hat. Es handelt sich hier, wenn Sie so wollen, um eine Fortsetzungsgeschichte, denn der Autor, Elmar Schmitt, hat schon in den Schmelzer Heften Nr. 19 und Nr. 20 über zwei andere Hausnamen und das, was sie über die lokale Geschichte erzählen können, berichtet.

Die Wendung, dass Hausnamen Geschichte erzählen, wird in diesem Saal sicher wohl verstanden – und trotzdem ist es vielleicht angebracht, den Gehalt dieser Metaphorik präziser zu fassen: Für sich genommen, sagen die Hausnamen nämlich noch gar nichts. Man muss sie erst zum Sprechen bringen, ihre verschiedenen Verwendungszusammenhänge aufdecken und in den historischen Ablauf einordnen, mit anderen Worten jede Menge Quellenforschung betreiben und dabei, manchmal genussvoll, manchmal mühsam einen Puzzlestein zum anderen fügen.

Der Hausname, um den es dieses Mal geht, ist „Hans-Pitten“ bzw. „Hans-Pitten-Haus“. Der Namensgeber, Johann-Peter Müller, lebte zwischen 1660 und 1736 und gehörte, „zweifelsohne zu einer der führenden Familien, die nach dem 30jährigen Krieg für unsere beiden Dörfer Hüttersdorf und Buprich außerordentlich wichtig waren und die es verdienen, dass man sich ihrer erinnert und staunend ihren Mut, Charakter und gemeinnützigen Sinn bewundert.“ Ich bin sicher, Peter Blickle, der bis 1980 an der Saarbrücker Universität Frühe Neuzeit gelehrt hat und neuerdings wieder als Honorarprofessor an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt ist, würden diese Sätze, sollte er sie lesen, sehr freuen. Blickles Kommunalismus-These würdigt die Vertreter des Dritten Standes bekanntlich nicht nur als Untertanen, sondern als Wegbereiter demokratischer und freiheitlicher Tugenden – und ich habe den Eindruck gewonnen, das verbindet ihn mit so manchem Autor der Schmelzer Heimathefte, nicht nur mit Elmar Schmitt, sondern z. B. auch mit dessen Namensvetter Johannes.

Doch zurück zum Namen „Hanspittenhaus“. Elmar Schmitt machte eine Beobachtung, die ihn auf eine interessante Fährte führte: Derselbe Johann-Peter-Müller, der dem Hanspittenhaus später den Namen gab, wird seinerseits in einer später erstellten  Kirchenschöffenliste von 1781 als „Johann Peter Müller von Hydersdorf aus Mayers Haus“ benannt. Die Zusatzangabe aus „Maiers Haus“ findet sich auch bereits bei einigen seiner Vorfahren, so dass von einer langen Maier-Tradition der Familie auszugehen ist, als deren frühester Vertreter der Ur- Ur- Ur-Großvater des Johann Peter Müller Adam Schmecker vom Autor ausgemacht wird. Adam Schmecker ist 1480 geboren, er wird in verschiedenen Quellen als „der alte Maier“ bezeichnet und betrieb vermutlich eine Mühle. Sein Sohn Hans erscheint in den Quellen deshalb nicht nur als „Schmeckers Hans“, sondern bereits als „Müllers Hans“, und in der nächsten Generation wurde daraus „Müller Hansens Sohn Peter“. Der Name „Schmecker“ verwandelte sich mit der Zeit somit in den Namen „Müller“, und da die Müllers über Generationen die Funktion des Maiers ausübten, wurde ihr angestammter Wohnsitz zu „Maiers Haus“. Das ist sozusagen die eine Seite einer verwickelten Namensgeschichte. Zu klären bleibt die andere Frage, wie aus dem Haus an der Ecke Bettingerstraße/Primsstraße, das lange Zeit als „Maiers Haus“ firmierte, letztendlich das „Hanspittenhaus“ wurde – und die Vermutung liegt natürlich nah, dass dies dem damaligen Hochgerichtsmaier Johann Peter Müller selbst zuzuschreiben ist, der durch seine Taten im Hüttersdorfer Dorfleben lange nachwirkte und gleichsam zu einer historischen Figur wurde.

Die Geschichte, die diesem Nimbus zugrunde liegt, ist aus den Schmelzer Heimatheften bereits länger bekannt und sei hier deshalb nur noch stichwortartig rekapituliert: Seit 1716 schwelt ein sich zuspitzender Fischerei- und Jagdkonflikt zwischen den Gemeinden Hüttersdorf und Buprich einerseits und den Vögten von Hunolstein und den Herren von Hagen andererseits. Es kommt zu Verboten, dagegen gerichtete Petitionen, Beschimpfungen, Amtsenthebungen, zu einem Prozess vor dem Reichskammergericht in Wetzlar, zu öffentlichen Ungehorsamsbezeugungen und Tätlichkeiten. Johann Peter bzw.  Hanspitt Müller steht als Hofgerichtsmaier im Mittelpunkt des Konflikts, sitzt 9 Monate im Ottweiler Gefängnis ein, bleibt aber auch danach unbeugsam, um die althergebrachten Rechte der Gemeinde gegenüber der Herrschaft zu verteidigen. Der Konflikt prägt sich tief im kollektiven Gedächtnis der Gemeinde ein; aus dem Maiers Haus wird das „Hanspittenhaus“, und es behält diesen Namen auch noch 100 oder 200 Jahre später, als es längst von ganz anderen Familien bewohnt wird. Doch wer immer im Hanspittenhaus lebte, wurde auch im 19. Jahrhundert zum Beispiel als „Hanspitten-Amei“ oder „Hanspitten-Josef“ von den übrigen Dorfbewohnern benannt. So verschmelzen im Namen „Hanspittenhaus“ unterschiedliche Schicksale und Traditionen, die von Elmar Schmitt nicht nur dokumentarisch belegt, sondern erzählerisch nachempfunden werden. Am Ende seines Beitrags konstatiert der Autor einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem allmählichen Verschwinden der alten Hausnamen und dem Absterben der familiären Erzähltradition, die im heutigen Medienzeitalter kaum noch eine Chance hat. Vielleicht liegt in diesem Zusammenhang auch eine wichtige Motivation des Autors für sein Schreiben. Für mich jedenfalls ist Elmar Schmitts Beitrag nicht nur bloße Namensforschung oder historische Dokumentation; er ist eine Art Rettungsversuch, das historische Erzählen mit all seinen subjektiven, assoziativen und gemeinschaftsstiftenden Momenten in einer Zeit der chats und blogs, der sms und mails  für einen begrenzten Leserkreis lebendig zu erhalten.

 Auch im fünften Beitrag, den wir Willi Marxen verdanken, geht es um einen Hausnamen und vor allem um das historische Erzählen. Wie Sie alle wissen, ist Buprich der älteste Teil der heutigen Verbandsgemeinde Schmelz. Buprich entstand bereits in der Ära der Kelten, ist in der Römerzeit unter dem Namen Boudobriga belegt, wurde im Dreißigjährigen Krieg dann aber vorübergehend zur Wüstung. Verantwortlich dafür war die Pest, die das Dorf mitten im Dreißigjährigen Krieg 1635/36 heimsuchte und an deren Schrecken heute noch das so genannte Pestkreuz in der Ortsmitte erinnert. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf langsam wieder aufgebaut – und einer über viele Generationen im Volksmund überlieferten Sage zufolge war es das einstige „Lauxenhaus“ am Fuße des heutigen „Bielenberges“, in dem zuerst neues Leben erwachte. Der Name „Laux“ ist aus einer Abgabenliste von 1635 tatsächlich historisch belegt, taucht später freilich nicht mehr auf, dafür hat sich jedoch der Hausname „Lauxen“ über die Jahrhunderte hinweg gehalten und wird heute noch mit den nachkommenden Bewohnern des Hauses in Verbindung gebracht.

Ich will hier nicht die Sage im einzelnen nacherzählen von dem jungen Mädchen, das als einzige die Pest überlebte, von einem vorbei reitenden Landsknecht gerettet und in sein Heereslager mitgenommen wurde, um am Ende mit ihm vermählt in das verlassene Dorf zurückzukehren und Buprich von neuem zu bevölkern. Interessant ist vielmehr, dass Willi Marxen uns die Sage gleich in zweifacher Form präsentiert: Zunächst gibt er sie so wieder, wie sie heute noch im Gedächtnis älterer Einwohner verankert ist. Gleich im Anschluss druckt er eine ältere Nachdichtung der Sage aus der Feder von Maria Croon ab, die in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Hüttersdorf, Schmelz-Außen und Primsweiler lebte. Maria Croon publizierte ihre Nachdichtung am 1. August 1931 in der katholischen Saarbrücker Landeszeitung unter dem Titel „Der Landsknecht Johannes und sein Eheweib Susanne gründen das neue Buprich“. Ihr Text ist literarisch elaboriert und voller Ausschmückungen, bleibt aber ziemlich genau am inhaltlichen Plot der Sage orientiert. Wer gerne liest oder vorliest und zwischen Dichtung und Wahrheit zu unterscheiden weiß, der mag den Text als eine Art literarisches Denkmal würdigen, das an einen entscheidenden Wendepunkt der Geschichte Buprichs erinnert. Ich vermute, dieser Gedanke hat Willi Marxen bewogen, nochmals auf die Sagendichtung hinzuweisen, die einst recht populär war, in der Gegenwart aber nur noch den wenigsten bekannt sein dürfte.

Historisch interessant an Maria Croons Text ist aber noch etwas anderes, meine Damen und Herren. Der Text ist nämlich nicht nur eine historische Nacherzählung mit den Mitteln der Fiktion, er ist selbst ein Stück Geschichte. Er ist aufgeladen mit dem Zeitgeist der 1920er Jahre, der durch die sogenannte Heimatbewegung und ein völkisches Kulturverständnis geprägt war. Ich zitiere eine Stelle aus dem Anfang des Textes von Maria Croon, wo es heißt:

„Ich sah einmal einen baumdicken Efeustamm, sicher ein halbes Jahrtausend alt, an einer verwitterten Burgruine. Er stand zwischen Geröll und Gestrüpp an der zerklüfteten Mauer, die alt und grau war wie der Stamm selbst. Aber das Gewächs hatte sich aufwärts gerankt bis zur höchsten Spitze des trotzigen Turmes, und ein paar luftige, zartgrüne Blättchen, die Triebe des letzten Frühlings, wippten von ihrer hohen Warte und schauten mitten hinein in das moderne Getriebe des Tales. Zwischen der Wurzel bis zu diesem letzten Efeublättchen liegen Jahrhunderte, und doch saugt das jungfrische Grün seine Kraft aus dem knorrigen Gerank tief unten in der Erde.“

Meine sehr verehrten Damen und Herren, dieser kurze Abschnitt enthält in nuce ein Stück der populären Geschichtsphilosophie der 1920er Jahre. Aus dem Text spricht die Überzeugung, dass jede Gegenwart ihre Kraft notwendig aus der Geschichte bezieht und dass es derselbe Platz, derselbe Raum ist, an dem Gegenwart und Vergangenheit zu einer Einheit verschmelzen. Wie Sie wissen, ist dieses Gedankengut später durch die Nationalsozialisten missbraucht und zu einer kriegerisch ausgerichteten Blut- und Bodenmystik pervertiert worden. Frei von Vorurteilen waren aber auch die 1920er Jahre nicht, die damaligen Zeitgenossen wie Maria Croon betrachteten historische Zusammenhänge als etwas, das man wie die Natur beschreiben kann – ein Geschichtsbild, in dem Kategorien wie Freiheit, Aneignung, Widerspruch und Kritik überhaupt keine Rolle spielten. Zur Ehrenrettung der Zeitgenossen darf man andererseits aber sagen, dass Ihnen selbstverständlich war, was heute erst wieder von neuem gesellschaftlich gelernt werden muss: Dass Zukunft nur im Wissen um die eigene Herkunft möglich ist – und die Geschichte eine Macht ist, die uns prägt, auch wenn uns dies selbst gar nicht immer so bewusst sein mag.

Sagendichtungen wie die Bupricher Erzählung von Maria Croon, aber auch zum Beispiel die beliebten historischen Festumzüge waren vor 100 Jahren im Übrigen nicht nur Unterhaltung, sondern wichtige Medien der historischen Bildung und Erziehung. Heute hat sich diese Formensprache längst verbraucht, historische Bildung wird bekanntlich zumeist über große Ausstellungen und Fernsehdokumentationen transportiert, in vielen Fällen wird Geschichte von jung und alt neuerdings aber auch einfach erwandert. Damit, meine Damen und Herren, ist die Überleitung hergestellt zum nächsten Beitrag des Hefts, zur Dokumentation über den Bupricher Rötelweg, die gemeinsam von Katja Frank und Johannes Schmitt erstellt wurde.

Das Konzept, Geschichte am historischen Ort selbst kennenzulernen und zu vermitteln, wird in Schmelz schon recht lange verfolgt. 1991 bis 1994 wurden mehrere historische Lehrpfade entworfen, die der keltischen, römischen, mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Epoche und ihren jeweiligen historischen Stätten gewidmet waren. Wenige Jahre später gesellte sich dazu ein zeitgeschichtlicher Lehrpfad, der von Cornelia Hoffmann erarbeitet und in den Nummern 10 und 11 der Schmelzer Heimathefte publiziert wurde. Nun also ein industriegeschichtlicher Rundwanderweg, der sich von den vorangegangenen Lehrpfaden wohl vor allem dadurch unterscheidet, dass mit ihm nicht in erster Linie Schüler, sondern kulturell interessierte Wanderliebhaber angesprochen werden sollen. Kulturgeschichtliche Rundwanderwege haben von der Idee her einen zweifachen Sinn: Sie bedeuten einerseits eine kulturelle Bereicherung des Wanderns und stellen andererseits eine neue Form der historischen Aneignung durch den einzelnen dar. Das freut den passionierten Wanderer ebenso wie den Historiker – und so nimmt es nicht wunder, dass der Bupricher Rötelweg als Gemeinschaftsproduktion des Schmelzer Saarwaldvereins und des Historischen Vereins Schmelz zustande gekommen ist.

Ob der Weg auch wirklich attraktiv ist, von den Wanderern angenommen und von vielen begangen wird, darüber entscheiden letztendlich viele Faktoren:  Unerlässlich sind eine schöne Landschaft und vernünftige Wegführung, wichtig ist aber ebenso, dass das Programm vielseitig und abwechslungsreich ist, dass die aufgeführten Informationen gut erfassbar und nicht überladen sind, dass optische und visuelle Reize nicht zu kurz kommen und die Übersichtlichkeit des Ganzen gewahrt bleibt. Bei der Konzeption des Bupricher Rötelwegs scheint in diesen Punkten vieles richtig gemacht worden zu sein. Bereits ein kurzer Blick über das in der Dokumentation abgedruckte Bildmaterial vermittelt den Eindruck, dass hier der Grundsatz, Geschichte zu visualisieren und optisch ansprechend zu vermitteln, mit hohem Arbeitsaufwand verwirklicht wurde. Dazu zählen verschiedene Stollenpläne, die von Katja Frank eigens für den Rundwanderweg in vereinfachter Form nachgezeichnet wurden, dazu zählen informative schematische Darstellungen zum Beispiel der Höhenprofile und der Wiesenbewässerung, und dazu gehört ein gut ausgewähltes Karten- und Bildmaterial. Die Texte zum Rötelabbau sind wohltuend knapp gehalten, zeigen aber deutlich auf, wie alt der Rötelhandel in der Gegend ist, wie der Abbau im 19. Jahrhundert intensiviert wurde und wie groß die Produktpalette war, die vom Rötel profitierte. Der Rötelweg trägt seinen Namen also zurecht; er hat aber noch mehr zu bieten,  um bei den Wanderern, die ihn begehen, historische Neugier  zu erwecken. Es war eine gute Entscheidung, dass die Planer des Rundwanderweges das Buch der Geschichte überall dort aufschlagen, wo in der Örtlichkeit entsprechende Ansatzpunkte gegeben sind. So erhalten die Wanderer unterschiedlichste historische Informationen zu dem römischen Gräberfeld, das an ihrer Wegstrecke liegt, zum Standort der alten Klausenmühle, zur Architektur des südwestdeutschen Quereinhauses, zu den Sandsteinbrüchen am Kleeberg oder auch zu den Westwallbunkern, von denen sich noch Reste unter dem Erdreich befinden. Das in den frühen 1930er Jahren veranstaltete Autorennen „Rund um das Höchst“ gerät ebenso in den Fokus wie ein Militärlager der französischen Besatzungsmacht nach dem 2. Weltkrieg, von dem nur die Barackenfundamente erhalten sind. Natürlich wissen wir, dass nicht alle diese historischen Mosaiksteine für jeden, der an ihnen vorbeikommt, gleichermaßen interessant sind. Insgesamt dürfte sich beim Erwandern des Weges aber eine vielgestaltige Vergangenheit erschließen, die hier versteckt liegt, das Bewusstsein eines gewissen historischen Reichtums geweckt werden, ein Gefühl für Wandel und Vergänglichkeit, das auch die Gegenwart in einem neuen Licht erscheinen lässt.

 Es ist nicht leicht, meine Damen und Herren, den Bogen vom Rötelweg zu unserem letzten Beitrag zu spannen, denn dieser handelt von Ausgrenzung und Gewalt, von Flucht und Vertreibung. Es geht um die Lebenserinnerungen der jüdischen Mitbürgerin Ruth Salomon, die im Rahmen eines Unterrichtsprojekts der Schmelzer Kettelerschule als Video auf DVD aufgezeichnet und verschriftet wurden. Der Beitrag enthält neben größeren Passagen des insgesamt vierstündigen Interviews auch einige Anmerkungen zur schulischen Projektarbeit und zu den Reaktionen der Schülerinnen und Schüler. Natürlich gibt es keinen wirksameren Geschichtsunterricht, als wenn die Schüler selbst zu forschenden Historikern werden, Zeitzeugen befragen und aus den Ergebnissen dieser Gespräche ein für sie authentisches Geschichtsbild gewinnen. Der Vergleich der Interviewaussagen mit anderen Informationsquellen schärft zudem das Bewusstsein für die Komplexität historischen Geschehens, das viele Fragen aufwirft und sich jeder Art von interpretatorischen Schnellschüssen verweigert. So sinnvoll solche Schülerprojekte sind, so anstrengend sind sie auch, und es ist der Schulleitung anerkennend zu danken, dass im letzten Jahr bereits das dritte Projekt dieser Art durchgeführt und dokumentiert wurde. Ebenso erwähnenswert erscheint mir die Tatsache, dass die Schüler sich auf Vorarbeiten stützen konnten, die 1990 und 1993 von Elmar und Oswald Schmitt in den Schmelzer Heimatheften publiziert wurden – hier gibt es also wichtige Synergieeffekte, es wird nicht nur geforscht, sondern auch rezipiert – und das ist ja die Grundvoraussetzung dafür, dass in vielen Köpfen gleichzeitig so etwas wie ein lokales Geschichtsbewusstsein entstehen und gefestigt werden kann.

Die Lebenserinnerungen der Ruth Salomon, die im Zentrum des Beitrag stehen, sind aus vielen Gründen lesenswert. Wir erfahren daraus zum Beispiel, dass die an der Saar lebenden Juden bereits 1933 und 1934 symbolisch ausgegrenzt und drangsaliert wurden, lange bevor der formelle Anschluss des Saargebiets an das Dritte Reich erfolgte. Obwohl die Familie ihre saarländische Heimat liebte, zeichnete sich 1935 schnell ab, dass es keine Alternative zur Emigration gab, die die Familie zunächst nach Luxemburg und später nach Frankreich führte. Als 12jährige lebte Ruth Salomon allein in einer Pariser Familie; ihre Eltern wollten, dass sie möglichst gut Französisch lernte, um im Fall der Fälle nicht als Deutsche erkannt zu werden. Ihr erster Französischlehrer war der etwa gleichaltrige Sohn der Pariser Gastfamilie, sein Name war Alfred Grosser, der in den 1950er Jahren Geschichtsprofessor an der Sorbonne wurde und sich wie kaum ein anderer Historiker um die deutsch-französischen Beziehungen verdient gemacht hat. Als 16jährige wurde Ruth Salomon Mitglied der Organisation Oeuvre de Secours aux Enfants, brachte jüdische Flüchtlingskinder an die französisch-schweizerische Grenze und entkam nur knapp den Häschern der deutschen Wehrmacht und der Miliz des Vichy-Regimes. Nach dem Krieg gehörte Ruth Salomon zu den wenigen jüdischen Mitbürgern, die in unseren Raum zurückkehrten und dort wieder sesshaft wurden, sie lebt heute in Saarbrücken, und, wie das Interview zeigt, erinnert sie sich noch gut an ihre frühen Kindheitstage, von denen sie viele glückliche hier in Hüttersdorf verbrachte.

 Damit, meine Damen und Herren, bin ich am Ende meiner Ausführungen angelangt. Ich hoffe, es ist mir gelungen, Ihnen etwas Lust auf die neue Ausgabe der Schmelzer Heimathefte zu machen, die ich mit großem Gewinn gelesen habe. Und ich wünsche den Schmelzer Heimatheften, dass ihr Schriftleiter und die Autorengruppe, die sie trägt, noch lange bei der Stange bleiben und vielleicht auch der eine oder andere junge Autor oder Autorin dafür gewonnen werden kann. Geschichtsbewusstsein braucht Kontinuität, gerade in einer kulturellen Umbruchzeit wie der heutigen. Wir alle müssen das Fähnlein der Heimat- und Landesgeschichte weiter hochhalten, denn sie ist notwendig und sie wird, dessen bin ich mir sicher, auch innerhalb der Universität und der breiten Öffentlichkeit wieder bessere Tage erleben.