Dramatischer Dreikönigstag
Jacopo Bassano im Museum Theulegium
Jacopo Bassano war ein Maler, der in seinen religiösen und mythologischen Bildern oft Begebenheiten aus dem ländlichen Alltagsleben seiner Zeit darstellte. Bauern und Hirten, aber auch Tiere und Landschaften spielen in seiner Kunst eine große Rolle. In klassischer Weise ist dies auf dem Gemälde „Die Anbetung der heiligen drei Könige“ zu sehen, das im Advent als besondere Kostbarkeit im Tholeyer Historischen Museum „Theulegium“ gezeigt wird. Ein saarländisches Sammler-Ehepaar, dem das Werk gehört, stellte es für diesen Zweck zur Verfügung. Den Saarländern bietet sich so eine einmalige Gelegenheit, ein bedeutendes Werk der italienischen Renaissance im Original kennen zu lernen und unter der Anleitung von Experten zu studieren.
Jacopo Bassano, ein Zeitgenosse Michelangelos und Pieter Breughels, lebte von etwa 1510 bis 1592 in der norditalienischen Stadt Bassano del Grappa, nördlich von Venedig. Nach ihr wurde er Bassano genannt; eigentlich hieß er Jacopo da Ponte. In seiner Künstler-Werkstatt arbeiteten auch seine vier Söhne, von denen der älteste, Francesco, genannt il Giovane (der Jüngere), womöglich an dem Gemälde „Die Anbetung der heiligen drei Könige“ mitgewirkt hat.
Die Kunst der Bassanos, die sich an venzianischen Meistern wie Tintoretto und Tizian schulten, ist geprägt durch satte Farben und gewagte Lichteffekte. Jacopo Bassano malte in seinem Spätwerk oft auch nächtliche Szenen. Mit einer solchen haben wir es bei der „Anbe-tung der heiligen drei Könige“ zu tun. Im dramatischen Wechsel zwischen Hell und Dunkel entfaltet sich vor den Augen des Betrachters der Zug der prachtvoll gekleideten Weisen aus dem Morgenland, die sich ehrfurchtsvoll mit kostbaren Geschenken der Muttergottes und dem Jesuskind nähern. Lebensnah, als Reisende in einer turbulenten Situation, sind ihre Diener porträtiert, die sich mit den mitgebrachten Gerätschaften herumplagen und von mehreren Hunden sowie einem Pferd, einem Esel und einem Äffchen begleitet werden. Im Hintergrund erkennt man eine bergige Landschaft und eine Stadtmauer, die Heilige Familie hat in einem alten Stall vor der Stadt Zuflucht gefunden. Volkstümliche Anschaulichkeit verbindet sich mit dem tiefen Sinngehalt einer Konfiguration, die zum Kernbestand der christlichen Überlieferung zählt.
Jacopo Bassano und seine Söhne waren schon zu Lebzeiten gefragte Künstler, viele Werke sind in Bassano del Grappa und Umgebung erhalten. Ihr Ruhm indes reicht weit über die Heimat hinaus. So hängen ihre Bilder auch in den Museen von Cambridge, Edinburgh, Kopenhagen, Stockholm, Budapest, Wien und München. Und jetzt für einige Monate lang auch in Tholey.
Die „Anbetung der heiligen drei Könige“ hatten vor Jahren Edmund Meiser und seine Ehefrau Ursula aus Illingen-Wustweiler erworben, die es jetzt dem Museum „Theulegium“ zur Verfügung stellten. „Wir schätzen uns glücklich, dass wir durch diese großzügige Geste in unserem Museum ein so außerordentliches Kunstwerk vorstellen können“, erklärte dazu Walter John, der Vorsitzende des Historischen Vereins für die Erforschung des Schaumberger Landes, der das Museum betreut. „Mit seiner starken Aussagekraft erreicht dieses Bild jeden Menschen, ob er kunsthistorisch vorgebildet ist oder nicht.“
