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Anselm Franz von Ingelheim (1679–1695)

Anselm Franz von Ingelheim[Bild: Public Domain]

Unter den kurzen Regierungszeiten der Erzbischöfe seit 1673 litt das Kurfürstentum erheblichen Schaden. Nicht nur die finanzielle Situation hat sich bei einer Neuwahl durch die jeweils zu entrichtenden Gebühren sehr verschlechtert, auch eine kontinuierliche politische und geistliche Führung fehlte dem Erzstift. Anselm Franz von Ingelheim sollte diese Mängel beheben.

Außenpolitisch stellte der französische König auch in den folgenden Jahren eine Gefahr für Kurmainz dar. Seine Reunionspolitik zielte darauf, dass ihm, auch über den Friedensvertrag hinaus, Territorien im Reich zugestanden werden müssten, die in irgendeiner Weise zuvor in einem französischen Lehnsverhältnis gestanden hatten. Der Kaiser konnte sich nicht als Schutzherr verbürgen, da seine Kräfte durch die Türkenkriege gebunden waren. Daher musste sich das Erzstift durch eine Bündnispolitik Sicherheiten schaffen. Diese konnte allerdings vor einem Einmarsch der französischen Truppen nach Mainz im Herbst 1688 nicht schützen. Erst nach einem Jahr wurde die Stadt vom Reichsheer wieder zurückerobert. Einer Kapitulation ging allerdings erst eine Belagerung mit schwerwiegenden Bombenhagel und großen Verwüstungen voraus.

Neben den vielen Neuerungen im innerkirchlichen Bereich sticht eine Anordnung gerade in Bezug auf die Jugend hervor. Der Kurfürst genehmigte 1682 Schulstatuten, welche für ihre Zeit recht fortschrittlich waren. Unter anderem sahen sie einen Schulbesuch der sechs- bis zwölfjährigen auch in den Wintermonaten vor.

Ein Gichtleiden verhinderte allerdings ab 1690 zunehmend ein energisches Eingreifen in die kirchlichen Belange des Erzstiftes oder gar in die Reichspolitik. Zwar fand der Erzbischof noch die Kraft die Königskrönung von Joseph I. und Elenore Magdalena durchzuführen, sowie sich 1692 für die Errichtung der neuen Kurwürde für Hannover auszusprechen, doch zog er sich immer mehr auf seine Residenz in Aschaffenburg zurück, wo er am 30. März 1695 verstarb.

Obwohl schon seit der Amtszeit von Kurfürst Johann Philipp von Schönborn ein Verbot der Hexenprozesse existierte, kam es unter Franz von Ingelheim zu den letzten Prozessen. Neben Breitenbach gab es im Eichsfeld auch in Worbis Prozesse. In letztgenanntem Ort wurden um 1682 zwei Frauen der Hexerei für schuldig empfunden und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Auch in Alzenau kam es in dieser Zeit zu Beschuldigungen - eine Frau soll dort ihr Kind im Namen des Teufels getauft haben. Doch muss man diese Prozesse als Einzelfälle betrachten. Die Zeit der großen Hexenverfolgungen und des Hexenwahns war vorbei.

Nachweise

Verfasser: Silvia Keiser