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Glossar: Buchstabe J

Jahr und Tag

Rechtsbegriff

Im Mittelalter ursprünglich (besonders gerichtliche) Frist von einem Jahr und einem Tag, später von einem Jahr und sechs Wochen, indem man die Zeit zwischen zwei echten Dingen hinzurechnete oder von einem Jahr, sechs Wochen und drei Tagen, unter Hinzurechnung der Dauer des Dings. Die Wochen und Tage werden auch als Sachsenfrist, das ganze daher als Sachsenjahr bezeichnet.

Jesuiten

Kirchenorden

Der Jesuitenorden, die "Gesellschaft Jesu", lateinisch "Societas Jesu", entstand in Paris aus einer Gruppe von sechs jungen Leuten um Ignatius von Loyola. Auf dem Montmatre in Paris hatten sie sich 1534 unter dem Gelübde der Armut und der Keuschheit zusammengetan. Ursprünglich war es Loyolas Ziel, durch die Gründung einer Ordensgemeinschaft eine Pilgerreise nach Palästina durchzuführen, um die Muslime zu bekehren. Dieses Projekt erwies sich jedoch aufgrund des Ausbruchs des Krieges mit den Ottomanen als undurchführbar.

Von Anfang an strebten die Jesuiten danach, dem Papst direkt untertan zu sein. Schon 1540 wurde die Gemeinschaft von Papst Paul III. als Orden anerkannt und die Erlaubnis erteilt, Missionsreisen in seinem Auftrag übernehmen. Das Leitmotiv des Ordens lautet: "Ad majorem Dei gloriam", "zum höheren Ruhme Gottes". Sein Anliegen ist, durch Predigt den Glauben zu verbreiten und alle Erfordernisse der Kirche zu erfüllen. Der Gehorsam spielt eine wichtige Rolle, er wird nur eingeschränkt durch das persönliche Gewissen.

Der Orden entwickelte sich rasch, seine Mitglieder übernahmen führende Positionen in der Gegenreformation. Sie gründeten Schulen und Kollegien in ganz Europa, wo sie 150 Jahre lang im Unterrichtswesen führend waren. Im Jahre 1640 besaß der Orden europaweit über 500 Kollegien, ein Jahrhundert später war ihre Zahl auf 650 angestiegen. Daneben unterstanden dem Orden 24 Universitäten und 200 Seminare und Ausbildungshäuser für Jesuiten. Die Ausbildung hatte in der Zeit der Gegenreformation zum Ziel, den Katholizismus gegen die Ausbreitung des Protestantismus zu stärken. In der Laienausbildung legten die Jesuiten hauptsächlich Wert auf die Unterweisung des Adels und der Reichen als den führenden Köpfen eines Landes.

Die strenge und solide Ausbildung macht den Jesuitenorden zu einem sehr effektiven Verband. Daher stand der Orden immer auch im Mittelpunkt antikirchlicher Polemik und innerkirchlich-theologischer Auseinandersetzungen. Seine Ergebenheit gegenüber dem Papst brachte ihm die Gegnerschaft nationalistischer Staatsmänner und Herrscher ein. Auf der anderen Seite erregte das eifrige Bestreben nach Kirchenreformen den Unmut der Kleriker in der katholischen Kirche.

Immer wieder wurde der Orden in manchen Ländern verboten, so heute noch bis 1973 in der Schweiz, oder es wurden Ordensmitglieder ausgewiesen. 1773 war der Orden auf innerkirchlichen und politischen Druck vom Papst wieder aufgelöst worden. In Preußen verbot Friedrich II., in Russland die Zarin Katharina die Durchführung der Auflösung und befahlen die Weiterarbeit. 1814 wurde der Orden durch Papst Pius VII. wieder in alter Form hergestellt. Allerdings kam es auch weiterhin immer wieder zu politischem und religiösem Widerstand sowie zu Ausweisungen des Ordens.

Im Bereich der Mission gründete Franz Xaver Niederlassungen in Indien und Japan, der Orden breitete sich bis ins Innere Chinas und an die Küste Afrikas aus. Briefe der Jesuitenmissionare aus Kanada waren eine damals einzigartige Informationsquelle über die Ureinwohner des Landes. Ordensprovinzen in Lateinamerika begründeten geschlossene Siedlungen, in denen missionierte Ureinwohner lebten, die von Priestern betreut wurden. Die Organsiation des Ordens ist zentralistisch. An der Spitze steht ein auf Lebenszeit gewählter "General".

Der Orden verzichtet auf eine eigene Ordenskleidung. Die Vorbereitungszeit für die Aufnahme in den Orden ist bei den Jesuiten bedeutend länger als beim Weltpriestertum oder bei anderen Orden. Nach einem zweijährigen Noviziat, das Abgeschiedenheit und Beten erfordert, muss der Anwärter ein Gelübde zu Armut, Keuschheit und Gehorsam gegenüber der Autorität ablegen. Daraufhin verbringt er zwei Jahre mit dem Studium klassischer Disziplinen und weitere drei Jahre mit dem Studium der Philosophie, Mathematik und der Naturwissenschaften. Es folgen einige Jahre Lehrtätigkeit und dann ein dreijähriges Theologiestudium, das mit der Priesterweihe endet. Nach einem vierten Studienjahr der Theologie und einem Jahr des Gebets in Abgeschiedenheit wird dem Anwärter der Abschlussgrad verliehen. Die Ausbildungszeit der Koadjutoren, die in geistige und weltliche unterschieden werden, beträgt insgesamt zehn Jahre, während die Ausbildungszeit der Professen, die allein höchste Ämter innehaben dürfen, 17 Jahre beträgt. Die Professen legen zusätzlich fünf einfache Gelübde ab, einschließlich des Verzichts auf ein Kirchenamt außerhalb ihres Ordens, soweit dies nicht vom Orden verlangt wird.

(Quelle: www.heiligenlexikon.de)

Joachimstaler

Währungseinheit

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Münzen, Maße und Gewichte

Joch (Architektur)

Teil des Gewölbes

Gewölbefeld oder Gewölbeabschnitt. Bei romanischen und gotischen Kirchen der Raum zwischen vier im Quadrat oder im Rechteck stehenden Pfeilern, meist auch eine eigene Gewölbeeinheit. Außerdem kann Joch auch das hölzerne bzw. lederne Halsgeschirr für Rinder bedeuten.

Joch/Juchard (Maß)

Maßeinheit

Sehr altes, schon bei den Römern verwendetes Flächen- bzw. Feldmaß (lat. iugerum mit 25 Ar) entsprechend einer Ackerfläche, die man an einem Tag mit einem Joch (Gespann) Ochsen umpflügen konnte (auch Juchart, Juck, Jück oder Tagewerk). Die Größe war regional sehr unterschiedlich und schwankte stark. In Österreich wird es heute noch verwendet, hier entspricht ein Joch 5.755 m² (0,57 Hektar); ein Strich ist ein halbes Joch mit 2.744 m² und ein Metzen ist ein Drittel-Joch mit 1.918 m². Weitere Größen: Hannover mit 0,655, Oldenburg mit 0,45 bis 0,56, Schweiz mit 0,36 und Ungarn mit 0,43 Hektar. Von der Bedeutung und der Größe her ist das alte Flächenmaß Morgen recht ähnlich.

Ein Juchard umschreibt das Stück Land, dass man mit einem Doppeljoch Ochsen an einem Tag pflügen kann. In einigen Gegenden war das Juchard aber erheblich mehr als ein Tagwerk.

Johanniter

Kirchenorden

Der Johanniterorden - vollständig "Ordo militiae S. Johannis Baptistae hospitalis Hierosolimitani" - entwickelte sich aus einem vor dem ersten Kreuzzug in Jerusalem erbauten Hospital, das getragen war von einer Bruderschaft vom HI. Johannes dem Täufer, deren erster Vorsteher Frater Gerard (Gerhardus), ein Normanne, war, weshalb die Johanniter eine Zeit lang auch Hospitalier oder Hospitalsritter hießen. 1113 bestätigte Papst Paschalis II., 1153 Papst Eugen III. die Gründung des Lateinischen Königreiches von Jerusalem, die der Ordensentstehung vorausging. Aus der Bruderschaft wurde ein Orden, der sich eine Regel mit augustinischen und benediktinischen Elementen gab, diese Regeln wurden 1137 von Papst Benedikt IX. bestätigt. Die Ordensmitglieder legten die Gelübde der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams ab und gaben das Versprechen für "Tuitio Fidei et Obsequium Pauperum", "Schutz des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen", einzustehen. Herbergen mit Krankenstationen entstehen dann entlang der Pilgerwege und Kreuzfahrerrouten von Europa zum Heiligen Land.

Die Brüder gelobten Armut, Gehorsam und Keuschheit und schworen, Jerusalem gegen die Muslime zu verteidigen. Gerard, das erste Oberhaupt, erhielt den Titel eines Rektors, die späteren Führer nannte man Großmeister. Bald schon wurden die Ordensritter, die aus adligem Geschlecht stammten, bewaffnet. Neben die caritativen Aufgaben traten militärische, es kam zu einer Symbiose von Kutte und Rüstung, von Mönchtum und Rittertum. 1187 eroberte Sultan Saladin Jerusalem, die Johanniter zogen sich nach Akko zurück.

Nach der Schlacht von Akko war 1291 auch die letzte Kreuzfahrerbastion gefallen war, auch die Johanniter verließen das Heilige Land und erobert nach einem Zwischenaufenthalt auf Zypern 1309 die zu Byzanz gehörende Insel Rhodos,. Dort errichtete der Orden sein Hauptquartier, schuf einen souveränen Territorialstaat mit dem Großmeister als Oberhaupt. Eine vorbildliche medizinische Versorgung wurde eingerichtet, eine gewaltige Festung und eine mächtige Flotte aufgebaut, die Johanniter wachten mit ihren Schiffen darüber, dass Muslime nicht in den östlichen Mittelmeerraum vordrangen. 1312 gingen auch die Besitztümer der Templer auf die Johanniter über, die nun zumeist unter der Bezeichnung Rhodiner auftraten und nationale Unterabteilungen, so genannte "Zungen" bildeten.

Als der osmanische Herrscher Süleiman I., "der Prächtige", 1522 die Insel Rhodos eroberte, waren die Ritter heimatlos, bis Kaiser Karl V. sie 1530 mit der Insel Malta belehnte. Nun nannten sich diese Ordensmitglieder Malteserritter.

Seit 1153 waren auch in Deutschland die ersten Kommenden des Johanniterordens entstanden; es folgten Spitäler, u. a. in Freiburg im Breisgau, wo sich 1248 auch das spätere Großpriorat Deutschland etablierte, bis es 1505 ins benachbarten Heitersheim verlagert wurde.

Ab 1318 entstand die Balley Brandenburg mit dem späteren Sitz in Sonnenburg bei Küstrin. Durch den Vergleich von Heimbach von 1382 erhielt diese Balley innerhalb des Großpriorates weitgehende Autonomie. Um 1540 folgte die Balley dem Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg und trat zur Lehre Martin Luthers über. Trotz dieses Übertritts gehört die Balley weiterhin zum Großpriorat und damit zum Gesamtorden. Als Folge der Napoleonischen Kriege wurde 1806 das Großpriorat und 1810 durch das preußische Säkularisationsedikt auch die Balley aufgehoben. Doch 1852 kam es zur Wiedererrichtung der Balley durch König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und acht rechtmäßige Ordensritter, die noch vor der Aufhebung vom damaligen Herrenmeister den Ritterschlag erhalten hatten.

1854 bestätigt der Statthalter des Gesamtordens in Rom die "Wiedererrichtung der Balley Brandenburg des Ordens des HI. Johannes zu Jerusalem" und die Wahl des neuen, des 32. Herrenmeisters. Damit wurden für die beiden konfessionsverschiedenen Ordenszweige Ursprung und Auftrag als gemeinsame Klammer erneut deutlich. Genossenschaften der Johanniter gibt es heute in Finnland, Ungarn und in der Schweiz. Träger der diakonischen Aktivitäten des Johanniterordens in Deutschland ist die Johanniter-Unfall-Hilfe. 1998 hatte die Balley rund 3.400 Mitglieder, die in 23 Kommenden organisiert sind.

Juchard

Maßeinheit

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Münzen, Maße und Gewichte.

Jugendstil

Künstlerische Stilrichtung (etwa 1890-1914)

Eine Stilrichtung der Kunst etwa zwischen 1890 und 1914. Benannt nach der in München seit 1896 erscheinenden Zeitschrift ´Jugend´. Geometrische oder floreale Ornamentik, Einsatz edler Materialien, artifzielle Gestaltung der Oberfläche sind einige Merkmale des Jugendstiles, der in der Augsburger Synagoge eine seiner wichtigsten architektonischen Leistungen zeigt.

Der Höhepunkt des Jugendstils lag um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert Wie bei vielen anderen Kunststilen sind seine Wurzeln vielfältig. Ganz allgemein läßt sich sagen, daß in der rasanten Industrialisierung der gesellschaftliche Hintergrund zu sehen ist. Das traditionelle Handwerk verlor seine starke Stellung und mußte der billigeren und massenhaften Fertigung der modernen Industriestätten weichen. Schon früh hatte es dazu Gegenbewegungen gegeben, vor allem in England, dem Ursprungsland der industriellen Revolution. William Morris (1834-1896) und seine Bewegung Arts and Crafts (Kunst und Handwerk) werden dabei als wichtigste Vorläufer des Jugendstils angesehen. Die von Morris begründeten Werkstätten sollten in Konkurrenz zur zerstückelten Industrieproduktion hochwertiges Kunsthandwerk am Leben erhalten. Baukunst, Malerei, Plastik etc. sollten sozusagen zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen und damit gleichzeitig eine neue Kultur hervorbringen. Dieser Anspruch des Gesamtkunstwerks wird uns bei manchem Prager Architekten der Jugendstilepoche wiederbegegnen wie z.B. bei Jan Kotera. In der Folge dieser Bewegung entstanden vielerorts Kunstgewerbeschulen, darunter auch die 1885 in Prag gegründete Kunstgewerbeschule. In der Architektur hatten im Laufe des 19. Jahrhundert neue Materialien wie Stahl, Eisen und Glas rasch Verbreitung gefunden.

Die Vielfältigkeit des verwendbaren Materials ermöglichte neue Ausdrucksmöglichkeiten in Form und Farbe. Der Mitte des 19. Jahrhundert errichtete Bahnhof King's Cross Station in London und vor allem der einige Jahrzehnte später erbaute Eiffelturm waren Vorbilder, die von den Jugendstilkünstlern aufgegriffen und in ihrem Sinne umgestaltet wurden. Nicht zuletzt war es die Suche nach einer neuen Identität in einer sich rasch verändernden Welt, die dem Bestreben der Jugendstilkünstler zugrundelag. Die historisierenden Stile wie Neogotik oder Neobarock entsprachen immer weniger dem Zeitgeist vieler Künstler, die nach einer neuen, eigenständigen Ausdrucksform suchten. Nicht umsonst bürgerte sich in Frankreich dafür der Begriff Art nouveau (Neue Kunst) ein, der noch deutlicher als der Terminus Jugendstil die Aufbruchsstimmung beinhaltet. Kein Wunder, daß sich dabei rasch unterschiedliche Strömungen und Richtungen herausbildeten und unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt wurden. Wie jede Verallgemeinerung ist die folgende Charakterisierung des Jugendstils daher etwas holzschnittartig, für das Verständnis dieser Kunstrichtung reicht sie allerdings völlig aus.

Fast durchgängig ist der Versuch zu beobachten, die Natur , die in den wuchernden städtischen Ballungszentren zu verloren gehen drohte, in Kunst und Alltag zurückzubringen. Zahllose Pflanzenmotive dominieren die ornamentale Gestaltung, hinzu kommt die Darstellung vieler Tiere. Die 'Natur als Vorbild' drückt sich auch in der Formensprache aus: Geschwungene, fließende Linien wie bei vielen Pflanzen stehen im Vordergrund.

Julianischer Kalender

Römische Kalenderart

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Kalenderreform.

Jurisdiktionalbücher

Rechtsbücher

Der Ausdruck ist eine typisch mainzische und im sonstigen Mitteldeutschland wenig bekannte Bezeichnung für Verzeichnisse sämtlicher staatlicher Gerechtsame in einem Amts- oder Kellereibezirk und denen in diesen liegenden Einzelortschaften. Sie enthalten im Allgemeinen Einwohnerverzeichnisse der einzelnen Orte.