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0.Frauen an der deutschen Heimatfront

von Lisa Bindemann

„Euch aber, denen es nicht vergönnt ist, mit Blut und Leben für des Vaterlands Ehre einzutreten, bitte ich innigst nach Kräften mitzuwirken zur Linderung der Not jener Braven, welche das feindliche Geschoß oder die Beschwerden des Krieges verwunden oder siech zu Boden werden. So stellt euch denn (…) in den Dienst des Roten Kreuzes, gleich meinen Töchtern Hildegard, Helmtrude und Gundelinde.(…) Bayerns Frauen und Jungfrauen werden wie im Feldzuge 1870-71 ihre vaterländische Pflicht erfüllen, das weiß ich, denn solcher Dienst ist gottgefällig.“ [Anm. 1]

So lautete der Aufruf der bayerischen Königin Marie Therese an die bayerischen Frauen, einen Tag nach der Kriegserklärung des Deutschen Reichs an Russland. Er illustriert zunächst die Erwartungshaltung nicht nur an die bayerischen, sondern an alle deutschen Frauen bezüglich des Kriegszustandes: absolute Unterstützung. Die Form der von ihr genannten erwarteten Unterstützung, primär der in Kriegszeiten klassischen Rolle der Frau als Krankenpflegerin, und der Verweis auf den Deutsch-Französischen Krieg, zeichnen ein tradiertes und einseitiges, im Zuge der Industrialisierung des Deutschen Reichs überholtes Frauenbild.

Das Motto „Kinder, Küche, Kirche“ galt schon vor dem Ersten Weltkrieg bei weitem nicht mehr für alle deutschen Frauen. Bereits 1907 gingen 26 Prozent aller verheirateten Frauen einer Erwerbstätigkeit nach.[Anm. 2] Bedingt durch die Industrialisierung standen eine große Menge besitzloser Arbeiter und Arbeiterinnen sowie männlicher und weiblicher Angestellter und in abnehmender Zahl Bauern und Bäuerinnen der gesellschaftlichen Elite aus Adel, Militär und Unternehmern gegenüber.

Das Kaiserreich zeichnete sich durch starre Standesgrenzen mit geringer Durchlässigkeit aus. In welche Klasse man hineingeboren wurde, bestimmte in den meisten Fällen das gesamte weitere Leben. Dieser Umstand generierte viele verschiedene Frauenleben und Frauentypen, darunter etwa die Arbeiterin, die mit dem siebten Kind schwanger in einem Berliner Hinterhof wohnte, eine bayerische Bauersfrau oder die Bürgersfrau, die zahlreiche Dienstboten beschäftigte und den Haushalt in den meisten Fällen höchstens beaufsichtigte. Der Erste Weltkrieg betraf sie alle, zeichnete dieser sich doch als erster großer Krieg zwischen Industriestaaten aus, der auch die Zivilbevölkerung in sehr starkem Ausmaß mit einbezog. Die sogenannte „Heimatfront“ war daher für den siegreichen Ausgang des Krieges ebenso wichtig wie die militärische. In zunehmendem Maße wurden Wirtschaft und Gesellschaft für den Krieg mobilisiert. Ein Umstand, der dazu führte, dass niemand sich dem Krieg entziehen konnte, in erster Linie auch die Frauen nicht. Gab es daher trotz aller Klassenunterschiede „das“ deutsche Frauenschicksal im Ersten Krieg? Und stimmt Roger Chickerings Behauptung von einer Heimatfront, die „im Kriegsverlauf zu einem Ort und zugleich zu einer Metapher einer Erfahrungsgemeinschaft, die die deutschen Frauen als Frauen zusammenschloss“, wurde?[Anm. 3] Nach einem kurzen Überblick über den Status quo des Deutschen Reichs zu Kriegsbeginn 1914 und der Darstellung des „August-Erlebniss“ soll daher die Situation der dem Proletariat zugehörigen Frauen, der Frauen auf dem Land, explizit der Bäuerinnen, und den Frauen aus der bürgerlichen Oberschicht untersucht werden. Besonders interessant sind in diesem Zuge die Veränderungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Kriegszeit und der Sichtweise auf den Krieg, aber auch das Verhältnis zueinander, über die gesellschaftlichen Schranken hinweg. Geklärt werden soll, welche Berührungspunkte es gab, unter welchen Voraussetzungen diese stattfanden und gegebenenfalls, welche Konsequenzen sich daraus ergaben. Zum Schluss soll anhand der sich spätestens ab 1916 rapide verschlechternden Lebenssituation im Deutschen Reich der Zusammenbruch der Heimatfront untersucht werden. Hier soll ermittelt werden, ob die Frauen eine spezifische Rolle gespielt haben und wenn ja, welche.

Die Frage, inwieweit der Erste Weltkrieg zum Anstieg der Frauenerwerbstätigkeit und zur Emanzipation der deutschen Frauen beigetragen hat, soll im Detail nicht Gegenstand dieses Aufsatzes werden. Ute Daniel hat diese in ihren Publikationen ausführlich erörtert.[Anm. 4] Auch Abseits von Ute Daniel dominieren Werke zum Thema Frauenerwerbstätigkeit die Literatur zur Materie Frau im Ersten Weltkrieg. Besonders der Veröffentlichung von Stefan Bajohr „Die Hälfte der Fabrik. Geschichte der Frauenarbeit in Deutschland 1914 bis 1918“[Anm. 5], kann allerdings ein gewisser Hang zur Politisierung nicht abgesprochen werden, der primär in Erscheinungsort und –zeitraum begründet sein dürfte. Bezüglich der Lebensumstände bäuerlicher Frauen ist die Publikationsquote eher niedrig, dafür hat Benjamin Ziemer eine sehr ausführliche Arbeit über ländliche Kriegserfahrungen im südlichen Bayern vorgelegt, die in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ansetzt und auch noch über ihn hinausgeht.[Anm. 6] Sowohl bezüglich der Situation der bürgerlichen Frauen als auch zum Nationalen Frauenbund gibt es keine besonders erwähnenswerten Werke, obwohl in Dietmar Molthagens in „Das Ende der Bürgerlichkeit? Liverpooler und Hamburger Bürgerfamilien im Ersten Weltkrieg“[Anm. 7] unter anderem die Lebensweise der Frauen dargestellt wird. Dem hundertjährigen Gedenken zum Ersten Weltkrieg sind sicherlich die neueren Erscheinungen zur „Heimatfront“ im Ersten Weltkrieg geschuldet. Während Thomas Flemming und Bernd Ulrich[Anm. 8] mit einem knappen, wenn auch detailliert aufgeschlüsselten Überblick fast alle Gesichtspunkte der Heimatfront abdecken, wirkt Sven Daniel Kellerhoffs[Anm. 9] Darstellung etwas unstrukturiert, gewährt aber ob der vielfach zitierten Tagebucheinträge und Briefen einen interessanten Blickwinkel. Roger Chickerings Veröffentlichung „Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg“[Anm. 10] wird nahezu uneingeschränkt als Standartwerk anerkannt und bietet einen gelungenen Gesamtüberblick zum Oberthema.

0.1.Das deutsche Kaiserreich zu Beginn des Ersten Weltkrieges

Das Deutsche Reich war ‚auf dem Schlachtfeld‘[Anm. 11] geboren, ein Sachverhalt, der weitreichende Auswirkungen auf Gesellschaft und Politik generierte: Die deutsche Armee[Anm. 12] war die mächtigste der Welt, Soldaten erfuhren große Anerkennung, Generäle hatten großen Einfluss auf die Staatspolitik und militärische Tugenden waren allgemein geschätzt.[Anm. 13] Trotz der Reichsgründung 1871 zeichnete sich der erste deutsche Nationalstaat dabei durch eine tiefe innere Zersplitterung aus. Laut Verfassung war er ein Verbund von 25 Einzelstaaten, die einen Großteil ihrer jeweiligen Souveränität behielten. Preußen war mit zwei Dritteln der Landmasse des Kaiserreichs und sechzig Prozent der insgesamt 67,8 Millionen Deutschen[Anm. 14] auf seinem Gebiet lebend, dabei der ungleich mächtigste Einzelstaat, dessen König auch gleichzeitig der deutschen Kaiser war.[Anm. 15] An der Spitze des Reiches, einer scharf abgestuften Klassengesellschaft, stand noch immer der Adel, der die meisten Führungspositionen in Regierung, Militär, Diplomatie und Verwaltung besetzte. Begründet durch die rasante Industrialisierung hatte sich aus dem Wirtschaftsbürgertum ein Großbürgertum aus Unternehmern der florierenden Eisen- und Stahlindustrie gebildet. Richter, Verwaltungsbeamte, Professoren, Ärzte, Journalisten, Ingenieure und einige andere Berufsgruppen repräsentierten das Bildungsbürgertum. Wirtschafts- und Bildungsbürgertum und ihre Familienangehörigen machten um 1910 rund sechs Prozent der deutschen Bevölkerung aus. Die Mittelschicht, auch „Kleinbürgertum“ spaltete sich in den „alten“ Mittelstand – Handwerker und Kleinhändler – und den „neuen“ Mittelstand auf, zu dem die stetig wachsende Zahl von Angestellten gerechnet wurde.[Anm. 16] Das Deutsche Reich war zu Europas führender Industriemacht geworden, weltweit konnten nur noch die USA in der Herstellung von Stahl, Chemikalien und im Elektroingenieurwesen mit den Deutschen Schritt halten.[Anm. 17] Massive gesellschaftliche Veränderungen waren die Folge. Im Gegensatz zum Krieg 1870/1871 war das Deutsche Reich am Vorabend des Ersten Weltkrieges bereits in hohem Maße urbanisiert, ein Umstand, der große Teile der Bevölkerung von Geldeinkommen abhängig machte.[Anm. 18] Hatten im Jahr 1875 noch die Hälfte der Deutschen von der Landwirtschaft gelebt, war es 1913 nur noch ein Drittel, im gleichen Jahr hatte die Zahl der Industriearbeiter erstmalig die der in der Landwirtschaft tätigen Menschen übertroffen.[Anm. 19] Ganz am Ende der gesellschaftlichen Skala, noch unter den Bauern und Arbeitern, fanden sich die Dienstboten wieder.[Anm. 20] Vor allem besitzendes Bürgertum und das lohnabhängige Proletariat lebten in sozial scharf voneinander getrennten Lebenssphären, es gab also kaum Kontakt zwischen diesen Gruppen. Dennoch kann weder das Bürgertum noch das Proletariat als homogene soziale Formation gesehen werden. Unter den Arbeitern gab es große Unterschiede zwischen relativ gut verdienenden und gut ausgebildeten Facharbeitern, ungelernten Arbeitern, aber auch den Landarbeitern, die sich nicht dem Proletariat zugehörig fühlten.[Anm. 21] Neben Konflikten zwischen Katholiken und Protestanten erzeugte das weit verbreitete „Anti-Preußentum“ zudem regionale Spannungen und nährte den Lokalpatriotismus innerhalb der einzelnen Staaten des Deutschen Reichs. Noch immer herrschte das preußische Dreiklassenwahlrecht, Frauen waren gar nicht wahlberechtigt.[Anm. 22] Diese Uneinigkeiten manifestierten sich in fast jeder Parlamentssitzung, egal ob über Steuern, Kanalbau oder Schulreformen diskutiert wurde.[Anm. 23] Am 4. August 1914 jedoch bewilligten die im Reichstag vertretenen Parteien einstimmig die von der Regierung vorgelegten Kriegskredite und ein Bündel an „Ermächtigungsgesetzen“, mit der das Heft der Politik komplett der Exekutive überlassen wurde, bevor sich das Parlament auf unbestimmte Zeit vertagte. Die Einstellung der parteipolitischen Auseinandersetzung für die Dauer des Krieges wurde ebenso beschlossen. Besonders in Hinblick auf die Sozialdemokraten löste deren Zustimmung zu Kriegskrediten und Er-mächtigungsgesetzen im Parlament große Erleichterung aus, hatten sie sich doch in der Vorkriegszeit gemeinsam mit anderen europäischen Arbeiterparteien für den Antimilitarismus und gegen die imperialistische Kriegsgefahr stark gemacht. Allerdings hatten die Sozialdemokraten bereits im Vorfeld im Falle eines Verteidigungskrieges mehrfach ihre Unterstützung und ihr nationales Pflichtbewusstsein beteuert.[Anm. 24] Durch geschickte Manipulation der öffentlichen Meinung war im Deutschen Reich die allgemeine Überzeugung geweckt worden, durch „hinterhältige Machenschaften der anderen Großmächte“ in einen reinen Verteidigungskrieg gezwungen worden zu sein.[Anm. 25]

Der Abstimmung vorausgegangen war die gefeierte „Burgfrieden-Rede“ von Kaiser Wilhelm II., in der er verkündete, er „kenne keine Parteien mehr, nur noch Deutsche“.[Anm. 26] Bilder, die Frauen und Kinder bei der Eskorte ihrer Ehemänner und Väter zum Bahnhof zeigen, wie sie Blumen werfend und Fähnchen schwingend deren Auszug in den Krieg bejubeln, oder begeisterte Kriegsfreiwillige vor allem aus den bürgerlichen Schichten, die die Kasernen stürmten sind oftmals als Indiz für eine allumfassende Kriegsbegeisterung der deutschen Bevölkerung im August 1914 gewertet worden.[Anm. 27] Doch nicht nur bei den Soldatenfrauen war der Jubel von Wehmut und Todesahnungen durchzogen, die ihrem „Augusterlebnis“ einen bitteren Beigeschmack zufügten.[Anm. 28] Trotz der Zustimmung von Sozialdemokraten und Gewerkschaften für den Krieg, herrschte auf Seiten vieler Arbeiter und ihrer Familien lediglich widerwillige Akzeptanz, war die deutsche Arbeiterbewegung doch lange Zeit von den Idealen des Pazifismus und Internationalismus geprägt gewesen.[Anm. 29] Noch im Juli 1914 beteiligten sich in Deutschland etwa 750.000 Menschen, hauptsächlich dem Proletariat zugehörig, an Kundgebungen und nahmen an Demonstrationen gegen einen drohenden Krieg teil.[Anm. 30] Die bekannten Jubelbilder illustrierten zudem vorwiegend die Situation in den großen deutschen Städten.[Anm. 31] Abseits von Berlin, Hamburg oder München, wo sich die freudig erregten Massen außerdem hauptsächlich aus den nationalen Kreisen des Bürgertums zusammensetzen, primär aus Anhängern der bürgerlichen Jugendbewegung und Studenten, wurde die aktuelle Situation durchaus differenzierter bewertet. Auf dem Land gab es Bedenken, wenn nicht sogar offen zur Schau gestellte Niedergeschlagenheit. [Anm. 32] Nicht leugnen lässt sich allerdings, dass sich die berauschenden Gefühle des Patriotismus im ganzen gesellschaftlichen Spektrum Deutschlands finden ließen.[Anm. 33] Ein das gesamte Deutsche Reich auf gleiche Art erfassendes „Augusterlebnis“ gab es trotzdem nicht, eher viele verschiedene „Augusterlebnisse“ von denen nicht jedes positiv besetzt war.[Anm. 34]

Allen ambivalenten Stimmungslagen zum Trotz stimmte eine breite Mehrheit zu Kriegsbeginn darin überein, dass die Nation in der Stunde der Gefahr von allen Deutschen Einsatz und Opfer erwarten durfte.[Anm. 35] Die Heimat habe, so der Tenor eines zu Kriegsbeginn im württembergischen Balingen gehaltenen Vortrages, „eine dem Kampfe im Felde gleichwertige Aufgabe“ zu erfüllen.[Anm. 36] Damit waren auch die im Reich verbliebenen Männer, aber vor allem und ausdrücklich die Frauen gemeint. „Der Held kämpft Fern in West und Osten. Die Frau steht treu im Land auf Posten“. Diese zeitgenössische Aufschrift auf einer Postkarte, vermutlich aus dem Jahr 1915, versinnbildlicht die Erwartungen, die an die deutschen Frauen im Ersten Weltkrieg gerichtet waren. Frauen sollten sich ab Kriegsbeginn zwar nicht nur im geduldigen Warten und Hoffen auf baldige Rückkehr der Ehemänner und Söhne üben, sie sollten vielmehr für die Versorgung der kämpfenden Landsmänner sorgen. Allzu weit von ihren als angestammt definierten Lebensbereichen im Heim am Herd sollten sie sich allerdings nicht entfernen. Trotzdem war der Krieg keine reine Männerangelegenheit. Neben dem politischen Burgfrieden war ebenso auch ein „Burgfrieden der Geschlechter“ gewünscht, Frauen sollten ebenso wie die Männer ein gemeinsames patriotisches Ziel haben: Das Gewinnen des Krieges. Neben politischen und konfessionellen Differenzen waren daher auch Debatten über die Aufgaben und Pflichten von Männern und Frauen unerwünscht, denn jede Auseinandersetzung im Inneren schwächte den „Abwehrkampf“ nach außen.[Anm. 37] Dass die Rolle der deutschen Frauen aufgrund der an Naivität grenzenden Vorstellungen des Militärs bezüglich des Kriegsverlaufs, aufgrund der kontinuierlich steigenden Zahlen der einberufenen Männer und auch der Kriegsdauer sehr viel differenzierter ausfallen würde, war in der ersten Kriegsphase noch nicht absehbar.

0.2.Arbeiter- und Soldatenfrauen

Begründet in der Umstellung von Friedens- auf Kriegswirtschaft rutschten Frauen zwangsläufig in andere Arbeitsbereiche und Berufsfelder. Dieser Umstand mag die Vorstellung erweckt haben, dass nun plötzlich die Frauen massenhaft arbeiten gehen würden. Vor allem Frauen in Berufen, die in der Öffentlichkeit stattfanden, etwa Straßenbahnfahrerinnen oder Postausträgerinnen, verstärkten diesen Eindruck. Die Statistiken beweisen allerdings, dass die Arbeitstätigkeiten der Frau im Krieg lediglich die Fortsetzung eines vorkriegsbedingten Trends war. Frauen fingen also nicht völlig unerwartet im Krieg zu arbeiten an, sie wurden allein sichtbarer.

Dies galt insbesondere für die „klassische“ Frau aus dem Proletariat. Aufzeichnungen der gesetzlichen Krankenversicherungen zeigen zwischen 1914 und 1918 einen Anstieg von 17 Prozent der weiblichen Arbeitskräfte.[Anm. 38] Verglichen mit den Jahren vor Kriegsbeginn bedeutete dieser Prozentsatz jedoch sogar einen leichten Rückgang.Der Kriegsausbruch führte mit einem Schlag zur Entlassung von tausenden bereits erwerbstätigen Frauen, die zumeist in der Textil- und Lebensmittelindustrie tätig waren: Infolge der Einberufung zu vieler Facharbeiter mussten viele Betriebe schließen[Anm. 39] Bereits wenig später kam es aufgrund der englischen Seeblockade zusätzlich zu einer dramatischen Verknappung der Rohstofflage, die zu Produktionseinschränkungen und Produktionseinstellungen nicht nur in der Textilwirtschaft und letztendlich zu Entlassungen von Arbeitskräften führte.[Anm. 40] Der August 1914 bedeutete zudem für die Frauen, die noch einen Arbeitsplatz hatten, Lohneinbußen um bis zu 15 Prozent.[Anm. 41] Besonders prekär war dieser Umstand, da die zum Kriegsdienst eingezogenen Männer zwar aus allen Schichten der Bevölkerung stammten, die Angehörigen der Arbeiterklasse aber den Großteil der einfachen Soldaten stellten[Anm. 42] und somit in vielen Familien der Hauptverdiener ausfiel.[Anm. 43]

Eine weitere Verschärfung der Lage kam hinzu, da die erstmalig durch die Einberufung ihrer Männer auf eine Erwerbstätigkeit angewiesenen Kriegerfrauen auf den Arbeitsmarkt drängten und dringend eine bezahlte Beschäftigung suchten. Teilweise kamen im ersten Kriegsjahr so über 200 arbeitsuchende Frauen auf 100 offene Stellen.[Anm. 44] Zudem konnten sich Frauen nicht einmal der durch Einberufung vakant gewordenen Stellungen sicher sein, diese wurden zu diesem Zeitpunkt von nicht eingezogenen Männern aus geschlossenen, beziehungsweise eingeschränkt produzierenden Betrieben eingenommen. Andererseits war es durchaus nicht unüblich, dass Frauen, die vor Kriegsbeginn noch nicht gearbeitet hatten, die Stellen ihrer eingezogenen Männer einnahmen. Bestes Beispiel hierfür sind die Verkehrsbetriebe, in denen 1915 von insgesamt 14.000 beschäftigten Frauen 2800 die Ehefrauen von Wehrdienst leistenden Soldaten waren.[Anm. 45]

Eine geregelte Unterstützung in Form von Arbeitslosengeld gab es nicht. Mitglieder von Gewerkschaften hatten zwar ein Anrecht auf Arbeitslosenhilfe, andere Arbeiterinnen und Arbeiter mussten jedoch auf die Fürsorgeleistungen der Kommunen hoffen, in denen sie lebten.[Anm. 46] Die staatliche und kommunale Sozialpolitik hatte es sich nach Kriegsbeginn dennoch zur Aufgabe gemacht, die wirtschaftliche Not vor allem von Frauen und Familien zu lindern. Besonders die Familien von eingezogenen Soldaten konnten mit einer Kriegsunterstützung rechnen, welche auf dem „Gesetz betreffend die Unterstützung von Familien in den Dienst eingetretener Mannschaften“, beruhte.[Anm. 47] Die Unterstützung fiel allerdings in den meisten Fällen so gering aus dass die männlichen Familienangehörigen an der Front ihren Sold nach Hause schickten.[Anm. 48] Zudem verhielten sich die zuständigen kommunalen Unterstützungskommissionen in vielen Fällen alles andere als großzügig und verweigerten den Kriegerfamilien die vollständige ihnen zustehende Unterstützung, sobald sie Sparguthaben oder ähnliches vermuteten. Noch rigoroser war die Handhabung bei Frauen, die über ein eigenes Einkommen verfügten, dieses wurde auf die Unterstützungsleistungen angerechnet.[Anm. 49]

Zu einer Entspannung des Arbeitsmarktes kam es erst 1914 mit Einsetzen der Heeresaufträge.[Anm. 50] Insbesondere die Frauen, die bereits vor Kriegsbeginn gearbeitet hatten und die ihre Stellen als Dienstmädchen oder Arbeiterinnen in der Textil- und Lebensmittelindustrie verloren oder verlassen hatten, nahmen explizit wegen der vergleichsweise hohen Löhne die Plätze an den Fließbändern in der Rüstungsindustrie ein.[Anm. 51] Nach den material- und menschenverschleißenden Schlachten in Verdun und an der Somme strebte die dritte OHL mit Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff, die totale Mobilisierung aller gesellschaftlichen Ressourcen und Kräfte an und erließ am 5. Dezember 1916 das „Gesetz zum vaterländischen Hilfsdienst“.

Die Vorstellung, dass Frauen von Natur aus schwache, sanfte und mütterliche Geschöpfe waren, war so tief in der deutschen Kultur verwurzelt, dass niemand auch nur mit dem Gedanken spielte, Frauen an die Front zu schicken. Eben dieser Umstand erklärte letztendlich - wenn auch gegen die ausdrückliche Forderung von Hindenburg - den Ausschluss der Frauen von diesem pflichtmäßigen Zivildienst, der lediglich alle kriegsdienstunfähigen Männer zwischen 16 und 60 Jahren mit einer allgemeinen Arbeitspflicht in der Kriegsindustrie belegte.[Anm. 52] Das ebenfalls 1916 errichtete Kriegsamt sollte eine im Vergleich zu den Vorjahren optimale Organisation der Kriegswirtschaft, also der Beschaffung von Soldaten, aber vor allem Arbeitskräften und somit Rüstungsgütern, garantieren[Anm. 53] Dass dies nicht in gewünschtem Maße gelang, lag zum einen an der großen Ineffizienz, die sowohl auf politischer, als auch auf der Verwaltungsebene herrschte, zum anderen an den inneren Widersprüchlichkeiten der Behördenorganisation und ihrer konkreten Maßnahmen, die eine gezielte Steuerung des Arbeitsmarktes verhinderten. Auf der strukturellen Ebene war es das Auseinanderstreben von Nachfrage und Angebot, welches eine Steigerung der weiblichen Beschäftigungsrate in der Rüstungsindustrie unmöglich machte. Statt Frauen einzustellen bemühte sich die Waffenfirmen und Munitionsfirmen tatsächlich lieber um eine Zurückstellung ihrer Facharbeiter vom Militärdienst. Auch über die Facharbeiter hinaus bevorzugten die Rüstungsbetriebe ausländische Arbeitskräfte oder Kriegsgefangene.[Anm. 54] Ein weiterer Grund für das Scheitern der Frauenmobilisierung lag in den Lebensumständen der Frauen. Besonders Frauen mit vielen Kindern, die nicht arbeiten gingen, waren keineswegs arbeitslos, sondern mussten sich um die im Verlauf des Krieges immer mühseligere Haushaltsbewirtschaftung kümmern. Auch die Betreuung der Kinder war mit einer Arbeit außer Haus oftmals nicht zu vereinbaren. Konnten die Frauen sich und ihre Kinder mit der Arbeitslosen- oder Kriegsunterstützung allein nicht versorgen, nahmen sie am ehesten noch sogenannte „Heimarbeitsaufträge“ an, mit der das Kinderbetreuungsproblem wegfiel.[Anm. 55]

Als eine Art Subunternehmerinnen leisteten sie dabei Akkordarbeit für die Armee, fertigten beispielsweise Körbe und Gürtel an oder flickten zerfetzte Soldatenuniformen, die sie aus nahen Lazaretten in ihre Wohnungen angeliefert bekamen.[Anm. 56] Überdies war der Anreiz, in den Fabriken zu arbeiten wegen der katastrophalen Arbeitszustände nicht sehr hoch. Da bei Kriegsbeginn alle Schutzbestimmungen für Arbeiterinnen aufgehoben wurden, betrug die tägliche Arbeitszeit nicht selten 12 Stunden, 55-Stunden-Wochen gehörten in der Kriegsindustrie zumindest zur Normalität, vielfach verbreitet waren zudem Wochenend- und Nachtschichten.[Anm. 57] Zusätzlich wurde in den eilig aufgebauten Produktionsstätten für Waffen und Munition ohne besondere Schutzmaßnahmen gearbeitet. So gab es beispielsweise gehäuft Unfälle mit explodierenden Granaten in den Fabriken, allein 1917 starben in Fürth und Köln insgesamt 70 Frauen.[Anm. 58] Ohnmachtsanfälle in Zusammenhang mit den zur Herstellung von Sprengstoffen nötigen Giftstoffe waren an der Tagesordnung. Die Kombination aus der harten, ungewohnten Arbeit und unzureichender Nahrungsmittelversorgung sowie Krankheiten wie Tuberkulose führten zudem nicht selten zu weiteren Unfällen am Arbeitsplatz. Ein Bericht über die Frauenarbeit in der Metallindustrie von 1917 verdeutlicht die Strapazen bei der Munitionsherstellung:

„Das Kranziehen war schon für Männer zu schwer, noch mehr für Frauen. (…) An den Maschinen müssen Geschosse im Gewicht von 20 bis 75 Pfund vom Fußboden bis zur Brusthöhe gehoben und in die Maschine eingespannt, ebenso wieder ausgespannt und heruntergesetzt werden. Das erfordert große physische Anstrengungen. Um täglich drei Mark zu verdienen, muss die Frau 75 bis 100 und mehrmals diese anstrengende Arbeit leisten. (…) Die Frauen klagen viel über Unterleibsschmerzen, die durch das häufige Heben der 26 Kg schweren Schrappnells ohne Hilfsmittel hervorgerufen werden. (…) Eine Folge der schweren Arbeit ist, dass von 42 Frauen fast ein Drittel wegen Krankheit fehlt.“[Anm. 59]

Frauen verdienten in der Waffenproduktion überdies nur halb so viel wie ihre männlichen Kollegen, obwohl sie aufgrund fehlender technischer Hilfsvorrichtung, etwa zum Ausgleich der geringeren weiblichen Muskelkraft, vergleichsweise vielfach härtere Arbeit leisteten. Ebenso sah es in allen anderen kriegswichtigen Betrieben aus. Deshalb nahmen Frauen das Arbeitsplatzangebot in der Kriegsindustrie auch nach 1916 lediglich wahr, wenn somit ihr Einkommen oder ihre Arbeitssituation verbessert werden konnten, was gleichzeitig bedeutete, dass sich das Arbeiterinnenspektrum in den Rüstungsbetrieben zum großen Teil aus Frauen zusammensetzte, die bereits vor dem Krieg gearbeitet hatten.[Anm. 60] Das „ungenutzte Arbeitspotential“, vor allem in Form der Frauen, die von den Unterstützungszahlungen profitierten und wegen der Unrentabilität nicht arbeiten gingen, war nicht nur für Hindenburg ein Ärgernis, der harsche Worte für die auf „Staatskosten durchgefütterten“ Soldatenfrauen fand.[Anm. 61] Die Kriegerfrauen sahen sich in Folge dessen zunehmenden Anfeindungen und Gerüchten, auch aus der eigenen Gesellschaftsschicht, ausgesetzt. Verschwenderisch und arbeitsscheu waren einige der harmloseren Beschuldigungen. Noch 1917, als der Lebensunterhalt schon lange nicht mehr von den Unterstützungszahlen bestritten werden konnte und sich die Nahrungsmittelbeschaffung auch für sie zu mitunter tagelangen Unternehmungen gestaltete, wurde ihnen von anderen Arbeiterfrauen vorgeworfen, im Gegensatz zu ihnen selbst würden die Kriegerfrauen den Tag mit „lange schlafen [und] Spazierengehen“ zubringen.[Anm. 62]

0.3.Frauen in der Landwirtschaft

Die Reaktionen auf den Kriegsbeginn fielen bei der bäuerlichen Bevölkerung generell ablehnender als in der Stadt aus. Langüberlieferte negative Erfahrungen aus früheren Kriegszeiten führten dazu, dass der Großteil der Bäuerinnen, aber auch der Bauern, zu Kriegsbeginn primär ängstlich in die kommende Zukunft blickte.[Anm. 63] Treffend wird die Gefühlslage am 4. August in den ‚Münchener Neuesten Nachrichten‘ beschrieben:

„Schwerer Kummer aber ist bei vielen unserer Bauernfamilien eingezogen, denn die Väter oft sehr kinderreicher Familien müssen fort, die Söhne, Pferde und Wagen werden von den Militärbehörden gefordert, und draußen steht die Ernte.“[Anm. 64]

Nicht unerheblich waren also auch die Befürchtungen bezüglich ökonomischen Konsequenzen, die eine lange Abwesenheit der Männer hervorrufen würden.[Anm. 65]

Ebenso wie für die städtische, markierte der Krieg auch für die ländliche Gesellschaft und Wirtschaft einen tiefen Einschnitt. Da die Landwirtschaft neben der Rüstungsindustrie der wichtigste Faktor für einen erfolgreichen Kriegsverlauf war, sollte auch sie trotz fehlender männlicher Arbeitskräfte so gut es ging weiterbetrieben werden. 1917 mussten fast zwei Drittel aller landwirtschaftlichen Betriebe allein von Frauen ohne die Hilfe ihrer Ehemänner oder Söhne geführt werden. Von den bisher in der Landwirtschaft 7,8 Millionen tätigen Männern waren bis Ende 1917 3,5 Millionen eingezogen werden.[Anm. 66] In einem Tagebucheintrag einer Spaziergängerin im Taunus aus dem Jahr 1915 heißt es dazu:

„Bei dem Anblick des argen Zustand[s] der Felder fallen mir die Klagen der Frau Sachs, der Besitzerin ein: Sie hat fünf Söhne in den Krieg geschickt [,] die sonst dem Vater bei der Arbeit halfen. Die Pferde sind ihr fortgeholt worden, die letzten[n] Knechte. Der alte Mann, ohne Hilfe, ohne Pferd und Pflug ist nicht imstande sein Besitztum zu bestellen.“[Anm. 67]

Trotz gelegentlicher Beurlaubungen der Männer zur Erntezeit mussten die Frauen den Rest des Jahres mit kriegsdienstuntauglichen Männern im Alter bis 16 und über 60 Jahren auskommen. Zudem fielen die mehreren hunderttausend Landarbeiter aus den russischen Teilen Polens weg, die alljährlich zur Erntezeit auf den Getreidehöfen in Ostdeutschland aushalfen.[Anm. 68] Nicht zu unterschätzen ist allerdings der Aspekt, dass schon vor Kriegsbeginn in ganz Deutschland zwei Drittel aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft weiblich waren. Fakt ist allerdings auch, dass die Lohnunterschiede zwischen Landwirtschaft und Industrie so groß waren, dass nicht einmal die günstige ländliche Ernährungslage einen Großteil der weiblichen Arbeitskräfte zumindest zu Beginn des Krieges von der Abwanderung in die Stadt abhalten konnte. Eine sogenannte „Teilzeitlandflucht“ ließ sich vor allem bei weiblichen Landarbeitern von stadtnahen Dörfern und Höfen beobachten. Trotz aller Verbote wurden sie zu Wochenendpendlern, arbeiteten also unter der Woche aufgrund der lukrativeren Verdienstmöglichkeiten in den Rüstungsfabriken und kehrten am Wochenende aufgrund der in der Stadt schwierigen Wohn- und Ernährungssituation in die Dörfer zurück.[Anm. 69]

Auf jeden Fall auf dem Hof blieben dafür in der Regel die Bäuerinnen, die den Betrieb nun leiten mussten, mit ihrer Verwandtschaft, und den aus Altersgründen nicht im Kriegsdienst stehenden Männern.[Anm. 70] Ab 1916 kamen Hunderttausenden von Kriegsgefangenen auf die landwirtschaftlichen Gehöfte, die jedoch nicht die Lücken der eingezogenen Ehemänner, Söhne und sonstiger männlicher Landarbeiter schließen konnten.[Anm. 71] Im Gegensatz zur Situation vor Kriegsbeginn mussten viele Bäuerinnen nun auch die typische Männerarbeit auf dem Feld verrichten, das heißt sie mussten Pflügen, Mähen und auch die landwirtschaftlichen Maschinen bedienen. Dass Maschinen noch kaum verbreitet waren, machte die Landarbeit körperlich noch anstrengender und arbeitsintensiver, zusätzlich zu der Tatsache dass bereits bis Mitte 1915 etwa 350.000 Pferde vom Militär eingezogen wurden.[Anm. 72] Darüber hinaus mussten die Frauen noch ihre üblichen Arbeiten im Stall und im Haushalt erledigen.[Anm. 73] Als Konsequenz ließen sich bei den so belasteten Bäuerinnen bereits im dritten Kriegsjahr vermehrt Fehlgeburten und allgemeine Erschöpfung beobachten, die Sterblichkeitsrate war hier allerdings aufgrund der besseren Ernährungslage geringer als bei den Arbeiterinnen in der Stadt.

Hilfe in Form von weiblichen Hilfsarbeitern aus der Stadt zu generieren gestaltete sich trotz dieser besseren Ernährungslage schwierig. Abschreckend wirkten neben der geringen Bezahlung vor allem die unregelmäßigen Arbeitszeiten und die Rechtlosigkeit der Landarbeiterinnen. Hinderlich war auch die ablehnende Haltung der bäuerlichen Gesellschaft, die tatsächlich Kriegsgefangene den städtischen Frauen vorzogen. Die Kriegsgefangenen waren kostengünstiger und arbeiteten ihrer Meinung nach besser. Im besten Falle waren sie selbst von bäuerlicher Herkunft und die entbehrungsreiche Arbeit gewöhnt.[Anm. 74]

Generell war die Abneigung gegen „die Städterinnen“ groß, denen man lediglich das Interesse an einer besseren Ernährung unterstellte. Zudem war auch der Arbeitermangel in der Landwirtschaft genau genommen ein Facharbeitermangel. Die eher „schwächlich“ eingeschätzten Frauen aus der Stadt hätten keine Arbeit übernehmen können, die nicht auch die Landwirtsfrau allein oder aber die Jugendlichen und die alten Männer auf den Höfen geschafft hätten.[Anm. 75] Die sogenannten „Hamsterfahrten“ trübten dieses Bild zusätzlich, da die Landwirtsfrauen die städtische Bevölkerung als alleinige und ungebührende Nutznießer ihrer Mühen ansahen, deren Arbeit in den Fabriken aber nur wenig zu würdigen wussten. Eine Bäuerin aus Kissing schildert diesen Eindruck 1917 in einem Brief an ihren einberufenen Mann folgendermaßen:

„Wie geht es Euch vielleicht wie bei uns, wir haben gar nichts mehr zum Esen alles bloß die vielle Schwehre Arbeit, uns nimth man die Stätter gibt man es, jetzt haben sie uns die ganze Ernde genommen, ich thue nichts mehr, ver Hungern können wir so auch“[Anm. 76]

Zitate wie das vorhergegangene finden sich Zuhauf, etwa in den Aufzeichnungen der Stellvertretenden Generalkommandos, in denen mehrfach die Verschärfung der Gegensätze zwischen Land- und Stadtbevölkerung und auch das fehlende Verständnis der Bauersleute für die Not der städtischen Industriebevölkerung sowie der Neid auf die Verdienstmöglichkeiten in der Rüstungsmaschinerie betont wurden.[Anm. 77] Zum Ärger über das in ihren Augen respektlose Verhalten der Städter, die zeitweise drohten, bei Nichtherausgabe von Lebensmitteln den Hof anzuzünden und die Landwirtschaft wegen der schlechten Ernährungslage in den Ballungszentren allgemein und scharf kritisierten und zudem die Bauern nicht zu Unrecht der Hortung ihrer Erzeugnisse bezichtigten, kam die Empörung der staatlichen Eingriffe in die Produktion.[Anm. 78] Großer Zorn ergriff die Bäuerinnen insbesondere aufgrund der staatlichen und regionalen Ablieferungsverpflichtungen, die sie in den meisten Fällen als „Abfuchserei“ empfanden.[Anm. 79] Ansonsten ertrugen viele Bäuerinnen persönliche Verluste und die Lasten des Krieges mit ihrer vor allem in den süddeutschen Gebieten weit verbreiteten und tiefen Frömmigkeit, waren sie doch der Meinung, der Frieden sei allein durch göttliche Fügung zu erreichen.[Anm. 80] Nichtsdestotrotz mehrten sich auch in den bäuerlichen Gesellschaften im Kriegsverlauf Gerüchte über eine künstliche Verlängerung des Krieges, der „nur weiter geführt [werde], da es Leute gäbe, die daran ein persönliches Interesse hätten“.[Anm. 81] Da der Krieg laut den Gerüchten zudem im Grunde einer Bevölkerungsdezimierung und der damit einhergehenden Stabilisierungen „der Mächtigen“ dienen sollte, zog sogar ein Teil der Bäuerinnen Geburtenkontrolle in Betracht, auch weil ihnen der Krieg den Ernährer ihrer oftmals großen Kinderschar genommen hätte.[Anm. 82] Die zwischenzeitliche Verbesserung der allgemeinen Stimmungslage unter den Landwirtinnen, die in den ersten schnellen deutschen Siegen begründet war, erfuhr spätestens ab Herbst 1914 einen herben Rückschlag. Die steigenden Verlustzahlen in den dörflichen Gemeinschaften veranlassten einen dauerhaften negativen Stimmungsumschwung, der auch nicht durch die Überbringung der Todesnachrichten durch die örtlichen Geistlichen gestoppt werden konnte.[Anm. 83]

0.4.Frauen der oberen Gesellschaftsschichten und der „Nationale Frauendienst“

Auch viele Frauen aus der Mittelschicht, dem Kleinbürgertum, waren mit Kriegsbeginn dazu gezwungen, einer Arbeit nachzugehen, wobei sie allerdings höchst selten in der Fabrik arbeiteten. Für sie galt wie schon vor dem Krieg: Büros und der Einzelhandel waren die für sie die geeigneten Arbeitsplätze. Zusätzliche, durch den Krieg bedingte Arbeitsmöglichkeiten ergaben sich für sie in Krankenhäusern und Lazaretten, wie auch in örtlichen Behörden, die sich im Laufe des Krieges verstärkt um Lebensmittelrationierungen und die Verteilung der Fürsorgezahlungen kümmern mussten.[Anm. 84] Deutlich unterschieden sie sich dabei von den Frauen aus dem gehobenen Bürgertum. Der Alltag dieser Frauen war auch während des Krieges vornehmlich von der Leitung ihres Haushaltes bestimmt, was im Grunde bedeutete, passendes Personal auszusuchen und zu überwachen. Lohnarbeit kam für sie schon aufgrund ihrer primären Rolle, die sich hauptsächlich auf die Repräsentationsaufgaben an der Seite ihres Gatten beschränkte, nicht in Frage. Eine Prämisse, die sich auch im Kriegsverlauf und trotz Einberufung des Ehemanns nur selten änderte. Anhand der Briefe an die Front wird deutlich, dass auch größtenteils an der üblichen Freizeitgestaltung festgehalten wurde: Ausflüge, sogar längere Reisen, Theater und Konzertbesuche gehörten weiterhin zum Leben dieser wohlhabenden Frauen und ihrer Angehörigen.[Anm. 85] Viele bürgerliche Frauen boten sich dennoch im Rausch der ersten Kriegsmonate zur ehrenamtlichen Kranken- und Verwundetenpflege an und fanden ihren Einsatzort in Lazaretten und Krankenhäusern als mütterlich helfende Pflegerinnen. Eine Tätigkeit, die noch am ehesten mit dem tradierten Bild der fürsorglichen und emotionalen deutschen Frau korrelierte.[Anm. 86]

Propagandistische Bilder von vorzugsweise jungen Frauen in blütenweißen Schürzen und Häubchen verstärkten diese Wahrnehmung noch. Allerdings mussten für die Pflege außerfamiliärer deutscher Krieger in den Lazaretten ein ausgeprägter Patriotismus und eine ebenso stark ausgeprägte Religiosität vorhanden sein, damit ein Einsatz der Frauen passend, vor allem nicht sittenlos, erschien. Relativ schnell verbreitete sich vor allem unter den jüngeren Krankenpflegerinnen ob der Schwere der Verletzungen und der Todesfälle in den Lazaretten eine allgemeine Überforderung. Sowohl die physischen als auch die psychischen Schäden der „Krieger“ widerlegten das von ihnen erwartete und propagierte deutsche Heldentum, denn in den Betten erwarteten sie keine Helden, sondern in vielen Fällen zerstörte Menschen.[Anm. 87] Auch den Aufrufen des Roten Kreuzes zum Herstellen der „Liebesgaben“ folgten die Damen aus gutem Hause bereitwillig und strickten und nähten unentgeltlich für die „Helden an der Front“. Dass die Lazarette vor allem das Betätigungsfeld von Frauen aus höheren Schichten waren, lässt sich vor dem Hintergrund dieser „vaterländischen Opfergaben“ als ehrenamtlicher Tätigkeit erklären. Diesen Zeit- und Geldverlust konnte nur eine privilegierte Minderheit der Frauen an der Heimatfront verkraften.[Anm. 88] Frauen aus den Schichten, die nicht auf Erwerbstätigkeit angewiesen waren und beispielsweise nicht in den Munitionsfabriken arbeiteten, erfüllten somit dennoch ihre vaterländischen Pflichten.[Anm. 89] Neben ihrer ehrenamtlichen Arbeit boten einige Frauen auch ihre Räumlichkeiten zur Pflege der Verwundeten an. Die Freiburger Verlegergattin Charlotte Herder hatte in ihrem Geschäftshaus ein Behelfslazarett eingerichtet, medizinisches Gerät und qualifiziertes Personal besorgt und beim Eintreffen des ersten Verwundetentransports war ihr „zumute wie einem Kind am Weihnachtsabend“. Ihre Vorfreude war allerdings schnell verflogen, als sie die schwerverletzen Männer zu Gesicht bekam. Dessen ungeachtet schnitt Herder vom Wundbrand stinkende Verbände auf und wusch die klaffenden Verletzungen aus.[Anm. 90]

Diese Frauengruppe nahm zwar somit den auf Lohn angewiesenen Frauen zahlreiche Arbeitsplätze weg, andererseits war sie bereits seit langem die Stützen der zahlreichen Wohltätigkeitsvereine Deutschlands, die sich über das gesamte konfessionelle und politische Spektrum erstreckte. Ursprünglich hatten sie sich um ledige Mütter, Waisen und Alkoholabhängige gekümmert, jetzt boten sie in Not geratenen Städten und Gemeinden ihre Hilfe an.[Anm. 91]

Die Vorsitzende des „Bundes Deutscher Frauenvereine“, Gertrud Bäumer, gründete bereits am 31. Juli in weiser Voraussicht den „Nationalen Frauendienst“, um im Kriegsfall Freiwilligenarbeit und Spendenmittel besser organisieren und koordinieren zu können. Unter dem Dach des Nationalen Frauendienstes arbeiteten unter anderem konfessionelle Frauenverbände und vaterländische Frauenvereine, aber auch die sozialdemokratische Frauenbewegung zusammen und schlossen zunächst ihren eigenen „Burgfrieden[Anm. 92].[Anm. 93] Deren Mitglieder übernahmen in vielen deutschen Städten in Zusammenarbeit mit den Kommunalverwaltungen unentgeltlich die erst durch den Krieg neu entstandene Aufgaben, etwa die Fürsorge für Frauen und Familien, deren männliche Familienoberhäupter eingezogen worden waren, Kinderbetreuung, boten Sprechstunden zwecks Beratung in sozialen Fragen an, und kümmerten sich auch um deren Arbeitsvermittlung. Überdies verkauften sie Trockenobst, Honig und andere Waren zu symbolischen Preisen an Familien, die mit der offiziellen Fürsorgeleistung nicht mehr auskamen. Eine weitere Aufgabe der weiblichen Freiwilligen war zudem die Verteilung der „Liebesgaben“, aber auch die Sammlung von Kleidern und Schuhen.[Anm. 94] Ab Herbst 1916 engagierte sich das Kriegsernährungsamt zunehmend in der Massenverpflegung. Lag die Zuständigkeit zunächst bei den Kommunen, richtete das Kriegsernährungsamt unter Mitwirkung des Frauendienstes zunehmend Volksküchen in Schulen, Turnhallen oder auch öffentlichen Badeanstalten ein, um Kriegerfamilien, älteren Mitbürgern und der wachsenden Anzahl verarmter Menschen eine warme Mahlzeit zur Verfügung stellen zu können.[Anm. 95] Waren die auch als „Armensuppe“ verschrienen Speisen der karitativen Vereine anfangs eher unbeliebt – je nach Ausrichtung des Vereins waren mit dem Essen auch immer erzieherische Ideen wie die Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs verbunden – zwang die immer drängendere Nahrungsmittelnot die Betroffenen in steigendem Maße dazu, das Essensangebot anzunehmen.[Anm. 96]

Der massenhafte unentgeltliche Arbeitseinsatz der Frauen, die aufgrund ihres Reichtums auf kein Einkommen angewiesen waren, verhinderte eine Einstellung von bezahlten Kräften, etwa Köchinnen oder Näherinnen, die ein Gehalt dringend nötig gehabt hätten, aber auch den bereits erwähnten Frauen aus dem Mittelstand. Zusätzlich zu diesem Spannungspotential erwuchsen neue Konfliktherde aus der Verteilung der Familienfürsorge, kontrollierten doch Frauen aus den oberen Schichten im Gegenzug für Hilfsleistungen die Lebensverhältnisse von Frauen und Familien aus den unteren Schichten. Eine positive Bewertung derer Lebensverhältnisse und somit die dringend benötigte Unterstützung erfolgte meist nur, wenn sie den Erwartungen der betuchten Frauen entsprach. Ein Umstand, der unter den bedürftigen Frauen Verbitterung und Hohn auslöste, wurden sie doch von Frauen beurteilt, die sich den Luxus freiwilliger Tätigkeiten leisten konnten, während sie auf der anderen Seite alle Energie für die Bewältigung des Alltags aufbringen mussten.[Anm. 97] Auch das Verhältnis der Mitglieder des Nationalen Frauendienstes untereinander war trotz aller Burgfriedensbeteuerung von Gesellschaftsschranken und ideologischen Gegensätzen geprägt. So beklagten sich insbesondere die Sozialdemokratinnen und die Gewerkschafterinnen über die zu ihren Ungunsten ausfallende Machtverteilung im Nationalen Frauendienst und bemängelten die Vorurteile der reichen Bürgerinnen gegenüber den Arbeiter- und Kriegerfrauen.[Anm. 98] Im Gegensatz zu den ledigen Frauen und Offiziersgattinnen musste im Kriegsverlauf auch eine wachsende Zahl von Sozialdemokratinnen und Gewerkschafterinnen ihre wohltätige Arbeit einschränken oder ganz aufgeben, um stattdessen einer bezahlten Berufstätigkeit nachgehen zu können.[Anm. 99]

Abseits von Lazaretten und Volksküchen, im kleinbürgerlichen Kontext auch den Schreibstuben und Kaufhäusern, waren nur wenige Frauen aus den bürgerlichen Schichten zu finden. Dem akuten Arbeitskräftemangel auf dem Land versuchte die Regierung unter anderem mit Aufrufen zum freiwilligen Arbeitseinsatz, insbesondere auch der weiblichen jugendlichen Stadtbewohnern, zu begegnen. In einer Propagandabroschüre heißt es dazu:

„Mehr Hände müssen zur Hilfe sich regen. Daher ergeht auch an unsere weibliche Jugend in den Städten der Ruf um Hilfe. (…) Zum Schlittschuhlaufen, Rodeln, Tennisspielen ist jetzt keine Zeit, wenn das Vaterland um sein Dasein kämpft. Drum, ihr jungen Mädchen aus der Stadt, hinaus aufs Land; (…) hinaus, was von dem heiligen Entschluß erfüllt ist: Auszuhalten und durchzuhalten fürs Vaterland, bis wieder die Ernte unter Gottes Segen geborgen ist.“[Anm. 100]

Eine nicht unerhebliche Zahl von jungen Frauen, auch viele aus bürgerlichen Kreisen, folgte dem Aufruf. Wie mühselig sich die Arbeit auf dem Acker gestaltete, wird anhand der Erfahrung eines jungen Bürgermädchens deutlich:

Das „Vieh, zog so langsam, ach, so langsam. Ich hätte verzweifeln mögen. (…) Da die Tiere trotz ständiger Aufmunterung nur noch Schrittchen für Schrittchen zogen, so verlor die Pflugschar sehr an Gewalt, sie wendete die Erde nicht mehr, sondern hob sie nur noch heraus. Wo das der Fall war, mußte ich allemal halten und die Scholle mit den Händen richtig legen; es war kein Fortkommen.“[Anm. 101]

Nicht von Erfolg gekrönt war zudem der Versuch, Studentinnen und Frauen der „gehobenen Stände“ zur Arbeit in den Munitionsfabriken zu mobilisieren. Neben zusätzlichen Arbeitskräften erhoffte sich das Kriegsamt von dieser Aktion, wie es im September 1917 in einem Schreiben an die Rektoren der deutschen Hochschulen formuliert war, eine Art Vorbildcharakter für andere Frauen, die noch nicht in der Rüstung tätig waren. Obwohl sogar der Verband der Studentinnenvereine auf die Ausweitung des Hilfsdienstgesetzes auf Studentinnen gedrängt hatte, war die Resonanz eher ernüchternd.[Anm. 102]

0.5.Verschlechterung der Lebensbedingungen: Die Frauen und der Zusammenbruch der Heimatfront

Das Deutsche Reich war nahezu ohne Lebensmittelvorräte in den Krieg gezogen, angesichts eines rasch erwarteten Sieges hatten sich weder die Regierung, noch die Militärführung, noch die Bevölkerung kaum Gedanken um die längerfristige Versorgung von Heer und Heimat gemacht. Bereits 1911 aufkommende Pläne, etwa für eine Vorratshaltung für Getreide, wurden von der deutschen Regierung mit dem Verweis auf zu hohe Kosten abgelehnt.[Anm. 103] Noch bis Juli 1914 wurde sogar ein Großteil der Vorjahresernte ins Ausland verkauft.[Anm. 104] Fakt war allerdings, dass das Deutsche Reich rund 25 Prozent seines Lebensmittelbedarfs importierte, unter anderem Eier, Milchprodukte, Speiseöle, Fisch und Fleisch. Die Hälfte der benötigten Futtermittel wurde zudem aus Russland, Argentinien und den USA eingeführt, einen Großteil der benötigten Düngemittel machten chilenische Nitrate aus.[Anm. 105] Auch die Beteuerungen seitens der Landwirtschaft, die versprach, selbst im Kriegsfall die Lebensmittelversorgung unabhängig von Importen sicherstellen zu können, verstärkte die Sorglosigkeit von Staats- und Militärführung. Ein Trugschluss, der sich schon bald nach Kriegsbeginn in unkontrollierten Hamsterkäufen, Transportschwierigkeiten, dem Einsetzen der britischen Seeblockade und den kriegsbedingten Importausfällen offenbarte.[Anm. 106] Spätestens aber mit Beginn der ersten staatlichen Rationierungsmaßnahmen, der Einführung der „Brotkarte“ im Februar 1915 war nicht mehr zu verbergen: Die Lebensmittelversorgung würde sich bald zu einem zentralen Problem der deutschen Kriegswirtschaft und des täglichen Lebens in der Heimat entwickeln.[Anm. 107] Außer den mehr als acht Millionen Männern, die sich 1915 bereits an der Front befanden und dort, wenn auch zunehmend minderwertig, versorgt wurden und etwa der gleichen Zahl an Frauen, Kindern und alten Männern, die noch in der Landwirtschaft arbeiteten und somit Zugang zu selbsterwirtschafteten Nahrungsmitteln, mussten die restlichen 75 Prozent der Bevölkerung um die quantitativ und qualitativ verringerten Restlebensmittel kämpfen.[Anm. 108] Der zusätzliche Kohlenmangel in Verbindung mit kalten Wintern und den Hungergeschwächten Menschen resultierte in großflächigen Grippeerkrankungen, die besonders für viele Ältere und kleine Kinder den Tod bedeuteten.[Anm. 109]

Die Lebenssituation der Frauen verschlechterte sich zusehends, vor allem, wenn sie viele Kinder zu versorgen hatten. Neben dem stundenlangen Anstehen vor den Lebensmittelläden gab es noch die Möglichkeit der „Hamsterfahrten“ ins Umland, um dort für günstiges Geld oder im Tausch mit Wertgegenständen Essen zu bekommen.[Anm. 110] Bedingt durch die soziale Kluft zwischen Bauern und Städtern kam es oft zu Auseinandersetzungen, wenn die Städter nicht bereit waren, die verlangten Preise zu zahlen oder von den Bauern die Herausgabe der Waren mit gezückten Messern verlangten.[Anm. 111]

Eine weitere Möglichkeit zur Verbesserung der persönlichen Versorgungslage war der Schwarzmarkt, auf dem sich aufgrund der dort vorherrschenden exorbitanten Preise nur die finanziell bessergestellten Deutschen jenseits des Proletariats zusätzliche Lebensmittel und Konsumgüter beschaffen konnten. Es herrschte die „brutale Logik des Geldbeutels“.[Anm. 112] Wie gravierend auch die Unterschiede in der Wahrnehmung dieser Kriegsmonate waren, zeigt ein Brief der Bürgerlichen Ella Baasch an ihren Sohn an der Front im Jahr Februar1916. Nachdem sie ausführlich den Mangel und die Entbehrungen beschrieben hatte, die sie in der Hamburger Heimat zu ertragen hätte, berichtete sie von mehreren Kuchendosen, die im Hause täglich zum Nachmittagskaffee geleert wurden.[Anm. 113] Die staatlich festgesetzten Höchstpreise gerieten zur Farce, Angebot und Nachfrage regulierten die Preise. Allein im letzten Kriegsjahr wurden deswegen zwischen 30 und 50 Prozent der Nahrungsmittel von den Erzeugern an den staatlichen Ankaufs- und Verteilungsstellen vorbeigeschleust, konnten somit nicht per Bezugsschein zugeteilt werden und wurden stattdessen auf dem Schwarzmarkt feilgeboten.[Anm. 114]

Nicht nur die Tatsache, dass sich die Bessergestellten der Bevölkerung auf dem Schwarzmarkt versorgen konnten und die staatlichen Stellen den „Grauhändlern“ keinen Einhalt bieten konnten, ebenso der Umstand, dass Rüstungs- und Schwerarbeiter bei der Lebensmittelzuteilung zusätzliche Kalorien zugestanden wurden, führte zu Unmut bei den übrigen Deutschen. Auch die prioritäre Versorgung des Militärs wurde immer mehr missbilligt, lauter wurden zudem die Gerüchte über das ausschweifende Leben der oberen Gesellschaftsschichten, vor allem das der „Kriegsgewinnler“ in Form der Rüstungsfabrikanten, die sich aus Profitgier gar für eine künstliche Verlängerung des Krieges einsetzen würden.[Anm. 115]

Bereits Mitte Februar 1915 kam es zu ersten Lebensmittelunruhen, etwa in Berlin. Dort hatte der Magistrat beschlossen, den Händlern, die ihre Kartoffeln unter fadenscheinigen Begründungen über dem staatlich festgesetzten Höchstpreis verkauften, etwas entgegenzusetzen und Teile seiner eigenen Vorräte in Sonderverkäufen anzubieten. Das Resultat waren Tausende von Frauen und Kindern, die sich vor der städtischen Markthalle versammelt hatten und sich unter lautem Geschrei und Gedränge um die feilgebotenen Kartoffeln prügelten.[Anm. 116]

Immer auffälliger traten nun Frauen, aber auch Jugendliche bei Hungerrevolten und Nahrungsmittelunruhen hervor.[Anm. 117] Zu den „Berliner Butterkrawallen“ im Oktober 1915 war im Polizeibericht zu lesen: „Treibende Kraft bei diesen Ausschreitungen waren neben aufgeregten, schlecht gesinnten älteren Frauenpersonen im Wesentlichen junge Burschen mit jungen Frauenzimmern".[Anm. 118] Die großen Massen hungriger Menschen vor den Lebensmittelgeschäften bargen eine immense Explosivität, die sich jedes Mal aufs Neue entlud, wenn die Händler die Preise erhöhten oder sich für ausverkauft erklärten.[Anm. 119]

Auch allerhand Gerüchte, beispielweise über 70 Tote bei „Gemüseunruhen“ in Hamburg 1916 oder dass sich in Münster ein Jugendlicher wegen der Vorstellung, mittags erneut Steckrüben essen zu müssen, erhängt hätte, verbreiteten sich in den Schlangen vor den Geschäften und waren ein weiteres Abbild der gereizten Stimmung. Spätesten mit Beginn des „Steckrübenwinters“[Anm. 120] 1916/1917 sank in der Bevölkerung das Zutrauen in das wilhelminische System, die kritische Versorgungslage befriedigen und effizient lösen zu können.[Anm. 121]

Die Feststellungen insbesondere der Frauen in ihrer traditionellen Rolle als Zuständige für Heim und Herd, dass der Staat immer seltener in der Lage war, lebensnotwendige Güter bereitzustellen, führte zu einer dramatischen Delegitimierung des Staates. Kontrollen etwa auf den Bahnsteigen, die zur Überführung der „Hamsterfahrer“ dienen sollten, verstärkten zunehmend die Konflikte mit den staatlichen Instanzen und verringerten gleichzeitig ihre Achtung vor dem Gesetz, was sich vor allem in der immer weiter wachsenden Zahl von Lebensmittelunruhen und Hungerrevolten äußerte.[Anm. 122] Spontane Demonstrationen häuften sich, ebenso Angriffe auf behördliche Einrichtungen und wiederholt auch Arbeitsniederlegungen bis zu großen Streiks, etwa im Januar 1918 in Berlin, an denen sich insbesondere die Rüstungsarbeiterinnen beteiligten. Besonders unter den Arbeiterfrauen, nach und nach auch in fast allen Bevölkerungsschichten[Anm. 123] entwickelte sich aus der Kritik an der schlechten Versorgungslage die Kritik am Krieg und schlussendlich auch eine Ablehnung des ihn führenden Staates.[Anm. 124]

0.6.Schluss

„Die“ deutsche Frau gab es im Kaiserreich nicht, weder vor Kriegsbeginn, noch an der Heimatfront. Ebenso wenig kann daher von einem für alle deutschen Frauen gleichermaßen geltendem Schicksal im Ersten Weltkrieg gesprochen werden. Noch weniger kann Roger Chickerings Sichtweise auf die Heimatfront zugestimmt werden, die im Kriegsverlauf zu Ort und Metapher einer Erfahrungsgemeinschaft geworden wäre, die die deutschen Frauen als Frauen zusammengeschlossen hätte.[Anm. 125] Auch trotz Kriegsausbruchs und damit einhergehender Einheits- und Solidaritätsbestimmungen gestalteten sich die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der drei hier untersuchten Frauengruppen weiterhin sehr unterschiedlich. Während klassische Arbeiterinnen und Kriegerfrauen unter schwersten Bedingungen arbeiten und leben mussten, hatten die Bäuerinnen auf dem Land zwar keine Ernährungssorgen, dafür aber mit ungewohnten und harten Tätigkeiten und fehlenden Arbeitskräften zu kämpfen. Für die Frauen aus dem gehobenen Bürgertum änderte sich relativ wenig in Bezug auf ihr komfortables Alltagsleben, für sie standen weiterhin nicht der Lohnerwerb, sondern repräsentative und karitative Aufgaben im Mittelpunkt. Diese unterschiedlichen Lebensweisen, entsprungen aus der starren Klassengesellschaft des Kaiserreichs waren es auch, die viele Konflikte beim Aufeinandertreffen der Frauen aus den unterschiedlichen Schichten auslösten. Vor allem Frauen aus dem Proletariat und dem Bürgertum hatten vor Kriegsbeginn kaum Berührungspunkte, sondern lebten nicht nur räumlich in klar abgetrennten Bereichen. Dass insbesondere auf Seiten der bürgerlichen Frauen oftmals das Verständnis für die prekäre Lage der Arbeiter- und Soldatenfrauen fehlte, auch wenn sie ihnen etwa in Form des Nationalen Frauenbundes helfen wollten, ist namentlich im Zuge der Verteilung der Kriegsfürsorge sichtbar geworden. Ein Entgegenkommen war auch zwischen Bauern und Stadtbewohnern nicht zu finden. Besonders die Bäuerinnen beklagten sich über die hamsternden Städter und fühlten sich von ihnen nicht selten bedroht, während ihnen vor allem von Seiten kinderreicher Familien eine berechnende Raffgier vorgeworfen wurde. Die Frauen waren also hauptsächlich Einzelkämpfer und verhielten sich höchstens Frauen aus ihren eigenen Schichten gegenüber solidarisch, was speziell auf die Frauen aus dem Proletariat und die gemeinsamen Hungerkrawalle zutraf. Von einer Art „Schicksalsgemeinschaft“ kann keine Rede sein, dafür waren die Unterschiede zwischen den Lebensbedingen der Frauen auch im Krieg zu groß. Dies lag nicht zuletzt am Unvermögen der deutschen Regierung. Diese hatte zwar erkannt, dass der Krieg ohne die Unterstützung der Heimatfront nicht zu gewinnen war und deswegen einen beträchtlichen Ausbau der sozialen Wohlfahrtsleistungen vorgesehen, konnte aber die in sie gesetzten Erwartungen bei weitem nicht erfüllen.

In der direkt nach Kriegsende prominentesten Erklärung für die deutsche Kriegsniederlage, nämlich dass das Heer – im Felde unbesiegt – quasi durch den Zusammenbruch der Heimatfont „von hinten erdolcht worden sei“, schwang aufgrund der Tatsache, dass die Frauen nach Einberufung fast aller Männer einen Hauptteil der Heimatfront ausmachten, auch immer ein konkreter Vorwurf an die weibliche deutsche Bevölkerung mit. Diese waren in ihrer tradierten Rolle als Zuständige für Heim und Herd gewiss besonders aufgebracht ob der mangelhaften Versorgung mit Lebensmitteln. Dass die reichen Bevölkerungsschichten nicht auf das staatlich kontrollierte Zuteilungs- und Versorgungssystem angewiesen waren, ein laut der Propaganda „gerechtes“ System, welches sich nur nach Alter und Bedürftigkeit der Personen richten sollte, führte den Frauen aus dem Proletariat allerdings immer wieder die zwischen den Gesellschaftsschichten herrschenden Diskrepanzen deutlich vor Augen und sorgte für eine weitere Vertiefung der sozialen Unterschiede und Klassengegensätze während des Krieges. Das Deutsche Reich hatte es daher vielmehr nicht geschafft, die für alle kriegsführenden Nationen immens wichtigen Einigkeit zwischen Volk und Regierung zu erreichen, also Verhältnisse zu schaffen, die die Bevölkerung als gerecht empfand und somit auch deren Bereitschaft aufrechterhielt, die Härten des Krieges zu erdulden und zu ertragen. Der für den Krieg geschlossene Burgfrieden hatte somit keine Chance mehr und bröckelte aufgrund der schlechten Lebensmittelversorgung langsam aber stetig, bis die Heimatfront schlussendlich implodierte.

Verfasserin: Lisa Bindemann

red. Bearb. Katharina Thielen

erstellt am: 11.03.2015

Grundlage des Textes ist eine Hausarbeit an der Universität des Saarlandes im Sommersemester 2014 (Note: 1,0)

Literatur:

  • Bajohr, Stefan: Die Hälfte der Fabrik. Geschichte der Frauenarbeit in Deutschland 1914 bis 1918, Marburg 1979.
  • Buschmann, Nikolaus: Der verschwiegene Krieg: Kommunikation zwischen Front und Heimatfront, in: Hirschfeld, Gerhard; Krumeich, Gerd; Langewiesche, Dieter; Ullmann, Hans-Peter, Essen 1997.
  • Chickering, Roger: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, München 2002.
  • Chickering, Roger: Freiburg im Ersten Weltkrieg. Totaler Krieg und städtischer Alltag 1914-1918, Paderborn 2009.
  • Daniel, Ute: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft: Beruf, Familie und Politik im Ersten Weltkrieg, Göttingen 1989.
  • Daniel, Ute: Der Krieg der Frauen 1914-1918: Zur Innenansicht des Ersten Weltkriegs in Deutschland, in: Hirschfeld, Gerhard (Hrsg.): „Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch…“. Erlebnis und Wirkung des Ersten Weltkriegs, Essen 1993.
  • Davis, Belinda Joy: Heimatfront. Ernährung, Politik und Frauenalltag im Ersten Weltkrieg, in: Hagemann, Karen: Heimat – Front. Militär und Geschlechterverhältnisse im Zeitalter der Weltkriege, Frankfurt/Main u.a. 2002.
  • Fesser, Gerd: Die Kaiserzeit. Deutschland 1871-1918, Erfurt 2000.
  • Flemming, Thomas; Ulrich, Bernd: Heimatfront: Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot – wie die Deutschen den Ersten Weltkrieg erlebten, München 2014.
  • Geary, Dick: Arbeiter, in: Hirschfeld, Gerhard; Krumeich, Gerd; Renz Irina (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn u.a. 2009.
  • Von Gersdorff, Ursula: Frauen im Kriegsdienst 1914-1945, Stuttgart 1969.
  • Hagemann, Karen: Heimat – Front. Militär und Geschlechterverhältnisse im Zeitalter der Weltkriege, Frankfurt/Main u.a. 2002.
  • Hirschfeld, Gerhard; Krumeich, Gerd; Renz Irina (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn u.a. 2009.
  • Hirschfeld, Gerhard (Hrsg.): „Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch…“. Erlebnis und Wirkung des Ersten Weltkriegs, Essen 1993.
  • Hirschfeld, Gerhard; Krumeich, Gerd; Langewiesche, Dieter; Ullmann, Hans – Peter (Hrsg.): Kriegserfahrungen. Studien zur Sozial- und Mentalitätsgeschichte des Ersten Weltkriegs, Essen 1997.
  • Höffler, Felix: Kriegserfahrungen in der Heimat: Kriegsverlauf, Kriegsschuld und Kriegsende in württembergischen Stimmungsbildern des Ersten Weltkriegs, in: Hirschfeld, Gerhard; Krumeich, Gerd; Langewiesche, Dieter; Ullmann, Hans – Peter: Kriegserfahrungen. Studien zur Sozial- und Mentalitätsgeschichte des Ersten Weltkriegs, Essen 1997.
  • Janz, Oliver: 14 - Der große Krieg, Frankfurt/Main 2013.
  • Kellerhoff, Sven-Daniel: Heimatfront: Der Untergang der heilen Welt. Deutschland im Ersten Weltkrieg, Köln 2014.
  • Koch, Elke: „Jeder tut, was er kann fürs Vaterland“: Frauen und Männer an der Heilbronner „Heimatfront“, in: Hirschfeld, Gerhard; Krumeich, Gerd; Langewiesche, Dieter; Ullmann, Hans-Peter: Kriegserfahrungen. Studien zur Sozial- und Mentalitätsgeschichte des Ersten Weltkriegs, Essen 1997.
  • Kocka, Jürgen: Klassengesellschaft im Krieg: Deutsche Sozialgeschichte 1914-1918, Göttingen 1978.
  • Kundrus, Birthe: Kriegerfrauen. Familienpolitik und Geschlechterverhältnisse im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Hamburg 1995.
  • Mommsen, Wolfgang J.: Deutschland, in: Hirschfeld, Gerhard; Krumeich, Gerd; Renz Irina (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn u.a. 2009.
  • Molthagen, Dietmar: Das Ende der Bürgerlichkeit? Liverpooler und Hamburger Bürgerfamilien im Ersten Weltkrieg, Göttingen 2007.
  • Müller, Sven Oliver: Die Nation als Waffe und als Vorstellung. Nationalismus in Deutschland und Großbritannien im Ersten Weltkrieg, Göttingen 2002.
  • Roerkohl, Anne: Hungerblockade und Heimatfront. Die kommunale Lebensmittelversorgung in Westfahlen während des Ersten Weltkrieges, Stuttgart 1991.
  • Ziemann, Benjamin: Front und Heimat. Ländliche Kriegserfahrungen im südlichen Bayern 1914-1923, Essen 1997.

Anmerkungen:

  1. Daniel, Ute: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft: Beruf, Familie und Politik im Ersten Weltkrieg, Göttingen 1989, S. 26. Zurück
  2. Kundrus, Birthe: Kriegerfrauen. Familienpolitik und Geschlechterverhältnisse im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Hamburg 1995, S. 14. Zurück
  3. Chickering, Roger: Freiburg im Ersten Weltkrieg. Totaler Krieg und städtischer Alltag 1914-1918, Paderborn 2009, S. 449. Zurück
  4. Vgl. u.a.: Daniel, Ute: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft: Beruf, Familie und Politik im Ersten Weltkrieg, Göttingen 1989, bzw. Daniel, Ute: Der Krieg der Frauen 1914-1918: Zur Innenansicht des Ersten Weltkriegs in Deutschland, in: Hirschfeld, Gerhard (Hrsg.): „Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch…“. Erlebnis und Wirkung des Ersten Weltkriegs, Essen 1993. Zurück
  5. Bajohr, Stefan: Die Hälfte der Fabrik. Geschichte der Frauenarbeit in Deutschland 1914-1918, Marburg 1979. Zurück
  6. Ziemann, Benjamin: Front und Heimat. Ländliche Kriegserfahrungen im südlichen Bayern 1914-1923, Essen 1997. Zurück
  7. Molthagen, Dietmar: Das Ende der Bürgerlichkeit? Liverpooler und Hamburger Bürgerfamilien im Ersten Weltkrieg, Göttingen 2007. Zurück
  8. Flemming, Thomas; Ulrich, Bernd: Heimatfront: Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot – wie die Deutschen den Ersten Weltkrieg erlebten, München 2014. Zurück
  9. Kellerhoff, Sven Daniel: Heimatfront: Der Untergang der heilen Welt. Deutschland im Ersten Weltkrieg, Köln 2014. Zurück
  10. Chickering, Roger: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, München 2002. Zurück
  11. Ein geläufiger Begriff bezogen auf die deutsche Reichsgründung 1870/71. Vgl.: Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 12. Zurück
  12. Streng genommen existierte keine „gesamtdeutsche“ Armee. Die preußische Armee bildete die Basis, in der die Streitkräfte der kleineren deutschen Staaten nach der Reichsgründung 1871 aufgegangen waren. Große Teilstaaten wie Bayern, Württemberg und Sachsen behielten jedoch ein gewisses Maß an administrativer Kontrolle über ihre Einheiten. Vgl.: Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 31. Zurück
  13. Ebd., S. 14-15. Zurück
  14. Bevölkerungszahl, Stand 1914. Vgl.: Fesser, Gerd: Die Kaiserzeit. Deutschland 1871-1914, Erfurt 2000, S. 18. Zurück
  15. Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 14-15. Zurück
  16. Fesser: Die Kaiserzeit, S 15-17. Zurück
  17. Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 11. Zurück
  18. Kundrus, Birthe: Kriegerfrauen, S. 43. Zurück
  19. Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 11. Zurück
  20. Fesser: Die Kaiserzeit, S. 18. Zurück
  21. Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 133. Zurück
  22. Mommsen, Wolfgang J.: Deutschland, in: Hirschfeld, Gerhard; Krumeich, Gerd; Renz, Irina (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn u.a. 2009, S. 17. Zurück
  23. Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 28. Zurück
  24. Mommsen: Deutschland, S. 17. Zurück
  25. Ebd., S. 16. Zurück
  26. Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 25. Zurück
  27. Ein Umstand, der den allumfassenden "Mythos vom Augusterlebnis“ so lange bestehen ließ, ist unter anderem einer jahrzehntelangen Konzentration der Forschung auf die die Öffentlichkeit dominierenden Stimmen – Wissenschaftler, Pfarrer, Journalisten – aus den bildungsbürgerlichen Schichten zu schulden. Vgl. dazu u.a. Müller, Sven Oliver: Die Nation als Waffe und als Vorstellung. Nationalismus in Deutschland und Großbritannien im Ersten Weltkrieg, Göttingen 2002, S. 59. Zurück
  28. Kundrus: Kriegerfrauen, S. 45. Zurück
  29. Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 27-28. Zurück
  30. Vgl. u.a.: Janz, Oliver: 14. Der große Krieg, Frankfurt/Main 2013, S. 184. Zurück
  31. Müller: Die Nation als Waffe und als Vorstellung, S. 61-62. Zurück
  32. Ziemann: Front und Heimat. Ländliche Kriegserfahrungen, S. 39. Zurück
  33. Daniel: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft, S. 24. Zurück
  34. Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 27. Zurück
  35. Mommsen: Deutschland, S. 16. Zurück
  36. Buschmann, Nikolaus: Der verschwiegene Krieg: Kommunikation zwischen Front und Heimatfront, in: Hirschfeld, Gerhard; Krumeich, Gerd; Langewiesche, Dieter; Ullmann, Hans-Peter, Essen 1997, S. 212. Zurück
  37. Flemming, Ulrich: Heimatfront: Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot, S. 219. Zurück
  38. Daniel: Der Krieg der Frauen, S. 131. Zurück
  39. Daniel: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft, S. 28. Zurück
  40. Bajohr: Die Hälfte der Fabrik, S. 102. Zurück
  41. Janz: 14, S. 189. Zurück
  42. Kundrus: Kriegerfrauen, S. 46. Zurück
  43. Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 141. Zurück
  44. Bajohr: Die Hälfte der Fabrik, S. 103. Zurück
  45. Daniel: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft, S. 65. Zurück
  46. Kellerhoff: Heimatfront: Der Untergang der heilen Welt, S. 122. Zurück
  47. Bajohr: Die Hälfte der Fabrik, S. 106. Zurück
  48. Kellerhoff: Heimatfront: Der Untergang der heilen Welt, S. 147. Zurück
  49. Daniel: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft, S. 63. Zurück
  50. Ebd, S. 30. Zurück
  51. Kellerhoff: Heimatfront: Der Untergang der heilen Welt, S. 124. Anmerkung: vor allem zu Kriegsbeginn verloren Zehntausende Dienstmädchen, Zugehfrauen, Köchinnen und Wäscherinnen, die in bürgerlichen oder kleinbürgerlichen Haushalten angestellt waren, ihre Arbeit. Zurück
  52. Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 140. Zurück
  53. Daniel: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft, S. 51. Zurück
  54. Daniel: Der Krieg der Frauen, S. 134. Zurück
  55. Bajohr: Die Hälfte der Fabrik, S. 156. Zurück
  56. Kellerhoff: Heimatfront: Der Untergang der heilen Welt, S. 130. Zurück
  57. Daniel: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft, S. 72. Zurück
  58. Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 143. Zurück
  59. Flemming, Ulrich: Heimatfront: Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot, S. 152. Zurück
  60. Daniel: Der Krieg der Frauen, S. 137. Zurück
  61. Daniel: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft, S. 62. Zurück
  62. Daniel: Der Krieg der Frauen, S. 142. Zurück
  63. Ziemann: Front und Heimat. Ländliche Kriegserfahrungen, S. 33. Zurück
  64. Janz: 14, S. 47. Zurück
  65. Ziemann: Front und Heimatfront: Ländliche Kriegserfahrungen, S. 44. Zurück
  66. Daniel: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft, S. 98. Zurück
  67. Flemming, Ulrich: Heimatfront: Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot, S. 141. Zurück
  68. Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 55. Zurück
  69. Daniel: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft, S. 50. Zurück
  70. Ziemann: Front und Heimatfront. Ländliche Kriegserfahrungen, S. 292. Zurück
  71. Daniel: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft, S. 98. Zurück
  72. Flemming, Ulrich: Heimatfront: Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot, S. 141. Zurück
  73. Ziemann: Front und Heimatfront. Ländliche Kriegserfahrungen, S. 294. Zurück
  74. Flemming, Ulrich: Heimatfront: Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot, S. 142. Zurück
  75. Daniel: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft, S. 99-100. Zurück
  76. Ziemann: Front und Heimatfront. Ländliche Kriegserfahrungen, S. 295. Zurück
  77. Kocka, Jürgen: Klassengesellschaft im Krieg: Deutsche Sozialgeschichte 1914-1918, Göttingen 1978, S. 102. Zurück
  78. Ebd., S. 99-101. Zurück
  79. Besonders in kleinen und mittelgroßen Betrieben kam außerdem oftmals der Verdacht auf, dass staatliche Kontrollen, Bestandsaufnahmen und Beschlagnahmungen gegen einflussreiche Großgrundbesitzer, wie es sie vor allem in den Ostelbischen Gebieten gab, weitaus weniger häufiger und drastischer ausfielen, als dies auf ihren Höfen der Fall war. Kocka: Klassengesellschaft im Krieg, S. 99. Zurück
  80. Ziemann: Front und Heimatfront. Ländliche Kriegserfahrungen, S. 299. Zurück
  81. Höffler, Felix: Kriegserfahrungen in der Heimat: Kriegsverlauf, Kriegsschuld und Kriegsende in württembergischen Stimmungsbildern des Ersten Weltkriegs, in: Hirschfeld, Gerhard; Krumeich, Gerd; Langewiesche, Dieter; Ullmann, Hans-Peter (Hrsg.): Kriegserfahrungen. Studien zur Sozial- und Mentalitätsgeschichte des Ersten Weltkriegs, Essen 1997, S. 75. Zurück
  82. Ziemann: Front und Heimatfront. Ländliche Kriegserfahrungen, S. 299-300. Zurück
  83. Ebd., S. 54. Zurück
  84. Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg S. 144. Zurück
  85. Molthagen, Dietmar: Das Ende der Bürgerlichkeit?, S. 120. Zurück
  86. Flemming, Ulrich: Heimatfront: Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot, S. 220. Zurück
  87. Ebd., S. 223. Zurück
  88. Ebd., S. 225. Zurück
  89. Koch, Elke: „Jeder tut, was er kann fürs Vaterland“: Frauen und Männer an der Heilbronner „Heimatfront“, in: Hirschfeld, Gerhard; Krumeich, Gerd; Langewiesche, Dieter; Ullmann, Hans-Peter (Hrsg.): Kriegserfahrungen. Studien zur Sozial- und Mentalitätsgeschichte des Ersten Weltkriegs, Essen 1997, S. 41. Zurück
  90. Kellerhoff: Heimatfront: Der Untergang der heilen Welt, S. 95. Zurück
  91. Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 144. Zurück
  92. Daniel: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft, S. 81. Zurück
  93. Die Beweggründe der verschiedenen Frauenvereine, sich in der Kriegswohlfahrt zu engagieren, etwa die Anerkennung der Frauen als den Männern gleichwertige Staatsbürgerinnen und eine damit einhergehende Legitimation politischer Rechte für Frauen, sollen an dieser Stelle nicht behandelt werden. Vgl. dazu u.a. Von Gersdorf, Ursula: Frauen im Kriegsdienst 1914-1945, Stuttgart 1969. Zurück
  94. Kellerhoff: Heimatfront: Der Untergang der heilen Welt, S. 142. Zurück
  95. Flemming, Ulrich: Heimatfront: Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot S. 169-170. Zurück
  96. Roerkohl, Anne: Hungerblockade und Heimatfront. Die kommunale Lebensmittelversorgung in Westfahlen während des Ersten Weltkrieges, Stuttgart 1991, S. 232-233. Zurück
  97. Kellerhoff: Heimatfront: Der Untergang der heilen Welt, S. 143. Zurück
  98. Kundrus: Kriegerfrauen, S. 104-105. Zurück
  99. Ebd., S. 106. Zurück
  100. Flemming, Ulrich: Heimatfront: Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot, S. 142. Zurück
  101. Ebd., S. 141. Zurück
  102. Bis November 1917 hatten sich von den 5000 Studentinnen an deutschen Universitäten lediglich 300 zur Arbeit in den Fabriken gemeldet. Tatsächlich wurden 250 von ihnen eingestellt, auch und obwohl zu diesem Zeitpunkt kaum noch Interesse an ungelernten Arbeiterinnen bestand. Vgl.: Daniel: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft, S. 97-98. Zurück
  103. Flemming, Ulrich: Heimatfront: Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot S. 160. Zurück
  104. Ebd., S. 140. Zurück
  105. Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 55. Zurück
  106. Kundrus: Kriegerfrauen, S.124-125. Zurück
  107. Flemming, Ulrich: Heimatfront: Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot, S. 160. Zurück
  108. Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, S. 56. Zurück
  109. Flemming, Ulrich: Heimatfront: Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot, S. 164. Zurück
  110. Mommsen: Deutschland, S. 24. Zurück
  111. Ziemann: Front und Heimat. Ländliche Kriegserfahrungen, S. 341-342. Zurück
  112. Flemming, Ulrich: Heimatfront: Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot, S. 179. Zurück
  113. Molthagen: Das Ende der Bürgerlichkeit?, S. 132. Zurück
  114. Ebd., S. 123. Zurück
  115. Kundrus: Kriegerfrauen, S. 126-127. Zurück
  116. Kellerhoff: Heimatfront: Der Untergang der heilen Welt, S. 160-161. Zurück
  117. Geary, Dick: Arbeiter, in: Hirschfeld, Gerhard; Krumeich, Gerd; Renz, Irina (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, S. 149. Zurück
  118. Kellerhoff: Heimatfront: Der Untergang der heilen Welt, S. 187. Zurück
  119. Davis, Belinda Joy: Heimatfront. Ernährung, Politik und Frauenalltag im Ersten Weltkrieg, in: Hagemann, Karen: Heimat – Front. Militär- und Geschlechterverhältnisse im Zeitalter der Weltkriege, Frankfurt/Main u.a., S. 133. Zurück
  120. Der Winter 1916/1917 bekam von der deutschen Bevölkerung den Namen „Steckrübenwinter“ erteilt, da spätestens ab Januar 1917 die Lebensmittelversorgung nahezu zusammengebrochen war. Zu Organisationsmängeln und Transportproblemen kam eine unterdurchschnittliche Kartoffelernte, so dass eines der Hauptnahrungsmittel der Deutschen zur Mangelware wurde. Da auch andere Grundnahrungsmittel nicht mehr ausreichend zur Verfügung standen, sich die Steckrübe aber als sehr robust herausstellte, kam dieses nährstoffarme Gemüse zwar im ganzen Deutschen Reich, allerdings vermehrt in den Arbeiterhaushalten, so gut wie täglich in verschiedenen Variationen auf den Tisch. Vgl.: Flemming, Ulrich: Heimatfront: Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot, S. 159. Zurück
  121. Kundrus: Kriegerfrauen, S. 127. Zurück
  122. Geary: Arbeiter, S. 146. Zurück
  123. Im Monatsbericht des Stellvertretenden Generalkommandos Freiburg aus dem April 1917 wird diesbezüglich notiert: „Auf dem Gebiet der Ernährung ist es so weit gekommen, daß auch sonst durchaus zuverlässige Kreise der Bevölkerung, die sich lange bemüht haben, den unübersehbaren Rationierungsvorschriften sich zu fugen, sich jetzt ohne Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen bedenkenlos versorgen, so wie sie können. Sie nennen es Selbsthilfe, die sie sogar für rechtlich zulässig halten, weil die Behörden ihrer Verpflichtung zur gleichmäßigen gehörigen Versorgung der Bevölkerung nicht mehr nachkämen.“Vgl.: Daniel: Der Krieg der Frauen, S. 143. Zurück
  124. Daniel: Der Krieg der Frauen, S. 144. Zurück
  125. Vgl.: Einleitung, S. 3. Zurück